Ein Stoma ist eine künstlich geschaffene Körperöffnung, die Mediziner beispielsweise aufgrund einer Krebserkrankung anlegen.[1] Die Körperöffnung, ganz gleich, ob sie vorübergehend oder dauerhaft besteht, erfordert eine gewisse Pflege. In vielen Fällen können sich Patienten selbst um den Wechsel der Stomaanlage und die Hautpflege kümmern. Sind Versicherte auch ansonsten fit, besteht kein Pflegebedarf von außen und somit kein Anspruch auf einen Pflegegrad. Allerdings ist ein Pflegegrad bei Stoma durchaus möglich. Schließlich führen die dafür ursächlichen Erkrankungen oft zu einer Einschränkung der Selbstständigkeit.

Wir erklären Ihnen, was einen Pflegegrad bei Stoma begründet und von welchen Pflegekassenleistungen Sie dann profitieren können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Stomaversorgung ist nicht automatisch an eine Pflegebedürftigkeit geknüpft.
  • Menschen mit einem Stoma und einer Einschränkung der Selbstständigkeit können einen Pflegegrad von der Pflegekasse erhalten.
  • Für Patienten mit einem Stoma sind insbesondere die Pflegesachleistungen, das Pflegegeld und die Pflegehilfsmittelpauschale interessant.

Was ist ein Stoma?

Ein Stoma, in der Mehrzahl Stomata genannt, beschreibt eine durch einen operativen Eingriff geschaffene Körperöffnung. Durch sie hindurch kann ein kleines Stück des Darms oder der Harnleiter auf die Hautoberfläche gelegt werden. Patienten nutzen dann nicht den natürlichen Weg, sondern die neu geschaffene Öffnung zur Ausscheidung. Die Öffnung gibt es aber nicht nur mit Blick auf die Blase oder den Darm: Ein Gastrostoma sieht eine Öffnung durch die Bauchdecke zur Sondenernährung vor und beim Tracheostoma erfolgt ein Luftröhrenschnitt. Von allen Stomaarten ist der künstliche Darmausgang, der sogenannte Anus Praeter, die häufigste.[1] Es gibt viele Gründe, warum Operateure eine künstliche Körperöffnung schaffen. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Krebsleiden, neurologische Erkrankungen oder Fehlbildungen, beispielsweise der Harnwege, können ursächlich sein.

Sind Menschen mit einem Stoma pflegebedürftig?

Die Schaffung einer Stomaanlage macht Menschen nicht automatisch zu einem Pflegefall. Es gibt viele Patienten, die sich völlig selbstständig um die hygienischen Erfordernisse, die Hautpflege und den regelmäßigen Austausch der Materialien kümmern. Sie kennen ihren Körper und lernen mit der künstlich geschaffenen Öffnung im Alltag gut umzugehen. Personen mit kognitiven oder körperlichen Einschränkungen und Menschen mit psychischen Problemen können jedoch unter Umständen nicht in der Lage sein, ein Stoma selbstständig zu versorgen. In diesem Fall ist Hilfe von außen gefragt.

Stoma und Pflegebedarf: Wie beeinflusst ein Stoma den Pflegebedarf?

Ein Stoma tritt zunächst nicht isoliert in Erscheinung – es gibt immer eine zu Grunde liegende Erkrankung, die den operativen Eingriff notwendig macht. Manchmal gelingt es, die Erkrankung zu lindern oder zu heilen, dann können Mediziner in Erwägung ziehen, beispielsweise den künstlichen Darmausgang wieder rückgängig zu machen. In vielen Fällen ist die Stomaversorgung aber dauerhaft angedacht. Besteht bereits ein Pflegebedarf, beispielsweise aufgrund von Morbus Parkinson, nach einem Schlaganfall oder aufgrund einer Demenz, erhöht sich dieser durch die Stomaversorgung meist deutlich. Nun kommen weitere Pflegeaufgaben für pflegende Angehörige hinzu.

Folgende Anforderungen stellt ein Stoma an die häusliche Pflege:

  • Entfernen und Anbringen der Stomaanlage
  • Reinigung und Pflege der Haut
  • Sicherstellung einer angepassten Ernährung, insbesondere in den ersten 3 bis 6 Monaten (bei künstlichem Darmausgang)

Gut zu wissen!

