Von ambulanter Pflege wird gesprochen, wenn ein Pflegedienst Pflegebedürftige Personen und deren Angehörige zu Hause unterstützt. Dabei bietet der ambulante Pflegedienst verschiedene Leistungsangebote, die sich von Beratung bis hin zu körperbezogenen Pflegemaßnahmen erstrecken. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Der ambulante Pflegedienst pflegt und unterstützt Personen, die sich in häuslicher Pflege befinden
  • Personen mit Pflegegrad 2 bis 5 erhalten monatlich zwischen 689 und 1995 Euro Sachleistungen
  • Die Kosten für einen Pflegedienst variieren je Bundesland und Pflegedienst
  • Neben den Pflegesachleistungen können auch das Pflegegeld, der Umwandlungsanspruch oder Entlastungsbetrag für die ambulante Krankenpflege genutzt werden
  • Durch Kombinationsleistungen kann ein Teil der Pflege durch Angehörige erfolgen, während der Rest durch professionellen Pflegedienst geleistet wird
  • Auch bei der Pflege durch einen Pflegedienst haben Betroffene Anspruch auf Pflegehilfsmittel zum Verbrauch im Wert von 40 Euro monatlich

Definition

Was versteht man unter ambulanter Pflege?

Ambulante Pflege wird oft mit häuslicher Pflege gleichgesetzt. Bezieht man den Pflegedienst in diese Betrachtung mit ein, so entspricht diese Ansicht auch der Wahrheit. Allerdings geht häusliche Pflege über den Einsatz eines Pflegedienstes hinaus und bezeichnet generell die Pflege (egal ob durch einen Angehörigen oder einen ambulanten Pflegedienst) im häuslichen Umfeld. 

Ambulante Pflege bezeichnet folglich viel eher die Pflege und Unterstützung von pflegebedürftigen Personen durch einen ambulanten Pflegedienst, der die Betroffenen zu Hause besucht und umfangreich sie und deren Angehörige unterstützt. Die Hilfe kann etwa eine Beratungsleistung sein oder auch direkte körperbezogene Pflege an der Person bis hin zur Medikamentengabe. 

Ambulanter Pflegedienst – Anspruch und Beauftragung

Die Unterstützung durch einen Pflegedienst kann sowohl kurzfristig als auch langfristig in Anspruch genommen werden. Von kurzfristiger ambulanter Pflege (Kurzzeitpflege) spricht man, wenn Betroffene beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt zu Hause noch einige Zeit Hilfe beim Haushalt oder der Wundversorgung benötigen. Ansprechpartner in diesem Fall ist die jeweilige Krankenkasse des Betroffenen. 

Weit verbreiteter ist dagegen die langfristige ambulante Pflege. Zuständig dafür ist die Pflegekasse. Entsprechende Leistungen können über die Pflegeversicherung abgedeckt werden. 

Gut zu wissen!

Um Unterstützung eines Pflegedienstes beantragen zu können, muss die betroffene Person in den vergangenen zehn Jahren mindestens zwei Jahre in die gesetzliche oder private Pflegeversicherung eingezahlt haben. Andernfalls ist eine Inanspruchnahme der Pflegeleistung nicht möglich bzw. wird nicht erstattet. 

Wer hat Anspruch auf einen Pflegedienst?

Um Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung zu haben, müssen Betroffene zunächst als pflegebedürftig eingestuft werden. Dafür werden betroffene durch eine Begutachtung des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) oder MEDICPROOF (für privat Versicherte) einem Pflegegrad 2 bis 5 zugeordnet. Menschen mit Pflegegrad 2 bis 5 haben grundsätzlich Anspruch auf einen ambulanten Pflegedienst und können diesen ganz oder teilweise beauftragen. Wer in Pflegegrad 1 eingestuft ist, kann ebenfalls ambulante Pflege in Anspruch nehmen, muss diese allerdings weitgehend selbst bezahlen.

Gut zu wissen!

