Mit Pflegegrad 2 ist in der Regel ein steigender Bedarf an Hilfen und Unterstützung verbunden. Daraus ergeben sich gesetzlich festgelegte Ansprüche im Rahmen der Pflegeversicherung.

Dieser Ratgeber erklärt die Voraussetzungen für alle Geldleistungen und Pflegesachleistungen, die im Pflegegrad 2 beansprucht werden können.

  Das Wichtigste in Kürze

  • Mit Pflegegrad 2 Anspruch auf Pflegegeld und Pflegesachleistungen in allen Unterbringungsarten
  • Kostenlose umfassende Beratung durch Pflegeberater der Pflegeversicherung
  • Kostenfreie Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pfleger
  • Verpflichtende Pflegeberatung in halbjährlichem Rhythmus für Pflegegeldempfänger
  • Anspruch auf kostenfreie Pflegehilfsmittel zum Verbrauch

Pflegegrad 2 – Definition

Personen, die im Alltag zunehmend auf die Hilfe von außen angewiesen sind, wird der Pflegegrad 2 zugeordnet. Eine Unterstützung in Form von finanziellen Mitteln und Sachleistungen kann hier erfolgen. Laut Definition müssen Sie, um einen Pflegegrad 2 bewilligt zu bekommen, eine „erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ aufweisen.

Gut zu wissen!

Der Pflegegrad 2 entspricht der früheren Pflegestufe 0 oder Pflegestufe 1.

Pflegegrad 2 – Leistungen

Bei einem Pflegegrad 2 gibt es verschiedene Hilfen, die Ihnen zugesprochen werden. Gerne geben wir Ihnen einen Überblick darüber, wie der Leistungsumfang für Personen mit Pflegegrad 2 aussieht.

Leistungen bei Pflegegrad 2 – Tabelle

Pflegegrad 2 Leistungen Betrag (monatlich)
Pflegegeld bei häusliche Pflege 316 Euro
Pflegesachleistungen (häusliche Pflege) 689 Euro
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch 40 Euro
Hausnotruf (technisches Pflegehilfsmittel) 23 Euro
Verhinderungspflege / Ersatzpflege* (+ bis zu 50 % nicht verbrauchte Kurzzeitpflege) 1.612 Euro (+ 806 Euro)
Kurzzeitpflege** (dazu bis zu 1.612 Euro nicht verbrauchter Ersatzpflege) 1.612 Euro (+1.612 Euro)
Wohngruppenzuschlag 214 Euro
Entlastungsbetrag (nur bei ambulanter Pflege, zweckgebunden) bis 125 Euro
teilstationäre Tages-/ Nachtpflege 689 Euro
vollstationäre Pflegeleistung 770 Euro
Pflegegrad 2 Leistungen Betrag (einmalig)
Pflege-WG (ambulant betreutes Wohnen) 2.500 Euro / 10.000 Euro
Wohnumfeldverbessernde Maßnahme Wohnung / Wohngruppe (pro Maßnahme) bis 4.000 Euro / 16.000 Euro

Pflegegrad 2 – Leistungsarten

Sobald Sie sich mit den unterschiedlichen Pflegegraden beschäftigen, begegnet Ihnen der Begriff „Leistungsarten“. Dabei handelt es sich um verschiedene Leistungen, von denen Sie profitieren können, wenn ein Unterstützungsbedarf bei Ihnen festgestellt wird. Bei dem Pflegegrad 2 können Sie sowohl Sachleistungen als auch Geldmittel beantragen.

Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Helfer nach §45 SGB XI werden gratis angeboten.

Pflegegeld

Für das Pflegegeld ist die Pflegeversicherung verantwortlich. Es wird immer dann ausgezahlt, wenn die Pflege in den eigenen vier Wänden von Angehörigen, Freunden oder Bekannten übernommen wird. Grundsätzlich wurde das Pflegegeld eingeführt, um die wertvolle Unterstützung überhaupt erst zu ermöglichen. Schließlich fallen für viele pflegende Angehörige schon bei Pflegegrad 2 Tätigkeiten in der Betreuung, in der Haushaltsführung und bei der Körperpflege an. Das Pflegegeld ist gleichermaßen finanzielle Unterstützung und Anerkennung für die geleisteten Maßnahmen.

Was sind Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 2?

