Nicht nur Erwachsene, auch Kinder können pflegebedürftig sein. Wenn der Nachwuchs mit einer Behinderung zur Welt kommt oder im Laufe des Lebens eine Krankheit entwickelt, kann das zu einer Pflegebedürftigkeit führen. Das Pflegegeld ist dann eine sinnvolle Unterstützung im Alltag. Zunächst muss jedoch feststehen, dass der Pflegeaufwand den Versorgungsaufwand, der bei Kindern üblich ist, übersteigt.

Wir verraten Ihnen, welche Voraussetzungen es beim Pflegegeld für Kinder gibt. Außerdem zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie die Beantragung gelingt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nicht nur Erwachsene, auch Kinder erhalten Pflegegeld­ ­– das nehmen stellvertretend die Eltern in Empfang.
  • Voraussetzung für den Erhalt des Pflegegeldes ist eine vorliegende Pflegebedürftigkeit (mindestens Pflegegrad 2).
  • Mit dem Pflegegeld können Eltern beispielsweise eine Haushaltshilfe oder eine Betreuungsperson bezahlen.
  • Die Höhe des Pflegegeldes orientiert sich an dem vorliegenden Pflegegrad.
  • Pflegegeld muss nicht gesondert beantragt werden, allerdings muss ein Pflegegrad vorliegen.
  • Eltern von behinderten Kindern können sich in einem Pflegestützpunkt über Pflegeleistungen erkundigen.

Pflegegeld für behindertes Kind beantragen: das spricht dafür

Wenn Sie Pflegegeld für ein behindertes Kind beantragen möchten, ist das zunächst mit einem bürokratischen Aufwand verbunden. Allerdings lohnt sich der Einsatz, denn das monatliche Pflegegeld kann den Pflegealltag vereinfachen. Grundsätzlich ist das Pflegegeld für alle Menschen gedacht, die im häuslichen Umfeld gepflegt werden. Oft geben es Empfänger an Pflegepersonen weiter, die sich ehrenamtlich in der Pflege engagieren. Bei Kindern erhalten die Eltern das Pflegegeld stellvertretend. Da es nicht zweckgebunden ist, können Sie das Pflegegeld für verschiedene Leistungen rund um die Pflege einsetzen.

Pflegegeld fürs Kind: Verwendungsmöglichkeiten

Gut zu wissen!

Wenn Ihr Kind einen anerkannten Pflegegrad besitzt, erhalten Sie unter Umständen auch Pflegesachleistungen. Diese sind für Pflegeleistungen, die durch einen ambulanten Pflegedienst erfolgen, vorgesehen.

Wer hat Anspruch auf Pflegegeld für Kinder?

Eltern, die im gesonderten Maße pflegerisch auf ihr Kind eingehen müssen, fragen sich oft: Wann bekommt man Pflegegeld fürs Kind? Eine berechtigte Frage, denn ein pflegebedürftiges Kind zu versorgen, ist nicht nur zeitintensiv, sondern in der Regel auch mit vielen Kosten verbunden. Die gute Nachricht: Eltern erhalten immer dann Pflegegeld für ihr Kind, wenn nachweislich eine Pflegebedürftigkeit besteht. Der Anspruch auf Pflegegeld bei Kindern ist nicht an eine bestimmte Behinderung oder Erkrankung gebunden.

Die rechtliche Grundlage für das Pflegegeld liefert der § 14 des elften Sozialgesetzbuches – hier ist ganz genau aufgeführt, wer pflegebedürftig und somit grundsätzlich anspruchsberechtigt ist. Demnach sind Personen dann pflegebedürftig, wenn sie Beeinträchtigungen mit Blick auf ihre Selbstständigkeit oder Fähigkeiten haben und deshalb auf Hilfe von außen angewiesen sind. Dabei kann es sich um körperliche, psychische oder kognitive Einschränkungen handeln.[2]

Pflegegeld Kind Voraussetzungen:

  • die Pflegebedürftigkeit muss die im 15 SGB 11 festgelegte Schwere aufweisen
  • ein anerkannter Pflegegrad muss vorliegen
  • die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich mindestens 6 Monate bestehen
  • das Kind hat Pflegegrad 2 oder höher
  • die Pflege findet im häuslichen Umfeld statt

Übrigens: Eltern können ebenfalls Pflegegeld für ein entwicklungsverzögertes Kind oder bei kindlichem ADHS beziehen. Auch hier ist ausschlaggebend, wie hoch der Pflegeaufwand ist.

Wie viel Pflegegeld gibt es für Kinder?

