Bakterien, Viren und Pilzsporen – Mikroorganismen sind fester Bestandteil unserer Umwelt. Viele von ihnen sind harmlos, manche können bei Pflegebedürftigen allerdings zu schwerwiegenden Infektionen führen. Flächendesinfektionsmittel helfen dabei, die ungehinderte Ausbreitung von Krankheitserregern einzudämmen.

Wir verraten Ihnen heute, welche Flächendesinfektionsmittel für die häusliche Pflege empfehlenswert sind und wie Sie die Produkte kostenlos erhalten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Flächendesinfektionsmittel eliminieren Krankheitserreger auf Oberflächen.
  • In der häuslichen Pflege sind Flächendesinfektionsmittel vor allem bei immungeschwächten Patienten oder bei solchen, die ansteckende Krankheiten haben, wichtig.
  • Nur durch die richtige Anwendung werden Mikroorganismen erfolgreich dezimiert.
  • Pflegende Angehörige erhalten bei Ärzten, Apothekern, Pflegefachkräften oder in Pflegestützpunkten Tipps für die Anwendung von Flächendesinfektionsmitteln.
  • Desinfektionsmittel sind Pflegehilfsmittel zum Verbrauch – Pflegebedürftigen steht für die Anschaffung ein Budget von 40 Euro im Monat zu.

Desinfektionsmittel: Unterteilung in Arten und Anwendung

Im Handel erhalten Sie verschiedene Arten von Desinfektionsmitteln. Manche von ihnen töten Bakterien ab (Bakterizide), andere rücken Viren zu Leibe (Viruzide), wieder andere kümmern sich um die Vernichtung von Pilzen (Fungizide) und ausgewählte Desinfektionsmittel wirken gegen Pilzsporen (Sporizide). In der Pflege, auch in der häuslichen Pflege, kommen Desinfektionsmittel zum Einsatz, die gleich gegen mehrere Arten von Mikroorganismen wirken – in der Regel gegen Bakterien, Hefepilze und behüllte Viren. Sie setzen auf verschiedene Wirkstoffe und Hilfsstoffe wie Phenole, Alkohole, Aldehyde, Chlor oder Chlorhexidin.[1] Desinfektionsmittel können aber nicht nur nach ihrer Wirkungsart unterteilt werden, sondern auch nach der Anwendungsart. In der Pflege kommen vor allem Desinfektionsmittel für Hände und Desinfektionsmittel für Flächen zum Einsatz.

Das Problem: Krankheitserreger können auf Oberflächen überleben

Wussten Sie, dass Krankheitserreger sehr ausdauernd sind? Auf vielen Oberflächen können sie je nach Keim noch nach Stunden, Tagen oder sogar Monaten nachgewiesen werden. Ihr langes Überleben sorgt dafür, dass insbesondere immungeschwächte Patienten lange Zeit einer Infektionsgefahr ausgesetzt sind. Die Flächendesinfektion hat das Ziel, Krankheitserreger auf Oberflächen zu eliminieren. Doch Vorsicht: Steril ist die Oberfläche auch nach der Nutzung entsprechender Produkte nicht. Allerdings ist die Anzahl der Keime in der Regel so weit reduziert, dass eine Infektion durch den Kontakt mit der Oberfläche als unwahrscheinlich gilt.

In welchen Haushalten sollte eine Oberflächendesinfektion durchgeführt werden?

Während die Desinfektion von Oberflächen in Gesundheitseinrichtungen zu den Pflichtaufgaben gehört, ist sie in der häuslichen Pflege freiwillig. Keime ganz gezielt auf Oberflächen zu inaktivieren, ist bei einem gewissen Personenkreis empfehlenswert.

Im Haushalt folgender Personen ist eine Oberflächendesinfektion ratsam:

  • Menschen mit offenen Wunden
  • Personen mit einem geschwächten Immunsystem
  • Pflegebedürftige mit einem Katheter
  • Menschen mit Infektionskrankheiten, die über Oberflächen übertragen werden können

Gut zu wissen!

Bei Pflegebedürftigen, die vor allem eine soziale Unterstützung oder Hilfe aufgrund von beispielsweise Gelenkbeschwerden benötigen, ist eine wiederkehrende Oberflächendesinfektion in der Regel nicht nötig – hier reicht eine normale Haushaltsreinigung aus.