Bei Pflegesachleistungen fließen keine Gelder. Hierbei geht es darum, Fachkräfte einzubinden, die im häuslichen Umfeld die ambulante Pflege übernehmen. Wenn Sie in den Pflegegrad 2 eingestuft wurden, steht dafür ein Budget in Höhe von 689 Euro monatlich zur Verfügung. Der Pflegedienst kann in dem Fall direkt mit der Pflegekasse abrechnen.

Was fällt unter Pflegehilfsmittel?

Pflegehilfsmittel sind Geräte oder Sachmittel, die Beschwerden lindern oder die häusliche Pflege vereinfachen. Zudem werden sie im Alltag eingesetzt, um die Selbstständigkeit zu unterstützen. Sobald Sie einen Pflegegrad besitzen, können Sie Pflegehilfsmittel zum Verbrauch einsetzen. Dafür sind 40 Euro monatlich vorgesehen. In Zeiten der Corona-Pandemie sind die Beschaffungskosten merklich gestiegen, daher stehen Ihnen nun 60 Euro pro Monat für entsprechende Artikel zur Verfügung.

Folgendes zählt zu den Pflegehilfsmitteln:

  • Desinfektionsmittel
  • Schutzmasken
  • Einmalhandschuhe
  • Bettschutzeinlagen
  • Schutzkittel

Was sind Entlastungsleistungen bei Pflegegrad 2?

Wurde bei Ihnen der Pflegegrad 2 festgestellt, haben Sie Anspruch auf einen Entlastungsbetrag. So können Sie 125 Euro zusätzlich nutzen, um Ihre Selbstständigkeit im Alltag zu unterstützen. Bei dem Entlastungsbetrag, auch als Entlastungsbeitrag bezeichnet, handelt es sich um eine zweckgebundene finanzielle Unterstützung. Er steht zur Verfügung, um pflegende Angehörige zu entlasten oder Sie als Pflegebedürftigen in Ihrer Selbstständigkeit zu fördern.4

Folgende Besonderheiten gibt es mit Blick auf den Entlastungsbetrag:

  • der Betrag ist zweckgebunden
  • die Betreuungs- und Entlastungsleistungen, für die der Betrag genutzt wird, müssen anerkannt sein
  • die Pflegemaßnahmen müssen im häuslichen Umfeld stattfinden
  • Sie müssen zunächst in Vorleistung gehen

Was gehört zur Grundpflege bei Pflegegrad 2?

Die Grundpflege stellt eine Unterstützung in den Bereichen der Lebensführung dar. Wenn Sie in den Pflegegrad 2 eingestuft wurden, haben Sie Einschränkungen, die Sie im Alltag spüren. Die Mobilität, Körperpflege oder Nahrungszubereitung kann dann zur Herausforderung werden. Professionelle Pflegekräfte helfen Ihnen bei der Grundpflege.5

In folgenden Bereichen sind sie dann tätig:

  • Ernährung
  • Körperpflege
  • Mobilität
  • Toilettengang

Wie viele Stunden Pflege bei Pflegegrad 2?

Seit Januar 2017 wird nicht mehr der Zeitaufwand in den Mittelpunkt gestellt, so wie das früher bei den Pflegestufen war. Mit Ablösung der Pflegestufen durch die Pflegegrade ist ein Bewertungssystem eingeführt worden, bei dem Punkte vergeben werden. Diese Punkte geben Auskunft darüber, wie die Bewältigung in den verschiedenen Lebensbereichen klappt. Dadurch, dass nicht mehr nur die Komponente Zeit herangezogen wird, kann Ihre Situation viel individueller begutachtet werden.

Wer zahlt die Haushaltshilfe bei Pflegegrad 2?

Ihnen fällt es zunehmend schwerer, Ihren Haushalt alleine zu bewältigen? Dann können Sie den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro monatlich für eine Haushaltshilfe verwenden. Sie kann verschiedene Aufgaben für Sie erledigen. So kann die Haushaltshilfe zum Beispiel für Sie einkaufen gehen oder Reinigungsarbeiten im Haushalt durchführen. Die Rechnung für die Hilfe im Alltag können Sie im Anschluss an die Pflegekasse weiterleiten, um den Entlastungsbetrag ausgezahlt zu bekommen. Allerdings kommt die Pflegekasse nur für Dienstleister auf, die zertifiziert sind. Als Alternative können auch Einkaufshilfen dienen.

