Parkinson, auch als Morbus Parkinson bezeichnet, ist eine neurologische Erkrankung. Bei Patienten kommt es dabei zu einem Verlust von Nervenzellen und in Folge zu zahlreichen Beschwerden. Parkinson ist kein seltenes Phänomen – Parkinson gilt als zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Sowohl Betroffene als auch pflegende Angehörige stellt die Krankheit vor große Herausforderungen.

Wir zeigen Ihnen, wie ein Pflege-Alltag mit Parkinson aussehen kann und geben Ihnen hilfreiche Tipps für die Morbus-Parkinson-Pflege.

Das Wichtigste in Kürze

  • Parkinson ist eine neurologische Erkrankung, die hierzulande etwa 300.000-400.000 Menschen betrifft.
  • Neben den klassischen Symptomen wie Bewegungsarmut, Zittern und Muskelsteifheit können psychische Probleme des Erkrankten pflegende Angehörige vor große Herausforderungen stellen.
  • Eine Parkinson-Erkrankung geht in der Regel mit einer Pflegebedürftigkeit einher. Pflegebedürftige mit Pflegegrad haben Anspruch auf Pflegehilfsmittel zum Verbrauch.
  • Wichtige Anlaufstellen für Betroffene und Angehörige sind Pflegestützpunkte, Selbsthilfegruppen und nicht zuletzt der behandelnde Arzt.
  • Pflegende Angehörige können Übungen in den Alltag einbinden und so die Beweglichkeit des Patienten steigern.

Parkinson in der Pflege

Die Lebenserwartung bei Parkinson verkürzt sich zwar nicht automatisch durch die Erkrankung, häufig sind Patienten aber auf die Hilfe von außen angewiesen. Doch wie fühlen sich Menschen mit Parkinson-Anzeichen und worauf müssen Angehörige bei der Parkinson-Pflege achten?

Wie fühlen sich Menschen mit Parkinson?

Es ist sehr individuell, wie sich Patienten mit Parkinson fühlen. Erste Anzeichen wie eine Verschlechterung der Feinmotorik beeinflussen den Alltag in der Regel kaum. Vor allem dann, wenn Mediziner Parkinson-Behandlungsmethoden einleiten. Zu den Parkinson-Frühsymptomen gesellen sich im weiteren Krankheitsfortschritt aber einschlägige Beschwerden hinzu. Im Parkinson-Endstadium haben Erkrankte Probleme bei der Nahrungsaufnahme, der Körperpflege und ganz allgemein bei der Bewältigung des Alltags. Die Kernsymptome wie Muskelsteifheit, Bewegungsarmut und Zittern setzen Ihrem Angehörigen aber nicht nur körperlich, sondern auch psychisch zu. Nicht wenige Betroffene leiden im Zuge ihrer Erkrankung an einer Parkinson-Depression. Auch Halluzinationen bei Parkinson können auftreten – Patienten sehen dann als Nebenwirkung ihrer Parkinson-Medikamente Fantasiegebilde oder Menschen, die nicht da sind.

Gut zu wissen!

Laut Parkinson-Erfahrungen gibt es eine Vielzahl an Beschwerden, die auf die neurologische Erkrankung hinweisen. Ein Parkinson-Selbsttest kann erste Hinweise darauf geben, ob Ihr Angehöriger entsprechende Symptome zeigt. Die genaue Diagnostik und eine zielgerichtete Behandlung gehören aber unbedingt in die Hände eines Neurologen.

Welche Pflege bei Parkinson?

Die Pflegeplanung bei Parkinson sollte stets an den Patienten angepasst werden – egal, ob der Betroffene im häuslichen oder stationären Umfeld versorgt wird. Schließlich nimmt die Pflege bei Morbus-Parkinson Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse. Der Parkinson-Verlauf in Phasen kann Sie als Angehörigen allerdings vor einige Herausforderungen stellen.

