Laut aktuellen Statistiken werden über 3,1 Millionen Menschen in Deutschland ambulant gepflegt. Eine wertvolle Stütze sind hierbei vor allem Angehörige. Immer da zu sein und neben dem eigenen Leben zahlreiche Anforderungen in der Pflege zu erfüllen, kann belastend sein. Wer einzelne Aufgaben nicht mehr schafft oder durchschnaufen muss, kann sich auf die Pflegekasse verlassen.

Wir erklären, wann Sie sich an die Pflegekasse wenden können und welche Leistungen sich miteinander kombinieren lassen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Pflegekassen sind bei den Krankenkassen angesiedelt
  • Hier können Sie Leistungen der Pflegeversicherung beantragen
  • Verschiedene Leistungen können miteinander kombiniert werden
  • Für Hilfsmittel muss ein Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden

Was ist eine Pflegekasse?

Die Pflegeversicherung zählt hierzulande zu den Pflichtversicherungen. Das bedeutet, dass alle in Deutschland lebenden Personen dazu angehalten sind, entsprechende Beiträge aufzubringen. Wer gesetzlich krankenversichert ist, wird auch automatisch in der sozialen Pflegeversicherung berücksichtigt.

Menschen, die sich privat krankenversichern, müssen sich ebenso um eine private Pflegeversicherung kümmern. Eine Pflegeversicherung ist notwendig. Schließlich wird die Gesellschaft immer älter, womit automatisch die statistische Wahrscheinlichkeit ansteigt, später auf Hilfe angewiesen zu sein.

Diese Hilfe stellt die Pflegekasse als Träger der sozialen Pflegeversicherung bereit. Sie wird als eigenständige Behörde angesehen, ist aber bei den jeweiligen Krankenkassen angesiedelt. Ihre Aufgabe ist es, die Versicherten und ihre Belange in den Vordergrund zu stellen.

Im Pflegefall ist sie zur Stelle, um wichtige Leistungen zu ermöglichen. Damit erhalten Versicherte und Angehörige die Hilfe, die sie benötigen.

Leistungen der Pflegekasse

Die Pflegekasse hat ein konkretes Ziel. Personen mit Pflegebedürftigkeit soll es ermöglicht werden, weiter im häuslichen Umfeld zu leben. Um die Pflege in den eigenen vier Wänden umsetzen zu können (Pflege zu Hause), sind verschiedene Geld- und Sachleistungen notwendig.

Genau hier kommt die Pflegekasse ins Spiel. Sie übernimmt die Kosten, wenn es um die ambulante Pflege und stationäre Pflege geht. Auch finanzielle Aufwendungen für Hilfsmittel und Dienstleistungen werden von der Pflegekasse übernommen.

Die Pflegekasse kümmert sich also um die ambulante sowie stationäre Pflege und stellt die Grundpflege sowie die hauswirtschaftliche Unterstützung Pflegebedürftiger sicher. Nicht zuletzt setzt sie sich dafür ein, dass Umbaumaßnahmen (barrierefreies Wohnen)oder Zusatzleistungen, die hinsichtlich der Pflege notwendig sind, realisiert werden.

Auf einen Blick: Leistungsspektrum der Pflegekasse

  • Beratung
  • Antragsbearbeitung
  • Beauftragung des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen)
  • Festlegung der notwendigen Leistungen
  • Kostenübernahme

Pflegekasse: Antrag Pflegegrad (ehemals Pflegestufe)

Die Pflegekasse des Pflegebedürftigen ist der richtige Ansprechpartner, wenn Sie einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung stellen möchten. Sie entscheidet auch darüber, ob und welche Leistungen bewilligt werden. Keine Sorge, grundsätzlich haben alle versicherten Personen einen Anspruch auf Pflegeleistungen.

Allerdings stellt die Pflegekasse sicher, dass nur diejenigen Unterstützung erhalten, die sie wirklich benötigen. Aus diesem Grund muss zunächst die Pflegebedürftigkeit festgestellt werden. Das übernimmt der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK). Er erstellt ein Gutachten, um festzuhalten, wie viel Hilfe der Pflegebedürftige im Alltag benötigt.

