In Deutschland leiden ungefähr zwei Millionen Menschen an Schuppenflechte. Es handelt sich dabei um eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung mit unterschiedlichen Ausprägungen und häufiger Beteiligung der Gelenke. Die Schuppenflechte ist zwar nicht heilbar, doch es gibt inzwischen erfolgversprechende Behandlungsmöglichkeiten.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine nicht ansteckende, autoimmun vermittelte Entzündungsreaktion der Haut mit starker Hautschuppung und chronischen Schüben.
  • Die Symptome sind meist scharf begrenzte, rote Hautveränderungen, die mit silbrig-weißen Schuppen bedeckt sind. Bei der Psoriasis-Arthritis sind auch die Gelenke mitbeteiligt.
  • Genetische Veranlagung und bestimmte Auslöser können zum Ausbruch der Erkrankung führen.
  • Obwohl die Schuppenflechte nicht heilbar ist, kann sie durch geeignete Behandlung und vorbeugende Maßnahmen deutlich verbessert werden.

Definition: Was ist Schuppenflechte?

Psoriasis, auch genannt Schuppenflechte, ist eine chronische Erkrankung, die vorwiegend die Haut betrifft. Der Verlauf ist meist schubweise und äußert sich in erster Linie durch entzündete, stark schuppende und manchmal juckende Hautveränderungen. Teilweise sind auch andere Körperteile und Organe betroffen, insbesondere die Gelenke. Die Schuppenflechte ist nicht ansteckend, sondern wird durch eine Überreaktion des körpereigenen Immunsystems ausgelöst (Autoimmunerkrankung). Häufig sind in der Familie bereits andere Autoimmunerkrankungen aufgetreten, so dass die Betroffenen genetisch vorbelastet sind.

Definition: Bei der Schuppenflechte handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die vor allem durch stark schuppende, entzündete Hautstellen charakterisiert ist.

Welche Formen von Schuppenflechte gibt es?

Die Varianten der Schuppenflechte verursachen unterschiedliche Symptome und betreffen außer der Haut oft noch andere Bereiche wie zum Beispiel Gelenke oder Gefäßsystem.

Psoriasis vulgaris

Mit etwa 80 Prozent ist die Psoriasis vulgaris die häufigste Form der Schuppenflechte. Sie zeigt sich in scharf begrenzten Arealen auf der Haut und wird auch als Plaque-Typ bezeichnet. Die betroffenen Regionen sind gerötet, schuppenbedeckt und oft auch juckend. Sie treten vor allem an mechanisch beanspruchten Hautstellen auf.
Sind die Herde großflächig zusammenhängend, so spricht man von einer Psoriasis geographica, viele streichholzkopfgroße Herde, die meist auf dem ganzen Oberkörper verteilt sind, nennt man Psoriasis punctata oder nummularis.

Psoriasis inversa / intertriginosa

Finden sich rote Stellen in Körperfalten und Hautzwischenräumen (Achseln, Leisten, Unterbrust), so handelt es sich um eine Psoriasis intertriginosa oder inversa. Durch die Reibung der Haut fehlt der Schuppenbelag im Normalfall.

Psoriasis guttata

Nach einer Infektion mit Streptokokken oder anderen Erregern tritt manchmal eine Psoriasis guttata auf. Diese Form verläuft im Allgemeinen akut und äußert sich in kleineren Flecken als die Psoriasis vulgaris, kann jedoch nach einer Weile in diese chronische Form übergehen. Die vielen, oft stark juckenden Herde können sich aber auch zu einer nässenden Form mit Wundsekreten entwickeln.

Psoriasis erythrodermica

Eine seltene Form ist die Psoriasis erythrodermica, bei der die gesamte Haut entzündet und verdickt ist, aber nicht so stark geschuppt. Im Laufe der Zeit wird die Haut immer starrer und kann über den Gelenken einreißen. Auch das Allgemeinbefinden ist oft in Mitleidenschaft gezogen.

Psoriasis pustulosa (lokalisiert)

Die Psoriasis pustulosa bildet eitrige Pusteln und befällt entweder Handinnenflächen und Fußsohlen (Psoriasis pustulosa palmoplantaris) oder die Endglieder der Finger und Zehen (Akrodermatitis continua suppurativa).

