Viele Millionen Menschen in Deutschland betrifft es, aber kaum jemand redet darüber: Harninkontinenz. Dabei gibt es einige Maßnahmen zur Förderung der Harnkontinenz und somit zur Steigerung der Lebensqualität. Wir verraten Ihnen heute, wie eine Förderung der Harnkontinenz in der Pflege aussieht. Dazu geben wir Ihnen einen Einblick in die Kontinenzprofile laut Expertenstandard. Außerdem verraten wir Tipps für pflegende Angehörige, mit denen Sie eine gezielte Harninkontinenzprophylaxe durchführen können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einer Harninkontinenz können Pflegebedürftige ihre Blase nur unzureichend oder gar nicht mehr kontrollieren.
  • Der „Expertenstandard Förderung der Harnkontinenz“ gibt Pflegefachkräften Informationen an die Hand, um Patienten mit Harninkontinenz strukturiert zu unterstützen.
  • Der Expertenstandard sieht eine Analyse der Risikofaktoren, die Erstellung von Kontinenzprofilen, Beratungen, die Durchführung von Maßnahmen und die Kontrolle vor.
  • Mit gezielten Beckenbodenübungen, der Vermeidung von Übergewicht und dem Verzicht auf harntreibende Medikamente oder Getränke können Sie einer Harninkontinenz vorbeugen.
  • Als pflegender Angehöriger können Sie „richtiges“ Toilettenverhalten unterstützen und Hilfsmittel wie Einlagen bereitstellen.

Wie wird Harninkontinenz definiert?

Bei einer Harninkontinenz verliert der Organismus teilweise oder gänzlich die Fähigkeit, den Blaseninhalt sicher zu speichern und selbst zu bestimmen, wann die Blase entleert wird. Gelingt das nicht mehr, verliert der Betroffene unwillkürlich Urin – das bezeichnen Mediziner als Harninkontinenz. Laut Schätzungen haben 40 % aller Menschen in Deutschland, die das 70. Lebensjahr überschritten haben, Probleme damit, ihren Urin zu halten. Auffällig ist, dass die Wahrscheinlichkeit für Inkontinenz mit dem Alter und dem Pflegegrad ansteigt. Aus diesem Grund setzen sich nicht nur Pflegeheime und Altersheime, sondern auch viele pflegende Angehörige mit dem Thema Harninkontinenz auseinander.

Expertenstandard Förderung der Harnkontinenz

Nicht mehr „Herr der eigenen Blase“ zu sein, ist unangenehm. Viele Betroffene empfinden Scham oder entwickeln sogar psychische Probleme. Sie müssen sich aber nicht zwangsläufig mit den Blasenproblemen abfinden. Mit verschiedenen Ansätzen kann es gelingen, wieder mehr Kontrolle über die Blase zu erlangen. Hierzu führen professionelle Pflegekräfte mit dem Pflegebedürftigen Maßnahmen zur Förderung der Harnkontinenz durch. Um die zugehörigen Prozesse in der Pflege zu standardisieren hat das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) im Jahr 2007 den „Expertenstandard Förderung der Harnkontinenz in der Pflege“ herausgegeben.

An wen richtet sich der Expertenstandard zur Förderung der Harnkontinenz?

Ein Team aus Experten hat unter Einbeziehung pflegewissenschaftlicher Erkenntnisse und relevanter Praxiserfahrungen den Expertenstandard Kontinenzförderung gestaltet. Er dient Pflegefachkräften, die in der ambulanten Pflege, der stationären Gesundheitsversorgung oder der Altenhilfe beschäftigt sind, als roter Leitfaden beim Umgang mit Harninkontinenz. Sanitätshäuser, pflegende Angehörige oder Kontinenz-Beratungsstellen haben ebenfalls häufig Berührung mit diesem Thema. Auch hier liefert der Expertenstandard wichtige Informationen für ein strukturiertes Vorgehen. Der Expertenstandard konzentriert sich darauf, Kontinenzprobleme zu identifizieren, analysieren und – soweit wie möglich – zu beheben. Achtung: Die Maßnahmen zur Förderung der Harnkontinenz erfordern ein Vorgehen, bei denen viele Berufsgruppen zusammenarbeiten. Unter anderem Pflegefachkräfte und Mediziner. Hier ist es besonders wichtig, dass sich Pflegefachkräfte das nötige Wissen zur Implementierung der Maßnahmen aneignen. Die Pflegeeinrichtung stellt hierfür Informationen bereit.