Nicht selten fühlen sich pflegende Angehörige mit dem Gedanken an Pflegemaßnahmen rund um Stomata überfordert, doch keine Sorge: Patienten und Angehörige erhalten eine professionelle Schulung durch Stomatherapeuten. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, einen ambulanten Pflegedienst hinzuzuziehen.

Pflegegrad bei Stoma: Voraussetzungen und Einstufung

Die Pflegekasse verteilt Pflegekassenleistungen ausschließlich an Menschen mit einem Pflegegrad. Dieser wiederum hat die Aufgabe, den bestehenden Pflegebedarf abzubilden. Als Stomaträger müssen Sie verschiedene Voraussetzungen mitbringen, um einen Pflegegrad von der Pflegekasse zu erhalten.

Pflegegrad bei Stoma: Voraussetzungen

Personen mit einem Stoma erhalten genauso wenig wie Menschen mit einer Inkontinenz automatisch einen Pflegegrad. Selbst schwerwiegende Erkrankungen wie eine Amyotrophe Lateralsklerose oder Alzheimer erfordern zunächst einen Antrag auf einem Pflegegrad. Mit einem festgelegten Prozess wird dann entschieden, ob die Zuteilung eines Pflegegrades möglich ist.

Zunächst müssen Sie jedoch folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Sie haben über zehn Jahre hinweg mindestens zwei Jahre lang, Beiträge an die Pflegeversicherung abgeführt oder waren über die Familienversicherung abgesichert.
  • Ihre Selbstständigkeit ist eingeschränkt, dadurch benötigen Sie Hilfe bei der Alltagsbewältigung.
  • Der Pflegebedarf besteht über sechs Monate hinweg oder länger – vorerst ist eine unabhängige Alltagsführung also nicht möglich.

Für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige ist es kaum nachvollziehbar, ob alle Voraussetzungen für einen Pflegegrad erfüllt sind, das ist auch gar nicht nötig. Die Pflegekasse prüft gemeinsam mit dem Medizinischen Dienst, ob Sie als Antragsteller anspruchsberechtigt sind.

Kann man mit einem Stoma eine Pflegestufe (Pflegegrad) beantragen?

Viele Menschen mit einem Stoma sind durch die zu Grunde liegende Ursache meist stark eingeschränkt. Sie kommen im Alltag nicht alleine zurecht und die Versorgung Ihres Stomas bereitet Ihnen Mühe? Das spricht für einen Pflegebedarf – in dem Fall sollten Sie unbedingt einen Antrag auf einen Pflegegrad stellen. Unser Tipp: Ist bereits im Krankenhaus absehbar, dass Sie bis auf Weiteres auf eine pflegerische Unterstützung angewiesen sind, können Sie hier direkt einen Pflegegrad beantragen – der Sozialdienst kann Sie dabei unterstützen.[1] Sie besitzen bereits einen Pflegegrad und erhalten nun ein Stoma? Prüfen Sie unbedingt, ob eine Erhöhung des Pflegegrades sinnvoll ist.

Welcher Pflegegrad bei Stoma?

Für pflegebedürftige Menschen stehen hierzulande fünf verschiedene Pflegegrade zur Verfügung. Während Pflegegrad 1 bei einer geringen Beeinträchtigung der Selbstständigkeit vorgesehen ist, eignet sich Pflegegrad 4 für Menschen mit der schwersten Beeinträchtigung der Selbstständigkeit – mit dem Umfang der Einschränkungen steigt grundsätzlich der Pflegegrad an. Eine beeinträchtigte Selbstständigkeit hat viele Gesichter: Vielleicht können Sie die Stomaversorgung nicht alleine bewältigen und haben Probleme mit dem Haarewaschen. Womöglich lösen die Haushaltsführung und die Einnahme von Medikamenten einen weiteren Unterstützungsbedarf aus. Einzelne Beschwerden oder Erkrankungen sind nicht mit einem festen Pflegegrad verknüpft: So erhalten Menschen mit einem Stoma nicht automatisch Pflegegrad 1 oder Pflegegrad 3 – was hier zählt, ist stets der bestehende Hilfsbedarf.

