Pflege zu hause – was bedeutet das ?!

pflege zu HauseEin Pflegefall kann ganz plötzlich eintreten nach einem schweren Unfall, einer schweren Erkrankung oder aufgrund von altersbedingten Einschränkungen, welche die Bewältigung des Alltags oder sogar die selbstständige Versorgung, erschweren.
In solchen Fällen ist man auf die Versorgung durch andere Personen angewiesen. Findet die Pflege zu Hause statt, wird diese oftmals – soweit es möglich ist – von den eigenen Angehörigen oder aber auch nahestehenden Bekannten durchgeführt. Auch professionelle, ambulante Pflegedienste, welche bei Bedarf mehrmals in der Woche kommen, oder die Form der 24h Pflege ermöglicht eine Pflege zu hause und entlasten den Betroffenen sowie seine Angehörigen gleichermaßen.

Mögliche Formen für eine “Pflege zu Hause”

Die Pflege zu Hause kann in unterschiedlichen Formen erfolgen. Hierzu zählen die klassiche Pflege zu Hause, die ambulante Pflege, die 24 Stunden Pflege und als Sonderform, das Betreute Wohnen.

häusliche Pflege

Die Pflege der pflegebedürftigen Person erfolgt durch einen Angehörigen oder nahestehenden Bekannten in häuslicher Umgebung ohne die Inanspruchnahme professionellen Pflegepersonals.

ambulante Pflege

Der Pflegebedürftige wohnt weiterhin in seinem zu Hause und wird von Angehörigen, Freunden oder Bekannten gepflegt, welche die Unterstützung eines professionellen Pflegedienstes für verschiedene Pflegetätigkeiten in Anspruch nehmen. Dazu zählen vor allem körperbezogene Pflegemaßnahmen, pflegerische Versorgungsmaßnahmen zur Aufrechterhaltung beispielsweise des Sozialfeldes, häuslicher Krankenpflege, Medikamentengabe etc.. Der ambulante Pflegedienst kommt zur betroffenen Person nach Hause und versorgt sie dort, in gewohnter Umgebung.

24h Pflege

Der Betroffene wird in häuslichen Tätigkeiten und körperbezogenen Pflegemaßnahmen unterstützt, sowie beispielsweise zum Arzt und weiteren Aktivitäten am Tag begleitet. Diese 24h Pflege kann von Angehörigen, Freunden und Bekannten geschehen, einem professionellen, ambulanten Pflegedienst und Betreuungspersonen, welche privat organisiert werden. Der Begriff ist etwas irreführend, da die Pflege nicht 24 Stunden am Stück stattfindet, die Pflegeperson aber erreichbar sein muss.

Betreutes Wohnen / gemeinschaftliches Wohnen / Seniorenresidenzen

Die Pflegebedürftigen leben in eigenen Wohnungen, welche unter anderem in speziellen Wohnhäusern oder Wohngegenden liegen, die auf Betreutes Wohnen ausgerichtet sind. Somit haben Sie die Möglichkeit einen eigenen Haushalt zu führen und weiterhin unabhängig zu leben. Die Privatsphäre bleibt durch das selbstständige Wohnen und Leben ebenso erhalten. Die Grundzüge vom Betreuten Wohnen sind demnach die Kombination aus den Vorteilen des alleine Wohnens, bzw. der Pflege zu Hause und den Versorgungsleistungen einer professionellen Pflegeeinrichtung

Finanzielle Leistungen der Pflegekassen beid er Pflege zu Hause

Es wird Personen die in häuslicher Umgebung gepflegt werden entweder das Pflegegeld gezahlt oder ihnen wird der Anspruch auf Pflegesachleistungen in entsprechender Höhe gewährt. Die Schwere der Pflegebedürftigkeit entscheidend wie weit die ambulante Pflege zu Hause geht.
Zusätzlich haben pflegebedürftige Personen die Möglichkeit bei den Pflegekassen Leistungen zu beantragen die eine weitere Unterstützung in finanzieller Form bieten, wie Zuschüsse aus beispielsweise der Tagespflege und Nachtpflege, der Kurzzeitpflege, der Verhinderungspflege etc..

