Pflegeberatung

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Sehr viele Menschen in Deutschland haben Bedarf und gleichzeitig ein Anrecht auf Pflegeberatung. Leider ist dieser Anspruch auch heutzutage noch weitestgehend unbekannt oder wird, außerhalb der Pflicht, nur selten wahrgenommen. An und für sich wäre eine umfassende Pflegeberatung ein ganz wichtiger Baustein im Rahmen der Pflege, egal ob die Pflegeleistungen nun in Form der ambulanten Pflege, also in der Pflege zu Hause, oder aber als stationäre Pflege, in einem Pflegeheim, Altenheim, einer Seniorenresidenz oder im betreuten Wohnen, stattfindet. Fakt ist, dass die Betroffenen, also sowohl Menschen mit Pflegebedürftigkeit, als auch die pflegenden Angehörigen, ausreichend über ihre Möglichkeiten und Ansprüche informiert sein müssen. Damit dies nicht in absoluter Eigenregie geschehen muss, gibt es das Recht auf Pflegeberatung. Sanubi erklärt Ihnen in diesem Artikel alles zum Thema Pflegeberatung und klärt dabei was genau darunter zu verstehen ist, wie eine optimale Pflegeberatung aussieht und wo man sie bekommt.

Pflegeberatung: Definition und gesetzliche Grundlage

Pflegeberatung ist ein wichtiger Anspruch, über den unbedingt mehr Menschen informiert werden sollten. Um Ihnen den Einstieg in das Thema zu erleichtern, hat Sanubi zunächst eine Definition für Sie vorbereitet:

Pflegeberatung ist eine gesetzlich verankerte Leistung, auf die Pflegebedürftige einen Anspruch haben und die dazu dienen soll ebenjene, sowie deren Angehörige, bestmöglich über ihre Situation aufzuklären, Fragen zu beantworten und ihnen individuelle Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die Beratungsfelder sind dabei vielseitig und können sich sowohl an Menschen, bei denen die Pflegesituation gerade eben erst aufgetreten ist, sowie an jene, wo der Pflegefall schon länger vorliegt, richten.

Pflegeberatung, und der Anspruch darauf, ist gleich in mehreren Paragraphen des deutschen Sozialgesetzbuches vertreten. Zunächst einmal wird das allgemeine Anrecht in § 7a¹ des elften Sozialgesetzbuches, kurz SGB XI, festgelegt. In § 7b², SGB XI, wird geklärt, was passiert, wenn eine Beratung durch die gesetzlich zuständige Stelle nicht innerhalb der ersten 14 Tage erfolgt. In einem solchen Fall muss ein Beratungsgutschein ausgestellt werden, der unter anderem bei privaten Dienstleistern eingelöst werden kann. In § 37³ SGB XI, wird eine verpflichtende Pflegeberatung in den Häuslichkeiten der Betroffenen festgehalten, die bei Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 oder Pflegegrad 5, anfällt. Konkret muss bei Pflegegrad 2 und 3 jeweils halbjährlich und bei Pflegegrad 4 und 5 jeweils vierteljährlich beraten werden. Die Pflegeberatung wird von qualifiziertem Fachpersonal, wie etwa einem Mitarbeiter eines ambulanten Pflegedienstes übernommen. Dabei geht es darum sicherzustellen, dass die Pflege im nötigen Ausmaß langfristig gesichert wird und die Betroffenen über weitere Schritte Bescheid wissen. In diesem Zusammenhang sollte auch auf Kontinuität geachtet werden, am besten lässt man sich immer vom gleichen Pflegeberater helfen. Nimmt man diese Pflegeberatungstermine nicht wahr, dort die Kürzung des Pflegegeldes. Bei Pflegegrad 1 ist ebenfalls eine halbjährliche Pflegeberatung festgehalten.

Pflegeberatung: Inhalt und Umfang

Eine gute Pflegeberatung kann sehr umfangreich ausfallen und deckt dabei in der Regel mehrere Bereiche ab, die je nach Pflegefall und Pflegesituation unterschiedlich ausfallen und gewichtet werden können. Darüber hinaus setzen verschiedene Pflegeberater mitunter andere Schwerpunkte, wobei stets die optimale Versorgung des Pflegebedürftigen im Mittelpunkt steht. Hinzu kommt auch, dass selbstverständlich der Zeitpunkt und der aktuelle Zustand der pflegebedürftigen Person eine Rolle spielt. Natürlich braucht jemand, der erste Erfahrungen in der Pflege macht, andere Ratschläge als jemand, der schon länger pflegt bzw. gepflegt wird. Konkret kann eine Pflegeberatung in folgenden Beratungsfeldern stattfinden:

