In Deutschland sind fast zehn Prozent der Bevölkerung an Diabetes mellitus (Zucker) erkrankt. Davon sind über 90 Prozent Typ-2-Diabetiker, die meisten von ihnen mit Übergewicht und im fortgeschrittenen Alter. Insbesondere in der Pflege bedeutet dies eine besondere Herausforderung und benötigt ein gutes Management.

Kurzübersicht (Das Wichtigste in Kürze)

  • Bei Diabetes hat der Körper dauerhaft einen zu hohen Blutzuckerspiegel, weshalb man es auch Zuckerkrankheit nennt.
  • Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Bauchspeicheldrüse zu wenig oder gar kein Insulin mehr herstellen kann. Diese Diabetes-Form kommt eher bei jüngeren Menschen vor.
  • Bei Typ-2-Diabetes kann der Körper das produzierte Insulin nicht richtig nutzen. Dieser Diabetes-Typ tritt eher bei älteren Menschen auf und ist häufig mit Übergewicht verbunden.
  • Typische Symptome sind vor allem bei Typ-1-Diabetes vorhanden, während Typ-2-Diabetes sich schleichend entwickelt. Daher ist die Überwachung des Blutzuckerspiegels bei älteren Menschen wichtig.
  • Mit einem gut eingestellten Diabetes können die Betroffenen ein nahezu normales Leben führen.

Was ist Diabetes?

Diabetes mellitus (lateinisch: honigsüßer Durchfluss) wird auch Zuckerkrankheit genannt und ist eine Stoffwechselerkrankung, die mit einem zu hohen Blutzuckerspiegel einhergeht. Im Normalfall reguliert der Körper die Menge an Glukose (Zucker) im Blut durch die Ausschüttung von Insulin, welches in der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Das Insulin wird benötigt, um die Glukose zur Energiegewinnung aus dem Blut in die Körperzellen zu transportieren. Bei Diabetes liegt, je nach Ursache, entweder eine Störung der Insulinproduktion (Typ-1-Diabetes), eine Störung der Insulinwirkung (Typ-2-Diabetes) oder eine Kombination aus beidem vor. Ein zu hoher Blutzuckerspiegel kann auf Dauer zu Schäden an Organen, Blutgefäßen oder Nerven führen.

Definition: Diabetes ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der vom Körper entweder zu wenig Insulin produziert wird oder das produzierte Insulin nicht richtig verwertet werden kann. In der Folge entsteht ein zu hoher Blutzuckerspiegel, wodurch viele Vorgänge im Körper durcheinandergeraten können.

Wie häufig ist Diabetes?

Weltweit erkranken immer mehr Menschen an Diabetes:

  • Fast 10 Prozent der Bevölkerung Deutschlands sind an Diabetes erkrankt.
  • Mehr als 7 Millionen. Menschen in Deutschland werden mit Diabetes behandelt, weitere geschätzte 1,3 Millionen. leben mit noch unentdecktem Diabetes.
  • Über 90 Prozent sind Typ-2-Diabetiker.
  • Gut 5 Prozent sind Typ-1-Diabetiker, das sind in Deutschland über 370.000 Menschen.
  • Ungefähr 3 von 1.000 Kindern und Jugendlichen entwickeln Typ-1-Diabetes.
  • Die Rate der Neuerkrankungen mit Typ-1-Diabetes steigt aus noch ungeklärten Gründen jährlich um 3-5 Prozent an.
  • Etwa 5 Prozent betreffen andere Diabetesformen.

Symptome: Anzeichen für Diabetes

Wie erkenne ich Diabetes?

Typische Symptome wie verstärkter Durst, häufiger Harndrang oder Gewichtsverlust treten vor allem bei Typ-1-Diabetes auf und entwickeln sich relativ rasch innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen. Diesen Typ entwickeln in erster Linie junge Menschen, daher nennt man ihn auch juvenilen Diabetes.

Bei Typ-2-Diabetes hingegen sind die Beschwerden eher untypisch und entstehen schleichend, manchmal über mehrere Jahre, wodurch sie oft lange unbemerkt bleiben. Von dieser Form sind vor hauptsächlich ältere Menschen betroffen, man sagt deshalb auch Altersdiabetes dazu. Unspezifische Allgemeinsymptome wie Müdigkeit oder Leistungsminderung treten bei allen beginnenden Diabetesformen auf.

