Mit dem Alter steigt auch die Anfälligkeit für Erkrankungen. Älteren Personen haben aber nicht nur mit allgemeinen physiologischen oder pathologischen Gesundheitsveränderungen zu kämpfen, sondern sie bleiben auch von Veränderungen bzw. Erkrankungen im Mundbereich leider nicht verschont.

Mundpflege ist also nicht nur ein Teil der Körperpflege, sondern kann auch zu vielen Krankheiten führen, wenn sie nicht richtig durchgeführt wird. Eine gute Mund- und Zahngesundheit ist wichtig, um zum Beispiel Erkrankungen wie Soor, Parodontitis oder einer Pneumonie vorzubeugen.

Zu einer richtigen Mund- und Zahngesundheit gehört nicht nur die richtige Pflege, sondern auch die richtigen Hilfsmittel und die richtige Durchführung. Auch das Erkennen bestimmter Merkmale und Symptome ist wichtig, um Schlimmeres zu vermeiden.

Zusätzlich braucht es vor allem bei pflegebedürftigen Personen die richtige Unterstützung bei der Durchführung der Mund- und Zahnpflege.

In diesem Artikel lesen Sie alles zum Thema Mundhygiene und Zahnpflege und erhalten einen Überblick darüber, wie Sie Ihren pflegebedürftigen Angehörigen dabei unterstützen können, seine Mund- und Zahnpflege sachgerecht durchzuführen.

Das wichtigste in Kürze:

  • Es gibt viele Gründe, warum Sie auf eine gute Mund- und Zahngesundheit achten sollten.
  • Der Mund- und Zahngesundheit kommt eine große Bedeutung zu, weil sie der Auslöser für zahlreiche Erkrankungen sein kann.
  • Es gibt zahlreiche Hilfs- und Hausmittel, welche im Bereich der Mund- und Zahngesundheit zur Anwendung kommen kann.

Warum ist eine gute Mund- und Zahngesundheit wichtig und bedeutsam?

Eine gute und ausreichende Mund- und Zahngesundheit ist ein wichtiger Bestandteil des gesamten Gesundheitszustands und hat damit auch einen Einfluss auf das Wohlbefinden und die persönliche Lebensqualität. Durch eine gesunde Mund- und Zahnhygiene wird verhindert, dass sich Bakterien ansiedeln. Bakterien können Infektionen hervorrufen.

Laut der WHO (2012) haben ca. 30 % der Menschen im Alter von 65 bis 74 Jahren keine natürlichen Zähne mehr. Fast 100 % Zahnkaries. Zu den Grundbedürfnissen eines Menschen zählt es, einen gesunden und gepflegten Mund zu haben, was wiederum zu einem allgemeinen Wohlbefinden führt. Der Mund hat viele unterschiedliche Funktionen, wie zum Beispiel Kommunikation, Essen und Trinken, Atmen. Dafür ist eine gute Mund- und Zahnpflege eine wichtige Voraussetzung.

Gut zu Wissen:

Es gibt bereits eine Studie, die einen Zusammenhang zwischen den Folgen einer nicht ausreichenden Mundpflege und Herz-Kreislauferkrankungen, Lungenentzündung oder Schlaganfall aufzeigt. Bilden sich Bakterien, weil die Mundpflege nicht gründlich und ausreichend durchgeführt wird, können sie sich über die Blutbahn einen Weg in jedes Organ suchen. So gelangen Bakterien zum Beispiel in Herz oder Lunge und können dort erhebliche Folgen verursachen.

Ziel einer ausreichenden Mund- und Zahnpflege:

Die Gründe, warum Sie eine ausreichende Mund- und Zahnpflege durchführen, sind sehr vielseitig. Nachfolgend werden Ihnen die wichtigsten Punkte aufgelistet:

  • Erhalten gesunder Zähne
  • Erhaltung einer gesunden Mundhöhle
  • Erhaltung einer gesunden Mundschleimhaut
  • Erhaltung eines gesunden Kieferknochens beim Tragen von Prothesen
  • Erhaltung einer funktionstüchtigen Zunge
  • Erhaltung und Förderung des Wohlbefindens

Welche Risiken gibt es bei der Mund- und Zahngesundheit?