Pflegegrad
Schwere der Beeinträchtigung
Grund
Infos
1 Gerine Beeinträchtigung der Selbstständigkkeit Leichte körperliche Einschränkungen Pflegegrad 1
2 Erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit Weitestgehende Fähigkeit zur Selbstversorgung, doch Anleitung und Unterstützung bei einigen Aufgaben nötig. Pflegegrad 2
3 Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit Die Pflegebedürftigen können noch alleine leben, benötigen aber noch bei vielen Alltagsverrichtungen, wie dem Toilettengang, Unterstützung. Pflegegrad 3
4 Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit Die Person braucht für so gut wie alle alltäglichen Vorgänge Hilfe, unter anderem beim Aufstehen, Essen und Waschen. Pflegegrad 4
5 Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit speziellen Anforderungen an die Pflegeversorgung Die Pflegebedürftigen sind weitestgehend bettlägerig und vollständig auf Unterstützung angewiesen. Pflegegrad 5

Pflegegrad mit Stoma beantragen

Sie möchten einen Antrag auf einen Pflegegrad stellen, um beispielsweise Unterstützung bei der Stomaversorgung zu erhalten? Dann können Sie sich an die Pflegekasse wenden – diese ist im Übrigen an die Krankenkasse angegliedert.

Wann sollte ich einen Pflegegrad bei einem Stoma beantragen?

Unabhängig davon, ob Sie ein Stomaträger sind oder nicht, sollten Sie immer dann einen Pflegegrad beantragen, wenn Sie den Alltag nicht mehr alleine bewältigen können – sei es durch körperliche, kognitive oder psychische Problemstellungen. Haben Sie keine Hemmungen, die Pflegekasse nimmt den bestehenden Leidensdruck der Antragsteller sehr ernst und prüft genau, ob ein Anspruch vorliegt. Viele Versicherte fragen sich, ob ein Antrag auf einen Pflegegrad mit Kosten verbunden ist, dem ist jedoch nicht so. Die Antragstellung und Antragsprüfung gehören zum kostenlosen Service der Pflegekasse.

Was sind Anzeichen für eine Pflegebedürftigkeit bei Stomaträgern?

Eine bestehende Stomaanlage ist unumstritten mit einem erhöhten Aufwand im Alltag verbunden. Schließlich muss das System regelmäßig geprüft, gewechselt und gereinigt werden. Der Hautschutz erfordert ebenfalls pflegerische Maßnahmen – so bleibt die Haut rund um das Stoma frei von Irritationen. Vor allem sehr kranke oder betagte Menschen schaffen es nicht oder nicht mehr, das Stoma, ohne fremde Hilfe zu versorgen. Unabhängig von der Stomaversorgung kann auch ein Unterstützungsbedarf in anderen Lebensbereichen entstehen.

An folgenden Hinweisen erkennen Sie eine mögliche Pflegebedürftigkeit:

  • Sie sind kognitiv, psychisch oder körperlich, beispielsweise aufgrund einer eingeschränkten Feinmotorik, nicht mehr in der Lage, das Stoma ausreichend zu pflegen.
  • Die Körperpflege, beispielsweise das Duschen, Haarewaschen oder Zähneputzen, fällt Ihnen schwer.
  • Ihre Mobilität ist beeinträchtigt – der Gang in das obere Stockwerk ist ohne fremde Hilfe beispielsweise nicht möglich.
  • Sie schaffen es nicht, sich eigenständig Kleidung heraus zu legen und sich anzuziehen.
  • Eine an das Stoma angepasste Ernährung zu wählen und im Alltag umzusetzen, gelingt Ihnen nicht.
  • Verordnete Medikamente vom Mediziner können Sie nicht eigenständig einnehmen.
  • Sie benötigen Hilfe bei der Alltagsgestaltung und der Wahrnehmung von Arztterminen sowie sozialen Kontakten.
  • Die zu Grunde liegende Erkrankung oder die Versorgung mit einem Stoma hat zu psychischen Problemen bei Ihnen geführt – Sie leiden unter Ängsten oder Depressionen.

