Patientenverfügung: Alles Wichtige auf einen Blick

Themen wie Krankheit, Leid und Tod werden ungern angesprochen. Im Rahmen einer Patientenverfügung müssen wir uns ihnen trotzdem stellen. Denn im Falle eines Unglücks, das leider jeden ereilen kann, sollten wir vorbereitet sein. Allein schon unseren Angehörigen zuliebe müssen wir uns mit dem Themenkomplex Patientenverfügung auseinandersetzen. Nicht nur zu unserem eigenen Wohl ist es notwendig das festzulegen, was mit unserem Körper geschehen darf und was unterlassen werden soll. Klarheit hilft auch Freunden und Familie, da sie sich nicht mit dem Pein der Ungewissheit quälen müssen und gleichzeitig unseren letzten Wünschen nachkommen können. Sanubi hat im folgenden Artikel alles Wichtige zum Thema Patientenverfügung für Sie zusammengefasst.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist eine Patientenverfügung?
  2. Der Aufbau einer Patientenverfügung
  3. Schritt für Schritt zur Patientenverfügung
  4.  Patientenverfügung: Eine wichtige Vorsorgemaßnahme

Was ist eine Patientenverfügung?

Definition

Um was es sich genau handeln muss, wenn wir von einer Patientenverfügung sprechen, ist vom Gesetzgeber, im Rahmen des Betreuungsrechts, genau geregelt worden:

Hat ein einwilligungsfähiger Volljähriger für den Fall seiner Einwilligungsunfähigkeit schriftlich festgelegt, ob er in bestimmte, zum Zeitpunkt der Festlegung noch nicht unmittelbar bevorstehende Untersuchungen seines Gesundheitszustands, Heilbehandlungen oder ärztliche Eingriffe einwilligt oder sie untersagt.”¹

Mit obigem Zitat beschreibt das bürgerliche Gesetzbuch den Umstand, wenn von einer Patientenverfügung gesprochen werden kann.

Erklärung

Sinngemäß bezeichnet eine Patientenverfügung also eine Willenserklärung für den Fall, dass Sie Ihren Willen nicht mehr äußern können und beugt somit dem Umstand vor, dass Sie im Unglücksfall nicht so behandelt werden, wie Sie es möchten oder wie es Ihren Wertvorstellungen entspricht. Hierbei kann gewollte oder ungewollte Pflege ebenfalls zum Thema gemacht werden. Zusätzlich sollten Sie im Rahmen der Patientenverfügung auch darüber nachdenken, wer im Falle des Falles dafür sorgt, dass ihre Wünsche umgesetzt werden. Diese Bestimmung eines Betreuers kann ebenfalls im Rahmen der Patientenverfügung geschehen.

Patientenverfügung: Der Aufbau

Im folgenden Abschnitt erklärt Ihnen Sanubi ganz genau wie sie eine Patientenverfügung verfassen und was es dabei alles zu beachten gibt.
Patientenverfügung verfassen

Struktur

Eine umfassende Patientenverfügung sollte mindestens folgende Informationen beinhalten:

  • Vollständiger Name, Anschrift, Geburtsdatum
  • Präzise Beschreibung der Situation für die die Patientenverfügung gelten soll
  • Präzise Beschreibung der medizinischen Maßnahmen, die erwünscht bzw. unerwünscht sind.
  • Datum, Unterschrift

Darüber hinaus kann sie folgende Zusätze enthalten:

  • Behandlungsort, Beistand
  • Erklärungen zur ärztlichen Schweigepflicht
  • Hinweise auf Vorsorgeverfügungen und weitere Erläuterungen zur Patientenverfügung
  • Klarstellungen zur Organspende
  • Hinweise zu Beratung, Aktualisierungszeiträumen und ärztlicher Aufklärung

Patientenverfügung: Schritt für Schritt

Meist hilft eine Checkliste nicht um alle Fragen bei der Erstellung der Patientenverfügung zu beantworten. Sanubi geht im folgenden Abschnitt weiter ins Detail und hilft Ihnen bei allen Zwischenschritten zu einer optimalen Patientenverfügung.