Genauso wie bei Erwachsenen richtet sich die Pflegegeld-Höhe beim Kind nach dem Ausmaß der Pflegebedürftigkeit. Generell gilt: Je höher der Pflegegrad ausfällt, desto mehr Pflegegeld können Eltern für Kinder beantragen.

Wie hoch ist das Pflegegeld für Kinder?

Folgende Tabelle zeigt Ihnen, wie viel Pflegegeld Sie für Ihr Kind einplanen können. Da der Pflegeaufwand bei Pflegegrad 1 verhältnismäßig gering ist, besteht hier kein Anspruch auf Pflegegeld.

Pflegegeld 2023 Tabelle Kinder

Pflegegrad
Pflegegeld
Pflegegrad 1 Kind kein Anspruch auf Pflegegeld
Pflegegrad 2 Kind 316 €
Pflegegrad 3 Kind 545 €
Pflegegrad 4 Kind 728 €
Pflegegrad 5 Kind 901 €

Wird beim Kindergeld bei der Einkommensgrenze das Pflegegeld mit angerechnet?

Das Pflegegeld geben pflegebedürftige Erwachsene oft an Angehörige weiter, um sie für ihren Einsatz zu „belohnen“. Die Pflegepersonen können die Anerkennung beispielsweise dazu nutzen, um die Kosten für die Autofahrten zu reduzieren – schließlich pendeln viele Pflegepersonen zwischen ihrer und der Häuslichkeit des Pflegebedürftigen hin und her. Das Pflegegeld wird hier als Einnahme gesehen. Eltern behinderter Kinder profitieren allerdings von einer Ausnahmeregelung: Unabhängig davon, wofür sie das Pflegegeld nutzen, stellt es keine Einnahme dar.

Kann man für 2 Personen Pflegegeld bekommen?

Einige Familien in Deutschland haben mehrere pflegebedürftige Kinder. Ist das auch bei Ihnen der Fall, stehen Ihnen die Pflegekassenleistungen pro Kind zu. Das gilt auch für das Pflegegeld. Die Voraussetzungen bleiben allerdings gleich. Zunächst muss für das Pflegegeld beim Kind eine Behinderung oder Krankheit vorliegen, die einen Pflegegrad erforderlich macht. Der Pflegegrad muss offiziell von der Pflegekasse bestätigt sein – dann können Sie für ein oder mehrere Kinder Pflegegeld erhalten.

Wer bekommt das Pflegegeld für ein Kind?

Das Pflegegeld bekommt stets der Pflegebedürftige. Da Kinder noch keinen Antrag auf Leistungen der Pflegekasse stellen können, übernehmen das die Eltern. Sie erhalten auch stellvertretend das Pflegegeld und können es zur Erleichterung der Pflege für verschiedene Unterstützungsmaßnahmen einsetzen. Viele Erziehungsberechtigte entscheiden sich beispielsweise dafür, eine zusätzliche Haushaltshilfe mit dem Pflegegeld zu bezahlen. So haben sie mehr Zeit, die Pflege für ihr Kind zu organisieren und umzusetzen. Übrigens: Wenn Sie Hilfsmittel als Erwachsener auf Krankenkassenkosten erhalten möchten, müssen Sie eine Zuzahlung leisten. Eine Pflegegeld-Zuzahlung bei Kindern gibt es aber nicht – Sie bekommen den kompletten Betrag direkt auf Ihr Konto überwiesen

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Pflegegeld für ein behindertes Kind beantragen

Sie möchten Pflegegeld für ein Kind beantragen? Dafür müssen Sie keinen gesonderten Antrag stellen. Was allerdings wichtig ist, ist ein Pflegegrad. Deshalb ist der erste Schritt auf dem Weg zum Pflegegeld die Pflegebegutachtung. Hier stellen Gutachter fest, ob und welche Einschränkungen bestehen. Damit das Begutachtungsverfahren eingeleitet wird, wenden Sie sich zunächst an die Pflegekasse. Das machen Sie ganz einfach mit dem Antrag auf Pflegeleistungen. Die Pflegekasse beauftragt daraufhin den Medizinischen Dienst (MD), ehemals Medizinischer Dienst der Krankenversicherung (MDK). Nach vorheriger Terminvereinbarung sendet der MD einen Gutachter in Ihr häusliches Umfeld. Er hat die Aufgabe, festzustellen, ob und inwieweit Ihr Kind pflegebedürftig ist. Danach übermittelt der MD das Gutachten gemeinsam mit einer Empfehlung für einen Pflegegrad an die Pflegekasse. Dieser obliegt nun die endgültige Entscheidung über die Zuteilung des Pflegegrades.