So beantragen Sie einen Pflegegrad bei Stoma

Viele Menschen beantragen einen Pflegegrad nicht, aus Sorge vor einem endlosen bürokratischen Prozess. Diese Sorge können wir Ihnen jedoch nehmen, eine Pflegegrad-Beantragung ist mit einem vergleichsweise geringen Aufwand verbunden.

Pflegegrad bei Stoma: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Wenn Sie einen Pflegegrad beantragen, können Sie sich darauf verlassen, dass Sie schnell eine Antwort erhalten – in maximal 25 Arbeitstagen teilt Ihnen die Pflegekasse die Entscheidung mit. Zuvor müssen Sie einige wenige Schritte unternehmen.

  1. Legen Sie das nötige Formular bereit: Bevor Sie einen Pflegegrad beantragen können, müssen Sie sich das erforderliche Formular mit der Bezeichnung „Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung“ besorgen. Die Pflegekasse kann Ihnen das Formular zusenden, alternativ können Sie es im Internet herunterladen und ausdrucken.
  2. Füllen Sie das Formular sorgfältig aus: Der Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung ist übersichtlich und leicht auszufüllen. Hier müssen Sie einige persönliche Angaben machen und die Pflegeperson bestimmen. Außerdem können Sie bereits den Wunsch nach ausgewählten Leistungen wie den Pflegesachleistungen äußern. Zum Schluss unterschreiben Sie das Formular und senden es an die Pflegekasse.
  3. Nehmen Sie den Medizinischen Dienst in Empfang: Sobald der Antrag bei Ihrer Pflegekasse eingegangen ist, sichten Mitarbeiter diesen und beauftragen den Medizinischen Dienst mit der Pflegebegutachtung. Dieser wird sich in Ihrem häuslichen Umfeld einen Eindruck davon verschaffen, wie hilfsbedürftig Sie sind. Zuvor erfolgt jedoch eine telefonische Terminvereinbarung.
  4. Empfangen Sie Post von der Pflegekasse: Nach spätestens 25 Arbeitstagen erhalten Sie einen Brief von der Pflegekasse. Dem Pflegegradbescheid können Sie entnehmen, ob die Pflegekasse einem Pflegegrad zugestimmt hat und wie hoch dieser ausfällt. Mit einem Pflegegrad haben Sie nun die Möglichkeit, verschiedene Pflegekassenleistungen zu beanspruchen.
  5. Prüfen Sie einen Widerspruch: Die Pflegekasse setzt sich dafür ein, dass Antragsteller mit einem Hilfsbedarf die nötige Unterstützung erhalten. Fühlen Sie Ihren Pflegebedarf jedoch nicht ausreichend berücksichtigt, können Sie einen Widerspruch einlegen. Dieser muss schriftlich und innerhalb eines Monats bei der Pflegekasse eingehen.

Höheren Pflegegrad bei einem Stoma beantragen

Ein Pflegegrad ist variabel – verändert sich der Pflegebedarf bei Ihnen, können Sie herabgestuft oder höhergestuft werden. Bei vielen Menschen mit einem Stoma erhöht sich der Hilfsbedarf mit den Jahren. Das liegt nicht an der Stomaanlage selbst, sondern vielmehr an dem Voranschreiten der zu Grunde liegenden Erkrankung oder am Alterungsprozess. Jetzt sollten Sie mit einem Antrag auf Höherstufung auf die veränderte Pflegesituation reagieren. Für den Antrag nehmen Sie ein bekanntes Formular: den „Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung“. Achten Sie darauf, oben im Formular das Kreuz bei der Option „Höherstufungsantrag“ zu setzen. Nun kommt der gewohnte Prozess auf Sie zu. Zunächst sichtet die Pflegekasse den Antrag, entsendet in Zusammenarbeit mit dem Medizinischen Dienst einen Gutachter und anschließend erhalten Sie Post.

Kann ich einen Pflegegrad für meinen Angehörigen mit Stoma beantragen?