Tuch, Flüssigkeit, Spray & Schaum: diese Produktformate gibt es

Wenn Sie sich nach Desinfektionsmitteln für Oberflächen erkundigen, stoßen Sie auf verschiedene Produktarten. Je nach Anwendungsform gilt es einiges zu beachten. Hier spielen Ihre Vorlieben eine besondere Rolle. Fühlen Sie sich mit einem Spray oder mit einem gebrauchsfertigen Flächendesinfektionsschaum wohler?

Aus folgenden Produktformaten können Sie wählen:

  • Flächendesinfektionstücher: Viele Menschen kennen Flächendesinfektionstücher aus dem Urlaub. Mit ihnen können Sie beispielsweise Toilettensitze desinfizieren. Besonders praktisch: Die speziellen Tücher sind mit Desinfektionslösung vorgetränkt. Sie müssen also nichts weiter tun, als mit dem Tuch gründlich über die jeweilige Oberfläche zu wischen. Da es sich um ein Einmalprodukt handelt, landet das Tuch anschließend im Müll. Wichtig ist, dass Sie die benetzte Oberfläche von alleine trocknen lassen – Hersteller geben hier eine Einwirkzeit an. Vorteil der Flächendesinfektionstücher ist die einfache Anwendung. Außerdem sind sie vielseitig einsetzbar – neben WC-Sitzen können Sie auch Türklinken, Tische, Arbeitsflächen oder Lichtschalter damit benetzen.
  • Gebrauchsfertiges, flüssiges Flächendesinfektionsmittel: Hier schütten Sie die Flüssigkeit aus dem Behälter auf ein Einmaltuch und benetzen anschließend die jeweilige Oberfläche. Da es hier kein vorgetränktes Tuch gibt, müssen Sie selbst darauf achten, die richtige Menge zu verwenden. Auch hier sind eine vollständige Benetzung und die Einhaltung der Einwirkzeit wichtig. Flüssige Flächendesinfektionsmittel sind sehr vielseitig. Sie können damit viele verschiedene Oberflächen reinigen. Zum Einsatz kommen sie beispielsweise bei Toilettensitzen, Bettgestellen oder Arbeitsflächen.
  • Oberflächendesinfektionsmittel zum Sprühen: Sie möchten eine schwer erreichbare Fläche desinfizieren? Dann ist ein Sprühprodukt genau das richtige. Hier haben Sie zwei Möglichkeiten: Entweder Sie sprühen das Mittel direkt auf den zu desinfizierenden Gegenstand oder zunächst auf ein Tuch, mit dem Sie dann die Desinfektion durchführen. Damit keine Aerosole entstehen, die die Atemwege reizen können, sollten Sie das Desinfektionsmittel möglichst nahe an das Tuch oder den Gegenstand heranführen, bevor Sie sprühen. Genauso wie die Tücher oder die flüssige Variante ist auch die Sprühform ein echter Allrounder.
  • Flächendesinfektionsschaum: Manche Pflegepersonen fühlen sich mit einem Schaum wohler – den Desinfektionsschaum können Sie direkt auf den Gegenstand befördern oder zunächst auf einem Tuch verteilen. Der wohl wesentlichste Vorteil gegenüber der Sprühvariante ist, dass sich hier keine Tröpfchen oder Aerosole bilden.

Unser Tipp: Wenn Sie sich nicht sicher sind, welches Produktformat zu Ihnen passt, raten wir Ihnen dazu, zunächst mehrere Varianten in kleinen Mengen zu bestellen. So können Sie sich in aller Ruhe mit den verschiedenen Anwendungsformen vertraut machen und sich entscheiden.

Desinfizieren von Flächen: Vorgehen und Tipps

Ihr Familienmitglied kommt jeden Tag mit zahlreichen Oberflächen in Berührung. Zum Beispiel dem Nachttisch, dem Bettgestell, dem Toilettendeckel oder der Fernbedienung. Hier kann Oberflächendesinfektionsmittel zum Einsatz kommen, um die Bereiche von Keimen weitestgehend zu befreien. Dieses setzt vor allem auf Phenole oder Aldehyde, die die Menge an Mikroorganismen zuverlässig reduzieren. Das ist wichtig, den Krankheitserreger können selbst über längere Zeiträume auf Oberflächen überleben und stellen so eine Gefahr für die Pflegebedürftigen dar.