Harninkontinenz-Prophylaxe: 5 Schritte

Mit einzelnen Prozessschritten, die aufeinander aufbauen, ermitteln Pflegekräfte sowie Mediziner das Risiko für eine Inkontinenz und beugen mit gezielten Maßnahmen vor. Zum Abschluss ist es wichtig, die durchgeführten Maßnahmen auf ihren Erfolg hin zu überprüfen.

Harninkontinenz-Prophylaxe: 5 Schritte

1. Schritt: Risikofaktoren erfassen

Harninkontinenz-Ursachen gibt es viele. Zu dem individuellen Risiko tragen Risikofaktoren bei. Wenn Sie einige davon bei sich oder Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen feststellen, bedeutet das aber nicht automatisch, dass eine Inkontinenz bevorsteht. Trotzdem ist es wichtig, dass Pflegekräfte die Risikofaktoren erfassen um frühzeitig entgegenwirken zu können (Harninkontinenz-Prophylaxe).

Folgende Risikofaktoren für Inkontinenz gibt es:

  • hohes Alter
  • Erkrankungen wie Diabetes, Demenz, Schlaganfall, Multiple Sklerose oder Morbus Parkinson
  • Übergewicht
  • Medikamente wie entwässernde Arzneimittel oder Antidepressiva
  • häufige Blasenentzündungen
  • Schwangerschaften
  • chronische Verstopfung
  • vergrößerte Prostata
  • Absenkung der weiblichen Beckenorgane
  • schwaches Bindegewebe
  • chronische Atemwegserkrankung (durch häufiges Husten erhöht sich der Bauchdruck)
  • anhaltend schwere körperliche Arbeit

2. Schritt: Kontinenzprofil erstellen

Damit Pflegekräfte Maßnahmen zur Förderung der Harnkontinenz durchführen können, müssen sie sich zunächst einen Überblick verschaffen. Dabei helfen Kontinenzprofile in der Altenpflege oder Krankenpflege.

Kontinenzprofile: Definition

Vielleicht haben Sie im Zusammenhang mit dem Expertenstandard bereits von den Kontinenzprofilen gehört. Sie wurden von denjenigen Autoren ins Leben gerufen, die auch den Expertenstandard zur Förderung der Harninkontinenz entwickelt haben. Die Inkontinenzprofile in der Pflege zeigen auf, welche Fähigkeiten der Heimbewohner besitzt, um seine Harnausscheidung zu kontrollieren. Es gibt insgesamt 6 Kontinenzprofile nach Expertenstandard, die wir Ihnen in folgender Tabelle übersichtlich zusammengestellt haben.

Kontinenzprofile: Tabelle
Kontinenzprofil Fähigkeiten & Einschränkungen Kontinenzprofile: Beispiele aus der Praxis
Kontinenz Kein unfreiwilliger Harnabgang, keine Unterstützung der Pflegekraft nötig, keine Hilfsmittel notwendig
Unabhängig erreichte Kontinenz Kein unfreiwilliger Harnabgang, keine Unterstützung der Pflegekraft nötig, selbstständige Durchführung von Maßnahmen Der Heimbewohner nimmt seine Medikamente zur Vermeidung eines unwillkürlichen Harnverlustes selbst ein. Der Heimbewohner wendet mobile Toilettenhilfen selbst an.
Abhängig erreichte Kontinenz Kein unfreiwilliger Harnabgang, Unterstützung der Pflegekraft zur Durchführung von Maßnahmen nötig. Die Pflegekraft begleitet den Heimbewohner zur Toilette (Toilettentraining).
Unabhängig kompensierte Inkontinenz Unfreiwilliger Harnabgang, keine Unterstützung der Pflegekraft bei der Anwendung von Kontinenzhilfsmitteln nötig. Auch wenn der Harnabgang unfreiwillig geschieht, kompensiert der Pflegebedürftige das mit Inkontinenzmaterialien wie Einlagen selbstständig und ohne Hilfe.
Abhängig kompensierte Inkontinenz Unfreiwilliger Harnabgang, Unterstützung der Pflegekraft bei der Versorgung mit Inkontinenzmaterialien notwendig. Die Pflegekraft versorgt den Heimbewohner mit Inkontinenzmaterialen wie saugfähigen Einlagen.
Nicht kompensierte Inkontinenz Unfreiwilliger Harnabgang, Unterstützung der Pflegeperson und entsprechende Versorgungsmaßnahmen werden vom Heimbewohner nicht in Anspruch genommen. Der Heimbewohner nimmt die Inkontinenzversorgung nicht in Anspruch oder lehnt sie aktiv ab.