Wichtig: Bei Typ2-Diabetes sind die Symptome viel unspezifischer als bei Typ1-Diabetes. Deshalb sollte bei älteren Menschen im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig der Nüchtern-Glukosewert kontrolliert werden.

Welche Beschwerden treten bei welcher Diabetes-Form auf?

Symptome Typ-1-Diabetes Symptome Typ-2-Diabetes
Neuerkrankungen meist im
Kindes-und Jugendalter (12.-24. Lebensjahr)
Neuerkrankung meist über 40. Lebensjahr (mehrheitlich über 60 Jahre)
Starkes Durstgefühl Verstärktes Durstgefühl
Häufiges Wasserlassen Vermehrtes Wasserlassen
Müdigkeit / Leistungsminderung Müdigkeit / Antriebsschwäche
Appetitlosigkeit oder Heißhunger Gesteigerter Appetit / Heißhunger
Deutlicher Gewichtsverlust Gewichtsabnahme
Übelkeit / Erbrechen / Bauchschmerzen Konzentrationsstörung
Kopfschmerzen / Schwindel Depressive Verstimmungen
Mundtrockenheit Mundtrockenheit
Sehstörungen / Verschwommensehen Sehstörungen
Erhöhte Infektanfälligkeit Erhöhte Infektanfälligkeit
Schlecht heilende Wundenden / Hautinfektionen Schlecht heilende Wunden / Hautinfektionen
Juckreiz Juckreiz
Wadenkrämpfe, v.a. nachts Blasenentzündungen / Vaginalmykosen
Azetongeruch der Atemluft Potenzprobleme / Menstruationsstörungen

Diagnose: Wie wird Diabetes festgestellt?

Die Untersuchung auf Diabetes erfolgt über den Glukosewert im Blut. Durch die Vereinfachung der Blutzuckermessung hat die Glukosebestimmung im Urin an Bedeutung verloren. Folgende Methoden haben sich bewährt:

  • Am häufigsten wird der Nüchtern-Blutzucker gemessen. Bei gesunden Menschen liegt dieser Wert unter 100 mg/dl, bei Diabetikern über 125 mg/dl.
  • Der nicht ganz so aussagekräftige Gelegenheits-Blutzucker, der zu jeder Tageszeit gemessen werden kann, liegt bei Diabetes meist über 200 mg/dl.
  • Weiterhin können Ärztinnen und Ärzte den oralen Glukose-Toleranz-Test (oGTT) durchführen. Dieser wird in unklaren Fällen bei Erwachsenen oder zum Screening auf Schwangerschaftsdiabetes verwendet. Dabei trinken die Patienten eine Zuckerlösung und der Blutzuckerwert wird sowohl vorher als auch danach in bestimmten zeitlichen Abständen gemessen.
  • Die Bestimmung des Blutzucker-Langzeitwertes HbA1c gibt darüber Auskunft, wie viel Blutzucker sich an den Blutfarbstoff Hämoglobin (Hb) angelagert hat. HbA1c markiert als „Blutzuckergedächtnis“ die durchschnittliche Blutzuckerkonzentration der letzten 6-8 Wochen. Bei gesunden Menschen liegt der HbA1c-Wert zwischen 4,5 und 5,7 Prozent, bei Diabetikern beträgt der HbA1c-Wert 6,5 Prozent oder mehr. Die Senkung dieses Wertes ist vor allem für Typ-1-Diabetes von Bedeutung.

Was ist Prädiabetes?

Auch leicht erhöhte Glukosewerte gelten als Risikofaktoren für die Entwicklung von Diabetes und kardiovaskulären Erkrankungen. Man nennt dies „Prädiabetes“ – ein Vorstadium von Diabetes mellitus. Dabei sprechen ein Nüchtern-Glukose-Wert von 100-125 mg/dl oder ein HbA1c-Wert von 5,7-6,4 Prozent für einen Prädiabetes. Meist haben die Betroffenen keine oder nur geringfügige Symptome.

Ursachen und Entstehung von Diabetes

Wie entsteht Diabetes?