Ist noch kein Pflegedienst beansprucht worden, da die häusliche Pflege durch Angehörige durchgeführt wird, kann während der Abwesenheit der pflegenden Person die sogenannte Verhinderungspflege bei der Pflegekasse beantragt werden. Befindet sich die Pflegeperson beispielsweise im Urlaub, kann ein ambulanter Pflegedienst in der Abwesenheit mit der Pflege beauftragt werden. Jährlich stehen dafür 1.612 Euro zur Verfügung.

Wie beauftrage ich einen ambulanten Pflegedienst?

Laut Gesetz dürfen Pflegesachleistungen, also die Leistung eines Pflegedienstes, nur von geeigneten Pflegekräften erbracht werden. Dafür sind sogenannte Versorgungsverträge mit der Pflegekasse notwendig. Solche Verträge werden in der Regel von Pflegediensten mit der Pflegekasse abgeschlossen. 

Für die Beauftragung eines Pflegedienstes wird mit selbigen ein Pflegevertrag geschlossen, welcher Art und Umfang der Pflegeleistung regelt. Der Pflegedienst kann von Betroffenen und / oder deren Angehörigen frei gewählt werden – vorausgesetzt der Anbieter hat freie Kapazitäten. 

Da es sich bei der Beauftragung eines ambulanten Pflegedienstes um einen Dienstleistungsvertrag handelt, sollten Betroffene sich bei der Wahl des Anbieters genügend Zeit lassen und den Markt vergleichen. Folgende Punkte können und sollten bei der Auswahl eines Pflegedienstes Beachtung finden: 

  • Welche Pflegedienste gibt es in Ihrer Nähe
  • Lesen Sie Bewertungen zu diesen Anbietern und fragen Sie wenn möglich Bekannte in Ihrem näheren Umkreis nach deren Erfahrung mit Pflegediensten
  • Wie groß ist der Pflegedienst (Wie viele Fach- und Hilfskräfte sind dort beschäftigt)
  • Wird durch den Pflegedienst für die Pflegebedürftige Person ein individueller Pflegeplan erarbeitet
  • Passen die Pflegezeiten zu Ihrem Tagesablauf

Lesen Sie den Pflegevertrag in jedem Fall gründlich durch und schauen Sie sich ebenfalls auch das Kleingedruckte an. Nehmen Sie sich Zeit und entscheiden Sie nichts zwischen Tür und Angel. 

Ambulanter Pflegedienst – Art und Umfang der Leistungen

Die Pflegekasse erbringt die Leistungen der Pflegeversicherung meist als Sachleistungen. Wird folglich ein Pflegedienst beauftragt, so rechnet dieser direkt mit der zuständigen Pflegekasse ab. Verbrauchern, die die private Pflegeversicherung nutzen, werden die Kosten stattdessen erstattet. 

Ambulante Pflegesachleistungen

Ambulante Pflegesachleistungen, sind anders als der Name vermuten lässt, keine Gegenstände, sondern Dienstleistungen. Darunter fallen folglich alle Leistungen, die durch einen ambulanten Pflegedienst erbracht werden. 

  • Körperbezogene Pflegemaßnahmen, insbesondere hinsichtlich der Körperpflege, Ernährung, Mobilität und Lagerung
  • Pflegebezogene Versorgungsmaßnahmen, wie Unterstützungsleistung zur Bewältigung und Gestaltung des Alltags in dem häuslichen Umfeld
  • Haushaltsbezogene Maßnahmen, welche beispielsweise die Reinigung der Wohnung betreffen
  • Beratungstätigkeiten bezüglich Fragestellungen die Pflege betreffend – dazu zählt auch die Unterstützung bei der Vermittlung von Hilfsdiensten (Essenslieferung, Fahrdienste, Krankentransporte…uvm.)

Was ist der Umwandlungsanspruch?

