Auf den Händen tummeln sich zahlreiche Mikroorganismen, vor allem Bakterien. Sie sind nicht immer schädlich, sondern oft ein nützlicher Bestandteil der Hautflora. Leider gilt das nicht für alle Vertreter. Manche von ihnen können zu schwerwiegenden Infektionen bei Pflegebedürftigen führen. Auch Viren oder andere Mikroorganismen können sich per Kontaktinfektion über die Hände im Pflegeumfeld verteilen. Zum Beispiel, wenn sich jemand in die Hand hustet und anschließend einen Türgriff anfasst oder dem Pflegebedürftigen direkt die Hand gibt.[1] Genau das soll eine Händedesinfektion verhindern.

Wir erklären Ihnen, welche Anforderungen Händedesinfektionsmittel erfüllen müssen und wie Sie ein Produkt finden, das zu Ihnen passt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Händedesinfektionsmittel haben die Aufgabe, Krankheitserreger auf der Haut zu reduzieren.
  • Es gibt Listen, herausgegeben vom Robert-Koch-Institut oder dem Verbund für angewandte Hygiene, die anerkannte Desinfektionsmittel aufführen.
  • Insbesondere im häuslichen Umfeld von immungeschwächten Patienten oder Menschen mit einer ansteckenden Erkrankung, bietet sich die Händedesinfektion an.
  • Bei der Anwendung ist vor allem die Einwirkzeit entscheidend, denn nur so können die Keime gezielt vernichtet werden.
  • Informationen zur Händedesinfektion erhalten pflegende Angehörige bei Medizinern, in Apotheken oder Pflegestützpunkten.
  • Händedesinfektionsmittel gehören zu den Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch, sie können über die Pflegehilfsmittelpauschale angeschafft werden.

Was sind Desinfektionsmittel und wie wirken sie?

Desinfektionsmittel haben das Ziel, Infektionen zu verhindern. Das soll gelingen, indem die Produkte verschiedene Keime abtöten oder inaktivieren. Wird ein Desinfektionsmittel richtig angewendet, reduziert sich die Menge der Krankheitserreger auf der Oberfläche oder Haut soweit, dass eine Infektion nicht mehr möglich ist. Für eine erfolgreiche Desinfektion setzt das Mittel auf verschiedene chemische oder physikalische Prozesse. Produkte können beispielsweise die Proteinbausteine der Viren angreifen (Proteindenaturierung), die Mikroorganismen durch die Reaktion mit Sauerstoff abtöten (Oxidation), die Erbsubstanz der Keime gegen sie verwenden (Reaktion mit Nukleinsäuren) oder nötige Stoffwechselvorgänge der Krankheitserreger unterbinden (Enzymhemmung).

Darum sind Händedesinfektionsmittel für die häusliche Pflege so wichtig

Desinfektionsmittel leisten einen wichtigen Beitrag zum Gesundheitsschutz pflegebedürftiger Menschen. Ihr Organismus reagiert meist empfindlich auf Mikroorganismen, da ihr Immunsystem durch das Alter, Krankheiten, Operationen oder chronische Wunden geschwächt ist. Händedesinfektionsmittel können dann eine Infektion mit Mikroorganismen verhindern. Wichtig ist, dass sie regelmäßig und ausreichend zum Einsatz kommen, denn nur so können unerwünschte Keime beseitigt werden.

Welche Anforderungen müssen Händedesinfektionsmittel erfüllen?

Händedesinfektionsmittel müssen hohe Anforderungen erfüllen. Schließlich haben sie die wichtige Aufgabe, Krankheitserreger effizient zu beseitigen. Allerdings sollen sie möglichst sanft zur Haut sein, um keine Schädigungen hervorzurufen.

