Pflegebedürftige verbringen häufig viele Stunden am Tag in sitzender oder liegender Position. Damit haben sie ein erhöhtes Risiko für einen Dekubitus. Das Druckgeschwür bildet sich fast ausschließlich in Körperregionen, bei denen sich Knochen direkt unter der Haut befinden.[1] Um Fersen, Knöchel, Ellenbogen, Ohren und Co. vor einem Druckgeschwür zu bewahren, gibt es Hilfsmittel gegen Dekubitus.

Wir verraten Ihnen, aus welchen Hilfsmitteln Sie wählen können und wie Sie die cleveren Produkte im Pflegealltag einsetzen. Außerdem erklären wir Ihnen, wie Sie die Hilfsmittel bei der Kasse beantragen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Dekubitus-Hilfsmittel verringern den Druck auf empfindliche Körperstellen.
  • Es gibt Hilfsmittel, die auf einen Großteil des Körpers einwirken und solche, die einzelne Körperpartien unterstützen.
  • Im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes sind die Produkte in der Produktgruppe: „11 – Hilfsmittel gegen Dekubitus“ aufgelistet.
  • Die Krankenkasse beteiligt sich an den Kosten für Dekubitus-Hilfsmittel, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht.
  • Für die Kostenübernahme ist eine ärztliche Verordnung notwendig.
  • Bei der Verwendung von Dekubitus-Hilfsmitteln ist eine gute Hygiene wichtig.

Was sind Hilfsmittel gegen Dekubitus?

Dekubitus-Hilfsmittel können Pflegebedürftige und pflegende Angehörige gezielt dazu einsetzen, um Druckgeschwüre zu vermeiden. Sie entlasten empfindliche Körperstellen und reduzieren so den Druck. Zur Dekubitusprophylaxe gibt es verschiedene Hilfsmittel. Sie unterscheiden sich vor allem durch den Anwendungsort. Während manche am Rücken positioniert werden, konzentrieren sich andere Produkte auf das Gesäß oder die Füße. Bei der Wahl des Hilfsmittels ist es besonders wichtig, das individuelle Dekubitusrisiko zu beachten und die entsprechenden Körperstellen langfristig zu unterstützen.

Dekubitus-Hilfsmittel sind laut Hilfsmittelkatalog für folgende Körperstellen erhältlich:

  • Fuß
  • Ellenbogen
  • Leib/Rumpf
  • Ganzkörper
  • Gesäß
  • Rücken
  • ohne speziellen Anwendungsort/Zusätze wie Bezüge

Wie funktionieren Dekubitus-Hilfsmittel?

Da ein andauernder Druck einen Dekubitus provoziert, konzentrieren sich Hilfsmittel darauf, die Körperstelle von der Belastung weitestgehend zu befreien. Entsprechende Produkte bestehen aus angenehmen Materialien. Sie entlasten Fuß, Gesäß, Rücken und andere Areale, indem sie einen weichen Untergrund bilden oder Körperteile freischweben lassen – das klappt beispielsweise mit einer Fußrolle. Für eine erfolgreiche Dekubitusprophylaxe ist es wichtig, die Hilfsmittel regelmäßig einzusetzen und die Körperareale weiterhin auf auffällige Stellen hin zu überprüfen.

Dekubitus-Hilfsmittel: verschiedene Ausführungen im Überblick

Um Druckgeschwüre auf der Haut zu vermeiden, gibt es nicht nur ein Hilfsmittel. Stattdessen können Sie aus unterschiedlichen Produkten wählen – sie alle konzentrieren sich meist auf ein Körperteil. Die Hilfsmittel können sich optisch und funktional voneinander abheben. In den folgenden Abschnitten stellen wir Ihnen besonders populäre Dekubitus-Hilfsmittel vor.