Laut dem aktuellen Expertenstandard zählen zu den wichtigsten Symptomen und Risiken:

  • unzureichende Mundhygiene
  • Kauprobleme
  • vernachlässigtes äußeres Erscheinungsbild
  • reduzierter Allgemeinzustand
  • höheres Lebensalter
  • Rauchen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten (z. B. Blutgerinnungshemmer, Antidepressiva oder Blutdrucksenker)
  • spezielle Patientengruppen mit erhöhtem Risiko, dazu gehören u. a. Menschen mit
      • körperlichen oder kognitiven Beeinträchtigungen.
      • neurologischen Erkrankungen.
      • mehreren Medikamenten.
      • geringer oder keiner Nahrungsaufnahme (Ernährung im Alter)
      • Kontinuierlicher Sauerstoffzufuhr oder Beatmung.
      • Chemo- oder Strahlentherapie.
      • Immunsuppression.
      • Substanzabhängigkeit.
      • oder Menschen in der terminalen Lebensphase.

Liegt mindestens ein Risikofaktor oder ein Symptom vor, sollte die Mund- und Zahnpflege besonders beachtet werden.

Dabei ist nicht nur wichtig, dass Sie die Hygienemaßnahmen richtig, sondern vor allem regelmäßig durchführen. Regelmäßig heißt, dass Sie auf jeden Fall nach jeder Mahlzeit an ihre Mund- und Zahnpflege denken müssen.

Achtung!

Mund- und Zahnpflege nach jeder Mahlzeit heißt:

  • Zähne putzen nach dem Essen
  • Mundraumspülen bei Trägern von Zahnprothesen

Mundpflege in der häuslichen Pflege richtig durchführen

Vor allem in der Pflege zu Hause durch pflegende Angehörige gewinnt das Thema an Bedeutung, da die pflegebedürftigen Personen Hygienemaßnahmen nicht mehr oder nicht in vollem Umfang selbständig durchführen können.

Welche Pflegebedürftigen brauchen eine spezielle Mundpflege?

Es gibt viele Erkrankungen, die Mundhygiene darüber hinaus besonders wichtig machen. Bei Personen mit folgenden Erkrankungen sollte vermehrt auf die Mund- und Zahnhygiene geachtet werden.

Die häufigsten Erkrankungen im Mundraum

Folgende Tabelle zeigt häufige Krankheiten und Entzündungen in der Mundhöhle, wie etwa dem Zahnfleisch.

Lat. Bezeichnung für die Erkrankung Deutsche Bezeichnung für die Erkrankung Bedeutung
Gingivitis Zahnfleischentzündung Übertragung durch Bakterien, Viren, Pilze
Glossitis Entzündung der Zungenschleimhaut Oft im Zusammenhang mit Gingivitis
Stomatitis Entzündung der Mundschleimhaut Oft im Zusammenhang mit Gingivitis
Parodonititis Entzündung des Zahnfleisches Durch mangelnde Zahnhygiene
Mundsoor Pilzbefall der Mundschleimhaut Risikofaktoren: Alter, schwaches Immunsystem, Tragen von Prothesen, Flüssigkeitsmangel
Rhagaden Einrisse an Mund- und Nasenwinkeln Auslöser ist eine trockene Scleimhaut oder Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen

Was gehört alles zur Mundpflege?

Die richtige Mundhygiene muss nicht zeitaufwändig oder kompliziert sein. Vielmehr können die entsprechenden Maßnahmen in den pflegerischen Alltag integriert werden.

Reinigung und Spülung

  • Führen Sie die Zahnreinigung mindestens morgens und abends durch.
  • Führen Sie auch auf die Reinigung der Zahnzwischenräume.
  • Tragen Sie eine Zahnprothese, spülen Sie nach jeder Mahlzeit ihren Mund aus.

