Bewegung und Mobilität im Alter steigern nicht nur die Lebensqualität, sondern beugen auch zahlreichen Erkrankungen vor. Untersuchungen zufolge kann die Mobilität vor allem bei Heimbewohnern innerhalb kürzester Zeit abnehmen. Deshalb widmet sich die Pflege intensiv der eingeschränkten Mobilität und den Folgen von Immobilität. Aufgaben und Ziele erhalten Pflegekräfte dabei durch den Expertenstandard Mobilität.

Wir verraten Ihnen heute, wie der Expertenstandard Mobilität in der Pflege aussieht und welche Maßnahmen Sie als pflegender Angehöriger treffen können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mobilität beugt Krankheiten vor, fördert die soziale Teilhabe und die psychische Gesundheit.
  • Das Thema Mobilität hat einen hohen Stellenwert in der Pflege, da die Mobilität insbesondere bei Heimbewohnern schnell abnehmen kann.
  • Der „Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Mobilität“ definiert Ziele und Maßnahmen, um den Pflegealltag für Pflegebedürftige mobiler zu gestalten.
  • Da Medikamente, Krankheiten oder Ängste eine gelungene Mobilität verhindern können, sollten Sie als Angehöriger aufmerksam bleiben.
  • Mit kleinen Übungen können Pflegebedürftige auch im häuslichen Umfeld ihre Mobilität erhöhen.

Warum ist Erhalt und Förderung der Mobilität wichtig?

Uns weitestgehend frei bewegen zu können, zu entscheiden, wann, wie oder wohin uns der eigene Körper trägt, bestimmt ganz maßgeblich unser Wohlbefinden. Schließlich können wir damit unseren Alltag selbstständig und unabhängig gestalten. Mobilität bedeutet auch soziale Teilhabe – die Beweglichkeit unterstützt uns beispielsweise dabei, Freunde zu treffen oder Veranstaltungen zu besuchen.

Mobilität im Alter steigert ebenfalls unsere Lebensqualität, da wir mit Beweglichkeit aktiv Gesundheitsförderung und Prävention betreiben können. Das Risiko für Thrombosen, Obstipation, Sturzverletzungen und Dekubitus ist geringer, wenn täglich Bewegung auf dem Plan steht.

Wussten Sie, dass die Alzheimer Forschung Initiative e.V. Bewegungsmangel zu den Risikofaktoren zählt, die zu der Alzheimer-Krankheit beitragen können? Wie Sie sehen, ist Mobilität in jedem Alter wichtig, damit wir uns gesund und selbstbestimmt fühlen.

Gut zu wissen!

Neben einer kognitiven Beeinträchtigung kann auch eine eingeschränkte Mobilität im Alter Gesundheitsprobleme und eine dauerhafte Pflegebedürftigkeit unterhalten.

Immobilitätssyndrom/Immobilität: Definition

Vielleicht sind Sie im Bereich der Pflege bereits mit den Begriffen Immobilität oder Immobilitätssyndrom in Berührung gekommen. Der Begriff Immobilität steht stellvertretend für eine fehlende Mobilität und ist gebräuchlich, wenn eine Person Probleme damit hat, sich ohne Hilfe fortzubewegen oder sich im Bett anders zu lagern.

Das Immobilitätssyndrom tritt auf, wenn eine zu pflegende Person ihren Körper über eine längere Zeit ruhigstellen muss, zum Beispiel infolge einer Bettlägerigkeit. Mediziner beobachten hier, dass sich das Grundleiden durch die lange Schonzeit verschlimmert – die Muskeln und Knochen bilden sich zurück, die Gelenke werden steif, das psychische Wohlbefinden leidet.

Übrigens: In Deutschland nutzen Ärzte die internationale statistische Klassifikation der Krankheiten, German Modification (ICD-10-GM). Damit verschlüsseln sie Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung. Der Immobilität ICD-Code lautet: ICD R26.3. Für das Immobilisationssyndrom nutzen Mediziner den Code: M62.3.

Was ist Mobilität in der Pflege?

Mobilität hat einen hohen Stellenwert in der Pflege. Vor allem deshalb, weil Immobilität hier ein großes Thema ist.

  • Dreiviertel der im Pflegeheim lebenden Bewohner hat Probleme, sich fortzubewegen oder eine andere Liegeposition einzunehmen.
  • 30 bis 40 % der Menschen, die zuvor keine oder nur wenige kognitive Beeinträchtigungen hatten, werden innerhalb von sechs Monaten zunehmend immobil.
  • Innerhalb von 18 Monaten verschlechterte sich in einer Studie bei 40 % der Bewohner mit Bewegungseinschränkungen die Mobilität weiter.

