Prävention bezeichnet die Vorsorge in verschiedenen Facetten, die in der Pflege die Pflegebedürftigen, die pflegenden Angehörigen und auch die Zusammenarbeit mit Pflegedienstleistern umfasst. Einigkeit herrscht dabei zwischen nahezu allen Menschen und Berührungspunkten über die Priorität der Prävention in der Pflege. Die Maßnahmen reichen dabei von klassischer Hilfe zur Selbsthilfe bis hin zu Erleichterungen der Pflegesituation für Pflegende und Gepflegte im Alltag.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erschwernisse in der selbständigen Lebensführung sollen durch Präventionsmaßnahmen in der Pflege verhindert oder hinausgezögert werden
  • Variable Arten der Prävention dienen auch als Alltagserleichterung und „Hilfe zur Selbsthilfe“
  • Der Stellenwert der Prävention in der Pflege ist hoch
  • Prävention ist auch in Bezug auf pflegende Angehörige & professionell Pflegende wichtig

Was bedeutet Prävention in der Pflege – Definition

Menschen haben Bedürfnisse, die sie bei zunehmendem Alter oder durch Krankheiten mitunter nicht mehr alleine erfüllen können. Dann entsteht ein Betreuungs- und Pflegebedarf, der durch weitere Personen, beispielsweise Angehörige oder Pflegekräfte unterstützt werden muss. Eine gute Gesundheitsfürsorge kann den Zeitpunkt von Hilfe- und Pflegebedarf bestmöglich hinauszögern. Doch auch bereits beginnende Einschränkungen lassen sich durch präventive Übung und geeignete Therapien in ihrer Ursache reduzieren.

Durch Prävention soll die Gesundheitsfürsorge in der Pflege so aufgebaut werden, dass gesundheitliche Probleme, körperliche und geistige Einschränkungen sowie andere Erschwernisse in der selbständigen Lebensführung bestmöglich verhindert oder in ihrem Voranschreiten aufgehalten werden.

Der Erhalt und die Förderung der Selbständigkeit von Betroffenen steht immer im Mittelpunkt der Prävention in der Pflege. Liegt bereits eine Pflegebedürftigkeit vor, kann durch Prävention deren Verschlechterung entgegen gewirkt werden. Regelmäßige Maßnahmen können eine Stabilisierung oder gar eine Verbesserung der Beeinträchtigung zur positiven Folge haben.

Für pflegende Angehörige und Pflegekräfte bedeutet eine gute Prävention in der Pflege ein stetes Wechselspiel zwischen Pflegendem und Pflegebedürftigem. Dabei gilt es nicht nur, gut für die Bedürfnisse des Gepflegten und den Erhalt der Selbständigkeit zu sorgen. Auch die Selbstfürsorge der betreuenden, pflegenden Person gilt es zu berücksichtigen, um die eigene Gesundheit gegenüber psychischen und körperlichen Überbelastungen zu schützen.

Kurz erklärt - Prävention in der Pflege

Quelle: Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP)
Prävention in der Pflege Video

Arten der Prävention in der Pflege

Die Einteilung der Präventionsmaßnahmen wird nach verschiedenen Gesichtspunkten gegliedert, bei denen jedoch manche Übergänge fließend sind. So können Maßnahmen der Prävention nach dem Zeitpunkt, dem Ziel oder der Methode eingeteilt werden.

Präventionsmaßnahmen nach dem Zeitpunkt – primär, sekundär, tertiär

Präventionsmaßnahmen nach dem Zeitpunkt werden in die drei Bereiche primär, sekundär und tertiär eingeteilt.

Präventionsmaßnahmen nach dem Ziel – Verhaltensprävention & Verhältnisprävention

Verhaltensprävention und Verhältnisprävention sind nach ihren Zielen ausgerichtete Präventionsmaßnahmen, die direkt (Verhaltensprävention) oder indirekt (Verhältnisprävention) eingesetzt werden. Die direkte Prävention beeinflusst das Verhalten des Betroffenen, beispielsweise durch die Motivation zu angemessenem Sport bei Bewegungsarmut, durch die Motivation zum Verzicht von Tabak- oder Alkoholkonsum oder durch die Veränderung der Ernährungsgewohnheiten. Die Ernährung kann bei externer Versorgung (z.B. durch Essen auf Rädern oder die Betreuung durch eine Haushaltshilfe und pflegende Angehörige) auch zu einer Verhältnisprävention werden. Die Verhältnisprävention verändert das Umfeld des Betroffenen, um diesem durch die Bereitstellung von gesundheitsförderlichen Alternativen gegenüber ungesunden Alltagsumständen zu unterstützen.