Empfehlenswerte Desinfektionsmittel haben folgende Eigenschaften:

  • ziehen schnell ein und beseitigen Mikroorganismen zuverlässig,
  • sind schonend zur Haut und zur Schleimhaut,
  • besitzen nur einen geringfügig wahrnehmbaren Geruch,
  • sind biologisch abbaubar,
  • weisen eine lange Haltbarkeit auf,
  • zeigen sich möglichst unbeeindruckt von Einflussfaktoren wie Seifen.

Sie sind sich nicht sicher, ob das ausgewählte Händedesinfektionsmittel den verschiedenen Ansprüchen genügt? Informieren Sie sich am besten bei dem Robert-Koch-Institut (RKI) oder dem Verbund für angewandte Hygiene (VAH) nach einer Desinfektionsmittelliste – darauf kommen nur anerkannte Produkte.

Abbildung 1: Wirksamkeit von Händewaschen, Desinfektion und Sterilisation.
Quelle: https://medsolut.com/de/blog/desinfektionsmittel-arten/.

Desinfizieren in der häuslichen Pflege: so geht’s!

Für die häusliche Pflege können Sie Desinfektionsmittel für Hände und Desinfektionsmittel für Flächen einsetzen. Bei der Anwendung sollten Sie jedoch einiges beachten, um die Keime möglichst effizient zu reduzieren und die Haut oder Oberflächen nicht zu stark zu belasten. Wir verraten Ihnen, wie Sie Händedesinfektionsmittel im Alltag richtig einsetzen.

Desinfizieren der Hautoberfläche

Händewaschen rettet Leben – das gilt nicht nur im Operationsbereich, sondern auch in der häuslichen Pflege. Mit Desinfektionsmitteln gehen Sie noch einen Schritt weiter und verringern die Keimlast zuverlässiger. Das ist durchaus sinnvoll, denn die Hände zählen zu den häufigsten Übertragungswegen, auf denen Keime in den Körper gelangen. Insbesondere bei Pflegebedürftigen wird der Übertragungsweg optimalerweise unterbunden, da es bei ihnen durch das geschwächte Immunsystem einfacher zu Infektionen kommen kann. Desinfektionsmittel für die Haut enthalten in der Regel Alkohol. Da dieser austrocknend wirkt, enthalten entsprechende Produkte meist pflegende Substanzen.

Darauf sollten Sie bei der Anwendung von Handdesinfektionsmitteln achten:

  • stellen Sie sicher, dass Ihre Hände sauber und trocken sind,
  • nutzen Sie die empfohlene Menge für die Desinfektion,
  • wenden Sie die richtige Einreibetechnik an,
  • halten Sie die empfohlene Einwirkzeit (meist 30 Sekunden) ein.

Abbildung 2: Hände richtig desinfizieren.
Quelle: https://vahonline.de/files/images/poster/CI_Haendedesinfektion_Anleitung_Alltag_2021_A4.pdf

Desinfizieren Sie sich die Hände am besten, wenn:

… Sie mit dem Pflegebedürftigen in Kontakt treten möchten.

…Sie in Berührung mit potentiell ansteckendem Material wie Urin oder Kot kommen.

…Sie Oberflächen in der unmittelbaren Nähe Ihres Pflegebedürftigen wie Nachtische anfassen müssen.

… Sie vor und nach der Ausführung von Maßnahmen zur Körperpflege stehen.

Gut zu wissen!

Nutzen Sie niemals Flächendesinfektion zur Desinfektion Ihrer Hände. Die darin enthaltenen Substanzen können den Hautschutzmantel schädigen – das kann zu schmerzhaften Reizungen führen.

Händedesinfektion: Tuch, Gel oder Flüssigkeit

Sie haben bei der Händedesinfektion verschiedene Anwendungsformen zur Auswahl. Entscheiden Sie sich am besten für ein Produkt, das Ihren Vorlieben am meisten entspricht. Manche Menschen ziehen ein Tuch zur Desinfektion der Hände vor, andere finden Gel angenehmer.