Die Pflege von Menschen mit Parkinson zeichnet sich dadurch aus, dass:

  • sie Rücksicht auf die Selbstbestimmtheit nimmt. Patienten mit Parkinson haben zwar mit körperlichen Symptomen wie Gang- und Haltungsschwierigkeiten zu kämpfen, sind aber in der Regel geistig fit. Da Parkinson-Patienten zudem im Vergleich zu anderen Pflegebedürftigen meist jünger sind, fordern sie ein hohes Maß an Selbstbestimmung ein. Sie als pflegender Angehöriger können mit der sogenannten aktivierenden Pflege bei Parkinson darauf Rücksicht nehmen. Dabei leisten Sie Hilfe zur Selbsthilfe, überlassen Ihrem Familienmitglied aber alle Aufgaben, die er noch selbst erledigen kann. Das stärkt das Selbstbewusstsein und unterstützt die Selbstbestimmung.
  • die Parkinson-Pflege zu Hause sehr flexibel gehandhabt wird. Zum einen können sich im Verlauf der Erkrankung Symptome verstärken oder weitere hinzukommen. Zum anderen ist es womöglich nötig, die Therapie anzupassen – auf Sie als Angehörigen kommen dann vielleicht zusätzliche Fahrtwege zu, um Ihrem Familienmitglied die Therapieangebote zu ermöglichen.
  • sie sich mit der Unberechenbarkeit der Erkrankung arrangiert. Eine Parkinson-Erkrankung und die damit verbundenen Pflegetätigkeiten sind nicht vorhersehbar. Bei einigen Patienten kommt es im Rahmen ihrer Erkrankung zu einer Demenz oder Depression. Daher kann es nötig sein, dass Sie Ihre Pflegetätigkeiten völlig neu ordnen. Vielleicht sehen Sie sich auch mit der Frage konfrontiert, ob Sie, wenn zum Beispiel eine Aggressivität bei Parkinson oder ein Parkinson-Demenz Endstadium vorliegt, die Pflege von Ihrem Angehörigen weiterführen können.
  • sie Rücksicht auf Medikamenten-Nebenwirkungen nimmt. Die gute Nachricht ist, dass es Medikamente für Parkinson-Patienten gibt. Allerdings können Parkinson-Medikamente beträchtliche Nebenwirkungen aufweisen oder mit der Zeit an Wirkkraft verlieren. Daher unser Tipp: Achten Sie auf Veränderungen sowohl im Sozialverhalten des Parkinson-Patienten als auch bei der Beweglichkeit. Suchen Sie mit Ihrem Angehörigen umgehend einen Arzt auf, wenn Sie schwere Nebenwirkungen wie Parkinson-Halluzinationen bemerken.

Wie kann ein Fallbeispiel in der Parkinson-Pflege aussehen?

Skizzieren wir einmal gemeinsam ein Fallbeispiel in der Parkinson-Pflege:

Herr Krenz ist 67 Jahre alt. Bei ihm wurde vor einigen Jahren Parkinson diagnostiziert. Die Parkinson-Medikamente lindern zwar seine Beschwerden, jedoch hat Herr Krenz vor allem Probleme bei der Nahrungsaufnahme und beim Ankleiden. Auch die ausgiebige Körperpflege stellt Herrn Krenz vor große Herausforderungen. Sein Sohn Sebastian hilft ihm daher im Alltag tatkräftig.

  • Er unterstützt seinen Vater beim Ankleiden.
  • Sebastian hilft beim Duschen und Zähneputzen.
  • Außerdem bereitet er seinem Vater die Mahlzeiten zu.
  • Sebastian zerkleinert die Speisen mundgerecht und unterstützt bei der Nahrungsaufnahme.
  • Er unternimmt regelmäßig mit seinem Vater Freizeitaktivitäten wie kurze Spaziergänge und fährt ihn zu Behandlungsterminen.
  • Eine Haushaltshilfe wäscht die anfallende Wäsche und übernimmt Reinigungsarbeiten.
  • 2x täglich kommt ein ambulanter Pflegedienst, um Blutzucker zu messen und Insulin zu verabreichen, denn Herr Krenz hat Diabetes.

Welche Prophylaxen bei Parkinson?

Noch gibt es keine gezielte Parkinson-Prophylaxe, mit der Patienten der Erkrankung vorbeugen können. Das bedeutet jedoch nicht, dass es überhaupt keine vorbeugenden Maßnahmen bei Parkinson gibt. Wenn Sie einen Parkinson-Patienten pflegen, können Sie folgende Prophylaxen bei Parkinson anwenden:

  • Sturzprophylaxe – zur Vermeidung von Stürzen
  • Dekubitusprophylaxe – zur Vermeidung von Druckgeschwüren
  • Thromboseprophylaxe – zur Vermeidung von Blutgerinnseln
  • Dehydrationsprophylaxe – zur Vermeidung von Flüssigkeitsmangel
  • Obstipationsprophylaxe – zur Vermeidung von Verstopfungen

Was muss ich bei Parkinson beachten?

