Pflegegrad 4

Pflegegrad 4Der neue Pflegegrad 4 wird vergeben, wenn von einer “schwersten Beeinträchtigung der Selbstständigkeit” ausgegangen wird. Liegt bereits eine Pflegestufe 2, mit eingeschränkter Alltagskompetenz wie beispielsweise Demenz vor, wird die entsprechende Person direkt in den Pflegegrad 4 überführt. Personen, die bereits eine Pflegestufe 3 attestiert bekommen haben, werden ebenfalls in den Pflegegrad 4 überführt.
In diesem Artikel klären wir Sie darüber auf, wie Pflegegrad 4 definiert wird, welche Voraussetzungen für die Einstufung in Pflegegrad 4 erforderlich sind und welche Leistungen Personen mit Pflegegrad 4 erwarten können.

Sie haben bisher noch keinen Pflegegrad beantragt? Wir unterstützen Sie gerne dabei. In unserem Artikel “Pflegegrad beantragen” haben wir alle wichtigen Informationen für Sie zusammengefasst. Außerdem können Sie dort alle relevanten Dokumente (Pflegetagebuch, Vollmacht, Anschreiben etc..) bequem und kostenlos per E-Mail erhalten. In unserem Artikel Pflegegrad Begutachtung, erfahren Sie, wie die Begutachtung des MDK-Mitarbeiters abläuft.

Pflegegrad 4 ist wie folgt definiert:

Der Pflegegrad 4 ist für Personen mit schwerster Beeinträchtigung der Selbstständigkeit. Nach den neuen Bewertungskriterien ist nicht mehr der zeitliche Aufwand als alleiniges Kriterium gültig, vielmehr wird die Selbstständigkeit der Betroffenen Person in den Mittelpunkt gestellt. Im Zuge der Pflegereform 2017, ab dem 01.01.2017 werden Antragsteller nach dem neuen Begutachtungsassesment, kurz NBA berurteilt. Die Beurteilung erfolgt nach einem Punktesystem. Wird ein Ergebnis von 70 – unter 90 Punkte festgestellt, erhält die Untersuchte Person den Pflegegrad 4. Die genaue Funktionsweise des NBA erklären wir später. Versicherte, die bereits über eine anerkannte Pflegestufe 3 oder Pflegestufe 2 mit eingeschränkter Alltagskompetzenz verfügen, werden direkt in den Pflegegrad 3 überführt.

Müssen Sie einen neuen Leistungsantrag stellen um einen Pflegegrad 4 zu erhalten?

Nein! Grundsätzlich gilt, dass sich niemand neu einstufen lassen muss, wenn er bereits Leistungen von der Pflegekasse bezieht. Sie werden automatisch in die entsprechenden Pflegegrade übergeleitet. Hierzu erhalten Sie einen Bescheid von ihrer Pflegekasse. Die Überleitung von Pflegestufe zu Pflegegrad ist gesetzlich festgelegt und hängt von Ihrer aktuellen Pflegestufe ab.

Welche Grundvoraussetzungen benötigt man für die Einstufung in Pflegegrad 4?

Um in Pflegegrad 4 eingestuft zu werden benötigt man zwischen 70 und unter 90 Punkten nach dem neuen Begutachtungsverfahren (kurz NBA). Das NBA ist aufgeteilt in sechs Kategorien. Diese sind:

  • Mobilität
    Inwieweit ist die betroffene Person noch in der Lage einen Orts- oder Positionswechsel selbstständig durchzuführen?
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
    Ist die zeitliche und örtliche Orientierung beeinträchtigt und können noch selbstständig Entscheidungen getroffen und kommuniziert werden?
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
    Reagiert die Person abwehrend auf pflegerische oder andere unterstützende Maßnahmen?
  • Selbstversorgung
    Werden körperliche und psychische Bedürfnisse noch in einem ausreichendem Maß wahrgenommen?
  • Umgang mit Krankheits- und Therapiebedingten Belastungen
    Wird Unterstützung, beispielsweise bei der Medikamenteneinnahme, benötigt?
  • Gestaltung des Alltagslebens
    Wie ist das Alltagsleben gestaltet und kann dieses an Unvorhergesehenes angepasst werden?
NBA Pflegegrad

Für jede Kategorie werden Punkte von einem Gutachter vergeben. Die Anzahl der vergebenen Punkte richtet sich vor allem nach den Grad der Selbstständigkeit der untersuchten Person.
Die Kategorien sind unterschiedlich gewichtet. Die gewichteten Punkte werden dann aufaddiert und man erhält einen Wert, anhand dessen der entsprechende Pflegegrad zugeteilt wird.

Bis unter 12,5 Punkte gilt man nicht als Pflegebedürftig. Ab 12,5 Punkten beginnt der Pflegegrad 1, ab 70 Punkte Pflegegrad 4. Je höher die Punktzahl ist, desto höher ist der festgestellte Grad der Unselbstständigkeit und dementsprechend höher ist der zugewiesene Pflegegrad.

Pflegegrad 3 – Die Leistungen im Überblick

Bei Pflegegrad 4 haben Sie Anspruch auf Pflegegeld in Höhe von 728 Euro monatlich. Bisher waren es bei Pflegestufe 3 ebenfalls 728 Euro und Pflegebedürftige mit Pflegestufe 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz haben bisher nur 454 Pflegegeld im Monat bekommen.

Weiterhin stehen Ihnen bei Pflegegrad 4 Pflegesachleistungen im Wert von 1.612 Euro monatlich zu.

Zusätzlich haben Sie Anspruch auf Pflegehilfsmittel zum Verbrauch im Wert von 40 Euro monatlich.

Pflegegrade

Kurzzeitpflege bei Pflegegrad 4

Bedarf eine pflegebedürfte Person für einen begrenzente Zeitraum eine vollstationäre Pflege, spricht man von Kurzzeitpflege. Kurzzeitpflege tritt häufig nach einem Krankenhausaufenthalt auf oder wenn die häusliche Pflege vorübergehend ausgesetzt werden muss.

Bei Pflegegrad 4 hat man Anspruch auf einen Zuschuss von bis zu 1.612 Euro für maximal 28 Tage im Jahr.

Verhinderungspflege bei Pflegegrad 4

Auch eine private Pflegeperson in der Pflege kann aufgrund von Krankheit oder Urlaub ausfallen. Wenn das geschieht, wird eine Vertretung benötigt. Man spricht hierbei von der Verhinderungspflege.

Bei Pflegegrad 4 hat man Anspruch auf einen Zuschuss von bis zu 1.612 Euro für die Verhinderungspflege.

Tagespflege und Nachtpflege bei Pflegegrad 4

Die Leistungen für die Tages- und Nachtpflege betragen 1.612 Euro monatlich.

Ihre Leistungen bei Pflegegrad 4 zusammengefasst:

Leistung (Pflegegrad 4) Betrag
Pflegegeld 728 Euro
Pflegesachleistung 1.612 Euro
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch 40 Euro

Pflegehilfsmittel zum Verbrauch bei Pflegegrad 4

Pflegehilfsmittel BoxBei Pflegegrad 4 haben Sie einen Anspruch auf Pflegehilfsmittel zum Verbrauch im Wert von 40 Euro, jeden Monat. Diese zählen zu den Zusatzleistungen der Pflegekasse. Das bedeutet, dass Sie diese unabhängig von allen anderen Pflegeleistungen erhalten!
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