Haben Sie auch schon einmal den Namen eines Bekannten oder den PIN-Code Ihres Handys vergessen? Bis zu einem gewissen Grad ist das normal. Wer sich um sein Gedächtnis sorgt, kann seine Merkfähigkeit und Denkkraft jedoch gezielt trainieren. Wir geben praktische Tipps, was ein effektives Gedächtnistraining für Senioren ausmacht und wo Sie kostenlose Übungen finden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Genauso wie unsere Muskelkraft lässt sich auch das Gedächtnis bis ins hohe Alter trainieren.
  • Ein wirkungsvolles Gedächtnistraining für Senioren sollte möglichst abwechslungsreich sein und unterschiedliche geistige Fähigkeiten schulen.
  • Auch für Demenzkranke kann Gedächtnistraining sinnvoll sein. Dabei sind aber die veränderten Lernfähigkeiten zu berücksichtigen.
  • Gedächtnistraining sollte spielerisch in den Alltag integriert werden und Spaß machen, nicht Stress auslösen.
  • Um geistig fit zu bleiben, ist neben Gedächtnistraining auch ein gesunder Lebensstil mit Bewegung, Sozialkontakten und ausgewogener Ernährung wichtig.

Was ist Gedächtnistraining?

Gedächtnistraining sind Übungen und Maßnahmen, mit denen die Leistungsfähigkeit des Gehirns erhalten oder ausgebaut werden soll. Laut Bundesverband Gedächtnistraining e.V. sollte ein ganzheitliches Training möglichst viele Sinne einbeziehen und beide Gehirnhälften fordern. Sinnvoll ist Gedächtnistraining in jedem Alter. Speziell Senioren kann es helfen, einem altersbedingten Abbau geistiger Fähigkeiten vorzubeugen und ihren Alltag möglichst lange gut zu bewältigen.

Wie mache ich Gedächtnistraining?

Gedächtnistraining lässt sich auch viele Arten durchführen: allein oder in der Gruppe, mithilfe von Büchern oder Spielen, am Computer und sogar per Handy-App. Wichtig ist dabei: Gedächtnistraining sollte nicht ausschließlich die Merkfähigkeit schulen, sondern unterschiedliche geistige Fähigkeiten fördern. Der Bundesverband Gedächtnistraining e.V. hat 12 Trainingsziele definiert, die ein ganzheitliches Gedächtnistraining abdecken sollte:

  • Konzentrationsfähigkeit
  • Logisches Denken
  • Merkfähigkeit
  • Assoziatives Denken
  • Denkflexibilität
  • Fantasie und Kreativität
  • Fähigkeit zur sprachlichen Formulierung
  • Fähigkeit geistige Inhalte zu strukturieren
  • Urteilsfähigkeit
  • Wortfindung
  • Wahrnehmungsfähigkeit
  • Erkennen von Zusammenhängen

Damit Sie von Gedächtnistraining auch im Alltag profitieren, sollten Sie möglichst viele dieser Fähigkeiten schulen. Denn um aktiv am Leben teilzunehmen, ist mehr als die reine Gedächtnisleistung gefordert. Man muss auch fähig sein, Informationen richtig einzuordnen und Zusammenhänge herzustellen. Dadurch lässt sich eine abnehmende Merkfähigkeit bis zu einem gewissen Grad sogar kompensieren.

Beispiel

Wer einen Busfahrplan lesen kann und vielleicht auch weiß, wie man ihn im Internet aufruft, muss sich die genauen Abfahrtszeiten nicht merken.

Gedächtnistraining: Kostenlose Übungen und Beispiele

Schon einfache Übungen aktivieren und schärfen die Denkkraft. Lassen Sie sich von unseren Vorschlägen inspirieren und fühlen Sie sich frei, die Übungen abzuwandeln.