Die Pflege bei Parkinson verlangt Ihnen als Angehörigen viel Flexibilität ab. Trotzdem ist es ein gutes Gefühl, seine Liebsten auch im Pflegefall zu unterstützen. Damit sich der Patient wohlfühlt und Sie die Pflege bestmöglich koordinieren können, gibt es einige Tipps von uns.

  1. Machen Sie sich ein genaues Bild von der Pflegebedürftigkeit: Wie bereits erwähnt, hat nicht jeder Pflegebedürftige die gleichen Bedürfnisse. Durch Absprache mit dem behandelnden Arzt und mit einer ausgiebigen Beobachtung des Patientenalltags finden Sie heraus, bei welchen Aufgaben Ihr Familienangehöriger Ihre Unterstützung benötigt. Am besten fertigen Sie sich zur Koordinierung der anfallenden Aufgaben einen Pflegeablaufplan an.
  2. Gestalten Sie den Wohnraum sicher: Da das Bewegungsvermögen bei Parkinson-Patienten herabgesetzt ist, bleibt vor allem die Vermeidung von Stürzen sehr wichtig. Gestalten Sie daher den Wohnraum möglichst unkompliziert und sicher. Entfernen Sie Stolperfallen wie Teppichkanten oder herumliegende Kabel. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Angehöriger barrierefrei wohnen kann und mit einem Rollator sicher durch die Räume navigieren kann und keine hohen Türschwellen stören. Ermöglichen Sie Ihrem Familienmitglied einen einfachen Zugang zum Bad und zur Küche – vielleicht ist ein Treppenlift sinnvoll.
  3. Nehmen Sie einen Pflegekurs in Anspruch: Viele Krankenkassen bieten ihren Versicherten Pflegekurse für Angehörige an. Diese sind nicht zwangsläufig auf die Parkinson-Erkrankung maßgeschneidert, verraten Ihnen aber wichtige Kniffe für den Pflegealltag. Erkundigen Sie sich einfach bei Ihrer Krankenversicherung, welche Angebote es für die Weiterbildung im Pflegebereich gibt.
  4. Weihen Sie eine Vertrauensperson ein: Viele pflegende Angehörige kümmern sich zwar vorbildlich um den Pflegebedürftigen, vergessen sich dabei selbst aber völlig. Bitten Sie eine Ihnen nahestehende Person, ein Auge auf Ihre Situation zu haben. Falls diese Anzeichen für eine Überlastung, entweder körperlich oder psychisch, bemerkt, können sie gemeinsam überlegen, welche Hilfsangebote für pflegende Angehörige Sie in Anspruch nehmen können.

Pflegegrade bei Parkinson

Zu Anfang kommen Parkinson-Patienten noch gut alleine zurecht. Nehmen die Beschwerden zu, sind die Betroffenen allerdings auf die Pflege von außen angewiesen. Dann ist die Erteilung eines Pflegegrads unbedingt empfehlenswert, denn so erhalten die Patienten und Angehörigen wichtige Pflegekassen-Leistungen.

Welchen Pflegegrad bei Parkinson?

Der Gesetzgeber unterscheidet Pflegegrade von 1-5, je höher der Pflegegrad, desto höher ist die Beeinträchtigung der Selbstständigkeit. Welcher Pflegegrad Parkinson-Patienten zugesprochen wird, ist sehr unterschiedlich und hängt davon ab, wie gut sich der Betroffene alleine versorgen kann. Die Erkrankung Morbus Parkinson teilen Mediziner in sechs Stadien ein, im Stadium 0 bemerkt der Patient noch keinerlei Symptome, daher benötigt er aufgrund seiner Erkrankung keinen Pflegegrad. Ab Stadium 2 sind viele Patienten bereits auf Hilfe von außen angewiesen. Ihr Angehöriger kann bei seiner Pflegekasse einen Pflegegrad beantragen. Nach erfolgreichem Antragseingang beauftragt die Pflegekasse den medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK), der wiederum einen Gutachter zum Patienten schickt. Die medizinische Begutachtung bestimmt später darüber, welchen Pflegegrad Ihr Familienmitglied erhält.

Was bedeutet Pflegegrad 3 bei Parkinson?

Bei Pflegegrad 3 hat der Gutachter festgestellt, dass die Selbstständigkeit schwer beeinträchtigt ist. Vermutlich hat Ihr Familienangehöriger Probleme mit der Ernährung, Körperpflege und Mobilisation. In welchen Lebensbereichen die Einschränkung festgestellt wurde, hält das Pflegegutachten fest.