Generalisierte Psoriasis pustulosa

Treten die Pusteln am gesamten Körper auf, so spricht man von einer Psoriasis pustulosa generalisata. Zu den Hautveränderungen kommt ein schweres Krankheitsgefühl. Sofortige ärztliche Behandlung ist wichtig, da diese Schuppenflechte-Form lebensbedrohlich werden kann.

Nagel-Psoriasis

Etwa 80 Prozent der Patienten leiden zusätzlich unter Veränderungen der Nägel. Dabei bilden sich stecknadelkopfgroße Dellen, weißliche oder gelbliche Verfärbungen, bis hin zu teilweise völliger Auflösung der Nägel.

Psoriasis-Arthritis

Bis zu 30 Prozent der Betroffenen entwickeln zusätzlich eine Psoriasis-Arthritis, oft erst viele Jahre nach Beginn der Schuppenflechte. Diese Entzündung betrifft meist kleine Gelenke der Hände und Zehen, manchmal auch größere, wie Kniegelenke, oder sogar Wirbelsäulengelenke. Selten entsteht die Psoriasis-Arthritis schon vor der Ausprägung von Hautsymptomen.

Achtung: Um schwerwiegende Folgen wie Gelenkzerstörung und Verknöcherungen zu vermeiden, ist die frühzeitige Behandlung der Psoriasis-Arthritis wichtig.

Ursachen, Entstehung und häufige Auslöser von Schuppenflechte

In Europa sind zwei bis drei Prozent der Bevölkerung von Schuppenflechte betroffen, das macht in Deutschland etwa zwei Millionen Erkrankte aus.

Welche Ursachen liegen der Schuppenflechte zugrunde?

Von der Ursache her wird nach Typ-1 und Typ-2-Psoriasis unterschieden.

Typ-1 Psoriasis Typ-2 Psoriasis
Gipfel des Erstauftretens: 15.-30. Lebensjahr Gipfel des Erstauftretens: 50.-60. Lebensjahr
häufig familiäre Vorbelastung; besonders hohes Risiko,
wenn beide Elternteile von Schuppenflechte betroffen sind
meist keine familiäre Häufung
zwei Drittel bis drei Viertel aller Fälle ein Viertel bis ein Drittel aller Fälle
Krankheitsverlauf oft schwerer mit akuten Schüben Krankheitsverlauf meist leichter

Wie entsteht eine Schuppenflechte?

Die Psoriasis ist eine immunologisch vermittelte Entzündungsreaktion. Während der Krankheitsschübe kommt es in den Hautschichten zu einer Fehlregulierung und Aktivierung von bestimmten Zellen und entzündungsfördernden Proteinen. Dadurch wird der Zyklus der Hautzellen stark verkürzt, was zu einer Hautschichterneuerung innerhalb von nur 3-7 Tagen führt, anstatt wie normalerweise in 28 Tagen.

Wodurch kann eine Schuppenflechte ausgelöst werden?

Eine Reihe von Faktoren können zu einem Erstausbruch der Schuppenflechte oder einem neuen Krankheitsschub führen.

  • Infektionen mit verschiedenen Erregern, besonders Streptokokken, aber auch Grippe, Atemwegsinfekte oder andere Erkrankungen
  • Stress und emotionale Belastungen
  • Stoffwechselstörungen oder Hormon-Umstellungen, z.B. in Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahren
  • Hautreizungen mechanischer oder chemischer Art, Sonnenbrand, Verletzungen
  • Medikamente: Herz-Kreislauf-Medikamente wie ACE-Hemmer oder Betablocker; Schmerzmittel wie ASS, Ibuprofen oder Diclofenac; Antibiotika wie Tetrazykline

Symptome und Diagnose der Schuppenflechte

Wie beginnt die Schuppenflechte?

Die Psoriasis vulgaris ist gekennzeichnet durch scharf begrenzte, gerötete Bereiche, die mit silbrig-weißen Schuppen bedeckt sind und auch jucken können, sogenannte Plaques.

Die typischen Hautveränderungen treten bevorzugt an mechanisch beanspruchten Stellen auf:

  • Ellbogen und Knie
  • Hände und Füße (v.a. Fingerknöchel)
  • Kreuzbein
  • Kopf und Gesicht (behaarte Kopfhaut, Ohrläppchen, Augenbrauen)
  • Gesäßfalte und Genitalbereich (im Normalfall ohne Schuppenbelag)
  • manchmal Bauchnabelbereich und Achselhöhlen
  • Fingernägel (Dellen, Verfärbungen, Brüchigkeit)

In schweren Fällen können große Teile der Hautoberfläche von den Veränderungen betroffen sein.