Zuzahlungsfreie Pflegehilfsmittel bei Pflegegrad 2

Personen mit Pflegegrad 2 haben nach Antrag Anspruch auf Pflegehilfsmittel zum Verbrauch im Wert von aktuell 60 Euro monatlich!

Jetzt Pflegehilfsmittel beantragen

Voraussetzungen – Wann bekommt man Pflegegrad 2?

Bei der Vergabe des Pflegegrads steht die Selbstständigkeit im Mittelpunkt. Je mehr Unterstützung Sie tagtäglich benötigen, desto höher fällt der Pflegegrad aus. Damit eine individuelle Betrachtung Ihrer Situation möglich ist, wird ein Punktesystem eingesetzt. Ein Gutachter, der zu Ihnen nach Hause kommt, bewertet dafür mit Blick auf unterschiedliche Module. Heraus kommt ein Punktwert, der eine Einstufung in den Pflegegrad einleitet.

Beeinträchtigungen oder der Verlust von Fähigkeiten können ganz plötzlich eintreten, beispielsweise durch einen Sturz oder Schlaganfall. Jedoch können sich einzelne Kompetenzen oder die Gesundheit schleichend verschlechtern. Daher ist es wichtig, dass der Pflegeantrag so früh wie möglich gestellt wird. Mit einem formlosen Schreiben an die Pflegekasse können Betroffene oder Angehörige den Pflegegrad beantragen.

1. Der Pflegegrad 2 ist gedacht für Personen „mit erheblichen Beeinträchtigungen der Selbständigkeit und der Fähigkeiten„, mindestens 27 bis unter 47,5 Punkte (laut § 15, Elftes Sozialgesetzbuch – SGB XI).

2. Wer Pflege beantragt, muss in den vergangenen 10 Jahren wenigstens 2 Jahre lang Beiträge gezahlt haben. Ob in eine gesetzliche oder private Pflegeversicherung, ist dabei unerheblich. Bei pflegebedürftigen Kindern muss ein Elternteil diesen Nachweis erbringen.

3. Erst ab dem Zeitpunkt der Antragstellung werden Leistungen gewährt.

4. Innerhalb von 14 Tagen nach dem Antrag auf Pflege muss die Pflegekasse einen Termin für eine persönliche und ausführliche Pflegeberatung anbieten.

Wie berechnet sich der Pflegegrad Infografik

Beantragen: 
Wie beantrage ich Pflegegrad 2?

Einen Pflegegrad bekommen Sie nicht automatisch zugesprochen. Zunächst gilt es einen entsprechenden Antrag zu stellen. Wir empfehlen Ihnen, sich rechtzeitig mit dem Verfahren vertraut zu machen, damit Sie ohne Verzögerungen im Alltag unterstützt werden.

Wie / Wo kann man Pflegegrad 2 beantragen?

Die Pflegekasse ist Ihr Ansprechpartner, wenn Sie einen Pflegegrad beantragen möchten. Die Beantragung ist nicht schwer und kann auf zwei Wegen erfolgen. Entweder Sie rufen Ihre Pflegekasse an und teilen Ihr Anliegen mit. Eine andere Möglichkeit ist ein formloser Brief, den Sie an die Pflegekasse richten. Aus unserer Sicht ist die schriftliche Beantragung empfehlenswert. So behalten Sie einen Überblick, wann Sie Ihr Anliegen an die Pflegekasse übermittelt haben. Nachdem Ihr Wunsch kommuniziert wurde, sendet Ihnen Ihre Pflegekasse ein Formular zu. Dieses müssen Sie gewissenhaft ausfüllen und es zurück an die Pflegekasse schicken. Nach der Bearbeitung wird Sie ein Mitarbeiter kontaktieren mit dem Ziel, einen Gutachtertermin zu vereinbaren. Dieser Gutachtertermin ist besonders wichtig, da die Informationen, die im Rahmen dieses Besuchs erhoben werden, den Pflegegrad bestimmen.

Pflegegrad 2 beantragen – Tipps

Vorbereitung ist alles. Das gilt auch mit Blick auf den Gutachtertermin. Mit wenigen Handgriffen können Sie die Ermittlung Ihres Pflegegrads ganz wesentlich unterstützen. Ein Pflegetagebuch ist besonders sinnvoll, denn hier sind alle häuslichen Pflegeleistungen übersichtlich dokumentiert. Zudem ist es empfehlenswert, medizinische Unterlagen zusammenzutragen. Diese werden beim Gutachtertermin eingesehen. Fragen Sie bei Bedarf Ihren Mediziner nach Ultraschallbildern, Röntgenaufnahmen etc. 