Pflegende Angehörige und Pflegegeld

Das Pflegegeld hingegen ist eine direkte finanzielle Unterstützung in Form einer reinen Geldleistung. Das Geld steht dem Pflegebedürftigen zur freien Verfügung zu, wird aber bei der Pflege zu Hause meist für die benötigten Aufwendungen verwendet bzw. für die Leistungen der pflegenden Angehörigen verrechnet.

Pflegesachleistungen bei der Pflege zu Hause

Unter Pflegesachleistungen sind keine Dinge gemeint, sondern direkte Leistungen einer Pflegekraft eines ambulanten Pflegedienstes. Diese Dienstleistungen werden Pflegesachleistung genannt sobald eine pflegebedürftige Person in ihrem Zuhause von einem ambulanten Pflegedienst versorgt wird. Die Rechnung eines Pflegedienstes beispielsweise in Höhe von 550 Euro entspricht Pflegesachleistungen in Höhe von 550 Euro.

Pflegedienste und Pflegesachleistung – Rechenbeispiel im Fall eines Betroffenen mit Pflegegrad 3

Herr Schmidt ist pflegebedürftig und hat Pflegegrad 3. Somit stehen Herrn Schmidt
Pflegesachleistungen für die ambulante Pflege in Höhe von mtl. 1.298 Euro zu
oder alternativ ein Pflegegeld von 545 Euro.
Familie Schmidt beauftragt einen Pflegedienst zur Unterstützung der häuslichen Pflege. Daraus ergeben sich Pflegedienstkosten im Januar von 1.439 Euro.
Daraus ergibt sich folgende Abrechnung:

Leistung Pflegegrad 3
Kosten Pflegedienst 1.439 Euro
Kostenübernahme durch gesetzliche Pflegekasse 1.298 Euro
Familie Schmidt muss selbst zahlen 141 Euro
Pflegegeld 0 Euro

Weitere finanzielle Leistungen der Pflegekassen

Verhinderungspflege

Der Begriff Verhinderungspflege umfasst eine Leistung aus dem Pflegebereich, welche der Pflege zu Hause zugeordnet ist. Wird ein pflegebedürftiger Mensch durch seine Angehörigen, Freunde oder Verwandten zu Hause versorgt, gibt es für die pflegende Person die Möglichkeit der Verhinderungspflege. Diese kann in Anspruch genommen werden, wenn die Pflegeperson verhindert ist und eine Pflegevertretung benötigt. Das Angebot der Verhinderungspflege unterstützt die häusliche Pflege von Pflegebedürftigen mit dem Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4, Pflegegrad 5. Pflegegrad 1 wird bei der Verhinderungspflege nicht berücksichtigt. Für erbrachte Leistungen aus der Verhinderungspflege gibt es eine maximale Kostenerstattung von bis zu 1.612 Euro.

Kurzzeitpflege

Wenn, beispielsweise nach einem Aufenthalt im Krankenhaus, eine umfassendere Pflege benötigt wird oder die häusliche Pflege für gewisse Zeit unterbrochen werden muss, spricht man von Kurzzeitpflege. Die pflegebedürftige Person erhält dann für eine begrenzte Zeit eine vollstationäre Pflege Behandlung. Unabhängig vom Pflegegrad, jedoch erst ab Pflegegrad 2, erhält man eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 1.612 € von den Pflegekassen.

Tagespflege und Nachtpflege

Die Tagespflege bzw. Nachtpflege beschreibt eine Einrichtung bzw. eine Leistung für Menschen, die eine besondere Versorgung aufgrund ihrer körperlichen und/oder altersbedingten Beeinträchtigung benötigen und eine reine Pflege zu Hause dies nicht vollkommen gewährleistet. Die Tagespflege bzw. Nachtpflege kann eine ganze Woche, ganze Tage oder auch nur ein paar Stunden in Anspruch genommen werden. Daher ist Merkmal der Tagespflege bzw. Nachtpflege die Rückkehr der pflegebedürftigen Personen in ihre eigene Wohnung. Dies ist ein wichtiger Aspekt. Die eigenen vier Wände bedeuten für die meisten Menschen ein Ort der Ruhe und Geborgenheit.
Für pflegebedürftige Menschen mit Pflegegrad 2 bis Pflegegrad 5 ist ein monatliches Budget in der Pflegeversicherung vorgesehen, mit dem die Leistungen der Tagespflege bzw. Nachtpflege finanziert werden können.

