Kurzzeitpflege – stationäre Rundumversorgung

KurzzeitpflegeFür pflegebedürftige Personen, welche für einen gewissen Zeitraum besonderer Pflege bedürfen und die häusliche Pflege vorübergehend nicht ausreicht z.B. nach einem Krankenhausaufenthalt, besteht mit der Kurzzeitpflege die Möglichkeit auf vollstationäre Versorgung in einer Pflegeeinrichtung.
Dieses Angebot der Pflegekassen wird häufig in Anspruch genommen, wenn es nach einem Krankenhausaufenthalt einer intensiveren Betreuung bedarf. Weitere Gründe für die Wahrnehmung einer stationären Kurzzeitpflege können auch ein Urlaub oder eine Erkrankung der pflegenden Person sowie auch ein Wohnungsumbau sein – sprich jegliche Situationen, in denen der Pflegebedürftige vorübergehend nicht zu Hause versorgt werden kann.

Gründe für Kurzzeitpflege:

  • Nach einem Krankenhausaufenthalt
  • Verschlimmerung einer Erkrankung
  • Nach einem Unfall
  • Als Überbrückungsmöglichkeit
  • Plötzlicher Eintritt der Pflegebedürftigkeit
  • Der pflegende Angehörige ist auf eine Auszeit angewiesen – siehe hier auf das Konzept der Verhinderungspflege

Die Versorgungslücke, dass nur Personen mit Pflegegrad Kurzzeitpflege erhalten, wurde zum 1. Januar 2016 geschlossen. Wenn durch einen Unfall oder eine plötzliche Krankheit die Pflegebedürftigkeit eintritt, können auch Personen ohne Pflegegrad Kurzzeitpflege beanspruchen.

Welche Leistungen bietet die Kurzzeitpflege und welche Kosten werden übernommen?

Kurzzeitpflege findet, wie bereits erwähnt, in einer vollstationären Einrichtung statt -beispielsweise einem Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung. Diese Einrichtungen bieten innerhalb der Kurzzeitpflege unter anderem die aufgelisteten Leistungen an:

Leistungen und Kostenübernahme während der Kurzzeitpflege:

  • Unterkunft und Verpflegung
  • Grund- sowie Behandlungspflege
    (beispielsweise Waschen, Duschen, Baden; Hilfe beim An- und Auskleiden; den fachgerechten Wechsel von Verbänden, sowie Wundversorgung; Mobilisierung durch Gehübungen, Sprachübungen usw.)
  • Teilnahme an hauseigenen Veranstaltungen und angebotenen Tätigkeiten (z.B. Gymnastik, Spaziergänge, Brettspiele, etc.)
  • Konsultation von Mitarbeitern des Sozialdienstes
  • Inanspruchnahme anderer Angebote, die von Pflegeeinrichtung zu Pflegeeinrichtung variieren können

Es ist zu empfehlen vor Antritt der Kurzzeitpflege die ausgewählte Einrichtung hingehend der Zulassung für die gewünschten Leistungen zu prüfen, da ansonsten die Pflegekasse die Kosten für die zeitweise Betreuung nicht übernimmt.
Die jeweiligen Pflegekassen finanzieren eine Kurzzeitpflege für eine Dauer von bis zu 28 Tagen und bezuschussen dies mit einer Summe von bis zu 1.612 Euro. Die Höhe der gewährleisteten finanziellen Mittel ist für den Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5 gleich.
Alles was den Pauschalbetrag übersteigt muss von der pflegebedürftigen Person selbst bezahlt werden. Hat sie selbst nicht die finanziellen Mittel für diese Zusatzkosten, so übernimmt entweder das Sozialamt die Bezahlung oder es entstehen aus der Kurzzeitpflege Kosten für Angehörige.
Wurde einer Personen der Pflegegrad 1 zugeordnet, können diese die Kosten zur Kurzzeitpflege aus der Pflegeversicherung lediglich über den Anspruch auf Entlastungsleistungen (§ 45b SGB XI) erstatten lassen. Das Budget von 125 Euro reicht allerdings für eine stationäre Kurzzeitpflege nur etwas mehr als 1 Tag monatlich, kostet doch ein durchschnittlicher Kurzzeitpflegetag derzeit zwischen 80 bis 120 Euro.
Auch die pflegebedürftigen Personen mit den Pflegegraden 2 bis 5 können eine zusätzliche Bezuschussung aus der Betreuungsleistung erhalten. Für zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen erhält man auch hier einen monatlichen Betrag in Höhe von 125 Euro. Diese Beträge können im Rahmen einer Kurzzeitpflege für die Unterbringungskosten verwendet werden.

Diese unter § 45b SGB XI festgelegte Hilfe dient dazu, konkrete Aufwendungen, die Pflegebedürftigen bzw. Angehörigen im Zusammenhang mit gewissen Aktivitäten bzw. Leistungen entstehen, zu decken.

