Chronische Schmerzen sind ein Dauerthema in der Pflege. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz geht davon aus, dass hierzulande über 260.000 Menschen in Pflege- und Altersheimen davon betroffen sind. Neben chronischen Schmerzen können auch akute Schmerzen die Lebensqualität deutlich reduzieren. Durch ein gutes Schmerzmanagement und eine zielgerichtete Schmerztherapie gelingt es jedoch, selbst ausgeprägte oder chronische Schmerzen zu lindern.

Wir verraten Ihnen heute, wie ein Schmerzmanagement in der Pflege aussieht und was Sie als Angehöriger im Pflegealltag beachten sollten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mediziner unterscheiden akute von chronischen Schmerzen.
  • Verschiedene Schmerzskalen helfen Angehörigen, Pflegekräften und Medizinern dabei, den Schmerz einzuschätzen und zu beurteilen.
  • Das Schmerzmanagement umfasst die Schmerzeinschätzung, Therapieplanung, Schmerztherapie und die Verlaufskontrolle.
  • Angehörige sollten Schmerzen stets ernst nehmen und sich gegebenenfalls an den behandelnden Arzt wenden.
  • Der Expertenstandard Schmerzmanagement vermittelt Pflegefachkräften Ziele und Aufgaben im Bereich Schmerzmanagement.
  • Die Weiterbildung Pain Nurse (Schmerzmanagement in der Pflege) richtet sich an Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung im Bereich der Pflege.

Das Thema Schmerzen kurz zusammengefasst

Wir alle kennen Schmerz und wissen, dass er sich ganz unterschiedlich äußern kann. Doch was ist Schmerz eigentlich genau? Die Experten der International Association for the Study of Pain (ISAP) beschreiben Schmerz als ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis. Schmerzen können darauf hindeuten, dass eine Gewebeschädigung droht oder bereits vorliegt. Allerdings können Schmerzen auch psychologisch bedingt sein. Patienten beschreiben dumpfe, reißende, ziehende, schneidende oder brennende Schmerzen. Diese Schmerzsymptome können ein Hinweis darauf liefern, welche Schmerzart vorliegt.

Schmerzarten im Überblick

Schmerzarzt Schmerzsymtome Mögliche Ursachen
nozizeptiver/ somatischer Schmerz Ziehender oder brennender Schmerz, eindeutig lokalisierbar, unabhängig von Bewegung Wunden, Entzündungen, Verbrennungen
viszeraler Schmerz dumpfer oder krampfartiger Schmerz, schlecht lokalisierbar Gallenkolik, Herzinfarkt
neuropathischer Schmerz stechender, brennender, reißender Schmerz, Missempfindungen Nervenschäden, auch nach Ausheilung noch möglich (chronische Schmerzen)
psychosomatischer/ psychogener Schmerz Dumpfe, stechende oder ziehende Schmerzen Bauchschmerzen, Kopfschmerzen

Akute Schmerzen und chronische Schmerzen: Unterschied

Mediziner unterscheiden zwischen akuten und chronischen Schmerzen. Diese Unterscheidung hilft auch bei der späteren Behandlung. Ein akuter Schmerz hat eine wichtige Signalwirkung. Er vermittelt Ihnen, dass Ihr Körper einer Gefahrenquelle ausgesetzt ist, zum Beispiel einer heißen Herdplatte oder einer unentdeckten Entzündung im Organismus. Auch wenn der Schmerz als unangenehm wahrgenommen wird, ist er äußerst nützlich, um Schäden zu vermeiden. Der chronische Schmerz warnt Sie hingegen nicht vor akuten Gefahren, sondern stellt eine überflüssige Beeinträchtigung für Ihren Organismus dar. Patienten empfinden ihn als sehr belastend, da er mehr als drei Monate andauert oder regelmäßig wiederkehrt.

Gut zu wissen!

Der akute Schmerz dauert in der Regel nur wenige Stunden bis Tage an, wohingegen der chronische Schmerz über Jahre bestehen bleiben kann. Außerdem ist die chronische Schmerzform nicht genau lokalisierbar. Chronische Schmerzen, also solche, die länger als drei Monate anhalten, betrachten Mediziner als eigenständige Krankheit.

Wie wird Schmerzmanagement definiert?

Die Schmerztherapie hat das Ziel, Schmerzen gänzlich zu reduzieren oder zumindest effektiv zu lindern. Daran knüpft im Rahmen des Schmerzmanagements ein medizinischer Vorgang an, der auf Basis von vier Schritten, ärztlich und pflegerisch begleitet wird. Das Schmerzmanagement setzt auf eine Vielzahl an Therapieangeboten – dazu zählen Medikamente, psychologische Sitzungen oder Bewegungstherapien. Welche Therapieansätze Mediziner bei Schmerzen empfehlen, richtet sich nach der Schmerzausprägung und der zugrunde liegenden Ursache. Bei der Schmerzmanagement-Definition darf auch der Hinweis nicht fehlen, dass die Ausbildung der Pflegekräfte eine zentrale Rolle bei dem Erfolg der Maßnahmen einnimmt. Zahlreiche Institute geben die Möglichkeit, sich im Bereich Schmerzmanagement weiterzubilden, dazu später mehr.

Schmerzmanagement in der Pflege: 4 Stufen

Im Schmerzmanagement ist eine strukturierte Vorgehensweise besonders wichtig. So gelingt es Medizinern und Pflegekräften, Schmerzen richtig einzuschätzen, die Ziele zu definieren, die Therapieschritte zu entwerfen und die Behandlungsergebnisse zu überwachen. Der 4-Stufen-Plan sieht folgendes vor:

1. Schritt: Schmerz erfassen und analysieren

Schmerz ist nicht gleich Schmerz – das bestätigen zahlreiche Patienten. Zunächst sollte unterschieden werden, ob es sich um einen akuten oder chronischen Schmerzzustand handelt. Schließlich führt diese Einteilung zu unterschiedlichen Behandlungsansätzen. Zur Erinnerung: Akuter Schmerz dauert kurz an und besitzt eine Warnfunktion. Chronischer Schmerz ist langanhaltend und warnt den Körper nicht. Jemandem verständlich zu erklären, wie stark der Schmerz ist, gestaltet sich nicht immer einfach. Vor allem bei Menschen, die sich aufgrund einer Erkrankung nicht äußern können, zum Beispiel bei Demenz, können Schmerzen unentdeckt bleiben. Schmerzskalen sind sehr hilfreich, um Schmerzen zu verdeutlichen.

Schmerzskalen in der Übersicht:

VRS (Verbal Rating Skala)

Vorteile der VRS: 

  • dient zur Selbsteinschätzung
  • auch in der häuslichen Pflege nutzbar
  • kann einfach in Schmerztagebücher eingebunden werden
  • setzt auf einfache Begrifflichkeiten
Numerische Rating Skala (NRS)

Vorteile der NRS:

  • dient zur Selbsteinschätzung
  • auch in der häuslichen Pflege nutzbar
  • kann einfach in Schmerztagebücher eingebunden werden
  • setzt ausschließlich auf Ziffern
Visuelle Analog Skala (VAS)

Vorteile der VAS:

  • dient zur Selbsteinschätzung
  • auch in der häuslichen Pflege nutzbar
  • kleinere Abstufungen beim Schmerzempfinden möglich
  • visuell sehr ansprechend
Gesichter Skala

Vorteile der Gesichter-Skala:

  • dient zur Selbsteinschätzung
  • gut bei Kindern anwendbar (sie wählen das passende Gesicht)
  • auch in der häuslichen Pflege nutzbar
  • sehr anschaulich dargestellt

Schmerzskalen: Fremdeinschätzung möglich, für Laien aber schwierig

Natürlich gibt es auch Instrumente zur Fremdeinschätzung, wenn der Patient nicht selbst in der Lage ist, die Intensität seiner Schmerzen mitzuteilen. Nur ein Beispiel ist die BESD (Beurteilung von Schmerzen bei Demenz), bei der Punktwerte in verschiedenen Kriterien vergeben werden. Um die BESD-Skala mit Punkten zu versehen, müssen Pflegekräfte den Patienten zunächst beobachten. Die korrekte Anwendung oder Deutung ist für Laien aber in der Regel schwierig. Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Angehöriger unter Schmerzen leidet, sollten Sie sicherheitshalber einen Arzt hinzuziehen. Er kann durch verschiedene Verfahren feststellen, ob der Patient unter Schmerzen leidet und wie intensiv die Schmerzen sind.

Gut zu wissen!

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. stellt für Pflegefachkräfte oder pflegende Angehörige Musterdokumente bereit, wie den Deutschen Schmerz-Fragebogen, den Schmerz-Verlaufsfragebogen und das Schmerz-Tagesprotokoll.

2. Schritt: Therapieziele entwerfen

Das Schmerzmanagement in der Pflege bei akuten Schmerzen und das Schmerzmanagement in der Pflege bei chronischen Schmerzen definiert im zweiten Schritt die Therapieziele. Diese können je nach Ursache, Ausprägung und Verlauf der Schmerzen sehr unterschiedlich ausfallen. Oberstes Ziel ist es, die Lebensqualität des Patienten aufrechtzuerhalten. Weitere Ziele sind die Reduktion von Schmerzen und im besten Fall ein komplettes Ausschalten des Schmerzes. Um die Therapieziele zu erreichen, sollten die ursächlichen Faktoren der Schmerzen analysiert und im Anschluss behoben werden. Bei der Festsetzung der Therapieziele ist es wichtig, realistische Ziele zu definieren. Ein Patient, der schon seit vielen Jahren unter chronischen Schmerzen leidet, wird womöglich auch durch ein ausgereiftes Therapiekonzept nie ganz schmerzfrei werden. Allerdings können selbst ausgeprägte und langwierige Schmerzen gelindert werden.

3. Schritt: Schmerz therapieren

Die Schmerztherapie ist ein wesentlicher Teil des Schmerzmanagements. Hier geht es darum, den Schmerz zu lindern oder ihn gänzlich zu beseitigen. In der Schmerztherapie wird eine Vielzahl an therapeutischen Maßnahmen eingebunden. Deshalb ist die Schmerztherapie in der Regel nicht auf einen Fachbereich begrenzt, sondern setzt auf verschiedene Fachdisziplinen wie Ärzte, Psychologen und Physiotherapeuten. Sie alle arbeiten daran, dass der Patient zukünftig weniger Schmerzen und eine bessere Lebensqualität erwarten. Auch wenn Medikamente nicht zwangsläufig oder langfristig zum Einsatz kommen müssen, berücksichtigt die Schmerztherapie das WHO-Stufenschema.

Was ist das WHO Stufenschema (Schmerzmanagement)?

Noch bevor die Schmerztherapie startet, entwickeln Mediziner einen individuellen Medikationsplan. Erhält der Patient bereits Medikamente, wird der Plan optimiert bzw. aktualisiert. Liegen andere Erkrankungen vor, achten Mediziner auch auf mögliche Wechselwirkungen mit übrigen Medikamenten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat spezielle Richtlinien für die medikamentöse Schmerztherapie entwickelt. Mit dem Drei-Stufen-Schema unterstützt die WHO Mediziner, um eine bedarfsgerechte Behandlung von gering ausgeprägten, mittelstarken und starken Schmerzen zu behandeln.

Stufe Arzneimittel
1. Stufe Nichtopioid Analgetika
2. Stufe Nichtopioid-Analgetika plus mittelstarke Opioid-Analgetika
3. Stufe Nichtopioid-Analgetika plus starke Opioid -Analgetika

Hierbei entscheidet der Arzt selbst, in welche Stufe er den Patienten einteilt.

Achtung: In allen drei Therapiestufen hat der Mediziner die Möglichkeit, zusätzliche Medikamente, sogenannte Koanalgetika, zu empfehlen. Das sind beispielsweise abschwellende Arzneimittel, Antidepressiva oder krampflösende sowie muskelentspannende Präparate.

Chronische Schmerzen: der multimodale Ansatz

Vielleicht haben Sie im Zusammenhang mit chronischen Schmerzen schon einmal von dem sogenannten multimodalen Ansatz gehört. Hier werden mehrere Behandlungsmethoden miteinander kombiniert, um bessere Resultate hinsichtlich der Schmerzen zu erreichen. Mediziner entscheiden sich für diesen Ansatz, wenn einzelne Therapiemaßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg führen oder gänzlich wirkungslos bleiben.

Folgende Therapiemaßnahmen können miteinander kombiniert werden:

  • Arzneimittel
  • Physikalische Therapie (Bewegungstherapie, Massagen, Krankengymnastik und Co.)
  • Komplementäre Verfahren (Akupunktur, Naturheilverfahren)
  • Invasive Verfahren (Injektionen, um den Schmerz direkt zu betäuben)

4. Schritt: Bewertung

Wie effektiv die Therapiemaßnahmen sind, zeigt die anschließende Evaluation. Besonders hilfreich sind Schmerztagebücher, in denen Patienten oder Angehörige den Verlauf der Schmerzen notieren können. Außerdem sind Randnotizen zum Thema allgemeines Wohlbefinden, Schlaf und Aktivität sehr aufschlussreich. Patienten sollten regelmäßig mit dem Arzt gemeinsam die Zielerreichung und den momentanen Zustand besprechen.

Wichtig: Es ist empfehlenswert, die Resultate der Therapie fortlaufend zu dokumentieren. Wenn Sie Ihren Angehörigen dabei unterstützen oder ihn ermuntern, verhindern Sie eine eventuelle Übertherapie oder Unterversorgung.

Schmerzmanagement: Tipps für pflegende Angehörige

Sie können sich im Bereich Schmerzmanagement engagieren und so Ihrem Angehörigen dabei helfen, seine Lebensqualität zu steigern.

  • Erkundigen Sie sich regelmäßig: Schmerzen können plötzlich entstehen oder sich schleichend entwickeln. Bleiben Sie am Ball und fragen Sie Ihren Angehörigen regelmäßig, wie er sich fühlt. Nicht immer äußern sich Menschen klar und deutlich zu ihren Schmerzen, weil sie diese womöglich als unabwendbares Schicksal im Alter ansehen. Achten Sie deshalb auch auf kleine Randbemerkungen wie: „Heute ist mein Bein nicht so gut“. Wenn Ihr Angehöriger an Demenz oder an einer anderen Krankheit leidet, bei der das Kommunikationsvermögen eingeschränkt ist, können Sie Schmerzen anhand von Körpersignalen erkennen. So deutet beispielsweise ein schmerzverzerrtes Gesicht auf Schmerzen hin.
  • Nehmen Sie Probleme ernst: Als pflegender Angehöriger haben Sie sicherlich alle Hände voll zu tun. In der Vergangenheit haben sich so manche Äußerungen vielleicht auch nicht als so kritisch entpuppt, wie es im ersten Moment den Anschein gemacht hat. Trotzdem sollten Sie die Äußerungen Ihres Angehörigen ernst nehmen. Schließlich können permanente Schmerzen weit reichende Folgen haben.
Folgengen von chronischem Schmerz
  • Setzen Sie Verordnungen um: Der Pflegebedürftige sollte die verordneten Medikamente und Therapien unbedingt einnehmen bzw. wahrnehmen. Das ist wichtig, um einen Erfolg in der Therapie zu erreichen. Motivieren Sie Ihren Familienangehörigen zum Durchhalten. Außerdem können Sie dem Pflegebedürftigem tatkräftig unter die Arme greifen, indem Sie beispielsweise die Ordnung der Medikamente oder die Verabreichung übernehmen.
  • Lenken Sie ab: Selbst wenn feststeht, woher die Schmerzen kommen und wie sie behandelt werden können, garantiert das nicht, dass Ihr Angehöriger vollständige Schmerzfreiheit erlangt. Mit Ausflügen in die Natur, einem Besuch im Tierpark oder durch einen Treff mit Freunden vergessen Pflegebedürftige ihre Schmerzen für einige Stunden. Außerdem steigern glückliche Momente im Alltag die Lebensqualität.

Expertenstandard Schmerzmanagement 2021

Pflegekräfte kommen in Ihrem Beruf häufig mit dem Schmerzmanagement-Expertenstandard in Berührung. Der Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege hat das Ziel, Patienten unnötige Schmerzen zu ersparen und Schmerzen an einer Chronifizierung zu hindern. Pflegekräften, die in der ambulanten Pflege, in Krankenhäusern oder in der stationären Altenhilfe beschäftigt sind, dient der Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege bei chronischen Schmerzen als roter Faden im Patientenalltag. Das Deutsche Netzwerk für Qualitätssicherung in der Pflege (DNQP) gibt die Expertenstandards heraus. Zuvor ermitteln Experten durch Einbeziehung wissenschaftlicher und praxisnaher Informationen Ziele und eine strukturierte Vorgehensweise für das Schmerzmanagement. Im Mittelpunkt stehen dabei die Wahrnehmung von Schmerz-Anzeichen, Risikofaktoren für Schmerz, Behandlungsmaßnahmen und die Verlaufskontrolle.

Maßnahmen im Expertenstandard Schmerzmanagement

Sie möchten einen kleinen Eindruck davon gewinnen, was der Expertenstandard Schmerzmanagement Pflegefachkräften vermittelt? In folgender Tabelle stellen wir Ihnen einige Maßnahmen vor. Achtung: Da der akute und chronische Schmerz jeweils anders behandelt wird, unterscheidet sich auch das Vorgehen voneinander.

Akuter Schmerz Chronischer Schmerz
Schmerzerfassung durch Assessment: Der Patient teilt
in einer Befragung seine Schmerzen mit. Daraufhin
können Mediziner die Medikation ermitteln.
Schmerzerfassung durch Assessment: Gleiches Vorgehen wie beim akuten Schmerz. Liegt ein chronischer Schmerz vor, erfolgt ein ausgiebigeres Assessment.
Einleitung der Medikation: Ist die Schmerzeinschätzung
erfolgt, starten Mediziner und Pflegefachkräfte mit
der Therapiemaßnahme.
Planung der Behandlung: Chronische Erkrankungen bedürfen einer genauen Planung, um alle individuellen Bedürfnisse des Patienten zu berücksichtigen.
Beobachtung der Medikation und Nebenwirkungen:
Sofern Nebenwirkungen durch die Verabreichung der
Arzneimittel auftreten, müssen diese dokumentiert
werden. Im Anschluss werden die Medikamente
gegebenenfalls umgestellt.
Schulung für Patienten und Angehörige: Pflegefachkräfte klären die Angehörigen darüber auf, welche Krankheit vorliegt und wie sie mit Schmerzen zusammenhängt.
Vorstellung von alternativen Behandlungsmaßnahmen:
Wenn die Medikation zur Schmerzreduktion
beigetragen hat, stellt das Pflegepersonal dem Patienten
weitere, nicht-medikamentöse Therapieoptionen vor.
Auf diese Weise sollen Medikamente zurückgefahren
bzw. gänzlich weggelassen werden.
Behandlung wird eingeleitet: Nachdem der Therapieplan erstellt und mit dem Patienten besprochen wurde, wird die Behandlung eingeleitet.
Schulung von Patienten und Angehörigen: Im
Anschluss an die Behandlung wird Patienten und
Angehörigen eine Schulung angeboten, die ein
Bewusstsein für die Erkrankung und die zugehörigen
Symptome schafft. Ziel ist es, weitere Erkrankungen,
die in diese Kategorie fallen, zu verhindern.
Verlaufskontrolle: Zum Abschluss erfolgt die Verlaufskontrolle. Sie gibt Aufschluss darüber, wie erfolgreich die durchgeführte Therapie war.

Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege: Aktualisierung 2020

Früher gab es zwei verschiedene Expertenstandards im Schmerzmanagement, einen für akute Schmerzen und einen für chronische Schmerzen. In der neuesten Version wurden die beiden Expertenstandards zusammengelegt, um das Phänomen Schmerz ganzheitlich zu betrachten und inhaltliche Überschneidungen zu vermeiden. Der seit August 2020 neu gefasste Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege definiert darüber hinaus Kriterien, die für stabile und instabile Schmerzsituationen gelten. Außerdem erfahren Pflegekräfte Standards, die bei Patienten angewendet werden, die ihren Schmerz nicht kommunizieren können.

Nun kommen fünf verschiedene Ebenen zum Einsatz:

  1. Risikoeinschätzung Assessment: Einschätzung der Schmerzsituation.
  2. Planung: Entwurf eines individuellen Behandlungsplans unter Berücksichtigung der Schmerzsituation, den Therapiezielen, den Selbstmanagementkompetenzen und medikamentösen sowie nicht- medikamentösen Maßnahmen.
  3. Information, Schulung und Beratung: Aufklärung von Patienten sowie Angehörigen über die jeweilige Schmerzsituation und Beratung.
  4. Umsetzung der Schmerzbehandlung: Unter anderem Koordination der Maßnahmen und Verlaufskontrolle.
  5. Evaluation: Bewertung der Wirksamkeit von Therapiemaßnahmen.

Schmerzmanagement: Weiterbildung

Für Pflegekräfte gehört es dazu, sich regelmäßig in neue Vorgaben und Behandlungsrichtlinien einzuarbeiten. Die Pflegeeinrichtungen müssen die notwendigen Informationen an die Mitarbeiter weitergeben. Allerdings obliegt es den Pflegefachkräften, sich in den Expertenstandard Schmerzmanagement einzuarbeiten und die Thematik im Berufsalltag umzusetzen. Neben dem Expertenstandard hilft auch eine gezielte Weiterbildung dabei, wichtige Kenntnisse im Bereich Schmerzmanagement zu erlangen. Wenn Sie eine abgeschlossene Berufsausbildung als Krankenpfleger, Altenpfleger, Kinderkrankenpfleger oder Physiotherapeut haben, können Sie die sogenannte Pain-Nurse Weiterbildung machen. Die Weiterbildung vermittelt Pflegekräften unter anderem physiologische Grundlagen, Schmerzdimensionen im Alter und gibt Einblick in den Expertenstandard Schmerzmanagement. Wie viel Zeit Sie dafür einplanen müssen, ist ganz unterschiedlich. Je nach Anbieter werden zwischen 80 und 200 Unterrichtsstunden angeboten, die in Teilzeit oder Vollzeit erfolgen.

Gut zu wissen!

Die Pain-Nurse Weiterbildung ist nicht gesetzlich geregelt. Das bedeutet, dass es weder ein festes Unterrichtsschema noch eine einheitliche Anerkennung gibt. Unser Tipp: Informieren Sie sich vor der Absolvierung darüber, ob Ihnen die Weiterbildung im beruflichen Alltag nützt.

FAQ - Häufige Fragen zu Schmerzmanagement & Schmerztherapie in der Pflege