  • den Pflegegrad 2: 689,00 €
  • den Pflegegrad 3: 1298,00 €
  • den Pflegegrad 4: 1612,00 €
  • den Pflegegrad 5: 1995,00 €

Überblick der finanziellen Leistungen

Es folgt zum besseren Überblick eine Übersicht von Pflegegrad und entsprechender finanzieller Leistung der Pflegekassen:

Pflegegrad Pflegegeld mtl. Pflegesachleistung mtl. zusätzliche Leistungen
Pflegegrad 1 0 € 0 € Entlastungsbetrag von 125 € / mtl.

Zuschüsse für Wohnraumanpassung, bis 4.000 €

40 € für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch

Zuschüsse Hausnotruf

Pflegegrad 2 316 € 689 € 125 € für Betreuungs- und Entlastungsleistungen (mtl)

Bis zu 1.612 € für Kurzzeitpflege (Jahr)

Bis zu 1.612 € für Verhinderungspflege (Jahr)

Zuschüsse für Wohnraumanpassung, bis 4.000 €

40 € für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (mtl)

Zuschüsse Hausnotruf

Pflegegrad 3 545 € 1.298 € 125 € für Betreuungs- und Entlastungsleistungen (mtl)

Bis zu 1.612 € für Kurzzeitpflege (Jahr)

Bis zu 1.612 € für Verhinderungspflege (Jahr)

Zuschüsse für Wohnraumanpassung, bis 4.000 €

40 € für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (mtl)

Zuschüsse Hausnotruf

Pflegegrad 4 728 € 1.612 € 125 € für Betreuungs- und Entlastungsleistungen (mtl)

Bis zu 1.612 € für Kurzzeitpflege (Jahr)

Bis zu 1.612 € für Verhinderungspflege (Jahr)

Zuschüsse für Wohnraumanpassung, bis 4.000 €

40 € für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (mtl)

Zuschüsse Hausnotruf

Pflegegrad 5 901 € 1.995 € 125 € für Betreuungs- und Entlastungsleistungen (mtl)

Bis zu 1.612 € für Kurzzeitpflege (Jahr)

Bis zu 1.612 € für Verhinderungspflege (Jahr)

Zuschüsse für Wohnraumanpassung, bis 4.000 €

40 € für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (mtl)

Zuschüsse Hausnotruf

Kombinationsleistung : Pflegegeld und Pflegesachleistungen

Ein ambulanter Pflegedienst kann bei der häuslichen Pflege unterstützen und Pflegetätigkeiten übernehmen, die von den Angehörigen nicht geleistet werden können. Wie eben erwähnt übernimmt bei den Pflegegraden 2 bis 5 die Pflegeversicherungen die Kosten bis zu einer bestimmten Höhe bzw. bietet finanzielle Unterstützung, die sogenannte Pflegesachleistung und das Pflegegeld, an. Um aus beiden Leistungen die maximale Unterstützung zu erhalten, also aus der Pflegesachleistung und dem Pflegegeld, muss die Kombinationspflege beantragt werden.

Rechenbeispiel – Kombipflege
Peter Peterson hat Pflegegrad 3. Was ergibt die Kombination aus Pflegegeld und Pflegesachleistung bei Kosten des Pflegedienstes in Höhe von 689 Euro?

Höhe der Pflegesachleistungen → 1.298,00 Euro
Höhe des Pflegegelds → 545,00 Euro

Kosten Pflegedienst → 689,00 Euro

Pflegesachleistung – Kosten des Pflegedienst = 1.298,00 – 689,00 = 609,00 Euro

  • 609,00 Euro oder 47% der Pflegesachleistungen sind unverbraucht
  • 689,00 Euro oder 53% der Pflegesachleistungen sind verbraucht

Der unverbrauchte prozentuale Anteil der Pflegesachleistungen von 47 % wird auf das Pflegegeld angerechnet – 47 % von 545 Euro Pflegegeld ergeben 256 Euro, welche Peter Peterson erhält.