1. Grundlegendes

  • Eingangsformel:
    Beginnen sollten Sie Ihre Patientenverfügung mit einer passenden Eingangsformel, in der Sie kurz alle relevanten Personendaten angeben und gleichzeitig erklären um was es in Ihrem Schriftstück gehen soll.
  • Geltungsbereich:
    Als nächstes sollten Sie den Geltungsbereich Ihrer Patientenverfügung eingrenzen. In welchen Situationen soll sie zum tragen kommen, welche Kriterien müssen dabei erfüllt sein. Wichtig ist hierbei jedoch, dass Sie nur Umstände beschreiben, in denen Ihre Entscheidungsfähigkeit beeinträchtigt ist oder beeinträchtigt wird.

2. Medizinische Maßnahmen

Im nächsten Teil der Patientenverfügung sollten Sie zum Wesentlichen kommen. Beschreiben Sie ausführlich welche und in welchem Umfang ärztliche Behandlungen eingeleitet oder beendet werden sollen. Selbstverständlich können Sie Bedingungen ebenso anführen, wie Ausnahmen. Essentiell ist nur, dass Sie sich klar ausdrücken, um Zweifel zu vermeiden.

Folgende Behandlungen können in der Patientenverfügung angeführt werden:

  • Lebenserhaltende Maßnahmen
  • Schmerz- und Symptombehandlung
  • Künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr
  • Wiederbelebung
  • Künstliche Beatmung
  • Dialyse
  • Antibiotika
  • Blut und Blutbestandteile
Patientenverfügung, ärztliche Maßnahmen
Jetzt kostenlos Pflegehilfsmittel erhalten

3. Weitere Details

Behandlungsort und Beistand

In dieser Rubrik können Sie festlegen wo, zum Beispiel im Krankenhaus, zu Hause oder im Hospiz, sie bevorzugt gepflegt oder sterben würden. Außerdem können Sie in dieser Sektion diejenigen Personen, Vereine oder Organisationen benennen, die Ihnen in Ihren letzten Stunden Beistand leisten sollen.

Ärztliche Schweigepflicht

Auch die ärztliche Schweigepflicht kann hier zum Thema gemacht werden, und zwar in den Fällen in denen Sie Ihre behandelnden Ärzte davon befreien wollen.

Verbindlichkeit, Auslegung, Durchsetzung und Widerruf

Im nächsten Teilbereich geht es darum noch einmal klarzustellen, dass die Patientenverfügung nicht nur verbindlich ist, sondern bei Bedarf auch beispielsweise von Ihrem Bevollmächtigten oder Betreuer durchgesetzt wird. Darüber hinaus klären Sie an dieser Stelle was passiert wenn sich Ärzte weigern die, von Ihnen gewünschten, Maßnahmen durchzusetzen und wie in Situationen verfahren werden soll, in denen Ihr Wunsch aus Ihrer Patientenverfügung nicht klar hervorgeht. Zusätzlich besteht auch die Möglichkeit einen eventuellen Widerruf der Patientenverfügung im Ernstfall, von Ihrer Seite aus zu definieren.

Vorsorgeverfügungen und beigefügte Erläuterungen

Des Weiteren besteht die Möglichkeit auf eine zusätzlich zu Ihrer Patientenverfügung erteilte Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung hinzuweisen. Außerdem können Sie hier einen Hinweis über beigelegte Interpretationshilfen wie eine Darstellung Ihrer allgemeinen Wertvorstellungen oder sonstiger, von Ihnen als wichtig erachteter, Unterlagen anfügen.

Organspende

Ihre Patientenverfügung bietet Ihnen ebenfalls die Option das Thema Organspende abzuklären, was Sie am besten an dieser Stelle tun sollten.

4. Schluss

Am Ende Ihrer Patientenverfügung sollten Sie noch eine passende Schlussformel verwenden, in der Sie Umstände ansprechen, in denen Sie keine weitere ärztliche Aufklärung wünschen. Darüber hinaus können Sie weitere Situationen anführen, worüber Sie sich informiert haben oder in Kenntnis gesetzt worden sind. Hierbei geht es dann vor allem darum allerletzte Missverständnisse zu vermeiden und ein für allemal klarzustellen, dass Sie sich sicher sind. Zusätzlich können Sie dann ganz zum Schluss noch Beratungsstellen, die Ihnen hilfreich waren oder ärztliche Aufklärung, die Sie in Anspruch genommen haben, anführen und klarstellen inwiefern eine Aktualisierung der Patientenverfügung von Ihrer Seite aus in Aussicht gestellt oder verneint wird.