Gut zu wissen!

Die in der Tabelle genannten Begriffe machen deutlich, wie viel Harnkontrolle ein Heimbewohner noch besitzt. „Unabhängig“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Heimbewohner nicht auf die Hilfe der Pflegekraft angewiesen ist. Bei einer „Abhängigkeit“ hilft eine Pflegekraft aus, indem sie den Pflegebedürftigen zum Beispiel zur Toilette begleitet. Bei einer Kompensation kommen Inkontinenz-Hilfsmittel wie Einlagen zum Einsatz, um die Inkontinenz zu kompensieren.

Welche Formen der Harninkontinenz werden unterschieden?

Um herauszufinden, ob eine Harninkontinenz vorliegt und wie ausgeprägt sie ist, greifen Pflegekräfte auf verschiedene Instrumente zurück. Zunächst stellen sie dem Patienten einige Fragen und führen Beobachtungen durch. Danach wird der Urinstatus erfasst und der Restharn bestimmt. In einem sogenannten Miktionsprotokoll werden die Ausscheidungen und häufig auch die Trinkmenge notiert. Zum Schluss analysiert der Mediziner die Medikamente des Betroffenen, denn ausgewählte Präparate wie Antidepressiva oder entwässernde Arzneimittel können die Inkontinenz unterstützen.

Haben Mediziner und Pflegekräfte alle nötigen Informationen zusammengetragen, kann die Form der Inkontinenz bestimmt werden.

Dazu zählen:

  • Belastungsinkontinenz: Wenn sich der Pflegebedürftige körperlich belastet oder Stress hat, verliert er unfreiwillig Urin. Das Ganze geschieht in Verbindung mit einer Beckenbodenschwäche.
  • Dranginkontinenz: Neurologische Krankheiten, Demenz, Harnwegsinfekte oder Tumore führen zu einem unfreiwilligen Harnabgang.
  • Mischinkontinenz: Hier liegt eine Mischung aus Belastungs- und Dranginkontinenz vor.
  • Überlaufinkontinenz: Wird die Harnröhre eingeengt bzw. verschlossen, kann Urin ungewollt abgehen. Bei Männern geschieht das in der Regel in Verbindung mit Prostataproblemen (vergrößerte Prostata).
  • Reflexinkontinenz: Eine neurologische Erkrankung oder Querschnittslähmung verursacht den unfreiwilligen Urinabgang.
  • Extra-urethrale Inkontinenz: Sehr selten existieren anatomische Fehlbildungen, die einen ungewollten Harnverlust begünstigen.

Wichtig: Durch ausgereifte Therapiekonzepte können viele Inkontinenz-Formen geheilt werden. Dafür ist es jedoch nötig, dass der Patient seine Blasenprobleme nicht verschweigt. Unser Tipp: Wenn Sie einen Angehörigen zu Hause pflegen und eine Inkontinenz bemerken, motivieren Sie den Pflegebedürftigen einen Arzt aufzusuchen.

3. Beratung zur Versorgungsmaßnahmen

Glücklicherweise gibt es viele Hilfsmittel, die sich positiv auf die Lebensqualität und das Selbstbewusstsein der Betroffenen auswirken. Pflegekräfte und Pflegebedürftige wenden sie an, wenn eine Inkontinenz bereits besteht. Das bedeutet natürlich nicht, dass sie dauerhaft zum Einsatz kommen müssen. Vorübergehend eingesetzt, lindern sie den psychischen Druck, den eine Inkontinenz auslöst, aber enorm. Unter die sogenannten therapeutischen Hilfsmittel fällt die Verhaltenstherapie. Dabei wird die Trinkmenge des Heimbewohners kontrolliert und eine regelmäßige Leerung der Blase und des Darms gefördert. Gegebenenfalls ist auch ein Verzicht auf Tabakkonsum oder eine Gewichtsreduzierung nötig. Eine Studie hat übrigens gezeigt, dass bei Frauen, die nach den Wechseljahren an einer Inkontinenz litten, eine Verhaltenstherapie in Kombination mit Medikamenten deutlich erfolgversprechender war, als eine alleinige Gabe von Arzneimitteln. Neben den therapeutischen Hilfsmitteln gibt es auch sogenannte aufsaugende oder aufsammelnde Hilfsmittel.

