Unter dem Begriff „Arthritis“ werden verschiedene entzündliche Gelenkerkrankungen zusammengefasst.[1] Meistens ist damit die rheumatoide Arthritis gemeint, die hierzulande etwa 560.000 bis 830.000 Menschen betrifft.[2] Dabei leiden Betroffene unter einer chronischen Entzündung meist mehrerer Gelenke[3] – genau das kann den Alltag früher oder später sehr anstrengend gestalten. Eine Pflegebedürftigkeit kann sich beispielsweise durch eine Bewegungseinschränkung der betroffenen Gelenke und durch anhaltende Schmerzen ergeben. Sind Patienten auf eine pflegerische Versorgung angewiesen, können Sie sich an die Pflegekasse wenden. Mit einem Pflegegrad stehen hier zahlreiche Leistungen zur Verfügung, die den pflegerischen Alltag vereinfachen.

Wir erklären Ihnen, wann eine Arthritis zu einem Pflegegrad führen kann und zu welchem Zeitpunkt Sie diesen beantragen sollten. Außerdem geben wir Ihnen Tipps für die Beantragung und zeigen Ihnen, welche Leistungen Sie unterstützen können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mediziner verstehen unter einer Arthritis entzündliche Gelenkerkrankungen – fehlgeleitete Prozesse des Immunsystems sind häufig die Ursache (rheumatoide Arthritis).
  • Durch anhaltende Beschwerden wie Schmerzen, Schwellungen und steife Gelenke kann sich ein konkreter Hilfsbedarf bei Betroffenen ergeben.
  • Die Pflegekasse kann bei einer vorliegenden Pflegebedürftigkeit Pflegegrad 1-5 zuteilen.
  • Nur mit einem Pflegegrad können Pflegebedürftige Leistungen wie Pflegegeld, Pflegesachleistungen oder den Entlastungsbetrag beanspruchen.
  • Eine rheumatoide Arthritis kann voranschreiten und im Spätstadium erhebliche Gelenkschäden verursachen – der Pflegegrad kann also mit der Zeit ansteigen.

Was ist Arthritis?

Der Begriff „Arthritis“ sagt zunächst erst einmal nur aus, dass eine Entzündung eines oder mehrerer Gelenke vorliegt. Prinzipiell kann jedes Gelenk im Körper entzündet sein, selbst das in der kleinen Zehe. Die Gelenkentzündungen werden häufig nach Ursache und Verlauf eingeteilt. Ein Beispiel für eine akute Gelenkentzündung ist eine bakterielle Arthritis – hierbei gelangen Keime in das Gelenk und verursachen die Beschwerden. Eine chronische Form liegt bei einer rheumatoiden Arthritis vor.5 Dabei greifen Immunzellen das körpereigene Gewebe an.[1] Eine Arthritis kann auch aufgrund von Stoffwechselerkrankungen wie Gicht entstehen. Unabhängig von der Ursache treten bei Betroffenen Entzündungsanzeichen wie Rötungen, Schwellungen und Schmerzen auf.[2]

Sind Arthritis -Patienten automatisch pflegebedürftig?

Eine akute Arthritis heilt mit einer gezielten Behandlung in der Regel vollständig aus. Anders ist das bei der rheumatoiden Arthritis. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die nicht heilbar ist. Wird die Diagnose rechtzeitig gestellt und eine Behandlung eingeleitet, können Schäden an den Gelenken verhindert oder zumindest hinausgezögert werden – eine Garantie gibt es dafür aber nicht.4 Menschen mit Arthritis sind nicht automatisch pflegebedürftig, können es aber im Verlauf der Erkrankung durchaus werden. Die zugehörigen Beschwerden wie der Gelenkschmerz, die Morgensteifigkeit, die Bewegungseinschränkungen und das allgemeine Krankheitsgefühl können die Selbstständigkeit stark einschränken. Betroffene sind dann womöglich nicht mehr in der Lage, den Alltag selbst zu bewältigen – auch deshalb, weil bei einer rheumatoiden Arthritis häufig die Hand- und Fußgelenke involviert sind und diese bei tagtäglichen Aufgaben sehr wichtig sind.6

Gut zu wissen!

Wird die rheumatoide Arthritis nicht behandelt, führt sie in 80 % der Fälle innerhalb von 10 Jahren zu bleibenden Gelenkveränderungen.[1]

Arthritis und Pflege: Wie beeinflusst die Gelenkentzündung den Pflegebedarf?