Die Mobilisation in der Pflege berücksichtigt Maßnahmen, die den Pflegebedürftigen motivieren und aktivieren. Oberstes Ziel ist es, mehr Bewegung in den Alltag zu bringen, um die Selbstständigkeit, die Lebensfreude und die Gesundheit wiederherzustellen bzw. zu erhalten. Pflegekräfte erhalten durch den Expertenstandard Mobilität, herausgegeben vom DNQP, wichtige Impulse für ihren Beruf.

Expertenstandard: Mobilität in der Pflege

Expertenstandards werden durch Experten entwickelt. Die wichtigen Instrumente für den Pflegealltag haben das Ziel, die Qualität zu sichern und weiterzuentwickeln. Um die Praktikabilität sicherzustellen, werden nicht nur pflegewissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch pflegepraktische Erfahrungen mit eingebunden. Mittlerweile gibt es acht Expertenstandards, die Ziele und Maßnahmen für verschiedene Themenbereiche vorgeben. Einer davon ist der Expertenstandard: „Erhalt und Förderung der Mobilität in der Pflege“, den wir Ihnen im Folgenden näher vorstellen möchten.

Mehr Mobilität: der Expertenstandard in 5 Schritten

Expertenstandard Mobilität-5 Schritte

1. Schritt: Mobilität einschätzen

Im ersten Schritt schätzt die Pflegekraft die Mobilität des Pflegebedürftigen ein. Das wird üblicherweise direkt bei der stationären Aufnahme gemacht. In einem sogenannten Assessment beobachtet die Pflegefachkraft den Pflegebedürftigen. So geben das Gangbild, die Körperhaltung, die Koordination oder die Bewältigung der Lebensaktivitäten Aufschluss darüber, wie mobil ein Patient ist. Außerdem können verschiedene Hilfsmittel dabei helfen, die Lage richtig einzuschätzen.

Dazu zählen:

  • Timed Up and Go Test
  • Esslinger Transferskala
  • Erfassungsbogen Mobilität (EBoMo)
  • AAL-Technologien
  • Mobility Monitor (Bewegungsüberwachung mittels Sensor am Bett)
  • Analyse der Mobilität via App

In diesem Schritt geht es aber nicht nur darum, den Pflegebedürftigen aktiv zu beobachten und Analysen anzustellen. Das Personal notiert außerdem vorhandene Probleme, Wünsche und Ressourcen, die der zu Pflegende besitzt.

Achtung: In regelmäßigen Abständen schätzen die Pflegekräfte die Mobilität ihrer Patienten erneut ein. So können eventuell neu aufgetretene Beeinträchtigungen schnell erfasst werden. Gibt es außerhalb der Kontrollintervalle Veränderungen, muss die Pflegefachkraft die Einschätzung der Mobilität gegebenenfalls aktualisieren.

2. Schritt: Maßnahmen planen

Pflegefachkräfte stellen in diesem Schritt ganz individuelle Maßnahmen zusammen. Das ist deshalb so wichtig, da jeder Pflegebedürftige andere Ressourcen und Potenziale besitzt. Das Ziel ist stets, die Mobilität zu erhalten und zu fördern. Grundsätzlich kommen für Pflegebedürftige Einzelinterventionen oder Gruppeninterventionen infrage.

Einzelinterventionen:

  • Bewegungsübungen, um verschiedene Körperregionen anzusprechen
  • Fitnessübungen

Gruppeninterventionen:

  • Übungen, um die Muskulatur zu stärken
  • Übungen mit komplexen Bewegungsabläufen (Beispiel Tanzen)
  • Übungen zur Verbesserung des Gleichgewichts, der Koordination und Kraft

Die einzelnen Übungen werden vonseiten der Pflegefachkraft geplant und koordiniert. Um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen, setzt die Pflegekraft zuvor den Pflegebedürftigen und die Angehörigen in Kenntnis. Außerdem ist es wichtig, weitere Berufsgruppen mit in die Planung einzubeziehen. Mediziner verschiedener Fachbereiche oder Physiotherapeuten helfen dabei, individuell auf den Patienten zugeschnittene Übungen in die Tat umzusetzen.

Wichtig! Die Pflegefachkraft ist nicht nur dafür zuständig, die Maßnahmen zu planen, sondern auch kontinuierlich zu begleiten, um den Prozessfortschritt zu dokumentieren. Das Ergebnis dieses zweiten Schritts ist ein individuell angefertigter Maßnahmenplan zur Erhaltung und Förderung der Mobilität.