Die Ursachen für Diabetes sind je nach Typ unterschiedlich und noch nicht vollständig geklärt. Vererbung spielt jedenfalls eine Rolle: Bei Typ-1-Diabetes steigt das Risiko zu erkranken, wenn Eltern oder Großeltern ebenfalls an Diabetes erkrankt sind. Doch nur etwa ein Zehntel der Betroffenen hat eine familiäre Vorbelastung. Für Typ-2-Diabetes hingegen steigt die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung im Alter sogar um bis zu 50 Prozent, wenn ein Elternteil Diabetiker ist.

Typ-1-Diabetes

Bei Typ-1-Diabetes handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) kein Insulin mehr produzieren kann. Das liegt daran, dass körpereigene Antikörper die insulinproduzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstören.

Wenn ca. 80 Prozent aller Beta-Zellen zerstört sind, reicht das Insulin nicht mehr aus, um genügend Glukose aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Dadurch steigt der Zucker im Blut an und die ersten Symptome machen sich bemerkbar.
An der Entstehung von Typ-1-Diabetes sind viele verschiedene Gene beteiligt. Die Auslöser, die zu der fehlgeleiteten Autoimmunreaktion führen, sind noch nicht ausreichend erforscht. Experten vermuten, dass verschiedene äußere Einflüsse wie Infektionskrankheiten (z. B. Mumps, Masern, Röteln, Coxsackie-Viren) bei Kindern und Schwangeren oder auch frühkindliche Ernährung eine Rolle spielen.

Merke: Bei Typ1-Diabetes kann die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr herstellen. Daher müssen Betroffene lebenslang Insulin zuführen.

Typ-2-Diabetes

Bei Typ-2-Diabetes, bei dem die Körperzellen zunehmend unempfindlich gegenüber dem von der Bauchspeicheldrüse gebildeten Insulin werden, kommen mehrere Faktoren zusammen. Zusätzlich zur genetischen Veranlagung sind Übergewicht und Bewegungsmangel entscheidende Ursachen. Sie führen häufig zum metabolischen Syndrom (Wohlstands-Syndrom), also einer Kombination aus Übergewicht, Bluthochdruck sowie erhöhten Fett- und Blutzuckerwerten. Während diese Störungen zu Beginn noch reversibel sind, können sie sich im Laufe der Zeit gegenseitig verstärken. So produzieren beispielsweise insbesondere Bauchfettzellen Botenstoffe, welche die Insulinempfindlichkeit der Zellen herabsetzen. Ein zu hohes Kalorienangebot zieht sowohl hohe Blutzuckerspiegel als auch eine starke Insulinausschüttung nach sich, wodurch im Laufe der Zeit eine Resistenz gegenüber Insulin entsteht. Der Körper versucht diesem relativen Insulinmangel mit stärkerer Insulinproduktion gegenzusteuern, was zu einer allmählichen Erschöpfung der Bauchspeicheldrüse führt. Zu diesem Zeitpunkt stellt sich ein absoluter Insulinmangel ein, bei dem der Körper zu wenig Insulin produziert.

Merke: Etwa 80 Prozent der Typ-2-Diabetiker leiden an Übergewicht und Bewegungsmangel. Durch Beseitigung dieser Faktoren kann sich die Erkrankung zu Beginn oft zurückbilden.

Unterschied Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung
mit absolutem Insulinmangel
Typ-2-Diabetes besteht in einer anfänglichen Insulinresistenz, die später einen relativen Insulinmangel nach sich zieht

Andere Diabetes-Typen

Diabetes bei älteren Menschen und Pflegebedürftigen

In Deutschland haben rund 3 Millionen Menschen über 65 Jahren Diabetes. Etwa ein Drittel der über 80-Jährigen leidet unter Typ-2-Diabetes, allerdings liegt die Dunkelziffer bei über 35 Prozent.

Im fortgeschrittenen Alter stehen bei der Behandlung des Diabetes vor allem der Erhalt der Lebensqualität und die Wünsche des Patienten im Vordergrund. Das Risiko für eine Unterzuckerung (Hypoglykämien) erhöht sich bei älteren Menschen. Daher ist das vorrangige Therapieziel deren Vermeidung. Schwere Hypoglykämien kommen bei älteren Menschen viel häufiger vor als früher angenommen. Die Symptome sind oft etwas anders als bei jüngeren Menschen und Funktionsausfälle treten bei noch relativ hohen Blutzuckerwerten auf. Risikofaktoren sind eine lange Erkrankungsdauer, Behandlungen mit β-Blockern, Depressionen und geistige Beeinträchtigungen sowie Herz- und Niereninsuffizienzen.