Wie hoch ist der Grad der Behinderung bei Parkinson?

Menschen mit der neurologischen Erkrankung können einen Grad der Behinderung aufweisen und somit einen Schwerbehindertenausweis bei Parkinson erhalten. Folgende Tabelle zeigt Ihnen, wann das der Fall ist.

Vorliegende Behinderung Grad der Behinderung (GdB)
Ein- oder beidseitig bestehende Problematiken, gering ausgeprägte Störung
der Bewegungsabläufe, keine Gleichgewichtsstörung und geringe Verlangsamung.
30-40
Störung der Bewegungsabläufe ist deutlich ausgeprägt, Störungen des
Gleichgewichts, starke Verlangsamung.
50-70
Schwere Störung der Bewegungsabläufe bis zum völligen Mobilitätsverlust. 80-100

Tabelle 1 Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an: Schwerbehindertenrecht – dPV – Deutsche Parkinson Vereinigung e.V. – Bundesverband (parkinson-vereinigung.de)

Pflege/Unterbringungsformen bei Parkinson

Die Pflege von Parkinsonerkrankten kann grundsätzlich im häuslichen Umfeld oder in einer stationären Einrichtung erfolgen. Welches Konzept sich für welchen Patienten eignet, hängen nicht zuletzt von den Möglichkeiten der Angehörigen und der Ausprägung der Erkrankung ab.

Pflege Zuhause

Kann man einen Parkinson-Patienten zu Hause pflegen? Ganz klar ja, denn die Pflege eines an Parkinson erkrankten Menschen ist zu Hause durchaus möglich. Allerdings ist es womöglich nötig, die räumlichen Gegebenheiten zu verändern. Vor allem im fortgeschrittenen Stadium ist es sinnvoll, wenn der Patient mit keinen Barrieren in seiner Wohnumgebung konfrontiert wird. Dazu zählen Treppen vor dem Eingangsbereich, hohe Türschwellen oder sehr beengte Räumlichkeiten, die eine Navigation mit einem Rollator unmöglich machen. Neben den räumlichen Gegebenheiten ist es natürlich auch wichtig, eine ausreichende Pflege zu ermöglichen. Je nach Gesundheitszustand können Sie als pflegender Angehöriger dafür einen Besuchstermin täglich bis hin zu einer 24-Stunden-Betreuung einplanen.

Zuhause mit Tagesbetreuung

Nicht immer ist nur alles schwarz oder weiß – können Sie Ihren pflegebedürftigen Angehörigen nicht alleine versorgen, bedeutet das nicht automatisch, dass er in ein Heim wechseln muss. Es gibt viele Möglichkeiten, die häusliche Versorgung mithilfe von Pflegepersonen zu unterstützen. Sie können beispielsweise auf einen ambulanten Pflegedienst, Tagespflege oder eine polnische Pflegekraft zurückgreifen.

Pflege-Wohngemeinschaft für Menschen mit Parkinson

Eine WG ist eine weitere Möglichkeit, die Versorgung von Parkinson-Patienten sicherzustellen. Dort leben sie in der Regel mit anderen Menschen zusammen, die die gleiche Erkrankung haben. Durch eine engmaschige Betreuung und vielfältige Pflegeangebote passt sich die Wohngemeinschaft optimal an die Bedürfnisse des Erkrankten an.

Unterbringung im Pflegeheim

Ein Pflegeheim bietet die Möglichkeit, Ihren Pflegebedürftigen umfangreich zu versorgen. Ein professionelles Pflegeteam arbeitet dabei interdisziplinär mit Medizinern und weiterem Personal, zum Beispiel Ergotherapeuten, zusammen, um den Patienten zu pflegen. Ein Pflegeheim kommt vor allem in Betracht, wenn die Erkrankung sehr weit fortgeschritten und der Pflegebedarf somit hoch ist.

Wann muss ein Parkinson-Patient ins Heim?

Ganz wichtig sowohl für Ihren Familienangehörigen als auch für Sie ist es zu wissen, dass eine Unterbringung im Heim keine Pflicht darstellt. Sie können gemeinsam mit dem Pflegebedürftigen entscheiden, welche Versorgungsform am besten zu Ihrer beider Leben passt.

Es gibt aber durchaus nachvollziehbare Gründe, sich für ein Pflegeheim zu entscheiden.