INFO: Sie wissen nicht so die am besten nachsehen sollen? Versuchen sie es mit der offiziellen Broschüre des Bundesministeriums der Justiz und Verbraucherschutz.²

5. Textbausteine

Eine optimale Patientenverfügung hängt stark von der richtigen Formulierung ab. Oft fallen einem in einer solchen Situation, gerade wenn es um so ein heikles Thema geht, nicht die richtigen Worte ein. Gerade aus diesem Grund gibt es viele Formulare und Hilfestellungen, sei es im Internet, beim Anwalt, Notar oder in der Pflegedienststelle. Scheuen sie nicht davor zurück, die für Sie passende Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Unterschied zur Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung

Nicht zu verwechseln mit der Patientenverfügung ist die Vorsorgevollmacht und die Betreuungsverfügung, welche beide einen anderen Bereich abdecken.

Vorsorgevollmacht

Bei der Vorsorgevollmacht handelt es sich um ein Schriftstück für den Fall, dass eine Person eine andere Person dazu bevollmächtigt, im Falle einer Notsituation bestimmte Aufgaben oder sonstige Tätigkeiten für sie zu übernehmen. Diese können sehr unterschiedlich ausfallen und unterliegen in der Regel gewissen gesetzlichen Bedingungen. Deshalb sollte eine Vorsorgevollmacht nicht nur gut überlegt sein, sondern auch erst nach entsprechender Recherche oder Beratung durch eine Fachperson erfolgen. Besonders zu beachten ist an dieser Stelle, dass bei der Vorsorgevollmacht nicht klar geregelt ist, ab wann diese in Kraft tritt und somit sehr viel Vertrauen zum Bevollmächtigten erforderlich ist.

Betreuungsverfügung

Eine Betreuungsverfügung ist einer Vorsorgevollmacht in der Hinsicht ähnlich, als dass auch sie die Möglichkeit bietet für den Fall vorzusorgen, in dem man selbst nicht mehr dazu in der Lage ist Entscheidungen zu treffen. Die Betreuungsverfügung bestimmt ebenfalls eine Person als Betreuer, der in einem solchen Fall notwendige Entscheidungen trifft. Der gravierende Unterschied der Betreuungsvollmacht im Vergleich zur Vorsorgevollmacht ist hier, dass die Betreuungsvollmacht nur dann in Kraft tritt wenn gewisse, zuvor bestimmte, gesundheitliche Anforderungen erfüllt sind.

Patientenverfügung: Eine wichtige Vorsorgemaßnahme

Eine Patientenverfügung ist aus vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. Zum einen handelt es sich dabei um ein heikles Thema, das wir vielleicht am liebsten vermeiden würden, schließlich behandelt die Patientenverfügung einen schlimmen Unglücksfall. Auf der anderen Seite erfordert sie ein großes Maß an Recherche zum Thema der Patientenverfügung. Hinzu kommen die notwendigen Gedanken, die man sich darüber machen muss, was man in einem solchen Fall an medizinischen Maßnahmen zulassen möchte und was nicht. Zu guter Letzt ist das alles auch noch zu Papier zu bringen. Insgesamt ist es also mehr als verständlich, wenn man zunächst vor einer Patientenverfügung zurückschreckt und das Thema auf unbestimmte Zeit beiseitelegt. Trotz alledem ist eine Patientenverfügung eine essentielle Vorsorgemaßnahme, die man unbedingt hinterlegen sollte. Dabei spielen Alter und Lebensumstände eigentlich keine Rolle. Auch geht es nicht nur darum, was man sich für sich selbst im Ausnahmefall wünscht, sondern auch um Verwandte und Freunde, die es zu schützen gilt. Schließlich will man seine Liebsten ja nur ungern mit den notwendigen Entscheidungen im schlimmsten aller Fälle belasten. Wenn die Trauer ohnehin schon groß ist, sollte keine Unklarheit darüber bestehen, was getan werden soll. In diesem Sinne, erstellen Sie eine Patientenverfügung, am besten noch heute und wenn Sie schon dabei sind, denken Sie vielleicht auch noch über eine Betreuungsverfügung bzw. eine Vorsorgevollmacht nach.

Sichern Sie sich Pflegehilfsmittel im Wert von 40€, bezahlt von der Krankenkasse, schnell und einfach geliefert von Sanubi.

Jetzt kostenlos Pflegehilfsmittel erhalten

Quellenverzeichnis

1. BGB, §1901a, Absatz 1, Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz
2. Patientenverfügung, Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz