Nesselsucht, auch als Nesselfieber oder Urtikaria bezeichnet, ist eine krankhafte Rötung der Haut. Eine Nesselsucht kann mit verschiedenen, unangenehmen Symptomen einhergehen. Als besonders quälend wird der Juckreiz empfohlen. Die Ursachen sind bei einer Nesselsucht vielfältig. Neben Nahrungsmitteln und Medikamenten können auch Umwelteinflüsse wie Hitze eine Rolle spielen. Zur Behandlung können Antihistaminika eingesetzt werden.

Wir verraten Ihnen in diesem Artikel unter anderem, wie Sie die lästige Nesselsucht loswerden können und welche Hausmittel Sie dabei unterstützen.

  Das Wichtigste in Kürze

  • Nesselsucht ist eine häufige Hauterkrankung
  • Hautrötungen, Quaddeln und Juckreiz sind typische Beschwerden
  • Eine Nesselsucht kann in jedem Alter auftreten
  • Die Behandlung erfolgt mit Antihistaminika und Pflanzenwirkstoffen
  • Nesselsucht ist weder gefährlich noch ansteckend

Was ist Nesselsucht?

Nesselsucht, bzw. Urtikaria, ist eine krankhafte Hautreaktion, die sich durch Rötungen, Juckreiz und Quaddeln auszeichnet. Die Erkrankung kann akut oder chronisch auftreten und auf viele verschiedene Ursachen zurückgeführt werden. Schätzungsweise 20 % aller Menschen entwickeln einmal im Leben entsprechende Symptome. Damit zählt die Nesselsucht zu den häufigsten Hauterkrankungen überhaupt. Auffällig ist, dass das weibliche Geschlecht etwa doppelt so häufig betroffen ist wie das männliche.

Gut zu wissen!

Die Nesselsucht sollte nicht mit der sogenannten Urtikaria-Vaskulitis verwechselt werden. Bei Letzterer handelt es sich nämlich nicht um eine Hautkrankheit, sondern um eine Entzündung der Blutgefäße. Diese kann zwar zu ähnlichen Symptomen führen, hat aber gänzlich andere Ursachen und muss dementsprechend anders behandelt werden.

Nesselsucht kann in jedem Alter auftreten

Obwohl etwa jeder Vierte hierzulande zumindest einmal in seinem Leben mit den typischen Anzeichen einer Nesselsucht zu kämpfen hat, werden die Beschwerden häufig verkannt. Viele Menschen warten ab, bevor sie einen Hautarzt aufsuchen. Dabei gibt es pflanzliche Salben und Antihistaminika, die Beschwerden lindern können.

Immer wieder zeigt sich, dass Nesselsucht kein Alter kennt. Eltern sind besorgt, wenn Nesselsucht bei Kindern auftritt. Es gibt aber keinen Grund zur Panik. Die Hauterscheinungen sind nicht gefährlich. Ein häufiges Thema ist Nesselsucht zudem in der Schwangerschaft. Auch bei Menschen im höheren Lebensalter können sich die unangenehmen Beschwerden bemerkbar machen.

Egal, in welchem Lebensalter Sie sich befinden: Werden Sie bei anhaltenden oder quälenden Beschwerden stets bei einem Mediziner vorstellig. So gelingt es, die Beschwerden von anderen Krankheiten abzugrenzen.

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Wie sieht Nesselsucht aus?

Urtikaria, bzw. Nesselsucht, äußert sich durch einige typische Symptome, die bei Patienten in unterschiedlicher Intensität auftreten. Die Größe des betroffenen Hautareals kann stark variieren. Bei der sogenannten disseminierten Urtikaria kann sogar der ganze Körper von Ausschlägen bedeckt sein. 

Wie äußert sich Nesselsucht – Häufige Symptome

    • Rötungen der Haut
    • Quaddeln
    • Juckreiz, mitunter auch starker Juckreiz
    • Erytheme
    • Angioödeme
    • Spontane Schwellungen

Gut zu wissen!

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob es sich um Nesselsucht-Symptome handelt, sollten Sie im Zweifelsfall einen Arzt zurate ziehen. Erste Anlaufstelle kann Ihr Hausarzt oder Hautarzt sein. Eine Überweisung benötigen Sie nicht.

nesselsucht

Was ist die Ursache für Nesselsucht?