Darauf sollten Sie bei der Anwendung von Flächendesinfektionsmitteln achten:

  • Reinigen Sie stark verschmutzte Oberflächen zunächst mit einem Einmaltuch.
  • Stellen Sie sicher, dass die Oberfläche mit dem Desinfektionsmittel komplett benetzt, also nass, ist.
  • Verreiben Sie das Produkt mit einem Einwegtuch und halten Sie die Einwirkzeit ein.
  • Tragen Sie am besten Einweghandschuhe, damit die Flächendesinfektion nicht mit Ihrer Haut in Berührung kommt.
  • Kommt die desinfizierte Oberfläche mit Lebensmitteln in Kontakt, wischen Sie mit einem in Trinkwasser getauchten Einwegtuch nach.

Folgende Flächen bieten sich für eine Desinfektion an:[1]

  • Haltegriffe oder Treppenläufe
  • Nachtische
  • Bettrahmen
  • Türklinken
  • Armlehnen
  • Badewanne
  • Waschbecken
  • Armaturen im Badezimmer
  • Toilettenstühle
  • Sitzhocker

Abbildung 3: Flächen richtig desinfizieren.
Quelle: https://medsolut.com/de/blog/desinfektionsmittel-arten/

Wie häufig sollten Oberflächen desinfiziert werden und schadet das dem Material?

Für die häusliche Pflege gibt es keine genauen Vorgaben, wie häufig eine Oberfläche desinfiziert werden sollte. Kommt der Pflegebedürftige oder die Pflegeperson aber häufig mit der Oberfläche in Kontakt, ist eine regelmäßige Behandlung ratsam. Toilettensitze, Türklinken und Fernbedienungen können beispielsweise einmal täglich desinfiziert werden. Das ist vor allem dann empfehlenswert, wenn der Pflegebedürftige eine Infektionskrankheit oder eine Immunschwäche hat. Viele Menschen machen sich Sorgen, ob sie mit dem häufigen Desinfizieren die Materialien der Gegenstände beschädigen können. Hier hängt die Materialverträglichkeit stark davon ab, ob es sich um ein hochalkoholisches oder niedrigalkoholisches Desinfektionsmittel handelt. Generell gilt: Je höher der Alkoholgehalt, desto vorsichtiger müssen Sie mit empfindlichen Oberflächen wie Kunstleder sein.

  • Niedrigalkoholische Oberflächendesinfektion: Sie besitzen empfindliche Oberflächen wie Plexiglas, Acrylglas oder Kunstleder? Diese können Sie mit einem niedrigalkoholischen Flächendesinfektionsmittel behandeln. Wie der Name bereits verrät, ist der Alkoholgehalt hier vergleichsweise niedrig.
  • Hochalkoholische Oberflächendesinfektion: Die Anwendung dieser Produkte eignet sich für alkoholbeständige Oberflächen. Sensible Untergründe wie Kunstleder oder Plexiglas sollten Sie vorsichtshalber nicht mit hochalkoholischen Oberflächendesinfektionsmitteln benetzen.

Übrigens: Ob es sich um ein niedrigalkoholisches oder hochalkoholisches Produkt handelt, können Sie in den Herstellerangaben nachlesen.

6 goldene Tipps für die Anwendung von Desinfektionsmitteln

Wenn Sie Desinfektionsmittel zielgerichtet und sachgemäß anwenden, können Sie sich und Ihren pflegebedürftigen Angehörigen vor Krankheitserregern schützen. Unsere Tipps helfen Ihnen dabei, geeignete Produkte auszuwählen und einzusetzen.