Ein anstehender Gutachtertermin kann zu Aufregung führen. Mit einigen Tipps bewahren Sie Ruhe und machen den Besuch nicht zur Zerreißprobe.

  1. Wählen Sie eine Uhrzeit, zu der Sie erfahrungsgemäß viel Ruhe haben.
  2. Bitten Sie einen Angehörigen hinzu.
  3. Wenn Sie nervös sind, teilen Sie das dem Gutachter mit.
  4. Bitten Sie, wenn nötig, um eine kurze Pause.
  5. Scheuen Sie sich nicht davor, Fragen zum Verständnis zu stellen.

Wie / Wo beantrage ich Erhöhung des Pflegegrades?

Der Pflegegrad bleibt nicht immer gleich. Insbesondere Erkrankungen können dafür sorgen, dass eine andere Einstufung nötig wird. Wenn Sie Ihren Pflegegrad erhöhen möchten, können Sie sich vertrauensvoll an Ihre Pflegekasse wenden, zum Beispiel mit einem formlosen Schreiben. Ihre Pflegekasse wird zu gegebener Zeit prüfen, ob Sie alle Voraussetzungen erfüllen, um eine höhere Einstufung zu bekommen.

Pflegegrad 2 – Feststellung

Der Gesetzgeber hat verschiedene Pflegegrade eingeführt, um den Bedarf gut abbilden zu können. Auf diese Weise erhalten Sie im Anschluss eine passgenaue Unterstützung für Ihren Alltag. Damit die Pflegekasse weiß, welcher Bedarf bei Ihnen besteht, leitet sie ein Pflegegutachten ein.

Wer legt Pflegegrad fest? / Wer erstellt ein Pflegegutachten?

Die Zuständigkeiten sind hier klar geregelt. Bei gesetzlich Versicherten wendet sich die Pflegekasse für die Erstellung eines Pflegegutachtens an den medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK). Die Medicproof GmbH übernimmt das Pflegegutachten für Privatversicherte.

Wie wird der Pflegegrad festgelegt?

Es spielt keine Rolle, ob Sie gesetzlich oder privat versichert sind, das Vorgehen zur Ermittlung des Pflegegrads ist stets gleich. Nachdem der Antrag angestoßen wurde, besucht Sie ein Gutachter in Ihrem häuslichen Umfeld. Vor Ort hat er die Möglichkeit, genau zu beurteilen, inwieweit Sie Einschränkungen haben und wie sich diese auf Ihren Alltag auswirken. So lässt sich zuverlässig feststellen, in welchen Bereichen Sie Hilfe benötigen. Die Pflegebegutachtung setzt auf das NBA (Neues Begutachtungsassessment). Dabei geht der Pflegegutachter insgesamt sechs Module durch, um Einschränkungen festzustellen. Für jedes Modul wird ein Punktwert vergeben, der am Ende den Pflegegrad wesentlich beeinflusst.

NBA pflegegrad neues begutachtungsassessment

Wie berechnet sich Pflegegrad 2?

Die Pflegebegutachtung ist zwingend notwendig. Sie bildet die Grundlage dafür, um den Hilfsbedarf gut abbilden zu können. Die Selbstständigkeit wird hierzu in sechs verschiedenen Lebensbereichen (Modulen) geprüft. Für die Berechnung wird eine festgelegte Matrix herangezogen. Da die Situation bei jedem Pflegebedürftigen anders sein kann, werden Punkte vergeben, die im Anschluss an Punktwerte gekoppelt werden. Die daraus gewonnene Gewichtung gibt einen guten Überblick über den Grad der Beeinträchtigung. 

Gut zu wissen!

Ihre Punkte drücken aus, wie stark Sie im Alltag beeinträchtigt sind. Ein niedriger Punktwert sagt aus, dass Sie Ihren Alltag noch recht gut alleine bewältigen können. Um in den Pflegegrad 2 eingestuft zu werden, müssen Sie mindestens 27 aber unter 47,5 Punkte erreichen.

FAQ - Häufige Fragen zum Pflegegrad 2