Basis der Berechnung für die Kombinationspflege ist die in Anspruch genommene Pflegesachleistung. Es wird errechnet, wie hoch der prozentuale in Anspruch genommene Pflegesachleistungsbetrag ist. Angenommen, Sie haben 60 % Sachleistung in Anspruch genommen, erhalten Sie noch ein anteiliges Pflegegeld in Höhe von 40 %. Bei 45 % Sachleistung würden Sie noch anteilig 55 % Pflegegeld erhalten. Das Pflegegeld wird Ihnen also anteilig gekürzt.

Welche Leistungen bietet die häusliche Pflege?

  • Verhinderungspflege
  • Tagespflege – und Nachtpflege
  • hauswirtschaftliche Versorgung
  • Leistungen der Grundpflege wie Hilfe bei der Verrichtung der Körperhygiene, Nahrungszubereitung-/aufnahme etc.
    umfassende medizinische Versorgung
  • Betreuung der Senioren in Form von Aktivitäten wie Spaziergänge etc.
  • Regelmäßige Beratungs- bzw. Qualitätssicherungsbesuche gem. § 37.3 Sozialgesetzbuch Elf (SGB XI) bei pflegenden Angehörigen, die ihren Pflegebedürftigen allein versorgen (Pflegegeldempfänger).

Ein entscheidender Faktor in Bezug auf die angebotenen Leistungen ist der Pflegegrad der betroffenen Person. Es ist oft der Fall, dass sich die Pflege zu Hause aus einer Versorgung durch sowohl professionelles, ambulantes Pflegepersonal und einen pflegenden Angehörigen des Pflegebedürftigen zusammensetzt.

Was kostet ein Pflegedienst?

Pflegedienste unterscheiden sich in ihren Preisen und es gibt keinen klassischen Einheitspreis. Die Kosten für einen Pflegedienste unterscheiden sich im Besonderen von Bundesland zu Bundesland. Zudem werden die Leistungen in Punktwerte eingeteilt und jeder Punktwert hat einen bestimmten Wert in Euro. Der Punktwert wird individuell zwischen der Pflegekasse und dem Pflegedienst ausgehandelt. Zwischen den Pflegekassen und den professionellen Pflegedienste bestehen Vergütungsvereinbarungen.Die Pflegedienste müssen sich von den Preisen her an diese Vergütungsvereinbarungen halten und dürfen Ihnen für die in den Vergütungsvereinbarungen festgehaltenen Leistungen auch nicht mehr abrechnen. Ihre Pflegekasse kann Ihnen die Vergütungsvereinbarung für ambulante Pflegedienste für Ihren Ort geben.
Als Selbstzahler der Pflegedienstrechnungen zum Beispiel weil keine Pflegegrad vorliegt oder aber der Pflegedienst Leistungen erbringt, die von der Pflegekasse nicht bezahlt werden, dürfen die Pflegedienste mit Ihnen einen privatrechtlichen Vertrag abschließen und die Preise selbst bestimmen.Der Pflegedienst rechnet die Kosten, welche von der Pflegeversicherung übernommen werden müssen, direkt mit der Pflegekasse ab. Sie müssen nicht in Vorleistung gehen.

    Träger der Pflegekosten können sein:
  • Die Krankenversicherung. Die Krankenkasse bezahlt den Pflegedienst, wenn es um Leistungen der häuslichen Krankenpflege geht.
  • Die Pflegeversicherung. Die Pflegeversicherung ist zuständig für Menschen mit Pflegegrad 2-5. Sie übernimmt dann die Kosten für den Pflegedienst in Höhe der Maximalleistung je Pflegegrad.
  • Das Sozialamt. Für Menschen die „Hilfe zur Pflege“ erhalten, ist das Sozialamt zuständig.
  • Selbstzahler. Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Kosten für den Pflegedienst selbst bezahlt werden.

Wenn Sie Kombinationsleistungen beziehen, wird das Pflegegeld erst dann abgerechnet, wenn der Pflegedienst mit der Pflegekasse die Leistungen abgerechnet hat. Das kann also einige Zeit dauern. Bei Kombinationspflege wird das Pflegegeld also rückwirkend bezahlt. Würden Sie NUR Pflegegeld in Anspruch nehmen, bekämen Sie das Pflegegeld am Anfang des Monats ausbezahlt.