Erhalten Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis keine Behandlung, kann die Erkrankung sehr unterschiedlich verlaufen. Bei manchen Betroffenen sind innerhalb weniger Monate beinahe alle Gelenke durch Entzündungen „eingenommen“, bei anderen konzentrieren sich die Entzündungen viele Jahre auf nur wenige Gelenke. Das Problem: Ohne zielführende Therapie kann die Krankheit die Gelenke so weit zerstören, dass sie letztendlich vollständig versteifen – ein normales Leben und ein geregelter Alltag sind ohne fremde Hilfe dann nicht mehr möglich.[2] Doch die Entzündungsprozesse setzen nicht nur den Gelenken zu, sondern auch den Blutgefäßen. Aus diesem Grund erhöht sich bei Betroffenen auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gepaart mit Bluthochdruck, Diabetes oder hohen Cholesterinwerten steigt das Risiko weiter und damit womöglich auch der Pflegebedarf. Nicht selten liegt bei Patienten auch eine Kombination aus unterschiedlichen Erkrankungen vor, die eine Pflegebedürftigkeit ergibt. Kommt nun noch die Arthritis hinzu, kann der Hilfsbedarf stark ansteigen.

Die Ausprägung des Hilfsbedarfs ist davon abhängig, in welcher Körperregion die Arthritis auftritt und wie stark die Beschwerden sind. Häufig begrenzt sich die Arthritis aber nicht ausschließlich auf die unteren oder oberen Extremitäten, sondern betrifft mehrere.

  • Die unteren Extremitäten sind betroffen: Starke Schwellungen, Schmerzen und Steifheit in den Beinen und Füßen sind unangenehm und können den Bewegungsablauf stören. Betroffene sind nun womöglich auf eine Unterstützung bei der Mobilität angewiesen – auch Hilfsmittel wie ein Gehstock oder ein Rollator können nun sinnvoll sein.
  • Die oberen Extremitäten sind betroffen: Hände und Arme sind im Alltag besonders häufig im Einsatz, zum Beispiel bei der Haushaltsführung, der Nahrungszubereitung oder der Körperpflege. Bewegungseinschränkungen und Schmerzen in diesen Körperbereichen können Betroffene daher stark beeinträchtigen. Womöglich benötigen sie nun Unterstützung beim Haarewaschen, Zähneputzen oder dem Kochen.
  • Das Kiefergelenk ist betroffen: Gelenkentzündungen können auch das Kiefergelenk miteinbeziehen. Schmerzen, eine eingeschränkte Beweglichkeit sowie Schwellungen sind auch hier typisch und erschweren die Nahrungsaufnahme. Jetzt kann es sinnvoll sein, leicht zu verzehrende Speisen wie Suppen oder Püree zu reichen. Pflegende Angehörige können in Absprache mit dem Therapeuten womöglich auch leichte Kieferübungen nach der Beschwerdebesserung begleiten.[3]

Pflegegrad bei Arthritis: Voraussetzungen und Einstufung

Eine Arthritis kann in jedem Alter auftreten. Durch Verletzungen kann es beispielsweise auch bei jungen Patienten zu einer Einwanderung von Keimen in die Gelenke kommen. An der rheumatoiden Arthritis können ebenfalls Kinder erkranken, meistens zeigt sich die Erkrankung aber nach dem 50. Lebensjahr.[1] Noch immer gehen viele Personen davon aus, dass ein Pflegegrad ausschließlich für Menschen in Betracht kommt, die aufgrund ihres Alters Unterstützung benötigen. Allerdings ist dem nicht so. Auch eine durch einen Unfall oder Krankheit ausgelöste Pflegebedürftigkeit wird bei der Verteilung eines Pflegegrads berücksichtigt. Bitte beachten Sie: Selbst bei einem ausgeprägten Arthritis-Befund erhalten Sie nicht automatisch einen Pflegegrad von der Pflegekasse. Bei einem Hilfsbedarf müssen Sie sich aktiv um einen Pflegegrad bemühen. Für eine Bewilligung gilt es aber einige Voraussetzungen zu erfüllen.