Hilfsmittel gegen Dekubitus für den Fuß

Fersenrolle, Fersenkissen und Fersenpolster – das alles sind Produkte, die den Fuß vor einem Druckgeschwür bewahren sollen. Sie werden schützend unter den Fuß gelegt oder halten den Fuß in einer weichen Halterung. Mit den cleveren Hilfsmitteln ist die Ferse keinem permanenten Druck ausgeliefert, wenn Pflegebedürftige auf dem Rücken liegen.

Hilfsmittel gegen Dekubitus für den Ellenbogen

Auch die Ellenbogen gehören zu den Risikoregionen, wenn es um Dekubitus geht. Mit einem Ellenbogenschutz oder einem Ellbogenkissen können Sie die empfindliche Körperstelle entlasten. Damit der Schutz bei Bewegung nicht verrutscht, werden die Kissen oder Polster meist mit einem Klettverschluss am Arm befestigt.

Hilfsmittel gegen Dekubitus für den Leib/Rumpf

Schaum- oder Weichpolsterauflagen, spezielle Matratzen und Lagerungskissen sind für den Leib bzw. Rumpf vorgesehen. Sie entlasten eine große Fläche des Körpers und schützen vor zu viel Druck. Im Pflegealltag können sie Pflegebedürftigen dabei helfen, eine schonende Liegeposition einzunehmen und beizubehalten. Dafür befinden sie sich entweder auf der kompletten Liegefläche oder werden punktuell eingesetzt wie eine Halbrolle zur Positionsunterstützung.

Hilfsmittel gegen Dekubitus für den ganzen Körper

In diese Kategorie fallen Hilfsmittel, die den gesamten Körper vor schmerzhaften Druckstellen bewahren sollen. Das kann beispielsweise mit luftgefüllten Auflagen zur kontinuierlichen Weichlagerung, Wechseldruckauflagen, Matratzen mit Weichlagerungsmaterialien und mit kombinierten Schaumstoff-Luftkissenmatratzen gelingen. Auch dynamische Liegehilfen zur Umlagerung wie Seitenlagerungssysteme zählen dazu.

Hilfsmittel gegen Dekubitus für das Gesäß

Spezielle Sitzhilfen, beispielsweise mit Luft oder Gel gefüllt, und Strukturkissen können die Haut am Gesäß vor zu viel Druck schützen. Ein Produkt, dass Luft zur Druckentlastung nutzt, wird meist mit einer Handpumpe soweit aufgepumpt, bis es die gewünschte Sitzhärte erreicht. Auch Sitzkissen mit Gel oder in Hybrid-Form, bestehend aus Gel und Schaumstoff, können Pflegebedürftige mit Dekubitus im Pflegealltag unterstützen.

Hilfsmittel gegen Dekubitus für den Rücken

Pflegebedürftige können ihren Rücken mit einem speziellen Kissen entlasten. Bewährt hat sich hier ein Kissenkern, der aus mehreren luftgefüllten Kammern besteht. Diese lassen sich individuell befüllen und sich an eine Sitzgelegenheit mit einem Klettstreifen befestigen. Dekubitus-Rückenkissen gehen je nach Ausführung individuell auf instabile Haltungspositionen bei Pflegebedürftigen ein. Die seitlich befindlichen mit Luft befüllten Kammern können die Haltung unterstützen. Die oberen Kammern schaffen die Möglichkeit, die Schulterblätter frei zu lagern und so ganz vom Druck zu befreien.

Für wen eignen sich Hilfsmittel gegen Dekubitus?

Dekubitus-Hilfsmittel wie Dekubitus-Matratzen bzw. Anti-Dekubitus-Matratzen eignen sich für Menschen, die ihren Körper lange Zeit in einer gleichbleibenden Position lagern. Das trifft oft auf pflegebedürftige Personen mit körperlichen Einschränkungen zu. Sie bewegen sich schlichtweg nicht mehr so häufig und können manchmal nicht aus eigener Kraft heraus einen Positionswechsel im Bett durchführen. In diesem Fall lastet ein großer Druck auf der Haut, der das Dekubitus-Risiko stark erhöht.