Fakt: Schwere Hypoglykämien sind die zweithäufigste Ursache für arzneimittelbedingte Notaufnahmen von älteren Menschen. Insbesondere in Pflegeheimen sind sie mit 7,8 Prozent pro Patient und Jahr sehr hoch.

Bei Pflegebedürftigen mit Diabetes muss insbesondere auf folgende Punkte geachtet werden:

  • Erfassung der Ernährungssituation
  • Vermeidung von Hypoglykämien
  • Prävention des diabetischen Fußsyndroms
  • Erkennen von Schmerzen
  • Erhalten von Haut- und Mundgesundheit
  • Wundmanagement
  • Förderung der Kontinenz
  • Prävention von Stürzen
  • jährliches Screening auf Depression

Wichtig: Der Versorgungs- und Pflegebedarf muss passend zur Konstitution des Patienten gewählt werden. Hilfsmittel zum Diabetesmanagement sollten so weit als möglich eingesetzt werden.

Krankheitsverlauf und Prognose

Hat der Arzt einen Diabetes mellitus diagnostiziert, sollte sich der Betroffene zur Behandlung an einen Diabetologen oder Endokrinologen wenden. Erkrankte sollten die Diagnose unbedingt ernst nehmen, da ein unbehandelter Diabetes schwerwiegende akute Komplikationen und chronische Folgeerkrankungen nach sich ziehen kann. Durch Diabetes kommt es zu einem deutlichen Verlust an Lebensjahren: so sinkt beispielsweise die Lebenserwartung bei einem ca. 50-jährigen Diabetiker schätzungsweise um etwa sechs Jahre. Doch mit einer optimalen Behandlung lassen sich die Auswirkungen der Erkrankung oft erfolgreich eindämmen, die Lebensqualität verbessern und die Lebenszeit verlängern.

Folge- und Begleiterkrankungen

Durch einen hohen Blutzuckerspiegel werden die Blutgefäße auf Dauer geschädigt und schlechter durchblutet. Das betrifft sowohl die kleinen (diabetische Mikroangiopathie) als auch die großen (diabetische Makroangiopathie) Blutgefäße. Genauso wird auch das Nervengewebe in Mitleidenschaft gezogen (diabetische Neuropathie). Viele Folge-und Begleiterkrankungen des Diabetes sind auf diese Schäden an Blutgefäßen und Nervenzellen zurückzuführen.

Typische Folge- und Begleiterkrankungen sind:

  • Netzhautschädigung mit Sehstörungen bis hin zum Erblinden (diabetische Retinopathie durch diabetische Mikroangiopathie)
  • Nierenstörungen bis hin zu Nierenversagen (diabetische Nephropathie durch diabetische Mikroangiopathie)
  • Nervenstörungen mit Taubheitsgefühl (diabetische Neuropathie)
  • Diabetisches Fußsyndrom mit chronischen Wunden bis hin zu Amputationen (durch diabetische Mikroangiopathie und Neuropathie)
  • Bluthochdruck
  • Herzinsuffizienz oder Herzinfarkt (zum Beispiel durch hohen Blutdruck, Störungen des Fettstoffwechselsund Gefäßverkalkung / koronare Herzkrankheit)
  • Schlaganfall (durch diabetische Makroangiopathie, Bluthochdruck und Störungen des Fettstoffwechsels)
  • Bakterielle Haut- und Harnwegsinfektionen sowie Parodontitis (durch Schwächung des Immunsystems)
  • Erhöhte Blutfettwerte, Fettstoffwechselstörung
  • Fettleber
  • Zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für Depressionen und Angstzustände

Fakt: Laut Zahlen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erblinden pro Jahr etwa 2.000 Diabetiker, ca. 2.300 werden dialysepflichtig und bei ungefähr 50.000 müssen Amputationen vorgenommen werden.