Voraussetzungen für einen Pflegegrad bei Arthritis

Hierzulande erhält jeder Mensch einen Pflegegrad, der die vorgesehenen Voraussetzungen erfüllt. Bei einer Arthritis kann die Pflegekasse grundsätzlich einen Pflegegrad zuteilen, hier kommt es allerdings maßgeblich auf die Ausprägung der Pflegebedürftigkeit an.

Arthritis: Voraussetzungen für einen Pflegegrad

  • Sie haben in die Pflegeversicherung eingezahlt, und zwar für mindestens 2 Jahre innerhalb der letzten 10 Jahre. Die Alternative ist eine bestehende Familienversicherung.
  • Ihre Selbstständigkeit ist aufgrund der Arthritis nachweislich beeinträchtigt, Sie kommen im Alltag also nicht ohne die Hilfe anderer Menschen aus.
  • Die Pflegebedürftigkeit besteht voraussichtlich dauerhaft oder aber über mindestens 6 Monate hinweg.

Gut zu wissen!

Die Pflegekasse genehmigt Ihren Antrag auf einen Pflegegrad nur dann, wenn Sie alle Voraussetzungen erfüllen. Keine Sorge, die Pflegekasse stellt das automatisch im Antragsverfahren für Sie fest.

Arthritis: Welcher Pflegegrad passt?

Vielleicht denken Sie bei einer Pflegebedürftigkeit noch immer an die Pflegestufen. Diese bildeten bis zum Jahr 2017 den Pflegebedarf ab, danach wurden sie nahtlos von den Pflegegraden ersetzt. Die Pflegegrade haben den Vorteil, dass sie nicht nur körperliche Einschränkungen, sondern auch einen Hilfsbedarf, ausgelöst durch kognitive oder psychische Beeinträchtigungen, berücksichtigen. Die Pflegegrade konzentrieren sich voll und ganz auf die Einschränkung der Selbstständigkeit. Für Sie bedeutet das: Ist die Arthritis fortgeschritten und verursacht zahlreiche Beschwerden, erhalten Sie einen höheren Pflegegrad als jemand, der mit weitaus weniger Einschränkungen zu kämpfen hat. Einen speziellen Pflegegrad für die chronische Arthritis gibt es nicht. Das liegt daran, dass nicht die Erkrankung selbst, sondern ausschließlich der Pflegebedarf zählt.

Übersicht Pflegegrad bei Arthritis

Bei einer akuten Arthritis, die folgenlos und vergleichsweise zügig abheilt, benötigen Sie keinen Pflegegrad. Glücklicherweise sind Sie dabei nicht dauerhaft auf eine Pflege angewiesen. Bei einer rheumatoiden Arthritis kann aber durchaus ein Pflegegrad sinnvoll und notwendig sein. Wie bereits erwähnt, berücksichtigt die Pflegekasse bei der Verteilung des Pflegegrades die Selbstständigkeit – doch wie groß müssen die Einbußen für die verschiedenen Pflegegrade sein? Folgende Tabelle listet auf, wie groß die Beeinträchtigung für den jeweiligen Pflegegrad sein muss.

Pflegegrad
Grad der Beeinträchtigung
Möglicher Pflegebedarf
1 Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit Begleitung zu Arztterminen Unterstützung bei der Medikamenteneinnahme
2 Erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit Hilfsbedarf bei der Nahrungszubereitung und Körperpflege
3 Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit Unterstützung beim Treppensteigen, Haarewaschen und bei der Nahrungszubereitung
4 Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit Begleitung zu Arztterminen bzw. Therapieeinrichtungen, Sicherstellung der Ernährung, Mobilität und Körperpflege
5 Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung Ein Hilfsbedarf besteht rund um die Uhr, zum Beispiel in den Bereichen Mobilität, Ernährung und Körperpflege

Tabelle 2: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Pflegegrade (vdek.com)

Was passiert mit dem Pflegegrad, wenn Arthritis-Patienten versterben?

Eine rheumatoide Arthritis kann die Lebenszeit verkürzen – bei einer nicht ausreichenden bzw. optimalen Behandlung ist die durchschnittliche Lebenserwartung im Vergleich zur Normalbevölkerung um bis zu 13 Jahre geringer.7 Versterben Menschen mit Arthritis, verfällt ihr Pflegegrad. Dieser kann also nicht auf pflegende Angehörige, Freunde oder andere Menschen übertragen werden.