Dekubitus-Hilfsmittel eignen sich daher für folgende Personengruppen:

  • Pflegebedürftige Menschen, die körperlich stark eingeschränkt sind.
  • Personen, die aufgrund einer Behinderung oder eines Unfalls viel Zeit im Sitzen oder Liegen verbringen.
  • Bettlägerige

Dekubitus-Hilfsmittel: rechtliche Grundlagen und Kostenübernahme

Wenn Sie sich das Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes zur Hand nehmen, finden Sie die Dekubitus-Hilfsmittel unter der Produktgruppe: „11 – Hilfsmittel gegen Dekubitus“.[1] Hier eingeordnet zählt sie der Gesetzgeber zu den Hilfsmitteln, die in den Verantwortungsbereich der Krankenkasse fallen. Ihr Angehöriger hat dann einen Anspruch auf entsprechende Hilfsmittel, wenn er ein erhöhtes Risiko bzw. eine medizinische Diagnose mitbringt, die den Einsatz rechtfertigt. Die rechtliche Grundlage bietet hier der § 33 SGB V. Demnach kann ein Mediziner Dekubitus-Hilfsmittel verordnen, wenn sie den Erfolg der Krankenbehandlung sichern, einer drohenden Behinderung vorbeugen oder eine solche ausgleichen können.[2] Für die Produktauswahl ist von Interesse, welche Grunderkrankung vorliegt, wie hoch das Dekubitusrisiko ist, ob bereits ein Druckgeschwür vorliegt und wie der Mobilitätsgrad des Betroffenen ist.

Wichtig: Dekubitus-Hilfsmittel werden nicht nur eingesetzt, wenn bereits ein Druckgeschwür besteht, sondern auch zur Vorbeugung von Dekubitus.

So erhalten Sie Dekubitus-Hilfsmittel von der Krankenkasse

Die Krankenkasse Ihres Familienmitglieds beteiligt sich an den Kosten für Dekubitus-Hilfsmittel, wenn die nötige medizinische Notwendigkeit vorliegt. Bewilligt die Kasse die Kostenübernahme, müssen Patienten lediglich die gesetzliche Zuzahlung übernehmen. Diese beträgt 10 % des Abgabepreises, mindestens 5 Euro, aber maximal 10 Euro.[1] Mit folgenden Schritten können Sie für Ihr Familienmitglied ein Hilfsmittel organisieren.

In 5 einfachen Schritten zum Dekubitus-Hilfsmittel:

  1. Organisieren Sie einen Arzttermin: Zunächst steht ein Arzttermin an. Der behandelnde Mediziner ist mit der Krankengeschichte vertraut und kann abschätzen, welche Hilfsmittel den Pflegealltag unterstützen können. Stellt er fest, dass eine medizinische Notwendigkeit besteht, verordnet er die Hilfsmittel. Dafür nutzt er das sogenannte Rezept 16 und kreuzt darauf das Feld für Hilfsmittel an.[2] Diese Verordnung sollten Sie gut aufbewahren, sie ergänzt den späteren Hilfsmittelantrag.
  2. Kontaktieren Sie die Krankenkasse: Wenn der Arzt eine Verordnung ausgestellt hat, kontaktieren Sie die Krankenkasse. Hier können Sie sich nach bestehenden Leistungsverträgen erkundigen. Wenn Sie einen Anbieter wählen, der mit der entsprechenden Krankenkasse zusammenarbeitet, erhöht das die Chancen auf eine reibungslose Hilfsmittelversorgung.
  3. Kostenvoranschlag anfertigen lassen: Ein Sanitätshaus berät Sie zu Dekubitus-Hilfsmitteln. Die Mitarbeiter zeigen Ihnen verschiedene Modelle und beantworten Ihnen Fragen zur Anwendung. Hier können Sie sich auch direkt einen Kostenvoranschlag für das Hilfsmittel anfertigen lassen.
  4. Dekubitus-Hilfsmittel bei der Krankenkasse beantragen: Nachdem Sie die Verordnung und den Kostenvoranschlag eingeholt haben, sind Sie bereit für die Beantragung. Senden Sie beides mit einem Anschreiben, aus dem die Bitte um die Kostenübernahme klar hervorgeht, an die Krankenkasse. Ergänzend können Sie noch eine Stellungnahme des Hausarztes oder ein Gutachten beilegen – solche Unterlagen können die Notwendigkeit für das Hilfsmittel unterstreichen.
  5. Gedulden Sie sich: Es ist klar geregelt, wie lange sich die Krankenkasse mit ihrer Entscheidung Zeit lassen kann. Insgesamt drei Wochen müssen Sie sich im Regelfall gedulden. Bei schwierigen Sachlagen kann ein medizinisches Gutachten notwendig sein – dann steigt die Bearbeitungszeit auf bis zu fünf Wochen an.