Der Umwandlungsanspruch ist im SGB XI § 45a geregelt. Pflegebedürftige in häuslicher Pflege können dadurch einen Teil ihres Budgets für ambulante Pflegesachleistungen umwandeln und für “anerkannte Aufwendungen zur Unterstützung im Alltag” verwenden. Darunter fallen beispielsweise Haushaltshilfen. Voraussetzung ist, dass im laufenden Monat noch keine Pflegesachleistungen bezogen wurden. Die maximale Höhe, des umzuwandelnden Betrages ist auf 40 Prozent des Höchstsatzes (je Pflegegrad) für Pflegesachleistungen begrenzt. 

Anerkannte Aufwendungen zur Unterstützung im Alltag

    • Betreuung oder Beaufsichtigung der pflegebedürftigen Person (Tagesbetreuung, Einzelbetreuung)
    • Alltagsbegleitung und / oder Haushaltshilfe
    • Beratung und Unterstützung pflegender Angehöriger bei der Bewältigung des Pflegealltags (bspw. Pflegebegleiter)
    • organisatorische Hilfe sowie andere geeignete Maßnahmen

In der Summe lassen sich die Angebote zur Unterstützung im Alltag in folgende drei Gruppen einteilen: Betreuungsangebote, Angebote zur Entlastung von Pflegenden, Angebote zur Entlastung im Alltag. Wichtig für den Umwandlungsanspruch ist, dass die Angebote nach Landesrecht, die Anerkennung der zuständigen Landesbehörde haben.

Ein Teil der für ambulante Pflegesachleistungen vorgesehenen Betrages kann demnach für Angebote zur Unterstützung im Alltag verwendet (umgewandelt) werden. 

Gut zu wissen!

Der Umwandlungsanspruch kann völlig unabhängig vom Entlastungsbetrag genutzt werden. 

Beispiel!

Frau Müller hat Pflegegrad 2 und ihr stehen damit Pflegesachleistungen in Höhe von 689 Euro monatlich zu. Da Frau Müller jedoch keinen ambulanten Pflegedienst benötigt, kann sie insgesamt 275,60 Euro (40 Prozent von 689) nutzen bzw. umwandeln und für Angebote zur Unterstützung im Alltag verwenden.

Kosten der ambulanten Krankenpflege

Die Kosten für die ambulante Krankenpflege errechnen sich 

  1. nach dem Leistungskatalog der einzelnen Bundesländer anhand eines Punktesystems sowie
  2. nach dem Punktewert, also wie viel ein Punkt aus dem Punktesystem in Euro wert ist. Wie viel das ist, verhandelt jeder Pflegedienst in seinem Vertrag mit der Pflegekasse individuell. 

Was kostet ein Pflegedienst

Wie viel ein Pflegedienst kostet, kann nicht pauschal beantwortet werden, da die Kosten sich sowohl je Bundesland, als auch je Pflegedienst voneinander unterscheiden. 

Pflegekostenrechner – Rechenbeispiel anhand der Durchschnittswerte des Bundeslandes Hamburg

Miriam Muster hat den Pflegegrad 2 und zunehmend Schwierigkeiten in ihrer eigenen Versorgung, so dass die Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes notwendig geworden ist.

Miriam Muster erhält bei Pflegegrad 2 Pflegesachleistungen in Höhe von 689,00 Euro von der Pflegekasse. Der ambulante Pflegedienst und die Betroffenen erstellen einen Pflegeplan, welcher folgende Tätigkeiten enthält:

  • Tägliche Hilfe beim Aufstehen am Morgen und zu Bett gehen am Abend
  • 4 Tage pro Woche kleine Morgentoilette
  • 3 Tage Woche große Morgentoilette

= 3.050 Punkte

  • Tägliche Hilfe beim An -und Ausziehen der Kompressionsstrümpfe 

= 2.800 Punkte

Berechnung der Kosten für die ambulante Pflege:

3.050 Punkte

+ 2.800 Punkte

= 5.850 Punkte

Mittlerer Punktwert in Euro:

0,048 Euro

5.850 Punkte x 0,048 Euro = 280,80 Euro pro Woche

Kosten pro Monat 1.121,20 Euro
Pflegesachleistungen pro Monat – 689,00 Euro
Eigenanteil pro Monat 434,20 Euro

Miriam Muster muss noch einen Betrag von 434,20 Euro für die ambulante Pflege selber tragen.