Somit wird sichergestellt, dass sowohl die pflegebedürftigen Personen als auch die Angehörigen maßgeschneiderte Leistungen erhalten. Schließlich benötigt nicht jeder Pflegebedürftige gleich viel Unterstützung. 

Gut zu wissen!

Seit dem Jahr 2017 müssen Versicherte zunächst in einen Pflegegrad eingestuft werden, um Leistungen aus der Pflegekasse beziehen zu können. Dafür stehen insgesamt fünf Pflegegrade zur Verfügung.

Pflegehilfsmittel bei Pflegebedürftigkeit

Jedem Pflegebedürftigen stehen monatlich Pflegehilfsmittel im Wert von 60 Euro zu.

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Ambulante Pflege: So hilft die Pflegekasse 

Die Pflegekasse setzt sich ganz gezielt dafür ein, dass Pflegebedürftige Leistungen empfangen, damit ein würdevolles Leben unter Beachtung der Lebensqualität möglich ist. Dafür stellt sie verschiedene Geld- und Sachleistungen in Aussicht. Lassen Sie uns gemeinsam in Erfahrung bringen, wie die Pflegekasse Sie im Alltag unterstützen kann.

1. Pflegegeld

Bei Pflegegeld handelt es sich um eine finanzielle Leistung. Sie wird gezahlt, wenn die Pflege aus eigener Kraft, zum Beispiel durch Angehörige (Pflege durch Angehörige), erfolgt. Allerdings wird das Geld nicht an die Pflegeperson übermittelt, sondern zunächst an den Pflegebedürftigen. Er selbst kann den Betrag als finanzielle Anerkennung weitergeben.

2. Pflegesachleistungen

Viele vermuten dahinter Hilfsmittel. Tatsächlich sind damit aber nicht Dinge oder Sachen gemeint, sondern Dienstleistungen. Diese können beispielsweise von einem Pflegedienst erbracht werden. Die Pflegeversicherung trägt die Kosten für ambulante Pflegesachleistungen für Personen, die mindestens einen Pflegegrad 2 besitzen. Dabei gibt es einen festgesetzten Höchstbetrag, der abhängig vom Pflegegrad ist. Mit dem Geld werden Betreuung, körperliche Pflege und die Unterstützung im Haushalt sichergestellt.

Gut zu wissen!

Der Pflegebedürftige kann ab dem Pflegegrad 2 neben einem ambulanten Pflegedienst auch Einzelpflegekräfte in Anspruch nehmen. Die selbständigen Pflegekräfte können einen Vertrag mit der Pflegekasse abschließen und so direkt abrechnen.

Achtung: Kombileistung der Pflegekasse

Häufig gibt es nicht nur eine helfende Hand. So organisieren viele Angehörige die Pflege und lassen sich von einem Pflegedienst unter die Arme greifen. In dem Fall bietet sich die Kombinationspflege an. Die Pflegekasse erlaubt es, Geldleistungen mit Sachleistungen zu kombinieren. So können Pflegebedürftige gleichzeitig Pflegegeld und Pflegesachleistungen in Anspruch nehmen. 

Allerdings findet hier eine Verrechnung statt. Zunächst wird nachvollzogen, mit wie vielen Kosten der Pflegedienst zu Buche schlägt. Bei einer Kombipflege überprüft die Pflegekasse im Anschluss, ob die Pflegesachleistungen vollständig ausgeschöpft wurden. Sind nicht alle finanziellen Leistungen, die dem Pflegebedürftigen zustehen, von dem Pflegedienst benötigt worden, wird der offene Betrag prozentual in Form von Pflegegeld weitergegeben.

3. Pflegekasse Verhinderungspflege

Die Pflegeperson kann verhindert sein. Krankheit oder Urlaub sind nur wenige Beispiele, warum der Pflegebedürftige vorübergehend auf sich alleine gestellt ist. Dann springt die Verhinderungspflege ein. Pflegebedürftige haben Anspruch auf maximal 6 Wochen pro Jahr. Bis zu 1612 Euro sind dafür vorgesehen.