Überzuckerung – Ketoazidose und diabetisches Koma

Menschen mit Diabetes müssen darauf achten, dass ihr Blutzuckerspiegel nicht zu hoch oder zu niedrig ist, da sonst eine Hyperglykämie (Überzuckerung) oder Hypoglykämie (Unterzuckerung) eintreten kann.

Eine Hyperglykämie tritt hauptsächlich bei Typ-1-Diabetikern auf. Da den Zellen bei einer Unterzuckerung nicht genügend Glukose zur Energiegewinnung zur Verfügung steht, greift der Körper auf seine Fettdepots zurück. Dabei entstehen Stoffwechselprodukte, die das Blut übersäuern. Die sogenannte diabetische Ketoazidose zeigt sich in nach Azeton riechendem Atem, beschleunigtem Puls, schwerer Atmung und Bewusstseinstrübung bis hin zum Bewusstseinsverlust. Unbehandelt kann sie in einen lebensbedrohlichen Zustand, das diabetische Koma, übergehen.

Diabetiker sollten deshalb die ersten Warnsignale für eine Hyperglykämie kennen:

  • Müdigkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Schwindel
  • Durst und vermehrtes Wasserlassen
  • Übelkeit oder Erbrechen
  • Bauchschmerzen

Die beste Vorsorgemaßnahme ist die ständige Selbstkontrolle des Blutzuckers. Bei Überzuckerung sollten Betroffene sowohl ihren Blutzucker als auch den Azeton-Wert alle zwei Stunden überprüfen. Gehen die Werte trotz Insulingabe nicht herunter, sollte sich der Betroffene sofort in ärztliche Behandlung begeben.

Achtung: Wenn der Blutzuckerspiegel stark erhöht ist, kann es zu Bewusstseinsstörungen kommen, bis hin zu einem lebensbedrohlichen diabetischen Koma. Dabei handelt es sich immer um einen ärztlichen Notfall!

Unterzuckerung – Hypoglykämischer Schock

Das andere Extrem eines entgleisten Blutzuckerspiegels ist die Hypoglykämie. Sie resultiert oft aus einer Überdosierung von Insulin, kann aber auch durch körperliche Anstrengung oder Infekte ausgelöst werden. Symptome sind Heißhunger, kalte Schweißausbrüche, Herzrasen, Zittern, Übelkeit und Erbrechen bis hin zu Bewusstlosigkeit (hypoglykämischer Schock). Bei einer Hypoglykämie muss dem Körper sofort Zucker zugeführt werden. Dies kann z.B. durch Traubenzucker erfolgen, aber auch mittels eines Glukagon-Pens.

Welche Blutzuckerwerte sind normal / gefährlich?

Blutzucker Wert Bedeutung
nüchtern 70-100 mg/dl Normalbereich
nach Essen / zwischendurch bis 140 mg/dl Normalbereich
nüchtern 100-125 mg/dl Prädiabetes
nüchtern über 125 mg/dl Diabetes mellitus
nach Essen / zwischendurch über 180 mg/dl Diabetes mellitus
zu niedrig unter 50 mg/dl Unterzuckerung (Hypoglykämie)
zu hoch über 250 mg/dl Überzuckerung (Hyperglykämie)
viel zu hoch ab 400-600 mg/dl diabetisches Koma

Richtige Einstellung des HbA1c-Wertes

Der HbA1c-Wert sollte bei Diabetikern zwischen 6,5 und 8,5 Prozent liegen. Einen einheitlichen Wert gibt es jedoch nicht, da er an das Alter und die individuelle Situation des Diabetikers angepasst werden muss.

Jüngere und ansonsten gesunde Diabetiker können von einem niedrigen HbA1c-Wert profitieren. Ein niedrig eingestellter HbA1c-Wert kann auf Dauer gesehen Vorteile haben, wie zum Beispiel weniger Herzinfarkte. Bei Typ-1-Diabetikern mit gesunder Lebensführung, die ihre Erkrankung gut im Griff haben, kann dies die Lebenserwartung erhöhen.

Ältere oder gesundheitlich weiter eingeschränkte Menschen hingegen benötigen im Normalfall einen etwas höher eingestellten Wert. Denn durch einen niedrigen HbA1c-Wert kommt es schneller zu Unterzuckerungen mit der Gefahr des hypoglykämischen Schocks. Im höheren Lebensalter hat der HbA1c-Wert daher insgesamt einen geringeren Stellenwert bei Therapieentscheidungen und sollte nicht so streng eingestellt sein.