Dazu zählen:

  • der Pflegebedürftige selbst wünscht die Unterbringung im Heim.
  • Sie als pflegender Angehöriger fühlen sich der Situation nicht gewachsen, zum Beispiel, weil gleichzeitig Demenz und Parkinson vorliegen und der Pflegebedarf sehr hoch ist.
  • Sie wohnen weit entfernt von Ihrem Angehörigen oder haben nicht genügend Zeit, die Pflege sicherzustellen.
  • Sie haben bereits die Pflege des Parkinson-Patienten übernommen, stoßen aber nun an Ihre körperlichen und psychischen Belastungsgrenzen.
  • Die häusliche Umgebung eignet sich nicht für die Unterbringung eines Parkinson-Patienten.

Damit es nicht zu unangenehmen Konflikten kommt, raten wir Ihnen dazu, bereits frühzeitig im Krankheitsverlauf das Gespräch mit Ihrem Angehörigen zu suchen. Unterhalten Sie sich über verschiedene Versorgungsform und erkundigen Sie sich nach den Wünschen Ihres Familienmitglieds.

Gut zu wissen!

Die Pflege Zuhause oder im stationären Bereich verursacht natürlich Kosten. Verfügt Ihr Angehöriger über einen Pflegegrad, beteiligt sich die Pflegekasse an den Pflegekosten, zum Beispiel mit Pflegesachleistungen. Außerdem haben Pflegebedürftige Anspruch auf einen Entlastungsbetrag und ab Pflegegrad 2 auch auf Pflegegeld. Weitere Informationen zur Kostenübernahme finden Sie auf unserer Pflegegrad-Übersichtsseite.

Hilfsmittel bei Parkinson

Hilfsmittel nehmen im Pflegealltag eine entscheidende Rolle ein, denn sie unterstützen die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen und vereinfachen Pflegemaßnahmen. Für Parkinson-Patienten kommen verschiedene Hilfsmittel in Betracht.

  • Technische Hilfsmittel bei Parkinson: zum Beispiel Gehhilfen wie Rollator und Rollstuhl, Pflegebett, Badewannenlift oder Notrufsystem.
  • Parkinson: elektronische Hilfsmittel und Alltagshilfen: zum Beispiel sprechende Zeigetafeln, Stimmverstärker oder Kombinationsgeräte mit Touchscreen und Sprachausgabe. Zudem einfache Hilfsmittel für den Alltag wie besonderes Besteck oder Dosenöffner.
  • Pflegehilfsmittel zum Verbrauch bei Parkinson: zum Beispiel Desinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen, Schutzkittel, Flächendesinfektion und Einmalhandschuhe.

Achtung: Die Kosten für Parkinson-Hilfsmittel übernimmt in vielen Fällen die Kasse. Hilfsmittel für Parkinson-Patienten, die in die Kategorie Pflegehilfsmittel zum Verbrauch fallen, werden mit 40 Euro pro Monat bezuschusst. Damit können alle Patienten mit einem Pflegegrad Hilfsmittel bei Parkinson für die tägliche Pflege anschaffen. Besonders einfach gelingt das mit der Sanubi Pflegebox. Bei kostspieligeren Anschaffungen wie einem Kranken- oder Pflegebett muss gegebenenfalls eine ärztliche Verordnung erfolgen. Ihre Krankenkasse oder Pflegekasse kann Sie dahingehend beraten. Es handelt sich dabei um technische Pflegehilfsmittel.

Pflegehilfsmittelkatalog 2022

Wesensveränderung bei Parkinson – der richtige Umgang mit Angehörigen

Eine Wesensveränderung bei Parkinson ist nicht selten. Durch die Erkrankung wird die Gefühlswelt bei Parkinson auf den Kopf gestellt. Pflegende Angehörige berichten von depressiven Verstimmungen, Verwirrtheit und Aggressionen. Die psychischen Veränderungen, die bei Parkinson auftreten können, lassen sich nicht selten auf Parkinson-Medikamente zurückführen. Sie können scheinbar das Risiko für eine Esssucht, Kaufsucht oder Spielsucht erhöhen – für den zugrunde liegenden Verlust der Impulskontrolle machen Forscher die Medikamentenwirkung auf das Belohnungssystem verantwortlich. Sollten Sie als pflegender Angehöriger Wesensveränderungen bemerken, die Ihre Lebensqualität oder die Ihres Angehörigen negativ beeinflussen, sollten Sie den behandelnden Neurologen darüber in Kenntnis setzen. Er kann herausfinden, inwiefern die Verwirrtheit auf Medikamenten-Nebenwirkungen hindeutet. Außerdem kann er Behandlungsangebote mit Ihnen besprechen, wie eine Parkinson-Gruppentherapie-Übung. Schließlich sind es nicht in jedem Fall Medikamente, die eine Wesensveränderung hervorrufen, sondern auch die Erkrankung bzw. fehlende Bewältigungsstrategien.