Merke: Die Symptome sind abhängig von der jeweiligen Psoriasis-Form und dem Verlauf der Erkrankung, die bei jedem/r Betroffenen individuell ausgeprägt ist.

Verlauf und Entwicklung der Schuppenflechte

Die Psoriasis tritt sehr häufig im jungen Erwachsenenalter auf, sehr selten bei Säuglingen oder alten Menschen. Da die Erkrankung individuell unterschiedlich verläuft, wird nach Schwere, Form und Lokalisation der Hautveränderungen unterschieden. Außerdem spielen Häufigkeit und Dauer der Schübe eine Rolle. Bei einem Teil der Betroffenen kommen spontane Abheilungen der Hautveränderungen vor und die Symptome können für lange Zeit vollständig verschwinden. In den Sommermonaten tritt bei vielen eine Besserung ein.

Schweregrad-Einteilung

Der Schweregrad einer Schuppenflechte kann nach unterschiedlichen Normen bewertet werden. Eine Möglichkeit ist die Prozentangabe der befallenen Körperoberfläche (BSA = Body Surface Area), eine andere bezieht noch verschiedene Symptome mit ein (PASI = Psoriasis Area and Severity Index). Die individuelle Beeinträchtigung der Lebensqualität lässt sich ebenfalls ermitteln (DLQI = Dermatology Life Quality Index).

milde / leichte Psoriasis BSA ≤10 % PASI ≤10 DLQI ≤10
mittelschwere bis schwere Psoriasis BSA >10% PASI >10 DLQI >10

Krankheitsaktivität

Neben der Schweregrad-Einteilung ist auch die Krankheitsaktivität wichtig und sollte in die Therapiewahl miteinfließen. Eine hohe Krankheitsaktivität ist zum Beispiel vorhanden, wenn sich die befallenen Hautareale ausbreiten oder innerhalb kurzer Zeit neue Veränderungen auftreten, aber auch wenn es nach Therapien zu wiederholten Rückfällen kommt.

Begleiterkrankungen der Schuppenflechte

Psoriasis-Patienten leiden häufig unter Begleiterkrankungen, welche die Lebensqualität und die Lebenserwartung zum Teil erheblich einschränken können. Vor allen Dingen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wie Bluthochdruck, Arteriosklerose, Herzinfarkt sowie Schlaganfall, aber auch Adipositas, Diabetes oder Stoffwechselstörungen treten bei den Betroffenen auf. Das Risiko für diese Begleiterkrankungen kann um das zwei- bis drei-fache erhöht sein.

Gut zu wissen: Die Auswahl der jeweils richtigen Therapie ist abhängig von der Form der Psoriasis, dem Schweregrad, der Krankheitsaktivität und den Begleiterkrankungen.

Behandlung der Schuppenflechte

Die Schuppenflechte gilt derzeit als nicht heilbar. Ziel der Therapie ist daher eine möglichst lange beschwerdefreie Zeit. Es gibt inzwischen zahlreiche Behandlungsansätze und System-Therapien, die erfolgversprechend sind. Mindestanforderung an eine Therapie ist eine 50-prozentige Verbesserung des Zustandes; als erfolgreich gilt die Behandlung, wenn sich die Symptome um mindestens 75 Prozent verbessern.

Äußerliche Behandlung (topische Therapie)

Bei einer leichten Schuppenflechte reicht oft die äußerliche Behandlung aus. Pflegepräparate für die Haut sind eine wichtige Basis zur Ergänzung jeder Psoriasis-Therapie.

  • Harnstoffhaltige, milchsäurehaltige oder salicylhaltige Cremes, Salben und Lotionen wirken feuchtigkeitsspeichernd, halten die Haut weich und helfen bei der Ablösung der Schuppen. Shampoos enthalten teilweise dieselben Wirkstoffe und helfen bei der Schuppenablösung.
  • Vitamin-D3-Abkömmlinge (Calcipotriol, Tacalcitol) dienen der Juckreizlinderung.
  • Kortikoide sind die am häufigsten angewandten Medikamente zur äußerlichen Behandlung.