3. Schritt: Beratung

In dem Prozesskriterium P3, das dem dritten Schritt entspricht, erhalten Pflegebedürftige und Angehörige die Gelegenheit, offene Fragen zu stellen. Außerdem werden sie über die geplanten Maßnahmen informiert und beraten. Die Pflegekraft vermittelt dem Pflegebedürftigen und den Familienangehörigen was passiert, wenn eine eingeschränkte Mobilität eintritt oder die Immobilität weiterhin besteht. Außerdem werden Perspektiven eröffnet, was sich motivierend auswirken kann. Ziel ist es, die betreffenden Personen vollumfänglich zu informieren und zu beraten, um sie somit aktiv in den Prozess der Mobilisierung mit einzubeziehen.

Gut zu wissen!

Auch bei der Beratung ist Individualität gefragt. Gibt es Probleme oder spezielle Wünsche, werden diese von der Pflegefachkraft zu jeder Zeit berücksichtigt.

4. Schritt: Angebote

Das Konzept Mobilität in der Pflege lebt von regelmäßigen Aktualisierungen. Demnach erhalten die Patienten keinen starren Maßnahmenplan, sondern ein sich entwickelndes Bewegungsmanagement. Dieser vierte Schritt sorgt dafür, dass pflegebedürftigen Menschen in regelmäßigen Abständen Angebote unterbreitet werden, die das Thema Erhaltung und Förderung der Mobilität weiter vorantreiben. Sie rufen die Notwendigkeit von Mobilität wieder in das Gedächtnis des Patienten und motivieren.

Die Pflegefachkraft ist dafür verantwortlich, dass diejenigen Maßnahmen, die Pflegende und Pflegebedürftige gemeinsam abgestimmt haben, auch durchgeführt werden. Genau das geschieht in diesem Prozesskriterium. Die Pflegefachkraft muss hierzu den Maßnahmenplan, der bereits im zweiten Schritt angefertigt wurde, umsetzen und dazu laufend dokumentieren.

5. Schritt: Evaluation

Wie erfolgreich die Maßnahmen tatsächlich sind, erfahren Pflegekraft, Pflegebedürftiger und Angehörige in diesem Schritt. Hierfür erkundigt sich die Pflegeperson beim Pflegebedürftigen danach, wie er die Mobilisierung und den Grad der Beweglichkeit selbst empfindet. Außerdem werden beteiligte Berufsgruppen oder Angehörige befragt.

Durch verschiedene Eindrücke und Beurteilungen gelingt es so, die bisher erfolgten Maßnahmen zu beurteilen. Manchmal ist es sinnvoll, Veränderungen im Maßnahmenplan zu implementieren, um noch bessere Ergebnisse zu erreichen. Diese Aktualisierungen müssen dokumentiert und mit dem Pflegebedürftigen besprochen werden.

Gut zu wissen!

Die interne Evaluation des Maßnahmenplans kann durch das interne und externe Qualitätsmanagement ergänzt werden. Hierzu können die Beurteilung der Mobilität in den letzten 6 Monaten (über die gesamte Einrichtung hinweg), die Anzahl der Dekubitus-Fälle oder die Häufigkeit von Stürzen beitragen.

Expertenstandard Mobilität: Zusammenfassung

Der Expertenstandard Mobilität in der Pflege hat das Ziel, die Mobilität zu erhalten und zu fördern. Durch einen vorgegebenen Prozess, der sich von der Beurteilung der momentanen Mobilität bis zur Evaluation durchgeführter Maßnahmen zieht, gelingt es, die Mobilität fest im Pflegealltag zu verankern. Damit die verschiedenen Maßnahmen auch greifen, sollten Patienten und Angehörige stets in den Prozess mit einbezogen werden.

Der Expertenstandard Mobilität ist kein Einzelgänger. In der Praxis ergeben sich viele Berührungspunkte mit dem Expertenstandard Sturzprophylaxe und dem Expertenstandard Dekubitusprophylaxe. Grund dafür ist, dass eine Immobilität das Risiko für einen Dekubitus (Druckgeschwür) und einen Sturz erhöhen kann. Gelingt es, die Mobilität bei einem Patienten zu verbessern, erhöht das auch die Chancen, andere wichtige Ziele im Pflegealltag zu erreichen.

Übrigens: Das Wissen, rund um das Thema Expertenstandards, müssen Pflegekräfte selbst verinnerlichen und in die Tat umsetzen. Einrichtungen können ihre Mitarbeiter mit Informationsmaterialien und Fortbildungen unterstützen.

