In der Pflege von Angehörigen stellt Bettlägerigkeit eine psychische und körperliche große Belastung für Pflegende und Gepflegte dar. Wenn bettlägerige Personen sich kaum noch selbständig bewegen können, schädigt das nicht nur das Selbstwertgefühl, auch die Lebenserwartung sinkt durch den steten körperlichen Abbau enorm. Bettlägerigkeit kann jedoch in vielen Fällen, z.B. durch eine frühzeitige Mobilisierung nach einer Krankheit, vermieden werden.

Sanubi erklärt im Folgenden was genau Bettlägerigkeit ist und gibt Tipps zur Pflege von bettlägerigen Angehörigen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bettlägerigkeit bedeutet, dass Menschen den Großteil ihres Lebens im Bett verbringen und sich ohne fremde Hilfe nicht mehr frei bewegen können.
  • Verursacher kann ein Unfall oder Krankheit sein. Aber auch psychische Faktoren können eine Rolle spielen.
  • Bettlägerigkeit entsteht normalerweise über einen längeren Zeitraum und in 5 Phasen: Instabilität, Ereignis, Immobilität, Örtliche Fixierung, Vollständige Immobilität.
  • Bettlägerigkeit hat körperlichen und seelischen Abbau zur Folge, was die Immobilität wiederum verstärkt.
  • Durch frühzeitige Bewegung kann eine strikte Bettlägerigkeit hinausgezögert oder sogar verhindert werden.

Definition – Wann ist man bettlägerig?

Definition:
Als bettlägerig gelten Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt im Bett oder einer anderen Liegemöglichkeit verbringen und auf fremde Hilfe angewiesen sind, um sich aus dem Bett zu begeben.

Der entscheidende Faktor ist dabei, dass Gepflegte sich nicht selbständig bewegen können, also beispielsweise die Toilette nicht alleine aufsuchen können.

Bettlägerigkeit kann allerdings unterschiedlich stark ausgeprägt sein. So können Betroffene bei einer leichten Form mehrere Stunden außerhalb des Bettes verbringen. Bei strikter Bewegungsunfähigkeit kann das Bett nicht mehr verlassen werden und Patienten können sich auch innerhalb des Bettes nicht mehr bewegen.

Unterschied zwischen Bettruhe und Bettlägerigkeit

Auch wenn die Begriffe oft synonym verwendet werden, Bettlägerigkeit und Bettruhe sind nicht dasselbe! Bettruhe ist ein temporärer Zustand, zum Beispiel nach einer Operation, und von gesundheitlichem Nutzen. Bettlägerigkeit ist dagegen eine langfristige Kondition, die den allgemeinen gesundheitlichen Zustand eher verschlechtert.

Ursachen und Risikofaktoren für Bettlägerigkeit

Bettlägerigkeit wird im Allgemeinen nicht durch eine einzige Situation verursacht, sondern entsteht durch verschiedene Umstände, die eine zunehmende Immobilität begünstigen und schließlich schwer umkehrbar machen. Der wahrscheinlich häufigste Auslöser ist ein Unfall. Aber auch eine Krankheit, die schwächt oder demobilisiert, kann zu Bettlägerigkeit führen. Auch psychische Faktoren können einen solchen Zustand begünstigen oder sogar auslösen.

Gut zu wissen!

Viele ältere Menschen haben Angst zu stürzen und sich dabei zu verletzen und vermeiden aufgrund dessen körperliche Aktivität. Allerdings führt genau diese verminderte Aktivität zu einem erhöhten Sturzrisiko.

Bettlägerig durch Unfall

Ein Unfall, wie zum Beispiel ein Sturz, kann gerade im Alter zu starken Verletzungen wie Knochenbrüchen führen. Die damit einhergehenden oft langwierigen Klinikaufenthalte und Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit führen schnell zu einem Abbau der Muskulatur und verstärken so die Immobilität. So kann ein Sturz der Auslöser für einen Teufelskreis von Bewegungsarmut und dadurch beförderte Bewegungsunfähigkeit sein.

Vorbeugen von Stürzen

Insbesondere innerhalb der eigenen Wohnung lassen sich Stürze durch eine Anpassung der Wohnverhältnisse gut vermeiden. Durch das Beseitigen von Stolperfallen wie dicken Teppichen oder Kabeln, kann das Stolperrisiko stark minimiert werden. Geh- und Sehhilfen können gesundheitliche Defizite gut ausgeglichen.