Hinweis zur Kombination aus Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege

Die Kurzzeitpflege kann im Gegensatz zur Verhinderungspflege auch ohne eine Vorauspflege, das heißt ohne vorherige, mindestens sechsmonatige häusliche Versorgung der pflegebedürftigen Person, in Anspruch genommen werden. Diese erfolgt dann meist vollstationär in einem Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung.
Für die Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege gilt jeweils die gleiche Höhe der maximalen Kostenübernahme von einem Pauschalbetrag von 1612 Euro – dieser wird unabhängig vom Pflegegrad bezahlt, jedoch erst ab Pflegegrad 2.
Wenn nun die Leistungen aus der Verhinderungspflege nicht in Anspruch genommen wurden und die Kurzzeitpflege nicht ausreicht, kann die betroffene Person eine Verlängerung im Rahmen der noch nicht beanspruchten Leistungen aus der Verhinderungspflege wahrnehmen. Der Zeitraum der Kurzzeitpflege verlängert sich in diesem Fall ebenfalls auf bis zu 8 Wochen im Kalenderjahr.

Das wichtigste zur Kurzzeitpflege im Überblick:

    • Bei einer Kurzzeitpflege ab Pflegegrad 2 gewähren die Pflegekassen eine pauschale Zuzahlung von 1.612 Euro pro Jahr – die Pflegekassen subventionieren nur den Pflegeanteil. Die restlichen Kosten müssen Pflegebedürftige selbst bezahlen.
    • Das Pflegegeld bei Kurzzeitpflege wird den Pflegebedürftigen bis zu vier Wochen lang in halber Höhe weiter ausgezahlt. Für den ersten und letzten Tag der Kurzzeitpflege wird das volle Pflegegeld gezahlt.
    • Kombination aus Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege → Menschen ab Pflegegrad 2 haben Anspruch auf Kurzzeitpflege in Höhe von 1.612 Euro pro Jahr plus 100 Prozent des nicht genutzten Budgets der Verhinderungspflege, d. h. insgesamt bis zu 3.224 Euro pro Jahr.

Wichtig: Verhinderungspflege besteht erst dann, wenn Sie seit mindestens sechs Monaten in häuslicher Umgebung gepflegt werden – es muss eine Vorauspflege bestehen.

Muss ich einen Antrag auf Kurzzeitpflege stellen?

Um einen Anspruch auf vollstationäre Kurzzeitpflege geltend zu machen, muss ein Antrag gestellt werden. Zu beachten gilt, dass der Pflegebedürftige selbst oder dessen Vertretungsberechtigter den Antrag unterschreibt. Im Idealfall wird der Antrag vor Beginn der Kurzzeitpflege gestellt. Sollte die Kurzzeitpflege aus einer Krisensituation heraus notwendig werden, reicht die Aussage der Pflegeperson oder des Pflegedienstes aus, die auf die Dringlichkeit hinweist.
Anträge und Abrechnungsformulare werden von der zuständigen Pflegeversicherung zur Verfügung gestellt.

Nach der Kurzzeitpflege

Wer nach einem Aufenthalt in einer vollstationären Pflegeeinrichtung in die häusliche Pflege zurückkehrt bzw. die häusliche Pflege aufnimmt, sollte folgende Dinge beachten:

  • Für den Fall, dass sich der Grad der Pflegebedürftigkeit geändert hat oder erst festgestellt worden ist, muss die Wohnung dementsprechend angepasst und der (weitere) Pflegeverlauf mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.
  • Verwenden Sie Pflegehilfsmittel zum Verbrauch? Wenn ja, prüfen Sie, ob die monatlich genutzten Pflegehilfsmittel noch der gegenwärtigen Pflegesituation entsprechen.
    Sollten Sie keine Pflegehilfsmittel für die Pflege zu Hause verwenden, hier ein kleiner Tipp für Sie: Pflegebedürftige Personen mit Pflegestufe, die privat von Angehörigen gepflegt werden, haben gemäß SGB XI einen monatlichen Anspruch auf Pflegehilfsmittel zum Verbrauch in Höhe von bis zu 40 Euro. Zu den zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmitteln zählen Bettschutzeinlagen, Einmalhandschuhe, Fingerlinge, Schutzschürzen, Desinfektionsmittel und Mundschutze. Pflegehilfsmittel können Sie ganz einfach über Sanubi beziehen. Sie stellen sich einfach Ihre individuelle Pflegebox zusammen, hinterlegen Ihre Adressdaten und bekommen die Pflegehilfsmittel direkt nach Hause geliefert. Dieser Service ist für Sie komplett kostenfrei. Jetzt Pflegebox kostenlos bestellen.
  • Ist die pflegende Person mit der weiteren Pflege überlastet oder eine Versorgung auf Grund persönlicher Umstände nicht mehr möglich, sollte bis zum Ende der Kurzzeitpflege geklärt werden, wer die Pflege in Zukunft übernimmt.
    Eine verwandte oder nahestehende Person oder auch ein ambulanter Pflegedienst (ambulante Pflege) kann mit der Pflege beauftragt werden. Auch die Anstellung einer Pflegekraft, die auf individuelle Bedürfnisse eingeht, sollte man in Betracht ziehen.