Die Nesselsucht-Ursache herauszufinden, ist nicht immer einfach. Schließlich gibt es individuelle Situationen und Lebensbedingungen, die die Entstehung begünstigen. Bei einer akuten Urtikaria ist eine genaue Ursachenforschung in der Regel nicht notwendig, da eine Behandlung häufig zu einem Wegfall der Symptome und einer Genesung führt. Die chronische Nesselsucht muss aber unbedingt näher erforscht werden. Dazu gehört auch, die Nesselsucht-Auslöser aufzudecken und zu meiden.

Bei den Symptomen spielt es zunächst keine Rolle, ob eine akute oder chronische Variante vorliegt.

Nesselsucht: Ursachen im Überblick

    • Körpereigene Stoffe sind unverträglich, wird auch als Autoreaktivität bezeichnet, der Vorgang ist grundsätzlich mit Autoimmunerkrankungen, wie Schuppenflechte oder Multiple Sklerose vergleichbar
    • Überempfindlichkeit gegen Medikamente oder Nahrungsmittelzusätze, wie Farbstoffe, Konservierungsstoffe oder Aromastoffe
    • Angststörungen, auch mit einhergehenden Panikattacken nach einschneidenden Ereignissen, wie einem Unfall oder dem Tod eines Angehörigen
    • Histaminabbaustörung, woraufhin zu viel Histamin in den Mastzellen ausgeschüttet wird
    • Chronische Infekte, die keine offensichtlichen Beschwerden außer Urtikaria verursachen
    • Druck auf der Hautoberfläche, in der Fachsprache Druckurtikaria
    • Lokale Kälteeinwirkung, bzw. Kälteurtikaria
    • Lokale Wärmeeinwirkung, bzw. Wärmeurtikaria

Gut zu wissen!

Nesselsucht ohne Juckreiz? Auch das ist möglich. Eine Nesselsucht durch Stress kann beispielsweise lediglich mit Quaddeln in Erscheinung treten. Nicht alle leiden gleich unter der Nesselsucht. Kinder berichten auch, dass Juckreiz fehlt. Das kann selbst dann der Fall sein, wenn Nesselsucht im Gesicht auftritt.

Wie bekommt man Nesselsucht?

Die unterschiedlichsten Auslöser können dazu führen, dass Sie eine Nesselsucht entwickeln. Vielleicht hat Sie ein Insekt gestochen oder Sie reagieren auf ein Medikament. Auch histaminhaltige Lebensmittel wie Nudeln, Eier und Fisch können die Quaddeln hervorrufen. Nicht selten ist die Ursache viel harmloser. Stress, Kälte oder Hitze kann ausreichen, um die Beschwerden in Gang zu bringen. Selbst grobe Kleidungsstücke, die auf der Haut reiben, können die Mastzellen Ihres Körpers ärgern. Dabei handelt es sich um weiße Blutkörperchen, die durch den Reiz überreagieren. Eigentlich sind sie dafür da, um Krankheitserreger und unerwünschte Substanzen abzuwehren. Wenn Sie unter einer Nesselsucht leiden, reagieren sie aber auf harmlose Auslöser und schütten fleißig Histamin aus. Dadurch entstehen im weiteren Verlauf die typischen Wassereinlagerungen, auch Quaddeln genannt.

Formen der Nesselsucht

Die Nesselsucht-Dauer gibt Aufschluss darüber, ob es sich um eine akute oder chronische Form handelt. Darüber hinaus nehmen Experten noch weitere Unterteilungen vor. Die erste Form der Nesselsucht, die es abzugrenzen gilt, ist die physikalische Urtikaria. Diese definiert sich dadurch, dass die Symptome ausschließlich durch äußere Einwirkungen, wie Kälte, Licht, Vibration, Wärme oder Druck, ausgelöst werden. Damit gehört die physikalische Nesselsucht zum Formenkreis der Pseudoallergene. Dabei handelt es sich um Krankheiten, die wie Allergien auftreten, aber nicht-immunologische Ursachen haben. 

Konkret gibt es folgende Arten von physikalischer Urtikaria:

    • Urtikarieller Dermographismus, auch Urticaria factitia genannt
    • Wärmeurtikaria
    • Kälteurtikaria, bzw. umgangssprachlich Kälteallergie
    • Sonnenurtikaria
    • Vibrationsurtikaria

Zu den Formen, die weniger häufig auftreten, gehören die cholinergische und die adrenergische Urtikaria. Bei jenen Varianten spielt die Aktivierung des vegetativen Nervensystems, insbesondere durch Adrenalin oder Acetylcholin, eine große Rolle. Dies kann entweder durch psychische Reize oder primäre organische Krankheiten verursacht werden. Eine extrem seltene Unterart ist die aquagene Urtikaria, hierbei werden die Symptome durch den Kontakt mit destilliertem Wasser ausgelöst.

Gut zu wissen!

Viele Menschen haben Sorge, dass Nesselsucht ansteckend sein könnte. Wir können Sie beruhigen. Die Hauterkrankung ist nicht übertragbar.

Nesselsucht: Diagnose

Um festzustellen, was die Nesselsucht auslöst, steht zunächst ein Arzt-Patienten-Gespräch an. Hierbei können wichtige Fragen und Indizien zu möglichen Auslösern geklärt werden. Danach erfolgt die körperliche Untersuchung. Der Mediziner begutachtet die entsprechenden Körperstellen.

Wenn bereits jetzt nahezu feststeht, dass es sich um eine Nesselsucht handelt, werden keine weiteren Maßnahmen eingeleitet. In der Regel heilt Ihre Nesselsucht von alleine wieder ab. Ihr Mediziner kann Ihnen Nesselsucht-Medikamente wie Antihistaminika oder pflanzliche Salben gegen die Beschwerden empfehlen.

Kommt es wiederholt zu den Schwellungen und halten diese länger an, reicht ein Nesselsucht-Medikament nicht mehr aus. Nun müssen Anstrengungen unternommen werden, um mehr über die Ursache herauszufinden.

Dafür kann Ihr Mediziner folgendes tun:5

    • Untersuchung von Blut, Stuhl und Urin
    • Provokationstest, um Allergene aufzudecken
    • Physikalische Testungen mit Licht, Kälte oder Wärme
    • Allergietest

Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten der Nesselsucht

In der Regel heilt eine Nesselsucht komplikationslos nach wenigen Tagen oder Wochen ab. Die Hauterkrankung kann aber auch über mehrere Jahre immer wieder in Erscheinung treten. Gerade bei chronischen Verläufen ist es wichtig, mögliche Auslöser zu meiden, um die Belastung für den Körper und die Psyche möglichst gering zu halten. Die gute Nachricht ist jedoch: Nesselsucht ist nicht gefährlich!

Nesselsucht-Behandlung

Grundsätzlich gibt es je nach Nesselsucht-Form unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten. Eine akute Urtikaria wird je nach Schweregrad behandelt. In den meisten Situationen reicht es aus, den Patienten mit Antihistaminika zu therapieren. In besonders schweren Fällen kann jedoch die intravenöse Gabe von Kortison im Krankenhaus notwendig sein. 

Liegt eine chronische Nesselsucht vor, wird ein dreistufiges Therapieverfahren angewendet. Zunächst gilt es Patienten, eine reguläre Dosis Antihistaminika zu verabreichen. Zeigt dies keine Wirkung, wird die Menge der Standarddosierung vervierfacht. Bleibt auch das erfolglos, wird neben dem Antihistamin auch noch der Wirkstoff Omalizumab verschrieben.

Gut zu wissen!

Cetirizin bei Nesselsucht ist eine gängige Empfehlung. Bei dem Wirkstoff handelt es sich um ein Antihistaminikum, das in Tablettenform eingenommen werden kann. In einer Studie konnten 10 mg Cetirizin täglich dabei helfen, die Nesselsucht vollständig abheilen zu lassen.

Hausmittel gegen Nesselsucht

Wenn es darum geht, Nesselsucht zu behandeln, sind Hausmittel eine gute Option. Wenn Sie im Internet die Frage stellen: „Nesselsucht, was tun“ werden Sie mit Sicherheit die Empfehlung bekommen, Kälte anzuwenden. Tatsächlich wird Kälte bei Nesselsucht als sehr wohltuend empfunden. 

Hierfür kommen grundsätzlich verschiedene Anwendungen in Betracht: 

  • kalte Umschläge
  • Kühlakkus 
  • kühle Bäder

Patienten berichten darüber, dass sich der Juckreiz bereits nach 20 Minuten Kälteeinwirkung deutlich bessert.

Gut zu wissen!

Nicht jeder verträgt Kälte gut. Eine Alternative sind pflanzliche Wirkstoffe. Salben, die Extrakte der Ringelblume vereinen, werden hierzu häufig empfohlen.

Nesselsucht in der Pflege – Tipps für Angehörige

Da eine Nesselsucht in jedem Alter auftreten kann, kommen auch Pflegekräfte mit ihr in Berührung. Bei der Pflege ist es besonders wichtig, auslösende Faktoren zu kennen. Hierzu muss zunächst die Überprüfung der Medikation erfolgen. Ein alternativer Behandlungsplan kann vom Arzt entwickelt und von Pflegekräften in die Wege geleitet werden.

Eine pseudoallergenarme Diät, bei der künstliche Zusatzstoffe und verdächtige Substanzen gemieden werden, kann einen Hinweis auf weitere Auslöser geben. Auch ein Beschwerdetagebuch ist sinnvoll. Pflegekräfte können beim Führen behilflich sein.

Kommt es zu einer Nesselsucht, werden in der Pflege Juckreiz stillende Lotionen und Cremes angewendet. Kühlende antihistaminhaltige Gels bringen Erleichterung. Bei schweren Verläufen ist die medizinische Dokumentation besonders wichtig. Zudem kann es nötig sein, Kortison zu verabreichen.

Die Pflege leistet einen entscheidenden Beitrag zur Nesselsucht-Prävention. Dadurch, dass die Ernährung und die Medikation dokumentiert werden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Hauterkrankung schnell in den Griff bekommen wird.

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Nesselsucht vorbeugen – Prävention

Nesselsucht ist vor allem eines, unangenehm. Die Symptome der Urtikaria sind nicht nur störend, sondern können Ihr tägliches Leben einschränken. So kann der ständige Juckreiz schnell zum Schlafverlust führen und die optisch sichtbaren Ausschläge setzen Ihren Selbstvertrauen zu.

Damit es nicht zu den lästigen Beschwerden kommt, können Sie einiges tun. Prävention heißt hier das Zauberwort. Eine Nesselsucht behandeln ist gut, ihr vorzubeugen ist besser. Das kann Ihnen gelingen, indem Sie aktiv auf die Suche nach Auslösern gehen. Auf diese Weise können Sie Ihre Nesselsucht-Therapie maßgeblich unterstützen. Patienten wird nicht selten geraten, ein Tagebuch zu führen, um ihre Nesselsucht bekämpfen zu können. Hier kann notiert werden, welche Kleidungsstücke getragen werden, welche Lebensmittel auf dem Speiseplan stehen und wie die Umgebungstemperatur ist. Dadurch lassen sich wichtige Hinweise sammeln.

Folgende Einträge bieten sich für ein Nesselsucht-Tagebuch an:

    • Datum
    • Beschwerdeintensität
    • Verzehrte Lebensmittel
    • Getragene Materialien
    • Angaben zum Wetter, insbesondere Temperatur
    • Einnahme von Medikamenten
    • Sonstige Besonderheiten

Gut zu wissen!

Mediziner raten Patienten dazu, sich häufig die Hände zu waschen. Der Grund ist einfach: Eine Infektionskrankheit kann eine Nesselsucht auslösen. Mit einer ausreichenden Hygiene können Sie das Risiko der Übertragung reduzieren.

Welche Lebensmittel können Nesselsucht auslösen?

Neben Medikamenten rücken auch Lebensmittel in den Fokus, wenn es um Nesselsucht geht. Im besten Fall ernähren Sie sich frisch und abwechslungsreich. Unverarbeitete Lebensmittel sollten höchste Priorität haben.

Folgende Nahrungsmittel sollten Sie womöglich meiden:

    • reifen Käse
    • geräucherte Wurst
    • Nüsse
    • Hülsenfrüchte
    • Alkohol

Gut zu wissen!

Mit einer Ausschluss-Diät können Sie herausfinden, welche Lebensmittel oder Inhaltsstoffe Ihnen Probleme bereiten. Fangen Sie mit naturbelassenen Nahrungsmittelkomponenten an und schleichen Sie nach und nach Produkte ein. Ernährungsexperten empfehlen ohnehin, am besten zu Produkten zu greifen, die nicht mehr als fünf Einträge auf der Zutatenliste haben.

FAQ - Häufige Fragen zur Nesselsucht