Gut zu wissen!

Wenn die Krankenkasse die Kostenübernahme für das Hilfsmittel ablehnt, können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Teilen Sie dabei schriftlich mit, warum Sie mit der Entscheidung nicht einverstanden sind.

Tipps zur Anwendung von Dekubitus-Hilfsmitteln

Damit Druckgeschwüre sich nicht verschlimmern oder gar nicht erst entstehen, ist es wichtig, die Hilfsmittel richtig anzuwenden. Außerdem spielt die Hygiene hier eine wichtige Rolle. Wir verraten Ihnen, auf was Sie als pflegender Angehöriger achten können.

  1. Das richtige Hilfsmittel wählen: Nicht alle Dekubitus-Hilfsmittel eignen sich gleichermaßen für den Pflegebedürftigen. Jemand, der bereits Druckgeschwüre hat, benötigt eine besonders effektive Druckentlastung. Der behandelnde Mediziner weiß, welche Hilfsmittel empfehlenswert sind. Möchten Sie darüber hinaus weitere Hilfsmittel auf eigene Kosten anschaffen, lassen Sie sich am besten in einem Sanitätshaus beraten. Von besonderem Interesse ist hier der Dekubitusgrad – dieser gibt die Ausprägung des Druckgeschwürs an.
  2. Hilfsmittel mit Pflegehilfsmitteln kombinieren: Bei einem Druckgeschwür besitzt der Pflegebedürftige offene Wunden. Deshalb ist bei der täglichen Pflege Hygiene besonders wichtig. Bettschutzeinlagen, Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhe oder Mundschutzmasken können die Pflege erleichtern. Mit unserer Sanubi Pflegebox können sich Pflegebedürftige diese Pflegehilfsmittel zum Verbrauch individuell zusammenstellen und zuzahlungsfrei nach Hause schicken lassen – die Kosten übernimmt die Pflegekasse im Rahmen der Pflegehilfsmittelpauschale.
  3. Reinigen Sie die Hilfsmittel regelmäßig: Nicht nur die Pflegeumgebung, sondern auch die Pflegehilfsmittel selbst sollten regelmäßig hygienisch aufbereitet werden. Wie Sie die Dekubitus-Hilfsmittel am besten reinigen, können Sie der Produktbeschreibung entnehmen. Auflagen lassen sich oft in der Waschmaschine reinigen, das gleiche gilt für Kissenbezüge von Sitzkissen. Bei anderen Hilfsmitteln reicht ein Abwischen mit Desinfektionsmitteln.
  4. Verlassen Sie sich nicht nur auf die Hilfsmittel: Richtig angewendet können Dekubitus-Hilfsmittel einer Verschlimmerung und einer Entstehung von Druckgeschwüren vorbeugen. Allerdings ist es trotzdem wichtig, empfindliche Körperstellen wie Fersen, Ohren, Rücken, Gesäß, Steißbein und Co. im Blick zu behalten. Bilden sich neue Druckgeschwüre, ist die Einschätzung eines Mediziners ratsam.

FAQ – die wichtigsten Fragen zu Hilfsmitteln gegen Dekubitus