Licht- und Bade-Therapien

Die Bestrahlung mit UV-Licht kann zu einer Verbesserung der Symptome führen, sollte allerdings nicht dauerhaft eingesetzt werden, da sie das Hautkrebsrisiko erhöhen kann.

  • Am häufigsten wird die Schmalspektrum UVB-Therapie (311nm) angewandt.
  • Die Bestrahlung mit UVA-Licht nach Anwendung eines Mittels, das die Lichtempfindlichkeit erhöht, nennt sich PUVA.
  • Salzwasser (Sole) lindert nicht nur die Beschwerden der Schuppenflechte, sondern macht die Haut auch empfindlicher für Licht. Die Kombination von Badetherapie mit Lichttherapie heißt Balneo-PUVA.
  • Sehr gute Wirkung kann auch eine Klimatherapie haben, z.B. am Toten Meer.

Innerliche Behandlung (Systemische Therapie)

Bei mittelschwerer bis schwerer Schuppenflechte sowie Psoriasis-Arthritis ist eine innerliche (systemische) Behandlung notwendig. Hier steht eine große Auswahl an Medikamenten zur Verfügung, wobei die Biologika in den letzten Jahren deutliche Therapie-Verbesserungen gebracht haben.

  • Fumarsäureester: vor allem für die Langzeittherapie geeignet, da vergleichsweise sicher
  • Methotrexat (MTX): erfolgreich bei Psoriasis pustulosa und Psoriasis-Arthritis
  • Acitretin: mit Lichttherapie; bei Frauen jedoch nur bedingt, da fruchtschädigend
  • Ciclosporin: kurzfristig zu Beginn einer Behandlung geeignet
  • Verschiedene Biologika (z.B. Adalimumab): biotechnologisch hergestellte Antikörper schalten das Immunsystem ganz gezielt aus

Sonstige Therapiemöglichkeiten

Da die Schuppenflechte für viele eine enorme seelische Belastung darstellt, ist es wichtig, dass Betroffene auch psychosoziale Unterstützung erhalten. Um weiteren Psoriasis-Schüben vorzubeugen, sind zudem Entspannungstechniken und Methoden zum Stressabbau sinnvoll.
Selbsthilfegruppen können Betroffenen helfen, positiver mit ihrer Erkrankung umzugehen und Strategien für den Umgang mit Schuppenflechte im Alltag zu erlernen.

Hilfe:
Deutscher Psoriasis Bund e.V. www.psoriasis-bund.de
Psoriasis Selbsthilfe Arbeitsgemeinschaft e.V. www.psoriasis-selbsthilfe.org

Leben mit Schuppenflechte

Psoriasis-Schüben vorbeugen

Neben der individuell abgestimmten Therapie können Betroffene auch selbst dazu beitragen, Krankheitsschüben vorzubeugen. Vor allem ist es hilfreich, die persönlichen Trigger-Faktoren herauszufinden, die bei manchen Betroffenen auch mit einer bestimmten Ernährung zusammenhängen können. Bekannte, häufige Auslöser der Schuppenflechte gilt es zu vermeiden. Dazu gehören unter anderem:

  • Stress
  • Alkohol und Zigaretten
  • Übergewicht
  • Hautreizungen, Sonnenbrand
  • Schwächung des Immunsystems
  • Lebensmittel (manchmal z.B. Fleisch und Wurst, Zitrusfrüchte, scharfe Gewürze, Zucker), die individuelle Verträglichkeit können Betroffene selbst herausfinden, eventuell auch mit Hilfe eines Tagebuches zur Ernährung

Schuppenflechte in der häuslichen Pflege

Ein Therapiepfeiler im Umgang mit der Schuppenflechte ist die intensive, tägliche Hautpflege, was für ältere Menschen oft zu einer Herausforderung wird. Pflegebedürftige Personen benötigen eine besonders gute Unterstützung, damit sich die Erkrankung nicht verschlimmert.
Durch eine Psoriasis-Arthritis kommt es teilweise zu erheblichen Einschränkungen im Alltag, wenn Wirbelsäule bzw. große Gelenke betroffen sind. Das kann bis zu Arbeitsunfähigkeit oder sogar Schwerbehinderung führen. Dadurch sind die Betroffenen auf pflegerische Hilfe von außen angewiesen.

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