Pflegeversicherung: Welche Kostenerstattung für ambulante Pflege

Die Kosten eines ambulanten Pflegedienstes können von verschiedenen Leistungsträgern bezahlt werden. Allen voran die Pflegeversicherung. Diese ist ausschließlich zuständig für Personen mit dem Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 und dem Pflegegrad 5. Die Kosten werden von der Pflegeversicherung in Höhe der Maximalleistung je Pflegegrad übernommen.

Liegt kein Pflegegrad vor müssen die Kosten für die ambulante Pflege selbst getragen sowie auch jegliche Leistungen einer häuslichen Krankenpflege, wenn keinerlei Verordnung vom Arzt vorliegt.

Gut zu wissen!

Tritt der Pflegefall sehr plötzlich ein, kann auch der ambulante Pflegedienst nicht so schnell helfen. In einem solchen Notfall haben Angehörige Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld. Es wird für die Dauer von bis zu 10 Tagen gezahlt. Antrag und Genehmigung unterstehen der Pflegekasse der angehörigen Person. Der Arbeitgeber ist verpflichtet Arbeitnehmer*innen für diese Zeit freizustellen.

Pflegegrad Pflegesachleistung Pflegegeld
Pflegegrad 1 0 Euro 0 Euro
Pflegegrad 2 689 Euro 316 Euro
Pflegegrad 3 1.298 Euro 545 Euro
Pflegegrad 4 1.612 Euro 728 Euro
Pflegegrad 5 1.995 Euro 901 Euro

Weitere Kostenträger für die ambulante Pflege

Die Krankenkasse

Ist die häusliche Krankenpflege durch einen Arzt verordnet worden, so übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Dies ist beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt häufig der Fall (Nachsorge nach einer OP). Betroffene Personen haben in diesem Fall keinen Pflegegrad.

Das Sozialamt

Das Sozialamt ist zuständig für Menschen die Hilfe zur Pflege erhalten. Bei der Hilfe zur Pflege handelt es sich um Leistungen der Sozialhilfe. Wer eine finanzielle Bedürftigkeit nachweisen kann, kann bei den Sozialhilfeträgern Hilfe zur Pflege beantragen.

Die Selbstzahler

In einigen Fällen müssen die Kosten selbst getragen werden, wenn die Pflegesachleistungen, über dem abgedeckten Rahmen liegen, kein Pflegegrad 2 bis 5 oder eine ärztliche Verordnung zur Beauftragung eines Pflegedienstes vorliegen.

Wie werden die Kosten der ambulanten Pflege abgerechnet?

Die Pflegeversicherung und der Pflegedienst arbeiten direkt mit der Pflegekasse zusammen und Kosten über die Leistungen werden direkt abgerechnet, so dass keine Vorauszahlungen getätigt werden müssen. Wenn Sie Kombinationsleistungen beziehen, wird das Pflegegeld erst dann abgerechnet, wenn der Pflegedienst mit der Pflegekasse die Leistungen abgerechnet hat. Das kann also einige Zeit dauern. Bei Kombinationspflege wird das Pflegegeld also rückwirkend bezahlt. Würden Sie nur Pflegegeld in Anspruch nehmen, bekommen Sie das Pflegegeld am Anfang des Monats ausbezahlt.

Alle weiteren Kosten die über die Pflegesachleistungen hinausgehen, werden der betroffenen Person direkt in Rechnung gestellt.

Ambulante Pflege bei Pflegegrad 1 bis 5

Einen Anspruch auf Pflegesachleistungen durch einen ambulanten Pflegedienst, haben ausschließlich Personen mit dem Pflegegrad 2 bis 5.

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FAQ - Häufige Fragen zur ambulanten Pflege