Eingeschränkte Bewegungsfreiheit bei Krankheit

Die verschiedensten Krankheiten können zu Bettlägerigkeit führen oder eine solche begünstigen. Grundsätzlich stellen Krankheiten, die ans Bett fesseln oder körperlich schwächen, Risikofaktoren dar.

Dazu zählen unter anderem:

Psychische Faktoren die Bettlägerigkeit begünstigen

Psychische Faktoren tragen einen wichtigen Beitrag zur Bewegungsfreude von Senioren bei. Der Umgang mit der eigenen Krankheit kann für den Heilungsprozess entscheidend sein, wenn Menschen beschließen gegen die steigende Immobilität anzukämpfen oder sich ihr hingeben.

Psychische Belastung oder soziale Isolation, aber auch traumatische Erlebnisse, wie der Verlust eines geliebten Menschen, können außerdem Auslöser für den Rückzug in das eigene Bett und damit eine Bettlägerigkeit sein.

Wie kommt es zu einer Bettlägerigkeit?

In einer Studie von Dr. Angelika Zegelin wurden fünf Phasen identifiziert, welche im Allgemeinen durchlaufen werden, wenn Patienten bettlägerig werden. Betroffene sind meistens unsicher beim Gehen und können sich dann beispielsweise durch einen Sturz weniger bewegen. Dies kann dazu führen, dass Patienten sich nicht mehr selbstständig bewegen können und schlussendlich ans Bett gefesselt sind.

Fünf Phasen der Bettlägerigkeit

1. Phase: Instabilität

Bettlägerigkeit beginnt mit, bzw. wird durch allgemeine Unsicherheit beim Gehen begünstigt. Die Person bewegt sich außer Haus und auch zunehmen innerhalb der eigenen Wohnung mit Gehhilfen. Ältere Menschen schränken sich außerdem aus Angst vor einem Unfall oft selbst in ihrer Bewegungsfreiheit ein oder werden durch ihr Umfeld dazu motiviert. Die geringere Bewegung verstärkt das unsichere Gehen dann wiederum.

2. Phase: Ereignis

Die zweite Phase ist durch ein einschneidendes Ereignis, wie einen Sturz oder Krankenhausaufenthalt, geprägt. Aufgrund mangelnder Ansprache und Motivation durch das Pflegepersonal und Angst vor einem (erneuten) Sturz, bleiben Patienten meist im Bett liegen. Auch eine Verlegung in ein Pflegeheim kann zu einem kleineren Bewegungsradius führen. Durch die mangelnde Aktivität verringert sich die dann wiederum die Beweglichkeit.

3. Phase: Immobilität im Raum

In dieser Phase sind die Betroffenen schon stark eingeschränkt und können sich ohne fremde Hilfe nicht mehr im Raum bewegen. Das bedeutet, dass sämtliche Positionswechseln mit Unterstützung durchgeführt werden müssen und so die Selbstständigkeit der Betroffenen zusätzlich eingeschränkt wird. In dieser Phase sind eine aktive Motivation und Aktivierung durch Pflegepersonal und Angehörigen entscheidend um die Bettlägerigkeit hinauszuzögern.

4. Phase: Örtliche Fixierung

Mit der örtlichen Fixierung sind die Betroffenen nun vollständig auf Hilfe angewiesen und können Bett oder Rollstuhl nicht selbstständig aufsuchen bzw. verlassen. In dieser Phase stellt sich bei Betroffenen und Angehörigen häufig die Erwartung ein, dass der Zustand der Bettlägerigkeit unumkehrbar ist.

5. Phase: Vollständige Immobilität

Die finale Phase verbringen die Betroffenen komplett im Bett, verlassen es also auch nicht mehr, um z.B. die Toilette aufzusuchen. Der starke Kontrollverlust wird von Betroffenen als besonders belastend wahrgenommen.

Was sind die Folgen von Bettlägerigkeit?

Bettlägerigkeit hat sowohl körperlich als auch psychisch schwere Folgen für die Betroffenen.