Hilfsmittel bei Harninkontinenz
Harninkontinenz: einfühlsam und achtsam beraten

Liegt eine Harninkontinenz vor, klären Pflegefachkräfte die betroffene Person und die Angehörigen darüber auf, welche Maßnahmen es gibt. Die Mediziner und Pflegekräfte haben das Ziel, den unfreiwilligen Urinverlust zu kompensieren und im besten Fall zu heilen. Bringen Pflegebedürftige Risikofaktoren mit, geht es im Sinne der Prophylaxe Harninkontinenz darum, einer Inkontinenz vorzubeugen. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema und eine ausführliche Aufklärung über Maßnahmen sowie Hilfsmittel helfen Patienten dabei, die Lebensqualität zu erhöhen. Das kann sich auch positiv auf die Psyche des Betroffenen auswirken. In einem offenen Austausch berät die Pflegefachkraft über die Möglichkeiten und inwieweit der Pflegebedürftige selbst seine Harnkontinenz aktiv fördern kann.

Gut zu wissen!

Pflegekräfte, die in ihrem beruflichen Umfeld viel mit inkontinenten Personen oder entsprechenden Risikofaktoren in Berührung kommen, profitieren davon, wenn sie sich mit dem Expertenstandard zur Förderung der Harnkontinenz auseinandersetzen. Der Expertenstandard wird in der Regel von der Pflegeeinrichtung ausgegeben oder kann auszugsweise direkt beim DNQP eingesehen werden.

4. Durchführung der Maßnahmen

In Abhängigkeit davon, welches Kontinenzprofil vorliegt und in welchem Umfang der Betroffene mitarbeiten kann/möchte, entwickeln Mediziner und Pflegekräfte einen Maßnahmenplan. Dieser Plan kann sowohl allgemeine als auch spezielle Maßnahmen zur Förderung der Harnkontinenz berücksichtigen.

Allgemeine Maßnahmen zur Förderung der Harnkontinenz:

  • Flüssigkeitszufuhr des Betroffenen regulieren
  • Gewicht beim Pflegebedürftigen, falls nötig, reduzieren
  • angemessene Kleidung, die beim Toilettengang leicht abgelegt werden kann, auswählen
  • Gehhilfen, Toilettenerhöhungen und Haltegriffe, die den Toilettengang erleichtern, nutzen

Spezielle Maßnahmen zur Förderung der Harnkontinenz:

  • Beckenbodentraining, um die Beckenbodenmuskulatur zu stärken
  • Blasentraining, um „falsche“ Ausscheidungsgewohnheiten zu ändern
  • Toilettentraining, um einen Toilettenrhythmus, unabhängig vom Harndrang, zu etablieren

Bei einigen Betroffenen ist auch der intermittierende Katheterismus zur Förderung der Harninkontinenz sehr erfolgreich. Dabei handelt es sich um einen sterilen Einmalkatheter, den Patienten selbst entleeren können.

Wichtig: Nicht alle Maßnahmen klappen immer so, wie sie geplant sind. Kann oder möchte sich der Patient nicht so wie erhofft einbringen, ist es wichtig, den Maßnahmenplan auf Plausibilität zu überprüfen und gegebenenfalls ein anderes Vorgehen festzulegen.

5. Kontrolle und Feedback

Wie erfolgreich die Maßnahmen zur Förderung der Harnkontinenz sind, zeigt sich nach einigen Wochen bis Monaten. Pflegekräfte werden dazu angehalten, die Maßnahmen lückenlos und zeitnah zu dokumentieren, um die Verlaufskontrolle sicherzustellen. Im Rahmen einer Teambesprechung können die Erfolge festgestellt und ausgetauscht werden. Das Feedback hilft Pflegekräften dabei, eventuelle Kurskorrekturen durchzuführen.

Tipps für pflegende Angehörige

Pflegen Sie Ihren Angehörigen zu Hause? Dann haben Sie vermutlich einen guten Einblick in das Toilettenverhalten Ihres Familienmitgliedes. Egal, ob bereits eine Inkontinenz besteht oder ob Ihr Angehöriger Risikofaktoren mitbringt, bleiben Sie aufmerksam. Unser Tipp: Sprechen Sie das Thema offen und einfühlsam an. Viele Pflegebedürftige sind froh, wenn sie die Gelegenheit bekommen, über das belastende Problem zu sprechen. Gemeinsam mit einem Mediziner können Sie dann im Anschluss Therapievorschläge oder Maßnahmen, die einer Inkontinenz vorbeugen, besprechen. Wir möchten Ihnen im Folgenden Tipps verraten, mit denen Sie prophylaktisch tätig werden können. Außerdem zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihrem Angehörigen trotz Inkontinenz den Alltag erleichtern.