  • Hilfe bei der Pflegeplanung, der Pflegedokumentation und der Erstellung eines Versorgungsplans
  • Erstellung von Pflegezielen
  • Persönliche Beratung und Informationen zur Pflege und zu Pflegeleistungen, wie beispielsweise Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege, Alltagsbegleitern im Rahmen des Entlastungsbetrags, oder 24-Stunden-Pflege
  • Hinweise zur Pflege in der häuslichen Umgebung, zum ambulanten Pflegedienst und dem Alltag in der stationären Pflege
  • Prüfung der aktuellen Pflegequalität
  • Anleitung zu Hygiene in der Pflege, Einhaltung von Hygienestandards, Hygienemanagement
  • Unterstützung beim Antrag bzw. bei der Antragstellung auf Pflegebedürftigkeit und zur Erteilung eines Pflegegrades
  • Ausstellung von pflegefachlichen Gutachten und Stellungnahmen
  • Beratung beim Widerspruch bzw. einer Klage gegen die Erteilung eines zu niedrigen Pflegegrades
  • Assistenz bei der Pflegegrad Höherstufung
  • Hilfe bei der Suche nach Betreuungsangeboten, sowohl für die ambulante Pflege, die stationäre Pflege und die teilstationäre Pflege, wie beispielsweise Tagespflege
  • Beratung von pflegenden Angehörigen über Schulungen und Pflegekurse
  • Anleitung der Angehörigen in Pflegefragen
  • Hilfestellung bei gerontopsychiatrischen Erkrankungen, wie etwa Alzheimer oder Demenz
  • Beratung und Informationen zu Palliativpflege und Sterbebegleitung
  • Unterstützung bei der Versorgung von Wunden, Wundmanagement
  • Auf die Pflege angepasste gesundheitliche Beratung, Tipps zur Gesundheitsförderung von versorgten Personen
  • Erläuterungen zum Anspruch auf Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel aller Art laut Hilfsmittelverzeichnis, insbesondere zum Anrecht auf Pflegehilfsmittel gratis zum Verbrauch

Wer bietet Pflegeberatung an?

Pflegeberatung wird von vielen unterschiedlichen Organisationen und Dienstleistern angeboten. Benötigt man Pflegeberatung bzw. möchte einfach nur sein Recht darauf in Anspruch nehmen, ist man schnell einmal mit einer Auswahl von unterschiedlichen Anbietern konfrontiert. Sanubi stellt Ihnen im folgenden Verlauf die wichtigsten Beratungsstellen vor und klärt Sie gleichzeitig über die jeweiligen Eigenheiten auf.

Pflegeversicherung, Pflegekasse

Die erste Anlaufstelle für eine pflegerische Beratung ist in der Regel die eigene Pflegeversicherung, bzw. Pflegekasse. Selbstverständlich erhält man dort keine umfassende Beratung, weshalb sich diese Anlaufstelle vor allem für jene eignet, die zum ersten Mal mit einem Pflegefall konfrontiert sind und nicht so recht wissen, was jetzt zu tun ist. Bei der Pflegekasse wird man in den meisten Fällen ausreichend gut über grundsätzliche Ansprüche aufgeklärt und erhält zudem Hinweise auf weiterführende Beratungsmöglichkeiten.

Pflegestützpunkt

Eine weitere gute Möglichkeit sich beraten zu lassen, ist der Pflegestützpunkt. In ganz Deutschland gibt es zahlreiche Pflegestützpunkte, die sich in der Regel bundeslandweit organisieren. Konkret gibt es also in folgenden Bundesländern Pflegestützpunkte:

  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Berlin
  • Brandenburg
  • Bremen
  • Hamburg
  • Hessen
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Niedersachsen
  • Rheinland-Pfalz
  • Saarland
  • Sachsen
  • Sachsen-Anhalt
  • Schleswig Holstein
  • Thüringen

Der Pflegestützpunkt ist eine Schnittstelle, wo man institutionsübergreifend beraten wird. Die Schwerpunkte liegen dabei selbstverständlich auf der Pflege, aber auch gesundheitliche Themen spielen eine Rolle. Beraten wird man von der Krankenkasse, Pflegekasse, der Altenhilfe und den Sozialhilfeträgern. Die Beratung ist umfassend und unabhängig und erstreckt sich über alle Rechte und Pflichten, die man laut dem Sozialgesetzbuch, als Pflegebedürftiger oder als Pflegeperson hat. Zusätzlich kann man Hilfe bei der Organisation und Planung der Pflege, sowie bei der wohnortnahen Versorgung in Anspruch nehmen. Außerdem wird man über mögliche Zusatzangebote in den Bereichen der gesundheitsfördernden, kurativen, präventiven und rehabilitativen, medizinischen bzw. pflegerischen, Versorgung aufgeklärt.