Präventionsmaßnahmen nach der Methode – Aufklärung, Beratung, Erziehung und Bildung

Die Maßnahmen zur Prävention nach Methode umfassen Vorgehensweisen zu Aufklärung, Beratung, Erziehung und Bildung. So kann beispielsweise durch die Information zur passenden Ernährung, zum richtigen Umgang mit Beschwerden/Erkrankungen und deren Vermeidung eine gute Prävention umgesetzt werden. Auch zu Maßnahmen der Selbstfürsorge, die durch Übung und Training die Eigenständigkeit eines Menschen erhalten helfen, zählen zu Präventionsmaßnahmen nach der Methode.

Stellenwert der Prävention in der Pflege

Mit der steigenden Lebenserwartung der Menschen in Deutschland erhöht sich auch die Zahl der Senioren, die in Teilen oder vollständig betreut und gepflegt werden müssen. Doch auch die Zahl der Senioren, die weitestgehend gesund, selbstständig und selbstbestimmt ihr Leben bis ins hohe Alter leben, ist nachhaltig gestiegen. Damit Menschen auch bei ersten Beschwerden und Erkrankungen bestmöglich eigenständig bleiben können, sind gute Präventionsmaßnahmen sinnvoll.

Prävention kann die Gesundheit nachhaltig fördern, die Selbständigkeit möglichst lange erhalten und die Erfordernisse von Pflegebedarf bestmöglich hinauszögern. Hierdurch werden nicht nur die betroffenen Senioren und chronisch Kranken in ihrer Eigenständigkeit unterstützt, sondern pflegende Angehörige und Pflegekräfte in der häuslichen Pflege und  stationären Pflege entlastet. Um dies zu unterstützen, wurde mit dem Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG 1997) ein veränderter Blickwinkel von der krankheitsorientierten Ausrichtung hin zu einer aktivierenden und gesundheitsorientierten Sichtweise übermittelt.

Die Entlastung der Pflegenden wird durch die Einbindung der Präventionsmaßnahmen in den Pflegealltag körperlich wie mental gefördert und auch die Entstehung von Überforderung und / oder Maßnahmen der Gewalt in der Pflege gemindert.

Gut zu wissen!

Präventionsmaßnahmen umfassen nicht nur die Vermeidung des Pflegefalls, sondern können gezielt bei bereits eingetretener Pflegebedürftigkeit genutzt werden. So kann mit gezielter Aktivierung die Selbständigkeit oft zumindest in Teilen wieder neu erworben oder die Entstehung von Folgeschäden vermieden werden.

Prävention für pflegende Angehörige und professionell Pflegende

Die Pflege von Angehörigen ist für den Pflegenden mit hohen körperlichen und psychischen Anforderungen verbunden. Entsprechend wichtig ist die Selbstfürsorge von pflegenden Angehörigen, um sich in der Tätigkeit für den Pflegebedürftigen nicht zu überlasten. Dies beginnt beispielsweise bei der Teilnahme an Kursen für pflegende Angehörige, um sich entsprechend den konkreten Ansprüchen in der Pflegesituation beraten zu lassen:

  • richtiges Heben oder Umsetzen, Nutzung von Pflegehilfsmitteln (Liftern, Umsetzhilfen),
  • richtiger Einsatz von Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch
  • optimale Abläufe für die Körperpflege,
  • Einbeziehung des Pflegebedürftigen in den Pflegealltag und Aktivierung u.a..

Prävention im Rahmen der Pflege sorgt nicht nur für eine erhöhte Selbständigkeit des Pflegebedürftigen, sondern gleichzeitig für einer Entlastung der Pflegenden. Auch Pausen im Tagesablauf, die Einplanung eigener Freizeit mit eigenen Interessen, Bewegung und Aktivitäten abseits der Pflege sowie die Beanspruchung von Entlastungsangeboten (Tagespflege, Kurzzeitpflege u.a.) sollten wahrgenommen werden.

Gut zu wissen!

Die sogenannte Verhinderungspflege greift, wenn der pflegende Angehörige verhindert ist. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Pflegende in den Urlaub reisen.

Für professionell Pflegende gehört die Prävention zum Arbeitsschutz, für den der Arbeitgeber maßgeblich mit verantwortlich ist. Gute Schulungen für Pflegemaßnahmen, Auffrischungskurse und Kurse zur Optimierung von Arbeitsabläufen, aber auch regelmäßige Ausgleichszeiten sowie eine gute Planung von Arbeitszeiten (unter Berücksichtigung von Drei-Schicht-System und vergleichsweise höheren Ausfallzeiten im Team gegenüber anderen Berufsgruppen) sollten fest in die Jahresplanung integriert werden.

Laut Auswertungen der BARMER aus dem Jahr 2018 sind pflegende Angehörige häufiger von psychischen Belastungen, Schlafstörungen und Rückenbeschwerden betroffen. Dies ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass nach Schätzungen rund 4,7 Millionen Menschen ein Familienmitglied pflegen und dabei ca. 11 Stunden in der Woche zusätzlich zu anderen Anforderungen aufwenden.

FAQ - Häufige Fragen zur Prävention in der Pflege