Welche Maßnahmen zur Harninkontinenzprophylaxe gibt es?

Unser Verhalten hat einen großen Einfluss darauf, wie sich unsere Blase entleert. Die gute Nachricht: Sie können einer Harninkontinenz wirksam vorbeugen.

Beckenbodenmuskulatur trainieren

Mit einfachen Übungen kann die muskuläre Struktur gestärkt werden. Das ist wichtig, denn eine schlaffe Beckenbodenmuskulatur begünstigt Inkontinenz. Vielleicht haben Sie in diesem Zusammenhang schon einmal von dem „Beckenbodenlift“ oder den „Kegel-Übungen“ gehört. Das Training kann vorbeugend aber auch bei einer bereits bestehenden Inkontinenz durchgeführt werden.

Beckenbodentraining im Liegen (auch für Pflegebedürftige geeignet)

1. Übung: Becken anheben

Ihr Angehöriger legt sich in Rückenlage, zum Beispiel im Pflegebett oder auf eine Gymnastikmatte. Beim Ausatmen bitten Sie ihn, das Becken anzuheben. Beim Einatmen motivieren Sie Ihren Angehörigen, das Becken auf dem Boden abzulegen.  Wiederholen Sie die Übung mindestens zehnmal.

2. Übung: Fersen zusammenpressen

Ihr Angehöriger befindet sich in Seitenlage und presst beim Ausatmen die Fersen zusammen. Im gleichen Moment hebt Ihr Familienmitglied das obere Knie ab. Beim nächsten Ausatmen schließt Ihr Angehöriger die Knie wieder. Danach bitten Sie den Pflegebedürftigen, sich auf die andere Seite zu drehen und die Übung zu wiederholen. Insgesamt zehn Wiederholungen pro Seite sind empfehlenswert.

Den Körper clever belasten

Im Alltag konfrontieren wir unseren Körper mit vielen Herausforderungen. Eine körperliche Belastung gänzlich zu vermeiden ist oft nicht möglich und auch nicht sinnvoll, schließlich können wir nur so Kraft und Ausdauer bewahren. Allerdings sollten Sie bei sich und Ihrem Angehörigen darauf achten, nicht zu schwer zu heben – Frauen sollten maximal 10 kg tragen. Außerdem ist das richtige Heben, möglichst aus den Knien heraus, die Last nah am Körper, empfehlenswert.

Übergewicht reduzieren

Übergewicht setzt nicht nur dem Herz-Kreislaufsystem und der Beweglichkeit zu, sondern kann auch das Gewebe im Bauchraum belasten. Durch das zusätzliche Gewicht muss die Beckenbodenmuskulatur mehr tragen, was sich negativ auf die Kontinenz auswirken kann. Mit ausreichend Bewegung und einer abwechslungsreichen Ernährung können Sie Ihren Angehörigen dabei unterstützen, überflüssiges Gewicht zu verlieren. Ist Ihr Familienmitglied bettlägerig können leichte Bewegungsübungen hilfreich sein. Ein entscheidender Punkt ist hier jedoch die Ernährungsumstellung. Unser Tipp: Mit einer ballaststoffreichen Kost schlagen Sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen wirken Sie mit Ballaststoffen einer chronischen Verstopfung entgegen, die ebenfalls einen Risikofaktor für Inkontinenz darstellt. Zum anderen quellen Ballaststoffe im Verdauungstrakt auf und sorgen so für ein angenehmes Sättigungsgefühl.

Verdauung unterstützen

Wenn Ihr Angehöriger unter einer Verstopfung leidet, hat er Mühe, seinen Stuhl abzusetzen. Das Problem: Häufiges Pressen beim Stuhlgang kann den Beckenboden schädigen. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukten, Bewegung und mindestens 1,5 l Trinkflüssigkeit kurbeln die Verdauung an.