  1. Entscheiden Sie sich für ein Ready for use Produkt. Entsprechende Desinfektionsmittel sind für den direkten Gebrauch vorgesehen, Sie müssen diese nicht verdünnen. Das ist hilfreich, denn so beugen Sie Reizungen oder Unterdosierungen durch ein falsches Mischverhältnis vor.
  2. Wählen Sie das passende Desinfektionsmittel. Produkte können Viren, Bakterien oder Pilze eliminieren – viele wirken auch gegen mehrere Krankheitserreger. Lassen Sie sich von einem Arzt oder Apotheker am besten zu einem passenden Desinfektionsmittel beraten.
  3. Lesen Sie sich die Anwendungshinweise zu dem Produkt durch. Um die Bakterien, Viren oder Pilze ausreichend einzudämmen, müssen Sie beispielsweise die Einwirkzeit beachten. Diese kann je nach Mikroorganismus durchaus variieren. Informieren Sie sich also am besten direkt nach dem Kauf, wie Sie das Produkt richtig anwenden.
  4. Behalten Sie das Haltbarkeitsdatum im Blick. Auch Desinfektionsmittel haben ein Ablaufdatum. Verwenden Sie ein Produkt bei Überschreitung des Haltbarkeitsdatums besser nicht, denn womöglich eliminiert es die Krankheitserreger nicht mehr zuverlässig.4
  5. Nutzen Sie Einwegtücher anstatt Putzlappen. Natürlich haben Sie auch die Möglichkeit, Putzlappen für die Flächendesinfektion zu nutzen, allerdings müssen Sie diese häufig wechseln und bei mindestens 60° waschen. Außerdem ist es wichtig, dass Sie beispielsweise für Toilette, Küche und Nachttisch verschiedene Lappen nehmen, um die Erreger nicht zu verschleppen. Einfacher geht es, wenn Sie Einwegtücher nutzen.
  6. Vermeiden Sie den Sprühnebel. Zur Flächendesinfektion sind Produkte, die eingerieben werden müssen, empfehlenswerter. Dabei entsteht kein Sprühnebel, der die Atemwege reizen kann.

Pflegehilfsmittel zum Verbrauch

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Was kosten die verschiedenen Flächendesinfektionsmittel?

Wie viel ein Desinfektionsmittel kostet, hängt von der Verpackungsgröße, dem Hersteller und dem Produkt ab. Entsprechende Mittel sind aber vergleichsweise günstig. Desinfektionsmittel für die Hände bekommen Sie bereits ab 1,50 Euro pro 100 ml, Desinfektionsmittel für Flächen ist ein wenig teurer. Hier können Sie mit etwa 1,50 Euro für 50 ml rechnen. Wenn Sie Desinfektionsmittel aus eigener Tasche bezahlen möchten, lohnt sich in jedem Fall ein Preisvergleich. Die Produkte erhalten Sie beispielsweise in der Apotheke oder bei Onlinehändlern.

Sind Desinfektionsmittel ein Pflegehilfsmittel?

Desinfektionsmittel gehören zu den Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch. Dazu zählen Materialien, die die Pflege im häuslichen Umfeld erleichtern, aber für den Einmalgebrauch bestimmt sind. Wenn Sie einen Blick auf die Produktgruppe 54 im Pflegehilfsmittelverzeichnis des GKV Spitzenverbandes werfen, entdecken Sie hier auch Desinfektionsmittel für Hände und Flächen. Somit zählen bestimmte Arten von Desinfektionsmitteln tatsächlich zu den Pflegehilfsmitteln und können von der Pflegekasse übernommen werden.

Desinfektionsmittel kostenlos erhalten – so beteiligt sich die Pflegekasse

Wenn Sie einen Menschen mit einem anerkannten Pflegegrad pflegen, müssen Sie nicht selbst für die Desinfektionsmittel aufkommen. Stattdessen beteiligt sich die Pflegekasse an den Kosten für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, und zwar mit 40 Euro jeden Monat aufs Neue. Von dem Budget können Sie Desinfektionsmittel, aber auch medizinische Mundschutzmasken, Schutzschürzen oder Einmalhandschuhe kaufen. Die Pflegehilfsmittelpauschale ist übrigens im § 40 Abs. 1 Sozialgesetzbuch XI fest verankert.

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

  • die Pflege findet im häuslichen Umfeld statt,
  • der Pflegebedürftige besitzt einen Pflegegrad (1-5).

Sie möchten Pflegehilfsmittel zum Verbrauch über die Pflegekasse beziehen oder das Budget in Höhe von 40 Euro beanspruchen? Dazu müssen Sie in einem ersten Schritt einen Pflegegrad beantragen. Falls Ihr Angehöriger diesen bereits besitzt, stellen Sie einen Antrag auf Kostenübernahme bei der Pflegekasse. Der Antrag besteht aus zwei verschiedenen Formularen (Anlage 2 und Anlage 4).

Sanubi hilft: Wir wissen, dass der Pflegealltag Pflegenden so einiges abverlangt. Wir möchten Sie bei der Organisation der Pflegehilfsmittel zum Verbrauch unterstützen. Wenn Sie sich für eine Pflegehilfsmittel-Box von Sanubi entscheiden, kümmern wir uns um alle Formalitäten und senden Ihnen die von Ihnen ausgewählten Pflegehilfsmittel kostenfrei nach Hause.

FAQ – die wichtigsten Fragen zu Desinfektionsmitteln