Körperliche Folgen der Bettlägerigkeit

Durch die geringe Aktivität bauen gerade ältere Bettlägerige körperlich schnell ab. Dies hat weitreichende Folgen:

  • Mineralstoffmangel und veränderter Elektrolyten-, Säure-Basen- und Wasserhaushalt durch verstärkte Urinausscheidung
  • Verringerte Herzleistung, welche zu Herzinsuffizienz (Herzschwäche) und Thrombosen (Blutgerinnsel) führen kann
  • Verringertes Lungenvolumen
  • Rückbildung von Gewebe und Muskeln (Inaktivitätsatrophien)
  • Erhöhte Dekubitusgefahr (Druckgeschwüre)
  • Verlangsamter Stoffwechsel (z.B. Verstopfung, Gewichtszunahme)

Seelische Folgen der Bettlägerigkeit

Auch auf psychischer Ebene leiden Betroffenen häufig stark:

  • eingeschränkte Wahrnehmung
  • kognitive und psychische Veränderungen, wie verringertes Selbstvertrauen und Depression

Wichtig:

Durch die extreme Abhängigkeit von Anderen leidet das Selbstwertgefühl von Bettlägerigen oft stark. Dieser Effekt kann durch eine Teilhabe der Gepflegten an Pflegeprozessen und Einbindung in das Alltagsleben abgemildert werden. Durch Anpassungen des Wohnraums, bzw. des zu sich holen wichtiger Gegenstände, kann mehr Autonomie geschaffen werden.

Pflege von Angehörigen – Was tun bei Bettlägerigkeit?

Wenn ein Angehöriger das Bett kaum oder gar nicht verlassen kann, ist das eine herausfordernde Situation für Pflegende und Gepflegte. Wichtig ist vor allem den Bettlägerigen regelmäßig zu mobilisieren und so ein Voranschreiten des Prozesses zu verlangsamen und möglichst viel Lebensqualität zu erhalten.

Warum ist es wichtig bettlägerige Patienten zu mobilisieren?

Um die Bewegungsfähigkeit zu erhalten, sollten Pflegebedürftige möglichst früh und ausreichend bewegt werden. Dies kann durch kleine, aktivierende Übungen passieren, wie Greifübungen oder auch das 3-Schritte-Training. So wird der Muskelaufbau und Erhalt der Körperfunktionen gefördert und schlimmere Folgen der Bewegungsunfähigkeit werden vermieden.

Gut zu wissen!

Eine individuelle Ansprache basierend auf persönlicher Motivation von Angehörigen kann für den Trainingserfolg ausschlaggebend sein. Überlegen Sie sich, was Ihren Angehörigen am ehesten dazu anregt, das Bett verlassen zu wollen. Persönliche Motive sind oft der größte Ansporn im Kampf gegen die steigende Immobilität.

Sind bettlägerige Personen nicht mehr fähig sich eigenständig zu bewegen, kann die Mobilisation (Bewegung) auch durch pflegende Angehörige oder Pflegepersonal durchgeführt werden. Dabei werden die Gelenke passiv und sanft bewegt.

Bobath-Konzept

Das Bobath-Konzept stellt eine häufig angewendete Methode dar, um das Leiden von Bettlägerigen zu reduzieren und Beweglichkeit zu fördern.

Umlagerung von bettlägerigen Angehörigen

Gerade bei Patienten mit strikter Bettlägerigkeit ist eine regelmäßige Umlagerung essenziell um Folgeerkrankungen, wie Druckgeschwüre, zu vermeiden. Der Patient sollte hierbei möglichst viel miteinbezogen werden, um schmerzhafte Umlagerungen zu vermeiden. Ziel ist es den Liegedruck auf eine möglichst große Körperfläche zu verteilen.

Gut zu wissen!

Gerade für Laien stellt die Pflege eine große Herausforderung dar und kann Gepflegte bei falscher Ausführung eher schaden als helfen. Von der Pflegekasse gezahlte Pflegekurse vermitteln Grundlagen zur Pflege und Versorgung von Angehörigen.

 

Pflegegrad bei Bettlägerigkeit

Bettlägerige haben im Allgemeinen einen Anspruch auf einen höheren Pflegegrad, da sie auf intensive Betreuung von außen angewiesen sind. Je nach Bedürftigkeit bekommt der Gepflegte sowohl Geld-, als auch Sachmittel, wie Pflegehilfsmittel.

Hilfsmittel für Bettlägerige

Für die Pflege von Bettlägerigen gibt es zahlreiche Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern. Die Pflegekasse oder Krankenkasse übernimmt die Kosten hierfür oft anteilig. Pflegehilfsmittel werden in der häuslichen Pflege täglich verwendet und von der Pflegekasse monatlich mit bis zu 60 € erstattet. Als Pflegehilfsmittel zählen unter anderem Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhe oder Bettschutzeinlagen.

FAQ - Häufige Fragen zu Bettlägerigkeit