Eine Stomaversorgung hindert Versicherte nicht daran, einen Antrag auf einen Pflegegrad selbstständig auszufüllen. Allerdings können Erkrankungen das körperliche, psychische oder kognitive Leistungsvermögen entscheidend beeinträchtigen. So kann es sein, dass Stomaträger mit einer Demenz nicht mehr in der Lage sind, sich um ihren Antrag eigenständig zu kümmern. Als pflegender Angehöriger können Sie den Papierkram übernehmen. Das Ausfüllen ist dabei gleich, Sie sollten dem Antrag jedoch unbedingt eine Vorsorgevollmacht beilegen. Diese macht deutlich, dass Sie bevollmächtigt sind, Entscheidungen für Ihren Angehörigen zu fällen. Übrigens: Auch wenn Sie sich tagtäglich aufopferungsvoll um Ihren Angehörigen kümmern, können Sie für sich selbst keinen Pflegegrad beantragen. Die Pflegekasse konzentriert sich bei der Leistungsbeanspruchung auf den Pflegebedürftigen, allerdings können Sie von verschiedenen Angeboten ebenso profitieren, wie dem Entlastungsbetrag oder der Verhinderungspflege.

Pflegebegutachtung bei Stomaträgern: Ablauf und Kriterien

Die Pflegekasse steht für eine bedarfsgerechte Verteilung der Leistungen. Dafür ist es wichtig, sich zunächst ein Bild über den Hilfsbedarf zu machen. Das gelingt mit verschiedenen Kriterien, die schlussendlich auf einen Pflegegrad hinweisen. Ausnahmen gibt es keine: Nur wer die erforderlichen Einschränkungen der Selbstständigkeit mitbringt, erhält eine Versorgung mit dem vorgesehenen Pflegegrad. Das wichtigste Instrument zur Ermittlung des Hilfsbedarf ist die Pflegebegutachtung. Sie erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Medizinischen Dienst, der einen Gutachter in Ihr häusliches Umfeld entsendet. Die Pflegebegutachtung ist ein bewährtes Verfahren, bei dem der Gutachter einen Beurteilungskatalog und ein Punktesystem einsetzt. Dafür ist es notwendig, dass er sich einen Überblick über verschiedene Lebensbereiche und die dort bestehende Selbstständigkeit verschafft. Hier schaut der Gutachter sich beispielsweise die Lebensbereiche Körperpflege und Mobilität an.

Expertentipp!

Dipl. Ges. Oec. (FH) Jennifer Ann Steinort: „Als Stomaträger sind das Modul 4 „Selbstversorgung“ und das Modul 5 „Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen“ besonders interessant für Sie. In den Modulen werden der sachgerechte Umgang und die Pflege rund um ein Stoma thematisiert.“

Aus den Ergebnissen der Pflegebegutachtung heraus entsteht eine Gesamtpunkteanzahl, die auf den Pflegegrad hindeutet.

Sie möchten mehr über die Module erfahren? Dann werfen Sie einen Blick in unsere Tabelle.

Modul
Modulbezeichnung
Mögliche Fragen/Themen
1 Mobilität Gibt es Beeinträchtigungen im Bereich der Mobilität, gelingt Ihnen beispielsweise der Gang in das obere Stockwerk oder ins Badezimmer nicht mehr?
2 Kognitive und kommunikative Fähigkeiten Stellt die selbstständige Kommunikation oder Orientierung ein Problem für Sie dar?
3 Verhaltensweisen und psychische Problemlagen Gibt es psychische Problemlagen wie Ängste oder Depressionen?
4 Selbstversorgung Klappt die Selbstversorgung, beispielsweise mit Blick auf die Stomapflege, die Nahrungszubereitung oder Körperpflege?
5 Umgang mit krankheits- und behandlungsbedingten Anforderungen Können Sie verordnete Medikamente selbstständig einnehmen und Arzttermine wahrnehmen?
6 Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte Schaffen Sie es, den Alltag selbstständig zu planen und Ihre Kontakte ohne fremde Hilfe zu pflegen?

Gut zu wissen!

Der Gutachter verschafft sich einen umfassenden Überblick über Ihre gesundheitliche Lage bzw. Ihren Hilfsbedarf. Sie können ihm die Arbeit erleichtern, indem Sie wertvolle Informationen liefern – legen Sie am besten Entlassungsberichte, Pflegedokumentationen oder Medikamentenpläne zur Ansicht bereit.

Pflegegrad bei Stoma: wie viele Punkte für welchen Pflegegrad?