Extra: Wie hoch darf der Blutzucker bei älteren Menschen sein?

Bei älteren Menschen sind oft sowohl höhere Nüchtern-Blutzuckerwerte in Ordnung als auch ein höherer HbA1cWert. Ohne weitere gesundheitliche Einschränkungen kann der Wert zwischen 7,0 und 7,5 Prozent eingestellt werden. Der Nüchtern-Blutzuckerwert kann zwischen 100 und 125 mg/dl betragen.
Pflegebedürftige Menschen oder Diabetiker mit vielen Nebenerkrankungen können sogar HbA1cWerte über 8,0 Prozent vertragen und einen Nüchtern-Blutzuckerwert von bis zu 180 mg/dl.

Therapie: Welche Behandlung gibt es für Diabetes?

Bei der Behandlung von Diabetes ist vor allen Dingen ein gut eingestellter Blutzuckerwert wichtig. Aufgrund der verschiedenen Ursachen bei Typ-1 und Typ-2 ist die Therapie sehr unterschiedlich.

Welche Behandlung bei Typ-1-Diabetes?

Typ-1-Diabetiker sind auf die Therapie mit Insulin angewiesen, welches das fehlende Insulin im Körper ersetzt. Nur so ist es möglich, den Blutzuckerspiegel ausreichend zu senken und Komplikationen sowie langfristige Folgeschäden zu verhindern. Wie viel Insulinzufuhr benötigt wird, hängt zum Beispiel davon ab, was man isst und trinkt oder wie stark sich jemand körperlich betätigt. Daher muss die Insulintherapie individuell an jeden Diabetiker angepasst werden. Zur Behandlung stehen verschiedene Insuline und Konzepte zur Verfügung. Meist erfolgt die Therapie als intensivierte Insulintherapie, bei der die Insulinmenge flexibel an Blutzuckerspiegel, Essensmenge und körperliche Aktivität angepasst wird. Diabetiker spritzen sich dabei im Normalfall täglich ein langwirksames Basalinsulin, um den Grundinsulinbedarf des Organismus abzudecken. Zusätzlich erfolgt zu den Mahlzeiten die Injektion eines kurzwirksamen Insulins, des sogenannten Bolus-Insulins, das den Blutzuckeranstieg nach einer Mahlzeit abfängt. Eine Alternative zu dieser Therapieform ist eine am Körper getragene Insulinpumpe. Sie gibt kontinuierlich über den gesamten Tag hinweg ein kurz wirksames Insulin ins Unterhautfettgewebe ab. Zu den Mahlzeiten erhöht der Betroffene die Insulinzufuhr per Knopfdruck.

Gut zu wissen: Bei Typ1-Diabetes ist ein gutes Selbstmanagement entscheidend. Im Vordergrund der Behandlung stehen die tägliche Kontrolle des Blutzuckers und eine geregelte Zufuhr von Insulin.

Welche Behandlung bei Typ-2-Diabetes?

Typ-2-Diabetiker können sowohl mit blutzuckersenkenden Medikamenten (Antidiabetika) als auch mit Insulin behandelt werden. Insulin kommt zum Einsatz, wenn Antidiabetika nicht ausreichen, um den Blutzuckerspiegel so weit zu senken, wie jeweils notwendig.

Manchmal lässt sich der Blutzuckerspiegel aber auch durch Ernährungsumstellung und Bewegung senken. Die Art der Behandlung hängt von mehreren Faktoren ab, wie Alter, Schweregrad des Diabetes, zusätzlichen Erkrankungen und der Einnahme weiterer Medikamente.

Im jüngeren und mittleren Alter ist es wichtig, den Blutzuckerspiegel relativ niedrig zu halten, um Folgeschäden zu vermeiden. Bei älteren Menschen hingegen stehen oft andere gesundheitliche Probleme wie erhöhter Blutdruck oder zu hoher Cholesterinspiegel im Vordergrund. Neben Antidiabetika kommen daher häufig auch Mittel zur Senkung des Blutdrucks und Cholesterinspiegels zum Einsatz.