Mobilität im Alter erhalten: Tipps für pflegende Angehörige

Kümmern Sie sich um einen pflegebedürftigen Angehörigen? Dann begleitet Sie das Thema Mobilität im Alter wahrscheinlich Tag für Tag. Auch im häuslichen Umfeld ist es wichtig, dass sich Pflegebedürftige regelmäßig bewegen, unter anderem, um aktiv Prävention zu betreiben. Sie können Ihren Angehörigen mit folgenden Tipps tatkräftig dabei unterstützen.

  • Motivieren Sie Ihren Familienangehörigen, möglichst viele Tätigkeiten selbst zu erledigen, zum Beispiel beim Ankleiden, der Körperpflege oder der Nahrungsaufnahme. So fördern Sie die Fingerfertigkeit und Selbstständigkeit.
  • Erledigen Sie Tätigkeiten gemeinsam, öffnen Sie gemeinsam den Briefkasten, decken sie gemeinsam den Tisch oder sortieren sie gemeinsam das Bücherregal.
  • Erinnern Sie Ihren Familienangehörigen daran, sich mindestens einmal pro Tag zu bewegen. Am besten verbinden Sie die Bewegung mit einem schönen Ziel: dem Gang zum Kaffee oder in den Fernsehsessel.
  • Absolvieren Sie gemeinsam mit Ihrem Angehörigen Übungen für pflegebedürftige Menschen. Besonders geeignet: Einheiten zum Trainieren von Kraft, Gleichgewicht oder Koordination.
  • Nutzen Sie vielfältige Angebote, online und offline, damit Ihr Angehöriger viele Impulse für einen mobilen Alltag erhält. Die Webseite Älter werden in Balance stellt in kurzen Videos vor, wie Bewegung im Alltag praxisnah funktioniert.
  • Motivieren Sie Ihren Familienangehörigen. Drängen oder Überreden führen nur selten zum Ziel. Probieren Sie es mit motivierenden Hilfsmitteln wie Gymnastikbällen, Hanteln oder einem Schrittzähler.

Gut zu wissen!

Nicht jeder Pflegebedürftige hat die gleichen Bedürfnisse und Fähigkeiten. Deshalb ist es sinnvoll, die Übungen an den Pflegegrad Ihres Familienangehörigen anzupassen. Berücksichtigen Sie eventuell vorhandene Grunderkrankungen wie Arthritis oder Herzschwäche. Wenn Sie unsicher sind, können Sie sich bei einem Mediziner, Physiotherapeuten oder bei einem Pflegestützpunkt informieren.

Patienten-Beispiel: Welche Maßnahmen sind möglich, um die Mobilität zu fördern?

Sie möchten praxisnah erfahren, wie Mobilisierungsmaßnahmen im Alltag wirken können? Prima, denn dafür haben wir Ihnen ein Praxisbeispiel skizziert.

  • Frau Schiller ist 72 Jahre alt. Sie leidet unter Demenz und Morbus Parkinson. Kurze Strecken kann Frau Schiller noch mit dem Rollator bewältigen, ihr Gang ist jedoch instabil. Außerdem hat sie mit Gleichgewichtsstörungen zu kämpfen. Frau Schiller hat chronische Schmerzen im rechten Bein.
  • Problem: zunehmender Bewegungsmangel, Sturzrisiko.
  • Maßnahmen: Körperliches Training zur Muskelstärkung (leichtes Hanteltraining, Kniebeugen), Gleichgewichtstraining (Stehen wie ein Flamingo – mit Hilfe, Luftballonspiel).
  • Hilfsmittel: Niedrigbett, Anpassung der Sehhilfe und des Schuhwerks, Bettalarmsystem, Hüftprotektoren

3 Übungen für mehr Mobilität

Es muss nicht immer das große Fitnessprogramm sein. Selbst kurzweilige Übungen können wichtige Muskelgruppen und den Gleichgewichtssinn hervorragend ansprechen.

1. Beinmuskulatur im Sitzen kräftigen:

  1. Bitten Sie Ihren Angehörigen, sich auf einen Stuhl zu setzen, ohne sich anzulehnen.
  2. Nun zieht Ihr Angehöriger die Fußspitze an und hebt dabei das Bein leicht an.
  3. Für etwa 3 Sekunden wird das Bein in möglichst waagerechter Position gehalten.
  4. 8 Wiederholungen, 3 Durchgänge, zwischendurch 30 Sekunden Pause.