Pflegegrad bei Arthritis beantragen

Die Diagnose Arthritis zieht nicht unbedingt eine Pflegebedürftigkeit nach sich. Doch auch wenn aufgrund ausgeprägter Beschwerden ein konkreter Hilfsbedarf vorliegt, müssen Sie zunächst einen Pflegegrad beantragen – eine automatische Zuteilung erfolgt seitens der Pflegekasse nicht. Das liegt daran, dass diese erst herausfinden muss, wie stark und in welchen Bereichen Sie tatsächlich eingeschränkt sind.

Wann sollten Menschen mit Arthritis einen Pflegegrad beantragen?

Grundsätzlich gilt: Betroffene sollten dann einen Pflegegrad beantragen, wenn sie im Alltag spüren, dass sie eingeschränkt sind. Das kann ganz unterschiedliche Bereiche betreffen, zum Beispiel die Körperpflege, die Mobilisation, die Ernährung, die Orientierung, die Haushaltsführung und vieles mehr. Einen festen Zeitpunkt für die Beantragung, zum Beispiel drei Jahre nach Diagnosestellung, gibt es nicht. Daher raten wir Ihnen, Ihren Alltag aufmerksam zu beobachten. Wie wäre es, wenn Sie ein Pflegetagebuch führen? Hier können Sie genau notieren, welche Aufgaben Ihnen im Alltag schwerfallen und wo Sie ohne Unterstützung gar nicht zurechtkommen. Mit einem Pflegetagebuch schlagen Sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen erhalten Sie einen Überblick über Ihre Situation und zum anderen können Sie später auch dem Gutachter Ihre Pflegenotizen zeigen.

Gut zu wissen!

Scheuen Sie sich nicht, einen Pflegegrad zu beantragen, auch wenn Ihr Hilfsbedarf übersichtlich erscheint. Schon ab Pflegegrad 1 können Sie von zahlreichen Maßnahmen profitieren, wie dem Entlastungsbetrag oder dem Monatsbudget für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch.

Was sind Anzeichen für eine Pflegebedürftigkeit bei Arthritis?

Sie haben Einschränkungen in Ihrem Alltag beobachtet, sind sich aber nicht sicher, ob Sie damit die Kriterien für eine Pflegebedürftigkeit erfüllen? Bitte denken Sie daran, dass nicht Sie für die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit zuständig sind, sondern die Pflegekasse, die wiederum mit dem Medizinischen Dienst, früher MDK, zusammenarbeitet.

Für eine erste Orientierung können Sie auf folgende Anhaltspunkte achten:

  • Sie sind aufgrund von Schmerzen, Bewegungseinschränkungen oder anderen Beschwerden nicht in der Lage, sich die Speisen zuzubereiten oder zu zerkleinern.
  • Durch die Gelenksteifigkeit fällt Ihnen die Mobilität im Alltag schwer, beispielsweise das Treppensteigen oder das Umsetzen.
  • Tätigkeiten, die in den Bereich der Körperpflege fallen sind ohne fremde Hilfe nur eingeschränkt oder nicht mehr möglich.
  • Sie können nicht selbstständig Arzttermine bzw. Therapieangebote wahrnehmen und/oder ihre Medikamente einnehmen.
  • Aufgrund anderer Erkrankungen haben Sie weitere Beeinträchtigungen, Ihnen fällt beispielsweise die Orientierung aufgrund einer Demenz schwer.

So beantragen Sie einen Pflegegrad bei Arthritis

Sie möchten einen Pflegegrad beantragen und sich so Leistungen der Pflegekasse sichern? Dann ist die Pflegekasse die richtige Anlaufstelle für Sie. Wir verraten Ihnen, wie Sie den Antrag in nur wenigen Schritten stellen und worauf Sie dabei achten sollten.

Pflegegrad bei Arthritis: Schritt für Schritt zum Pflegegrad

Die gute Nachricht zuerst: Innerhalb von 25 Arbeitstagen erfahren Sie, ob und welcher Pflegegrad Ihnen zusteht. Folgen Sie für die Beantragung einfach folgenden Schritten.

Schritt 1 – Suchen Sie das richtige Formular heraus: Keine Sorge, bei dem Pflegegrad-Antrag wartet keine Zettelwirtschaft auf Sie. Nur ein einzelnes Formular ist dafür vorgesehen. Die für Sie zuständige Pflegekasse ist an Ihre Krankenkasse angegliedert. Halten Sie deshalb im Downloadbereich Ihrer Krankenkasse Ausschau nach einem Formular mit der Bezeichnung: „Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung“. Die Pflegekasse kann Ihnen das Formular auch auf Wunsch per Post oder E-Mail zusenden.