Jedem Pflegegrad ist ein bestimmter Punktebereich zugeordnet. Das sorgt für eine klare Trennung zwischen den Pflegegraden.

Pflegegrad 1: 12,5 bis unter 27,0 Punkte

Pflegegrad 2: 27 bis unter 47,5 Punkte

Pflegegrad 3: 47,5 bis unter 70 Punkte

Pflegegrad 4: 70 bis unter 90 Punkte

Pflegegrad 5: 90 bis 100 Punkte

Welche Leistungen stehen mir mit einem Stoma zu?

Die Pflegekasse ist ein wichtiger Ansprechpartner bei allen Angelegenheiten rund um die Pflege. Sobald Sie einen Pflegegrad erhalten haben, können Sie auf verschiedene Leistungen zurückgreifen. Auch hier ist nicht das Stoma entscheidend, sondern der bestehende Hilfsbedarf.

Was zahlt die Pflegekasse bei einem Stoma?

Bei einer vorliegenden Pflegebedürftigkeit beschäftigt die Unterbringung Pflegebedürftige und pflegende Angehörige meist besonders. Eine Stomaanlage ist kein Grund für eine Unterbringung in einem Pflegeheim. Doch ergibt sich eine ausgeprägte Pflegebedürftigkeit aufgrund anderer Ursachen, sind Sie beispielsweise schwer krebskrank, kann eine Pflegeeinrichtung die intensive Pflege sicherstellen. Die Pflegekasse beteiligt sich dann an den Pflegekosten in Abhängigkeit von dem Pflegegrad. Viele Menschen mit einem Stoma erhalten eine häusliche Pflege, die ebenfalls von der Pflegekasse unterstützt wird. Mit dem Pflegegeld können Sie beispielsweise eine Haushaltshilfe oder eine polnische Pflegekraft beschäftigen. Außerdem können Sie den Betrag als Dank an pflegende Angehörige weitergeben. Mit einem Stoma dürften die Pflegesachleistungen besonders interessant für Sie sein. Das Budget, ausgerichtet nach dem Pflegegrad, ist ausnahmslos für professionelle Pflegedienstleistungen vorgesehen – damit können Sie die Stomapflege in die Hände eines ambulanten Pflegedienstes geben.

Folgende Tabelle zeigt Ihnen die unterschiedlichen Leistungen auf:

Pflegegrad
Pflegegeld
Pflegesachleistungen
Vollstationäre Pflege
1 0 € 0 € 0 €
2 332 € 761 € 770 €
3 573 € 1432 € 1262 €
4 765 € 1778 € 1775 €
5 947 € 2200 € 2005 €

Tabelle 3: Übersicht finanzielle Leistungen für Pflegebedürftige. Quelle: eigene Darstellung

Wie können Patienten mit einem Stoma eine Haushaltshilfe finanzieren?

Liegt bei Ihnen eine Pflegebedürftigkeit vor, können Sie womöglich Ihren Haushalt nicht mehr selbstständig führen – vielleicht fehlt Ihnen die Kraft, das Organisationsvermögen oder aufgrund einer psychischen Erkrankung die Motivation. Eine Haushaltshilfe kann Sie beispielsweise beim Einkaufen, der Badezimmerreinigung oder dem Kochen unterstützen. Die Pflegekasse beteiligt sich zwar nicht direkt an der Beschäftigung einer Haushaltshilfe, allerdings können Sie den Entlastungsbetrag (monatlich 125 Euro) oder das Pflegegeld für die Beauftragung einplanen.

Entlastungsleistungen bei Stoma

Auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sein oder eine lückenlose Pflege sicherstellen – sowohl Pflegebedürftige als auch pflegende Angehörige können die Pflegesituation als anspruchsvoll empfinden. Zusätzliche Pflegetätigkeiten aufgrund einer Stomaanlage können den Pflegealltag weiter belasten. Die Pflegekasse bietet spezielle Entlastungsangebote an. Diese sorgen, wie die Bezeichnung nahelegt, nicht nur für Entlastung, sondern auch für eine bessere Vereinbarkeit zwischen Pflege und Beruf.