In 4 Schritten zum Pflegegeld:

  • Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung bei der Pflegekasse stellen
  • Termin mit einem Gutachter des Medizinischen Dienstes vereinbaren – der Gutachter meldet sich bei Ihnen
  • Gutachter im häuslichen Umfeld empfangen
  • Auf Bescheid der Pflegekasse warten (die gesetzlich vorgeschriebene Bearbeitungsfrist beträgt 25 Arbeitstage)

Pflegegutachten: Wer bekommt Pflegegeld für ein Kind?

Kann ich Pflegegeld für mein Kind beantragen? Wie viel Pflegegeld steht meinem Kind zu? Diese und weitere Fragen beschäftigen viele Eltern. Besonders sorgenvoll blicken sie jedoch oft das Thema Pflegebegutachtung. Natürlich ist es aufregend, wenn ein Gutachter in das häusliche Umfeld kommt, Nervosität ist also ganz normal. Behalten Sie aber stets im Hinterkopf: Der Gutachter besucht Sie, um Ihnen und Ihrem Kind notwendige Unterstützungsangebote zu ermöglichen. Dafür überprüft der Gutachter verschiedene Module.

Achtung: Nicht in jedem Alter werden die gleichen Module abgefragt, wie unsere folgende Übersicht zeigt.

  • Kinder bis zum 18. Lebensmonat: Hier sieht sich der Gutachter lediglich Modul 3 „Verhaltensweisen und psychische Problemlagen“ und das Modul 5 „Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen“ an. Eine weitere Besonderheit ist, dass Kinder in dem Alter stets einen Pflegegrad höher eingestuft werden.2
  • Kinder ab dem vollendeten 18. Lebensmonat bis zum 11. Lebensjahr: Der Gutachter überprüft Modul 1 „Mobilität“, Modul 2 „Kognitive und kommunikative Fähigkeiten“, Modul 4 „Selbstversorgung“ und Modul 6 „Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte“. Hierbei steht stets ein Vergleich mit gesunden Kindern im gleichen Alter im Mittelpunkt.[2]
  • Kinder ab 11 Lebensjahren: Bei Kindern in diesem Alter wird immer noch das Begutachtungsformular für Kinder genutzt – schließlich enthält dieses eine besonders kindgerechte Formulierung. Neben den obenstehenden Modulen werden zusätzlich noch Modul 3 „Verhaltensweisen und psychische Problemlagen“ und Modul 5 „Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen“ betrachtet.3

Gut zu wissen!

Pflegebegutachtungen müssen bei Kindern aus Rücksicht vor dem Nachwuchs und den Eltern besonders sensibel durchgeführt werden. Speziell geschulte Gutachter besitzen nicht nur ein umfangreiches Wissen zu Behinderungen und Erkrankungen, sondern auch das nötige Feingefühl.

Was steht Eltern mit behinderten Kindern zu?

Wie Sie bereits wissen, ist ein spezieller Antrag auf Pflegegeld beim Kind nicht nötig. Stattdessen ist ein Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung wichtig. So erhalten Sie das Pflegegeld automatisch. Neben dieser Pflegekassenleistung gibt es noch andere Unterstützungsangebote für Eltern behinderter Kinder.

Dazu zählen:

Anders als bei dem Pflegegeld für behinderte Kinder, müssen Sie hier gesonderte Anträge stellen. Haben Sie Fragen zu dem AOK-Pflegegeld für Kinder oder anderen Pflegeleistungen, wenden Sie sich am besten direkt an die Pflegekasse.

Können Familienangehörige den Entlastungsbetrag bekommen?

Sie können für Ihr Kind auch den Entlastungsbetrag in Anspruch nehmen. Dieser beträgt 125 Euro pro Monat und ist zweckgebunden. Das bedeutet, dass Sie den Betrag nur für ganz spezielle Angebote nutzen können.

Dazu zählen beispielsweise:

  • Angebote, die den Alltag vereinfachen wie Alltagsbegleiter oder Tagesgruppen
  • Nachbarschaftshilfe5
  • Tages- und Nachtpflege (hier kann der Entlastungsbetrag die Kosten für Unterkunft und Verpflegung reduzieren)

Gut zu wissen!

Pflegestützpunkte sind eine hervorragende Möglichkeit, um sich über verschiedene Leistungen für pflegebedürftige Kinder zu informieren. Das Zentrum für Qualität in der Pflege bietet für die Vor-Ort-Suche eine bequeme Suche mithilfe einer Datenbank an.

FAQ - die wichtigsten Fragen zum Pflegegeld für Kinder