Tipp: Besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, welche Medikamente für Sie geeignet sind und was für Vor- und Nachteile es gibt. Berichten Sie außerdem immer mögliche Nebenwirkungen, die Sie bemerken.

Welche Medikamente gibt es bei Diabetes?

Insulin

Es gibt zwei unterschiedliche Gruppen von Insulinen: Humaninsuline, welche im Aufbau dem menschlichen Insulin entsprechen, und Analoginsuline (Insulinanaloga), die so verändert werden, dass sie ganz unterschiedliche Wirkdauer haben können. Weiterhin unterscheidet man zwischen kurzwirkenden und langwirkenden Insulinen. Kurzwirkende Insuline werden nach Bedarf gespritzt, vor allem für die Mahlzeiten, und senken den Blutzucker rasch. Langwirkende (Verzögerungs-) Insuline werden einmal pro Tag gespritzt und dienen dem Grundbedarf.

Insulin Wirkung Wirkungseintritt Wirkmaximum Wirkdauer
Normalinsulin
(Humaninsulin)
enthält keine wirksamkeitsverlängernden Substanzen nach ca. 15 Minuten nach ca. 2 Stunden ca. 5 Stunden
Verzögerungsinsulin
(NPH-Basal-Insulin)
enthält eine wirksamkeitsverlängernde Substanz (NPH) nach 1,5 bis 2 Stunden nach ca. 5 Stunden 12-20 Stunden, je nach Dosierung
Analoginsulin,
kurz wirkend
sofortiger Wirkungseintritt sofort nach ca. 1 Stunde 2-4 Stunden
Basal Analoginsulin,
lang wirkend
verhindern nächtliche Unterzuckerung allmählich, nach 1-2 Stunden gleichmäßige Wirkung 20-36 Stunden
Basal Analoginsulin,
ultralang wirkend
gleichmäßiger Zustand nach 2-3 Tagen erreicht allmählich gleichmäßige Wirkung ca. 42 Stunden
Mischinsuline Mischung aus kurz und lang wirksamen Insulinen schnell lang anhaltend

Antidiabetika

Sie senken den Blutzucker nicht so stark wie Insulin, dafür kommt es seltener zu Hypoglykämien. Häufig verschreibt der Arzt zunächst der Wirkstoff Metformin. Durch Kombinationsbehandlungen steigt das Risiko für Nebenwirkungen, jedoch können sie bei bestimmten Vorerkrankungen wie Herzschwäche von Vorteil sein. Meist wird dabei Metformin mit einem Gliflozin oder Glutid kombiniert.

Antidiabetikum Wirkungsweise Nebenwirkungen Gegenanzeigen
Melformin verzögert die Zuckeraufnahme aus dem Darm, verringert die Zuckerproduktion in der Leber, senkt den Blutfettwert zu Beginn häufig Beschwerden des Verdauungstraktes nicht bei Niereninsuffizienz oder Herzinsuffizienz
Gliflozine
(Flozine / SGLT2-Inhibitoren)
steigern die Zuckerausscheidung über den Urin, empfohlen bei Herzerkrankungen vermehrte Harnwegsinfektionen und Scheideninfektionen nicht bei Niereninsuffizienz
Glutide (Inkretin-Analoga) fördern die Insulin-Produktion, verringern Herz- und Nierenschäden hemmen den Appetit, anfangs häufig Übelkeit nicht bei Niereninsuffizienz
Sulfonylharnstoffe fördern die Insulin-Produktion, verringern Folgeschäden an Augen, Nerven und Füßen anfangs oft Gewichtszunahme, Gefahr von Unterzuckerungen nicht bei Niereninsuffizienz, oder starkem Übergewicht
DPP-4-Hemmer erhöhen das Hormon Inkretin (welches die Insulin-Produktion fördert) sehr selten Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) nicht bei Risiko für Pankreatitis
Andere Weitere Antidiabetika sind Alpha-Glukosidase-Hemmer, Glinide, Glitazone oder Gliptine. werden seltener eingesetzt.

Prävention und Risikofaktoren

Neben einigen nicht beeinflussbaren Risikofaktoren, wie erblicher Veranlagung, gibt es für Typ-2-Diabetes eine Anzahl von beeinflussbaren Faktoren. Dazu gehören vor allem Übergewicht, Bewegungsmangel, schlechte Ernährung oder zu viel Stress. Der Lebensstil ist von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes.