Wo bekomme ich Hilfe bei Parkinson?

Parkinson-Patienten und pflegende Angehörige können sich an verschiedene Anlaufstellen wenden, um Tipps oder Hilfe für den Alltag zu erhalten.

    • Selbsthilfegruppen: Parkinson-Selbsthilfegruppen richten sich sowohl an Betroffene als auch an Angehörige. Sie haben das Ziel, Betroffenen eine Austauschplattform zu geben und zur Krankheitsbewältigung beizutragen. Zwar ist Parkinson nicht heilbar, allerdings hilft ein Austausch mit anderen Betroffenen dabei, besser mit den Folgen der Erkrankung umzugehen. Parkinson Selbsthilfegruppen gibt es online oder vor Ort. Im Internet können Sie sich über das Angebot an Morbus Parkinson-Selbsthilfegruppen informieren.
    • Rehabilitation/Kur: Patienten haben auch die Möglichkeit, eine Parkinson-Kur zu beantragen. Ist die Parkinson-Reha aus medizinischer Sicht sinnvoll, beantragt in der Regel der Hausarzt oder Facharzt eine stationäre Reha bei Parkinson. Die Krankenkasse entscheidet dann, ob sie die Kosten für eine neurologische Rehabilitation bei Morbus Parkinson übernimmt. Eine Unterbringung in der Parkinson Rehaklinik ist dann meist auf einen Zeitraum von drei bis sechs Wochen angelegt. In der Einrichtung erfolgen Parkinson-Therapie-Übungen, durchgeführt von einem interdisziplinären Team. Das bedeutet, dass eine Vielzahl an Fachpersonal bei der Rehabilitation mitwirkt, zum Beispiel Ergotherapeuten, Logopäden, Mediziner, Pflegekräfte und Psychologen.
    • Parkinson-Beratung zur Pflege: Wussten Sie, dass Sie sich als pflegender Angehöriger an einen Pflegestützpunkt wenden können? Dabei handelt es sich um eine örtliche Beratungsstelle, die zu allen Themen rund um die Pflege berät. Kümmern Sie sich um einen Parkinson-Patienten erhalten Sie hier wertvolle Informationen für den Pflegealltag und Unterstützung bei der Beantragung von Leistungen.

Praxistipps und Übungen

In diesem Abschnitt möchten wir Ihnen einige Praxistipps und Übungen für die Parkinson-Pflege vermitteln.

10 Regeln im Umgang mit Parkinson-Patienten

Einige sinnvolle Regeln helfen dabei, den Pflegealltag strukturiert anzugehen und Betroffene in die Parkinson-Pflege einzubeziehen.

  1. Erkundigen Sie sich nach den Wünschen des Pflegebedürftigen und lassen Sie ihn mitbestimmen, zum Beispiel bei der Auswahl der Speisen.
  2. Suchen Sie das Gespräch, wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Angehöriger benötigt mehr Unterstützung, sei es bei körperlichen oder psychischen Herausforderungen.
  3. Bleiben Sie im Kontakt und unterhalten Sie sich über den Krankheitsfortschritt und sinnvolle Anpassungsmöglichkeiten.
  4. Legen Sie sich eine Pflegeplanung zurecht, die erforderliche Pflegemaßnahmen umschreibt.
  5. Dokumentieren Sie den Pflegealltag – die Niederschriften sind für den behandelnden Arzt und für einen Pflegegutachter interessant.
  6. Gestalten Sie den Alltag abwechslungsreich, zum Beispiel mit kleinen Ausflügen oder freudigen Überraschungen.
  7. Nehmen Sie Therapieangebote und Arztbesuche unbedingt wahr.
  8. Achten Sie auch auf Ihr eigenes Wohlbefinden. Fühlen Sie sich überfordert, nehmen Sie die Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes in Anspruch.
  9. Üben Sie keine falsche Zurückhaltung – Leistungen der Pflegekasse, die Ihrem Pflegebedürftigen zustehen, erleichtern auch Ihren Pflegealltag.
  10. Lassen Sie sich bei einem Pflegestützpunkt beraten, wenn Sie Fragen zur Parkinson-Pflege haben.