Kontrolle, Inspektion und professionelle Zahnreinigung

  • Nutzen Sie das Angebot der Zahnärzte und gehen Sie regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung.
  • Lassen Sie durch ihren Zahnarzt regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung durchführen. Hatten Sie einen Schlaganfall, gibt es sogar die Empfehlung, dass Sie vier Mal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung durchführen lassen sollten.
  • Achten Sie selbst auf Auffälligkeiten:
      • Risse, Verletzungen, Rötungen, Blutungen und Belege im Mundraum und Zungenbereich
      • Bei Entzündungen wirken Mundspülungen mit z.B. Kamille oder Salbei entzündungshemmend und lindernd.

Pflegeprodukte

  • Zahnpasta: auf milde fluoridhaltige Produkte achten, damit die Schleimhäute nicht zu sehr gereizt werden. Wenn es möglich ist, versuchen Sie den Schaum durch die Zahnzwischenräume zu bewegen.
  • Zahnbürste: eher weiche und abgerundete Borsten nutzen, damit keine Schädigungen im Mundraum erfolgt. Um das Infektionsrisiko zu senken, sollten Sie ihre Zahnbürste spätestens nach 8 Wochen wechseln.
  • Verwenden Sie Bürsten mit einem rutschfesten und ergonomischen Griff, dass erleichtert Ihnen die Anwendung beim Zähneputzen.
  • Prothesenzahnbürste: Verwenden Sie zum Reinigen Ihrer Prothese eine extra Zahnbürste.
  • Mundspüllösung: auf milde Produkte achten, um keine Reizungen zu provozieren.
  • Nutzen Sie für die Reinigung von Prothesen zusätzlich zur Zahnpasta Reinigungstabs.
  • Wenden Sie Zahnseide an, um Ihre Zahnzwischenräume zu reinigen.

Essen und Trinken

  • Trinken Sie ausreichend, mindestens 2 Liter, wenn keine andere Arztordnung vorliegt.
  • Achten Sie auf möglichst zuckerfreie Nahrungsmittel.
  • Saure Nahrungsmittel regen die Speichelproduktion an.

Wie wird eine korrekte Mundpflege durchgeführt?

Achtung! Schließt die pflegebedürftige Person den Mund bei der Zahnreinigung, ist dies ein Zeichen für Ablehnung. Respektieren Sie diese Grenze und suchen Sie das Gespräch. Der Mundraum zählt zu den sensiblen Bereichen des Körpers.

Checkliste: So könnte die Mundpflege ablaufen

  1. Informieren Sie ihren pflegenden Angehörigen.
  2. Achten Sie auf die richtige Sitzposition. Mit einer Aufrechten Sitzhaltung kann die Mundpflege durchgeführt werden und das Risiko sich zu verschlucken ist möglichst gering.
  3.  Bereiten Sie sich alles vor und legen Sie alle benötigten Materialien zurecht.
    • Zahnbecher mit wohltemperiertem Wasser
    • Zahnbürste oder elektrische Bürste
    • Zahnseide
    • Mundwasser
  4. Reinigen Sie ihre Hände unter fließendem Wasser.
  5. Tragen Sie als pflegender Angehöriger, wenn nötig, Handschuhe. Nötig sind sie bei offenen Wunden oder bestehenden Infektionen.
  6.  Halten Sie die Zahnbürste im Winkel von 45`.
  7. Führen Sie kreisende Bewegungen von Rot nach Weiß durch, das heißt von Zahnfleisch zum Zahn.
  8. Reinigen Sie nach diesem Ablauf Zahnabschnitt für Zahnabschnitt:
    • Außenflächen
    • Innenflächen
    • Kauflächen
  9. Ändern Sie die für die Reinigung der Innenflächen der Schneidezähne die Haltung der Zahnbürste. Die Innenflächen lassen sich einfacher und gründlicher reinigen, wenn Sie die Zahnbürste senkrecht aufstellen.
  10. Lassen Sie ihren pflegenden Angehörigen nach dem Spülen, dass Wasser ausspülen.

FAQ - Häufige Fragen zu Mundhygiene und Zahnpflege in der häuslichen Pflege