Auf folgende Entlastungsleistungen können Sie mit einem Pflegegrad zurückgreifen:

  • Tages- und Nachtpflege: Eine lückenlose Versorgung, auch nachts, ist in vielen Haushalten nicht möglich. Eine Option ist dann die Tages- und Nachtpflege. Dabei halten Sie sich für einige Stunden tagsüber oder nachts in einer Pflegeeinrichtung auf – Ihr Angehöriger kann in der Zeit arbeiten oder sich um andere wichtige Angelegenheiten kümmern.
  • Kurzzeitpflege: Es gibt Situationen im Leben, in denen eine häusliche Pflege vorübergehend nicht möglich ist. Das kann der Fall sein, wenn die Pflegeumgebung erst auf Sie zugeschnitten werden muss oder der Pflegebedarf vorübergehend sehr hoch ist. Mit einem festen Budget der Pflegekasse können Sie die Kurzzeitpflege und so eine vorübergehende stationäre Unterbringung beanspruchen.
  • Verhinderungspflege: Ihr Angehöriger kümmert sich aufopferungsvoll um Ihre Pflege? Dann hat er in regelmäßigen Abständen eine Auszeit verdient. Mit der Verhinderungspflege kann die Pflegeperson in den Urlaub fahren – das ermöglicht ein Budget für eine Ersatzpflegekraft von der Pflegekasse. Die Verhinderungspflege greift übrigens auch, wenn Ihr Angehöriger erkrankt ist und sich deshalb nicht um die Pflege kümmern kann.
  • Betreuungs- und Entlastungsleistungen: Jeden Monat können Sie auf bis zu 125 Euro zurückgreifen und damit ausgewählte Betreuungsangebote und Entlastungsleistungen, beispielsweise in Form einer Haushaltshilfe, für sich nutzen. Das Angebot der Pflegekasse kann Ihren Angehörigen wesentlich entlasten.

Entlastungsleistungen auf einen Blick

Pflegegrad
Tages- und Nachtpflege
Kurzzeitpflege
Verhinderungspflege
Entlastungsbetrag
1 0 € 0 € 0 € 125 €
2 689 € 1774 € 1612 € 125 €
3 1298 € 1774 € 1612 € 125 €
4 1612 € 1774 € 1612 € 125 €
5 1995 € 1774 € 1612 € 125 €

Tabelle 4: Übersicht Entlastungsleistungen. Quelle: eigene Darstellung

Pflegehilfsmittelpauschale für Stomaträger

Bei einem Stoma ist eine hygienische Pflegeumgebung besonders wichtig. Das können verschiedene Pflegehilfsmittel zum Verbrauch wie Einmalhandschuhe, Bettschutzeinlagen oder Desinfektionsmittel sicherstellen. Auch hier hilft Ihnen die Pflegekasse weiter – sie stellt Ihnen monatlich 40 Euro im Rahmen der Pflegehilfsmittelpauschale für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch zur Seite. Wenn Sie die Sanubi-Pflegebox nutzen, liefern wir Ihnen Ihre gewünschten Artikel kostenlos nach Hause. Für Material rund um die Stomaversorgung wie Stomabeutel oder Basisplatten ist übrigens die Krankenkasse verantwortlich.

Pflegegrad bei Stoma: Unterstützungsleistungen für Anpassungen im häuslichen Umfeld

Bei einer vorliegenden Pflegebedürftigkeit bietet es sich an, die häusliche Umgebung näher unter die Lupe zu nehmen. Sind die Treppen ein großes Hindernis für Sie? Dann könnte ein Treppenlift eine Lösung sein. Stellt Sie die Dusche oder Toilette vor eine große Herausforderung, ist ein barrierefreies Bad eine gute Möglichkeit, um den Alltag zu erleichtern. Um Barrieren im Pflegeumfeld abzubauen, können Sie einen Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen beanspruchen – die Pflegekasse zahlt hier bis zu 4000 Euro aus. Außerdem beteiligt sie sich an einem Hausnotrufsystem mit 25,50 Euro pro Monat – nach der Anschaffung können Sie schnell und unkompliziert Hilfe verständigen, beispielsweise nach einem Sturz.

FAQ: Häufige Fragen zum Pflegegrad bei Stoma