Gewichtsreduktion

Für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes zählt Übergewicht zu den schwerwiegendsten Risikofaktoren. Dabei ist insbesondere ein großer Bauchumfang gefährlich.

Bewegung

Körperliche Aktivität hilft, den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren. Außerdem senkt regelmäßige Bewegung den Blutdruck und den Cholesterinspiegel, hilft bei der Gewichtsabnahme, reduziert Stress und fördert das Allgemeinbefinden sowie die psychische Gesundheit. Ausdauersport, aber auch Krafttraining sind effektiv: Besonders empfehlenswert sind Joggen, Walking, Radfahren und Schwimmen. Das Ziel sollte sein, sich mindestens 150 Minuten pro Woche oder 30 Minuten pro Tag zu bewegen.

Ernährung bei Diabetes

Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle, sowohl zur Prävention als auch bei einem bereits bestehenden Diabetes. Im Folgenden sind einige Tipps zur gesunden Ernährung bei Diabetes aufgeführt:

  • Abwechslungsreiche und vielseitige Nahrung
  • Reichlich Gemüse und Obst
  • Ballaststoffreiche Kost (Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte)
  • Reduktion von tierischen Nahrungsmitteln, v.a. mit hohem Fettanteil
  • Sparsame Verwendung von Salz und Zucker
  • Vermeiden von Softdrinks und zu vielen Fruchtsäften
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr in Form von Wasser oder Tee

Sonstiger Lifestyle

  • Rauchen: Rauchen ist ein bedeutender Risikofaktor für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes.
  • Alkohol: Verzicht auf Alkohol ist für Diabetiker sinnvoll, zumindest aber eine Reduktion des Konsums.
  • Stress: Durch Stress steigen Blutdruck und Blutzuckerspiegel, daher ist es für Diabetiker wichtig, dass sie lernen, Stress im Alltag zu reduzieren.
  • Schlaf: Schlafmangel und schwere Schlafstörungen wirken sich negativ auf die Insulinproduktion und -wirkung aus.

Regelmäßiger Check-Up

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen dienen der frühzeitigen Erkennung von Folge- und Begleiterkrankungen. Dabei sollte der Arzt folgende Untersuchungen durchführen und die Ergebnisse im Diabetes-Pass eintragen:

  • Gewicht, Blutdruck, Blutzucker – bei jedem Arztbesuch
  • HbA1c-Wert, Mikroalbuminurie (Niere) – vierteljährlich bis halbjährlich
  • Augenuntersuchung – halbjährlich bis jährlich
  • Nierenfunktionstest mit Nierenwerten – mindestens jährlich
  • Untersuchung der Nerven in Armen und Beinen – mindestens jährlich
  • Fußinspektion – mindestens jährlich
  • Blutfettwerte – mindestens jährlich
  • Untersuchung der Blutgefäße – jährlich
  • EKG (Elektrokardiogramm) – jährlich
  • Psychisches Befinden – mindestens jährlich

Diabetes-Management und Diabetes-Schulung

Mit einem guten Diabetes-Management können Diabetiker ein aktives und weitgehend normales Leben führen. Ein sehr wichtiger Aspekt dabei ist die Patientenschulung, bei der die Betroffenen lernen, die Krankheit so gut wie möglich in ihren Alltag zu integrieren.

Eine Diabetes-Schulung umfasst:

  • Grundwissen über Diabetes sowie Begleit- und Folgeerkrankungen
  • Fertigkeiten zum selbstständigen Krankheitsmanagement (Blutzuckerkontrolle, Handling der Insulintherapie oder Medikamenten-Einnahme, Einschätzen des Kohlenhydratgehaltes von Lebensmitteln)
  • Entscheidungshilfen für den Therapiealltag und Verhalten bei Notfällen (Überzuckerung oder Unterzuckerung)
  • Motivation zum eigenverantwortlichen Ausführen der Therapie, und Formulieren von eigenen Behandlungszielen
  • Tipps zur positiven Beeinflussung der Krankheit durch den Lebensstil
  • Verbesserung der Krankheitsakzeptanz und psychische Unterstützung

FAQ - Häufige Fragen zu Diabetes mellitus