  • Wortkette: Beginnen Sie mit einem zusammengesetzten Wort, z.B. Hochhaus. Nun bilden Sie jeweils mit dem letzten Teil ein neues Wort, z.B. Haustier, Tierarzt, Arztkoffer, Kofferraum.
  • Synonyme finden: Wählen Sie einen beliebigen Begriff und suchen Sie nach Wörtern mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung, z.B. Geschenk: Präsent, Mitbringsel, Gabe, Souvenir.
  • Erweitertes Stadt-Land-Fluss: Das bekannte Wort-Suchspiel lässt sich beliebig ergänzen. Geeignet sind z.B. auch Kategorien wie Berufe, Automarken, Tiere, Pflanzen, Werkzeuge, Prominente, usw.
  • Zufallsgeschichte: Schneiden Sie aus alten Zeitungen oder Prospekten interessante Wörter oder Bilder aus. Ziehen Sie nun verdeckt drei bis zehn Wörter oder Bilder und denken Sie sich rund um diese Begriffe eine Geschichte aus.
  • Songs erraten: Lassen Sie über Ihre Stereoanlage in zufälliger Reihenfolge Lieder abspielen. Stoppen Sie jeweils nach 10 Sekunden und versuchen Sie Titel und Interpret zu erraten.
  • Einkaufen mit Köpfchen: Gehen Sie einmal ohne Zettel einkaufen und versuchen Sie Ihre Einkaufsliste im Kopf zu behalten. Zusätzlich können Sie während des Einkaufens versuchen, die Preise der Artikel gedanklich zu addieren.

Falls Sie auf der Suche nach weiteren Übungen für sich oder für Angehörige sind: Es gibt im Internet umfangreiche Sammlungen von Gedächtnistraining-Übungen, die Sie kostenlos nutzen können. Fündig werden Sie zum Beispiel hier:

  • Tebonin Gedächtnistraining: Mental-aktiv.de, ein Service von Tebonin, bietet Monat für Monat neue Gedächtnistraining-Übungen zum Ausdrucken. Sie sind in verschiedenen Schwierigkeitsstufen verfügbar und decken Bereiche wie Konzentration, Gedächtnis oder Aufmerksamkeit ab.
  • Mal-alt-werden Gedächtnistraining: Das Internetportal mal-alt-werden.de bietet spezielles Gedächtnistraining für Senioren. Zum Ausdrucken kostenlos verfügbar sind insgesamt 120 Übungen zu 12 Trainingszielen sowie verschiedene Arbeitsblätter.
  • Bundesverband Gedächtnistraining e.V.: Neben vielen interessanten Hintergrundinformation bietet der Bundesverband für ganzheitliches Gedächtnistraining auf seiner Internetseite auch eine Sammlung an kostenlosen Übungen an.

Gedächtnistraining für Senioren: Was bringt es?

Ein nachlassendes Gedächtnis ist keine unvermeidbare Alterserscheinung! Genauso wie sich körperliche Fähigkeiten gezielt trainieren lassen, können wir auch die Funktion unseres Gehirns durch regelmäßiges Training verbessern. Das ist gerade dann wichtig, wenn die geistigen Herausforderungen im Alltag abnehmen, etwa weil man nicht mehr berufstätig ist und vielleicht weniger soziale Kontakte hat als früher.

Dass sich das Gehirn durch Gedächtnistraining trainieren lässt, ist auch wissenschaftlich gut belegt. Im Rahmen der sogenannten „ACTIVE“-Studie nahmen mehr als 2.800 Teilnehmern der Generation 65+ an einem mehrwöchigen Gedächtnistraining mit unterschiedlichen Schwerpunkten teil. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die kein Training erhielt, schnitten die Teilnehmer bei kognitiven Tests anschließend signifikant besser ab. Beeindruckend ist, dass diese Effekte teils bis zu 10 Jahre anhielten. Die Teilnehmer berichteten außerdem, dass sie nach dem Training auch im Alltag subjektiv besser zurechtkamen.

Doch was macht ein wirkungsvolles Gedächtnistraining für Senioren aus? Auch wenn sich die Wissenschaft über manche Details uneinig ist, dürfen folgende Grundsätze als gesichert gelten:

  • Abwechslung ist entscheidend: Ebenso wie es nicht reicht, nur den Bizeps zu trainieren, ist auch das tägliche Sudoku oder Kreuzworträtsel zu wenig. Ein effektives Gedächtnistraining 50plus sollte das Gehirn auf möglichst unterschiedliche Weise fordern.
  • Regelmäßigkeit zählt: Ähnlich wie bei körperlichem Training ist es besser, öfter und dafür kurz zu trainieren, um gute Effekte zu erzielen und Überforderung zu vermeiden.
  • Geeigneten Schwierigkeitsgrad wählen: Passen Sie das Training an Ihr momentanes Können an. Wenn Sie bemerken, dass Ihnen die Übungen immer leichter fallen, sollten Sie sich an kniffligeren Aufgaben versuchen.
  • Möglichst in der Gruppe trainieren: Sozialkontakte fordern an sich bereits das Gehirn und halten uns geistig fit. Gemeinsam mit anderen macht das Gedächtnistraining außerdem mehr Spaß.
  • Stress vermeiden: Gedächtnistraining sollte Freude bereiten und keine Stressgefühle auslösen. Es zählt das aktive Bemühen, nicht die tatsächlich erbrachte Leistung.