Was essen bei Parkinson?

Eine spezielle Diät für Parkinson-Patienten gibt es nicht. Allerdings dennoch einige wichtige Hinweise:

  • Stellen Sie eine ausreichende Nährstoffzufuhr sicher, denn das Zittern und die dauerhafte Anspannung der Muskeln kosten den Organismus viel Kraft.
  • Da die Magen-Darm-Muskulatur bei Parkinson reduziert ist, kann Ihr Angehöriger unter Verstopfung leiden. Mit einer ballaststoffreichen Ernährung, viel Flüssigkeit und regelmäßiger Bewegung beugen Sie Verstopfungen vor.
  • Bestehen Schluckbeschwerden oder Dysphagie bei Parkinson können Sie die Mahlzeiten breiiger gestalten. Bleiben Sie bei der Nahrungsaufnahme sicherheitshalber dabei, um bei einem Verschlucken direkt zur Stelle zu sein.

Welche Lebensmittel sind gut bei Parkinson?

Die Ernährung bei Parkinson muss nicht zwangsläufig angepasst werden, allerdings eignen sich folgende Lebensmittel besonders gut für die Speisenzubereitung:

  • Vitaminreiches Obst und Gemüse
  • Ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornbrot, Vollkornreis und Co.
  • Milchprodukte wie Joghurt, Quark oder Käse
  • Pflanzliche Öle zur Anreicherung von Speisen

Welches Gemüse bei Parkinson?

Sie können Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen verschiedene Gemüsesorten anbieten, schließlich sollte die Vorliebe für einzelne Gemüsesorten nicht zu kurz kommen. Kämpft der Betroffene häufig mit Völlegefühl, sind leicht verträgliche Speisekombinationen mit Gemüse besonders empfehlenswert. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Zucchiniauflauf oder mit einem Kartoffel-Möhren-Stampf? Achten Sie darauf möglichst frisch und mit regionalen Zutaten zu kochen – so erhält Ihr Familienmitglied besonders viele Vitamine.

Was hat Milch mit Parkinson zu tun?

Patienten mit Parkinson wird Levodopa verabreicht. Dabei handelt es sich um eine Vorstufe des Botenstoffs Dopamin, die die Steifigkeit und Unbeweglichkeit von Betroffenen lindern soll. Wichtig: Da Eiweiß, zum Beispiel enthalten in Milch, die Aufnahme von Levodopa verringert, sollte der Patient bei einer hohen Dosierung eiweißreiche Kost 30 bis 60 Minuten versetzt zur Medikamenteneinnahme verzehren.

Welche Vitamine sind gut bei Parkinson?

Studien zeigen, dass es unter der Behandlung mit Levodopa zu einem Vitamin B12 Mangel kommen kann. Dadurch wiederum kann sich das Risiko für eine sensomotorische Polyneuropathie und damit für Missempfindungen erhöhen. Daher kann es laut Medizinern sinnvoll sein, während einer medikamentösen Parkinsontherapie ein Vitamin-B-Mischpräparat oder Folsäure zu verabreichen. Sprechen Sie am besten mit dem behandelnden Arzt darüber, welche Vitaminpräparate sich für Ihren Angehörigen eignen.

Welche Bewegungsübungen bei Parkinson?

Es gibt verschiedene Parkinson-Übungen, die an den Gesundheitszustand Ihres Angehörigen angepasst werden können. So greifen Sie auf Parkinson-Übungen im Sitzen oder Parkinson-Übungen im Stand zurück.

Wir möchten Ihnen nun Parkinson-Übungen für zu Hause vorstellen, die Sie ganz einfach in den Pflegealltag integrieren.