Harntreibende Getränke weglassen

Insbesondere koffeinhaltige Getränke wie Schwarzer Tee oder Kaffee können eine Inkontinenz begünstigen, indem sie den Harndrang verstärken. Das Gleiche gilt für Getränke mit Alkohol oder Kohlensäure. Bieten Sie Ihrem Angehörigen am besten Mineralwasser ohne Kohlensäure an.

Richtiges Toilettenverhalten verfolgen

Beim Toilettengang ist die goldene Mitte genau richtig. Achten Sie darauf, dass Ihr Angehöriger nicht zu selten und nicht zu häufig auf die Toilette geht. Wer zu oft das stille Örtchen aufsucht, der schöpft seine Blasenkapazität nicht aus und sorgt dafür, dass sie herabgesetzt wird. Personen, die zu selten urinieren, überdehnen womöglich ihre Blasenwand. Außerdem sollte Ihr Familienmitglied den Urinstrahl nicht zu Trainingszwecken unterbrechen oder das Urinieren durch starkes Pressen verkürzen.

5 Tipps für einen qualitativen Alltag trotz Harninkontinenz

Besteht bereits eine Harninkontinenz, versuchen Mediziner und Pflegekräfte mit einem Blasentraining, Beckenbodentraining oder verschiedenen Hilfsmitteln, die Kontinenz beim Pflegebedürftigen zurückzuerlangen. Auch Sie können dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

  1. Hören Sie dem Pflegebedürftigen zu
    Häufig ist der Pflegealltag stressig und lässt nur wenig Zeit für intensive Gespräche übrig. In einer Unterhaltung erfahren Sie jedoch, was Ihren Angehörigen beschäftigt und vielleicht öffnet er sich bei einem Thema, was ihm Unbehagen bereitet. Das kann zum Beispiel eine Inkontinenz sein. Auch wenn Ihr Familienmitglied in der Vergangenheit immer selbstständig zur Toilette gegangen ist und augenscheinlich keine Probleme hatte, kann sich das im Laufe der Zeit ändern. Da Inkontinenz noch immer tabuisiert wird, versuchen viele Betroffene, ihre Probleme zu verheimlichen. Geben Sie Ihrem Angehörigen genügend Gelegenheit, über eine solche Belastung zu sprechen.
  2. Setzen Sie Verordnungen gemeinsam um
    Hat der Mediziner die Diagnose Harninkontinenz gestellt, bedeutet das nicht, dass das immer so bleiben muss. Gemeinsam mit Ihrem Angehörigen können Sie ganz entscheidend zum Erfolg der geplanten Maßnahmen beitragen. Erinnern Sie Ihr Familienmitglied an die bevorstehenden Therapiesitzungen, an regelmäßige Toilettengänge und an die Einnahme von Medikamenten.
  3. Entspannen Sie zusammen
    Stress kann in Verbindung mit einer geschwächten Beckenbodenmuskulatur Inkontinenz begünstigen. Außerdem kann Stress den Wohlfühlfaktor ganz erheblich senken. Traumreisen, Entspannungsübungen oder ein gutes Buch helfen dabei, fernab vom Stress zu entspannen. Mittlerweile gibt es gute Handy-Apps, die Sie durch einfache Meditationsübungen leiten. Wie wäre es, wenn Sie einmal wöchentlich zusammen entspannen? Tragen Sie sich hierfür am besten einen festen Termin im Kalender ein.
  4. Wechseln Sie die Inkontinenzmaterialien regelmäßig
    Aus hygienischen Gründen sollten Sie das Inkontinenzmaterial regelmäßig überprüfen und gegebenenfalls wechseln. Das trägt nicht nur zum Wohlbefinden bei, sondern senkt auch das Risiko, einen Dekubitus zu entwickeln. Äußere Faktoren wie Feuchtigkeit können nämlich dazu beitragen, dass ein Druckgeschwür entsteht.
  5. Motivieren Sie zu Ausflügen und Co.
    Viele Betroffene trauen sich bei einer Inkontinenz nicht mehr, das Haus zu verlassen. Zu groß ist die Angst, dass etwas „daneben“ gehen könnte. Das führt dazu, dass soziale Kontakte und die Lebensqualität stark leiden. Motivieren Sie Ihren Angehörigen deshalb zu Ausflügen. Informieren Sie sich vorher, wo es Toiletten gibt. Mit den richtigen Inkontinenzprodukten wie Einlagen oder Windeln erhält Ihr Familienmitglied zusätzliche Sicherheit.

FAQ - Häufige Fragen zur Förderung der Harninkontinenz