  • Tuch zur Händedesinfektion: Die einzeln verpackten Tücher sind in Desinfektionsmittel vorgetränkt. Sie reiben die Handinnenflächen sorgfältig mit dem Tuch ab und entsorgen es danach. Der Vorteil ist hier, dass Sie die optimale Menge Desinfektionsmittel nicht selbst dosieren müssen.
  • Gel zur Händedesinfektion: Vor allem im Rahmen der Corona-Pandemie ist Händedesinfektionsmittel in Gelform auch im häuslichen Gebrauch populär geworden. Aus einer Tube, aber meistens mithilfe eines Spenders entnehmen Sie das Gel und reiben damit die gesamten Hände ein. Nach einer kurzen Einwirkzeit sind die Hände desinfiziert. Viele Menschen nutzen das Gel lieber, weil es im Gegensatz zu der flüssigen Variante direkt an der Haut haftet und nicht tropft.
  • Flüssigkeit zur Händedesinfektion: Hierbei handelt es sich um einen echten Klassiker bei der Händedesinfektion. In der Regel aus einem Spender entnommen, wird die Flüssigkeit in die Hände eingerieben. Auch hier müssen Sie die vorgegebene Einwirkzeit beachten.

Welches Händedesinfektionsmittel gegen Coronaviren?

Händedesinfektionsmittel sind nicht gleich Händedesinfektionsmittel – neben verschiedenen Anwendungsformen unterscheidet sich auch die Wirksamkeit der Produkte voneinander. „Wirksam gegen 99,9 % der Bakterien“ – diese Werbeaussagen können Sie getrost vergessen. Das jeweilige Wirkspektrum wird bei professionellen Produkten genau geprüft und in den Produktinformationen aufgeführt. Während der Hinweis „bakterizid“ Ihnen mitteilt, dass das Produkt wirksam gegenüber Bakterien ist, gibt es mit Blick auf die Viren insgesamt drei Stufen:

  1. begrenzt viruzid
  2. begrenzt viruzid PLUS
  3. viruzid

Die gute Nachricht: Coronaviren reagieren empfindlich auf Desinfektionsmittel. Bereits die erste Stufe, aber auch Produkte aller nachfolgenden Stufen können Sie einsetzen, um Coronaviren zu eliminieren.

Sind Händedesinfektionsmittel gefährlich?

Bei sachgemäßer Anwendung vertragen die allermeisten Menschen Desinfektionsmittel auf ihrer Haut gut. In einigen Fällen können entsprechende Produkte aber unerwünschte Nebenwirkungen haben, zum Beispiel zu Hautreizungen führen. Entdecken Sie bei sich oder Ihrem Familienangehörigen Rötungen, Schuppungen oder Risse auf der Haut, fragen Sie am besten einen Arzt um Rat. Hier könnte eine Allergie auf Desinfektionsmittel vorliegen. Außerdem ist es wichtig, Desinfektionsmittel gezielt einzusetzen. So beugen Sie Resistenzen, also einer Toleranz der Mikroorganismen gegenüber Desinfektionssubstanzen, vor.[1] Wenn Sie sich unsicher sind, was und wie oft Sie desinfizieren sollten, können Sie sich nach dem empfohlenen Vorgehen bei dem Hausarzt oder einer Pflegefachkraft informieren. Auch Pflegestützpunkte haben praktische Tipps für den Pflegealltag.

Für wen eignen sich Desinfektionsmittel?

Desinfektionsmittel bieten sich sowohl für Pflegefachkräfte als auch für private Pflegepersonen an. Im klinischen Bereich gibt es sogar eine Pflicht, Desinfektionsmittel regelmäßig anzuwenden, um Patienten vor Infektionen zu schützen.

Bei folgenden Personen ist der Einsatz von Desinfektionsmitteln sinnvoll:

  • bei Patienten mit chronischen Wunden,
  • bei Pflegebedürftigen mit einem geschwächten Immunsystem,
  • bei Personen, die infektiös sind, also eine ansteckende Krankheit besitzen.