4. Teilstationäre und stationäre Pflege

Die Pflegekasse kümmert sich nicht ausschließlich um den ambulanten Bereich. In manchen Fällen kann es notwendig sein eine stationäre oder teilstationäre Pflege sicherzustellen. Die anfallenden Kosten werden ebenfalls in Abhängigkeit des Pflegegrades übernommen.

5. Entlastungsbetrag

Pflegebedürftige, die häuslich versorgt werden, können einen Entlastungsbetrag in Anspruch nehmen. Dieser beträgt 125 Euro monatlich. Hierbei ist die Auszahlung nicht an eine höhere Pflegestufe gekoppelt, sodass auch Menschen mit Pflegegrad 1 von den Leistungen profitieren. Der Betrag ist jedoch zweckgebunden einzusetzen und soll die Lebensqualität der Patienten unterstützen. Der Entlastungsbeitrag kann für Leistungen der Kurzzeitpflege, Tages- oder Nachtpflege oder für Angebote zur Unterstützung im Alltag eingesetzt werden.

6. Pflegehilfsmittel (Antrag Hilfsmittel Pflegekasse)

Geräte und Sachmittel machen die häusliche Pflege einfacher und sind in vielen Fällen sogar unbedingt notwendig. Pflegehilfsmittel erleichtern der Pflegeperson und dem Pflegebedürftigen den Alltag. Wer diese erhalten möchte, muss einen Antrag auf Pflegehilfsmittel stellen. Die Pflegeversicherung beteiligt sich auch hier an den Kosten. Das Pflegemittel-Verzeichnis hilft dabei, herauszufinden, welche Hilfsmittel übernommen werden. Damit die Leistungen fließen, muss ein entsprechender Antrag bei der Pflegekasse eingereicht werden.

7. Wohnungsanpassung

Nicht selten ist es notwendig, das häusliche Umfeld an die Pflegebedürftigkeit anzupassen. Dabei hilft die Pflegekasse ebenfalls. Pflegebedürftige können bis zu 4000 Euro als Zuschuss erhalten, wenn Anpassungsmaßnahmen notwendig sind.

8. Hilfe für die Pflegeperson

Pflegende Angehörige bringen sich jeden Tag tatkräftig in den Alltag von Pflegebedürftigen ein. Die Pflegekassen als Träger der Pflegeversicherung wissen darum und stellen hier ebenfalls Hilfe zur Seite. So ist zum Beispiel vorgesehen, dass unter Umständen Rentenversicherungsbeiträge zur sozialen Absicherung gezahlt werden. Auch kostenfreie Schulungskurse für Pflegepersonen (Pflegekurse) sind möglich.

Gut zu wissen!

Die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ist für arbeitende Angehörige besonders wichtig. Der Gesetzgeber sieht daher Freistellungen für die Pflegezeit nach dem Pflegezeitgesetz und dem Familienpflegezeitgesetz sowie das Pflegeunterstützungsgeld vor.

Wieviel zahlt die Pflegekasse?

Es ist genau festgelegt, wie viel die Pflegekasse zahlt. Hierbei spielt der Pflegegrad eine übergeordnete Rolle. Aus folgender Tabelle können Sie die Höhe des Pflegegeldes und der Sachleistung entnehmen.

Pflegegrad Pflegegeld in Euro Sachleistung in Euro
1 0 0
2 316 689
3 545 1298
4 728 1612
5 901 1995

Die Pflegekasse informiert

Sie sind sich unsicher, welche Leistungen Ihnen zustehen und welche Anträge Sie dafür ausfüllen müssen? Die zuständige Pflegekasse steht Ihnen in diesem Fall beratend zur Seite. Um herauszufinden, wie Sie Kontakt aufnehmen, können Ihnen folgende Suchbegriffe helfen:

  • IKK Pflegekasse
  • IKK Classic Pflegekasse
  • Pflegekasse Hannover
  • AOK Bamberg Pflegekasse
  • AOK Rheinland Pfalz Pflegekasse
  • AOK Düsseldorf Pflegekasse
  • Pflegekasse Debeka
  • AOK Karlsruhe Pflegekasse
  • AOK Rheinland Hamburg Pflegekasse Adresse
  • AOK Pflegekasse Potsdam
  • BKK Linde Pflegekasse

FAQ - Häufige Fragen zur Pflegekasse