2. Koordination trainieren mit einem Handtuch:

  • Bitten Sie Ihren Angehörigen sich gerade hinzustellen.
  • Nun wirft Ihr Familienmitglied mit einer Hand das Handtuch in die Luft und fängt es mit der anderen auf.
  • Indem der Pflegebedürftige das Handtuch höher oder schneller wirft, kann er den Fitnesslevel selbst bestimmen.

3. Hüft-Beweglichkeit trainieren

  • Bitten Sie Ihren Angehörigen, sich in aufrechter Position hinzustellen.
  • Nun legt der Pflegebedürftige jeweils eine Hand auf die passende Hüfte.
  • Ihr Familienangehöriger beginnt nun, die Hüfte zu kreisen – mal in die eine, dann in die andere Richtung.

Mobilität im Alter: Probleme und Perspektiven

Die Bewegungsfähigkeit nimmt im Alter ab, das ist ein normaler Prozess. Allerdings kann Mobilität, unabhängig vom Alter, gefördert werden. Neben gezielten Übungen kann es sinnvoll sein, die Ursachen der zunehmenden Bewegungseinschränkung zu hinterfragen. Nicht immer sind nämlich alleine physiologische Faktoren für den Mobilitätszustand verantwortlich.

Manche Menschen bewegen sich im Pflegeheim nicht nur weniger, weil sie ein hohes Lebensalter oder eine Krankheit aufweisen, sondern weil sie sich schlichtweg nicht trauen, eine Pflegekraft darum zu bitten, sie bei der Mobilisation zu unterstützen.

Haben Sie den Eindruck, dass sich Ihr Angehöriger gerne bewegen möchte? Suchen Sie das Gespräch und entwickeln sie gemeinsam einen Bewegungsplan. Was viele nicht wissen: Medikamente, die sedierend wirken, können die Beweglichkeit und damit die Mobilisation herabsetzen. In dem Fall können Mediziner ein anderes Medikament finden oder die Dosierung herabsetzen. Das kann auch sinnvoll sein, um Stürzen vorzubeugen.

Gut zu wissen!

Manchmal gleicht es einer Detektivarbeit, die Ursachen für eine zunehmende Unbeweglichkeit herauszufinden. Trotzdem lohnt es sich, denn so können Sie Ihrem Angehörigen zukünftig vielleicht mehr Lebensfreude ermöglichen.

Demenz und Immobilität

Im Pflegeheim sind vor allem demenzielle Erkrankungen dafür verantwortlich, dass Pflegebedürftige kognitive Einschränkungen haben. Von der voranschreitenden Erkrankung ist aber nicht nur das Denkvermögen, die Urteilsfähigkeit, die Wahrnehmung und das Gedächtnis betroffen, sondern auch die körperlichen Fähigkeiten. Sie können ebenfalls immer mehr verloren gehen. Der Zusammenhang zwischen Demenz und Immobilität wurde in einer Untersuchung an Heimbewohnern deutlich gemacht.

Folgende Tabelle berücksichtigt zwei Bewohnergruppen. Die eine Gruppe hat keine kognitiven Beeinträchtigungen, die andere hingegen schon. In der Tabelle erkennen Sie, dass diejenigen Bewohner mit weitestgehendem Verlust kognitiver Fähigkeiten deutlich häufiger von Immobilität betroffen sind.

Selbstständigkeit im Bereich der Mobilität Bewohner ohne kognitive Einbußen Bewohner mit weitgehendem Verlust kognitiver Fähigkeiten
Keine Beeinträchtigung (selbstständig) 43,2 % 10,3 %
Geringe Beeinträchtigung 30,6 % 7,9 %
Erhebliche Beeinträchtigung 13,4 % 8,7 %
Schwere Beeinträchtigung 7,3 % 12,3 %
Weitgehender/vollständiger Verlust der Selbstständigkeit 5,5 % 60,9 %
Insgesamt 100 % 100 %

Demenz feststellen: Wo bekomme ich Hilfe?

Im Internet können Sie nach dem Stichwort „Demenzselbsttest“ suchen. Mit der Beantwortung einiger Fragen erhalten Sie so eine erste Einschätzung. Wichtig: Um herauszufinden, ob Ihr Familienangehöriger wirklich eine demenzielle Erkrankung hat, können Sie sich an folgende Ansprechpartner wenden:

  • Neurologe
  • Memory-Kliniken, das sind spezielle Einrichtungen in Krankenhäusern, in denen Mediziner eine Demenz diagnostizieren können.
  • Gedächtnissprechstunde, hier stehen Ihnen Fachärzte und Psychologen zur Seite.

FAQ - Häufige Fragen zum Expertenstandard Mobilität