Im Pflegealltag ist es wichtig, mit dem zu Pflegenden in Kontakt zu bleiben und ihn über sinnvolle Maßnahmen aufzuklären. Sprechen Sie mit Ihrem Familienmitglied und teilen Sie ihm mit, warum der Einsatz von Desinfektionsmitteln sinnvoll ist.

3 goldene Regeln bei der Händedesinfektion

Um den Pflegebedürftigen aber auch um sich selbst zu schützen, ist die korrekte Anwendungsweise von Händedesinfektionsmittel wichtig. Was besonders entscheidend ist, haben wir Ihnen in unseren drei goldenen Regeln zusammengefasst.

  1. Händedesinfektionsmittel gehört nur auf gesunde Haut: Im Alltag erleiden die Hände oft kleine Verletzungen. So kann es beispielsweise zu einem kleinen Schnitt im Handbereich kommen, wenn Sie Ihrem Familienmitglied die Nahrung zubereiten. Bevor Sie bei offenen Wunden Desinfektionsmittel anwenden, sollten Sie zunächst mit Ihrem Hausarzt sprechen. Grundsätzlich gilt: Händedesinfektionsmittel sollte nur auf gesunder Haut angewendet werden. Damit es unter der Anwendung der Produkte nicht zu trockenen, rissigen Händen kommt, empfehlen wir Ihnen die regelmäßige Nutzung pflegender Handcremes.
  2. Händedesinfektionsmittel mit Handschuhen kombinieren: Handschuhe können das Desinfizieren der Hände nicht ersetzen. Allerdings können Sie sie bei verschiedenen pflegerischen Tätigkeiten unterstützen, zum Beispiel bei der Begleitung des Toilettengangs. Immer dann, wenn Sie mit Verunreinigungen oder Wundflächen in Berührung kommen, bietet sich eine Kombination aus Händedesinfektion und Handschuhen an.
  3. Vergessen Sie die Fingerkuppen nicht: Viele Menschen konzentrieren sich bei der Händedesinfektion auf die Handinnenflächen. Keime können allerdings auch auf den Fingerkuppen sitzen. Daher unser Rat: Reiben Sie das Desinfektionsmittel in die gesamten Hände ein.

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Was kostet Händedesinfektionsmittel?

Desinfektionsmittel für die Hände haben keinen einheitlichen Preis. Wie viel Sie für ein entsprechendes Produkt investieren müssen, hängt neben dem Hersteller auch von der Produktform und der Verpackungsgröße ab. Mit etwa 1,50 Euro pro 100 ml ist Händedesinfektionsmittel aber recht erschwinglich. Trotzdem können Sie einen Preisvergleich unternehmen – Desinfektionsmittel können Sie in einer Apotheke oder bei Onlinehändlern erwerben.

Händedesinfektionsmittel auf Kosten der Pflegekasse erhalten: Voraussetzungen

Händedesinfektionsprodukte gehören zu den Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch. Sie sind explizit im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes aufgeführt, und zwar in der Produktgruppe 54. Die Pflegekasse beteiligt sich unter gewissen Voraussetzungen mit der sogenannten Pflegehilfsmittelpauschale an den Kosten für Desinfektionsmittel und an anderen Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch. Monatlich stehen Pflegebedürftigen dafür 40 Euro zu.

Für die Pflegehilfsmittelpauschale müssen Pflegebedürftige folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • es liegt ein anerkannter Pflegegrad vor,
  • die Pflege erfolgt im häuslichen Umfeld.

Die rechtliche Grundlage für die Pflegehilfsmittelpauschale bietet übrigens der § 40 Abs. 1 Sozialgesetzbuch XI.

Unser Tipp: Entscheiden Sie sich am besten für eine Pflegehilfsmittel-Box von Sanubi. Hier können Sie sich verschiedene Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, darunter auch Produkte für die Händedesinfektion, zusammenstellen und bequem nach Hause schicken lassen. Sanubi kümmert sich um die Formalitäten mit der Pflegekasse.

FAQ – die wichtigsten Fragen zur Händedesinfektion