Private Pflegeberatung

Die private Pflegeberatung stellt eine weitere Option für Betroffene dar, sich einen Überblick über die komplexen Zusammenhänge in der Pflege zu verschaffen möchten. Grundsätzlich geht eine private Pflegeberatung natürlich am allermeisten auf die persönlichen Bedürfnisse ein. Gleichzeitig muss klargestellt werden, dass die private Pflegeberatung in fast allen Fällen aus der eigenen Tasche gezahlt werden muss. Dies hat einerseits den Nachteil, dass zusätzliche Kosten anfallen, andererseits wird man aber wirklich unabhängig beraten und kann so eventuell weitere Leistungen beanspruchen, auf die man anders nicht hingewiesen worden. Darüber hinaus bietet die private Pflegeberatung selbstverständlich das breiteste Spektrum an Beratungsfeldern und kann sowohl pflegende Angehörige, als auch Pflegebedürftige umfassend zu jedem Aspekt der Pflege und des Pflegealltags beraten. Es gibt sowohl Unternehmen, die sich ausschließlich auf eine solche Pflegeberatung spezialisiert haben, als auch ambulante Pflegedienste die diese Form der Pflegeberatung anbieten.

Online-Pflegeberatung

Eine weitere Variante ist die Online-Pflegeberatung. Insgesamt könnte man diese auch zur privaten Pflegeberatung zählen, da es gewisse Überschneidungen gibt. Insbesondere beim weitreichenden Beratungsspektrum überschneiden sich die beiden Beratungsformen. Nichtsdestotrotz sollte man, vor allem in der heutigen Zeit, die Online-Pflegeberatung gesondert erwähnen, denn sie hat einige entscheidende Vorteile. Zum einen kann man sich schnell und sehr zielgerichtet informieren, sowohl kostenlos auf diversen Portalen oder kostenpflichtig bei bestimmten Anbietern, die sich in der Regel auch immer auf das spezialisiert haben, wo man gerade Hilfe braucht. Andererseits gibt es auch die Möglichkeit im Rahmen der Online-Pflegeberatung an bestimmten Pflegekurse oder Schulungen teilzunehmen und sich so den Pflegealltag zu vereinfachen. Insgesamt ist die Digitalisierung der Pflege und die Option einer Pflegeberatung im Internet eine tolle Sache, die allen Beteiligten dabei helfen kann Angebote, Rechte und Pflichten in der Pflege besser zu verstehen.

Der Anspruch auf Pflegeberatung sollte unbedingt wahrgenommen werden

In Deutschland haben sehr viele Menschen einen Anspruch auf Pflegeberatung. Wieso das so ist, ist gut begründet, denn die Pflegelandschaft kann oft unüberschaubar und kompliziert sein. Neben verschiedensten gesetzlichen Leistungen auf die Betroffene einen Anspruch haben, gibt es auch bestimmte Pflichten die wahrgenommen werden müssen. Obendrein gibt es noch Zusatzleistungen und Zusatzangebote, die je nach individueller Situation zur Verfügung stehen würden. Da kann man schnell den Überblick verlieren, insbesondere wenn man nebenbei noch durch die häusliche Pflege oder Ähnliches gefordert wird. Genau aus diesen Gründen ist es sehr wichtig sein Recht auf Pflegeberatung auch unbedingt wahrzunehmen. Jedem pflegebedürftigen Menschen steht eine umfassende Betreuung, sowohl im Rahmen der Grundpflege, als auch der Behandlungspflege, zu. Damit diese auch wirklich gewährleistet werden kann, gibt es eine Pflegeberatung. In diesem Sinne kann Sanubi nur empfehlen sich beraten zu lassen. Denn je besser man über alle Faktoren der Pflege Bescheid weiß, desto effizienter kann man sie organisieren und letztlich sicherstellen, dass der pflegebedürftige Mensch bestmöglich versorgt ist.

Quellenverzeichnis

  1. §7a, SGB XI
  2. §7b, SGB XI
  3. §37, SGB XI

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