Wichtig zu wissen ist auch: Neben Gedächtnistraining ist für Senioren ein allgemein gesunder Lebensstil wichtig, um geistig fit zu bleiben. Vor allem körperliche Aktivität hält das Gehirn gesund. Darüber hinaus tragen eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Sozialkontakte zum Erhalt der Gedächtnisleistung bei.

Tipp!

In Kooperation mit dem Bundesverband Gedächtnistraining e.V. haben einige deutsche Städte sogenannte „Denk-Pfade“ eingerichtet. Diese speziell ausgezeichneten Routen kombinieren Gedächtnisübungen mit Bewegung an der frischen Luft.

Gedächtnistraining bei Demenz: Tipps für Angehörige

Auch für Demenzerkrankte kann ein angepasstes Gedächtnistraining sinnvoll sein. Als Angehörige sollten Sie jedoch wissen, dass kognitive Übungen die Demenz nicht heilen können. Ziel ist es eher, den Krankheitsverlauf zu stabilisieren und die noch vorhandenen Ressourcen zu stärken.

  • Dazu eignen sich kleine Übungen und Aktivitäten wie
  • gemeinsam Lieder singen oder Musiktitel erraten
  • Fotoalben aus früheren Zeiten durchblättern und über Erinnerungen sprechen
  • Karten- oder Brettspiele spielen, die der Demenzkranke früher gut beherrscht hat
  • Pantomimenspiele, d.h. Begriffe nur durch typische Bewegungen oder Gesten erraten
  • Gegenstände nur durch Tasten erraten
  • Sprichwörter vervollständigen und so die Wortfindung trainieren

Gut zu wissen!

Das Langzeitgedächtnis bleibt bei Demenzkranken oft wesentlich länger intakt als das Kurzzeitgedächtnis. Rufen Sie daher Erinnerungen an früher wach, beispielsweise durch bekannte Lieder, Filme oder Prominente aus der damaligen Zeit.

Um Frust und Überforderung auf beiden Seiten zu vermeiden, muss sich das Training an den speziellen Bedürfnissen von Demenz-Patienten orientieren. Krankheitsbedingt können sich Betroffene weniger lang konzentrieren und sind nicht mehr in der gleichen Weise lernfähig wie „gesunde“ Senioren. Je nach Krankheitsstadium sind oft auch die sprachlichen Fähigkeiten beeinträchtigt. Für die Praxis bedeutet das:

  • Besser öfter und kürzer üben: Trainingseinheiten von ca. 10 Minuten sind genug.
  • Auf eine ruhige Umgebung achten: Umgebungsreize wie Lärm oder Besucher sollten möglichst vermieden werden.
  • Alle Sinne ansprechen: Besser als reine „Kopfübungen“ sind Aufgaben, bei denen Ihr Angehöriger etwas fühlen, hören, sehen, riechen oder schmecken kann.
  • Ohne Druck trainieren: Vermeiden Sie Abfrage- oder Schulsituationen, die bei Betroffenen Stress auslösen. Besser ist ein spielerischer, lustvoller Zugang. Achten Sie auf Anzeichen von Langeweile, Unmut oder Ärger.
  • Auf relevante Themen fokussieren: Wählen Sie Themen, zu denen Ihr Angehöriger einen persönlichen oder emotionalen Bezug herstellen kann.
  • Erfolgserlebnisse ermöglichen: Die Übungen sollten sich am Leistungsniveau des Betroffenen orientieren. Konzentrieren Sie sich weniger auf Defizite und mehr auf das, was Ihr Angehöriger noch gut kann.

Der wichtigste Grundsatz ist aber immer: Bleiben Sie empathisch! Es geht beim Gedächtnistraining mit Demenzkranken nie um Leistung, sondern vielmehr um lustvolle Aktivität, Zuwendung und Kontakt.

FAQ - Häufige Fragen zu Gedächnistraining für Senioren