7 Parkinson-Patienten-Übungen im Überblick:

  1. Vorderwippe: Bitten Sie Ihren Angehörigen, sich auf den vorderen Teil des Stuhls zu setzen und die Hände auf die Oberschenkel zu legen. Nun neigt der Pflegebedürftige den gestreckten Oberkörper nach vorne und zurück, insgesamt achtmal.
  2. Rückenstrecker: Bitten Sie Ihren Angehörigen, sich mit geradem Rücken an die Stuhllehne zu lehnen. Jetzt setzt Ihr Familienmitglied den rechten Fuß auf die Stuhlkante und umschließt das Bein mit den Armen. Der Rücken wird nun betont gestreckt und wieder gelockert. Dann wird das Bein gewechselt – insgesamt 6-8 mal pro Seite wird so der Rücken gestreckt.
  3. Sitzwalk: Bitten Sie Ihren Angehörigen, auf dem vorderen Bereich des Stuhls Platz zu nehmen. Der Pflegebedürftige hebt nun abwechselnd die Knie in die Höhe und schwingt dabei gegenläufig, wie beim Wandern, die Arme dazu (insgesamt 6-8 Mal).
  4. Freundlich nicken: Bitten Sie Ihren Angehörigen, sich auf einen Stuhl zu setzen. Nun legt er die Hände bequem auf die Oberschenkel und dreht den Kopf langsam nach links und nickt in dieser Position mehrmals. Danach dreht Ihr Angehöriger den Kopf nach rechts und nickt ebenfalls, 6-8 Mal pro Seite reicht auch hier aus.
  5. Ballerina: Bitten Sie Ihren Angehörigen, sich hinzustellen und seitlich eine Haltemöglichkeit zu greifen. Nun setzt Ihr Familienmitglied ein Bein in Schrittstellung vor das andere Bein. Das Körpergewicht wird von dem Pflegebedürftigen jetzt abwechselnd nach vorne und nach hinten verlagert, indem das vordere Bein ein wenig angehoben und der Fuß über die Ferse langsam abgerollt wird. Der hintere Fuß hingegen beginnt zuerst mit der Fußspitze und rollt dann bis zur Ferse hin ab. Insgesamt 10 Wiederholungen folgen, danach steht der Beinwechsel an.
  6. Step-Marsch: Bitten Sie Ihren Angehörigen, auf der Stelle zu marschieren und danach einen Tipp nach außen zu machen. Das geht so: Drei normale Schritte auf der Stelle, dann mit der Fußspitze nach außen auftippen. Hier ist Abwechslung gefragt – drei Schritte auf der Stelle, Tipp nach außen rechts, drei Schritte auf der Stelle, Tipp nach außen links. Die Übung darf so lange erfolgen, wie es Ihrem Angehörigen Freude bereitet. Achtung: Sorgen Sie bitte unbedingt für eine Haltemöglichkeit, um Stürzen vorzubeugen.
  7. Bewegliche Hände: Geben Sie Ihrem Angehörigen einen Igelball in die Hand. Nun wirft er den Ball mit der rechten Hand hoch und fängt ihn mit der gleichen Hand. Im Anschluss wird die Seite gewechselt. Um die Übung zu variieren, kann Ihr Familienmitglied mit der rechten Hand den Ball in die Luft werfen und mit der linken Hand auffangen. Diese Übung sorgt nicht nur für bewegliche Hände, sondern auch für ein verbessertes Zusammenspiel der Hände.

Welche Krankengymnastik bei Parkinson?

Die Krankengymnastik ist Teil der Physiotherapie und kommt bei Parkinson-Patienten zum Einsatz. Auch hier werden verschiedene Übungen bei Parkinson durchgeführt, um die Beweglichkeit zu steigern und Unsicherheiten beim Gehen zu reduzieren.

Die Parkinson Gangschule-Übungen und weitere Physiotherapieangebote eignen sich, um:

  • Unsicherheiten und Ängste beim Gehen zu lindern
  • einen fließenden Gang zu fördern
  • den Bewegungsstart und die Bewegungsausführung zu optimieren
  • die Beweglichkeit, die Koordinationsfähigkeit und das Gleichgewicht zu steigern
  • die Muskelspannung zu regulieren
  • die Kraft, Ausdauer und Belastbarkeit zu fördern

Welche Übungen sich für den Parkinson-Patienten anbieten, entscheidet der Physiotherapeut. Er kann Ihnen auch Übungen bei Parkinson für zu Hause zeigen, mit denen Sie die Parkinson-Physiotherapie unterstützen.

Gut zu wissen!

Unter den Übungen für Parkinsonkranke finden sich auch logopädische Übungen bei Parkinson, die darauf abzielen, die Lautbildung zu fördern und die Mimik zu verbessern. Die Ergotherapie betrachtet neben den körperlichen Beschwerden auch den Alltag und das Umfeld des Patienten und bietet sich ebenfalls an. Unser Tipp: Sprechen Sie mit dem behandelnden Arzt, um herauszufinden, welche Therapieansätze die Lebensqualität Ihres Angehörigen verbessern können.

FAQ-Häufige Fragen zum Thema Parkinson in der Pflege