Schritt 2 – Füllen Sie das Formular aus: Die Pflegekasse muss einiges über Sie erfahren, um den Antrag reibungslos bearbeiten zu können. Neben persönlichen Informationen erfragt sie auch, wer die Pflege sicherstellt und erkundigt sich, ob Sie direkt Leistungen wie die Pflegesachleistungen beantragen möchten. Haben Sie alle Zeilen ausgefüllt, überprüfen Sie unbedingt noch einmal, ob Sie nichts vergessen haben. So vermeiden Sie Rückfragen der Pflegekasse.

Schritt 3 – Nehmen Sie den Anruf vom MD an: Die Pflegekasse arbeitet eng mit dem Medizinischen Dienst (MD) zusammen, um den richtigen Pflegegrad für Sie zu finden. Dieser führt die sogenannte Pflegebegutachtung in Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus durch. Ziel ist es, herauszufinden, wie stark Ihre Selbstständigkeit beeinträchtigt ist. Vor dem Besuch ruft Sie ein Mitarbeiter an, um mit Ihnen einen Termin abzustimmen.

Schritt 4 – Warten Sie auf eine Mitteilung der Pflegekasse: Innerhalb einer Frist von 25 Arbeitstagen erhalten Sie den Bescheid der Pflegekasse. Darin ist festgeschrieben, ob Ihnen ein Pflegegrad zugeteilt wurde und wie hoch dieser ist. Haben Sie einen Pflegegrad erhalten, können Sie ab nun verschiedene Angebote der Pflegekasse beanspruchen. Wenn Sie Pflegegrad 1 haben, erkundigen Sie sich vorab, ob die verschiedenen Leistungen Ihnen auch zustehen – viele Angebote sind nämlich nur für Menschen ab Pflegegrad 2 vorgesehen.

Schritt 5 – Sichten Sie den Bescheid noch einmal genau: Wahrscheinlich sind Sie sehr glücklich, dass Sie einen Pflegegrad erhalten haben und nun tatkräftige Unterstützung im Alltag bekommen. Doch bevor Sie den Bescheid zur Seite legen, prüfen Sie ihn noch einmal genau. Haben Sie Einwände, können Sie innerhalb eines Monats schriftlich einen Widerspruch einlegen, das machen Sie ebenfalls bei der Pflegekasse.

Höheren Pflegegrad bei Arthritis beantragen

Viele Pflegebedürftige berichten davon, dass sich die Pflegesituation im Laufe der Zeit verändert hat. Dafür kann es viele Gründe geben. So kann eine primäre Erkrankung, beispielsweise die Arthritis, voranschreiten. Nehmen Bewegungseinschränkungen zu oder kommt es zu Schädigungen der Gelenke, hat das mit großer Wahrscheinlichkeit auch weitreichende Folgen für Ihren Alltag. Konnten Sie sich zu Beginn der Erkrankung noch völlig selbstständig für den Tag frisch machen, fällt Ihnen jetzt vielleicht sogar das Zähneputzen schwer. Die zusätzlichen Beeinträchtigungen müssen aber nicht zwangsläufig mit der Arthritis in Verbindung stehen. Vielleicht sind andere Erkrankungen mit weiteren Beschwerden hinzugekommen oder die Alterungsprozesse fordern ihren Tribut. Egal, wodurch Ihre Selbstständigkeit weiter abgenommen hat, beschäftigen Sie sich am besten frühzeitig mit einer Höherstufung. Sie ermöglicht es Ihnen, einen höheren Pflegegrad und somit weitere Leistungen der Pflegekasse zu erhalten. Sie möchten einen Höherstufungsantrag stellen? Dann nehmen Sie sich einfach noch einmal den „Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung“ zur Hand. Setzen Sie diesmal das Kreuz bei dem Kästchen „Höherstufungsantrag“. Nun füllen Sie das Formular wie gewohnt aus und senden es an die Pflegekasse. Im weiteren Verfahren überprüft ein Gutachter erneut Ihre Selbstständigkeit und empfiehlt, bei Bedarf, einen höheren Pflegegrad.

Kann ich einen Pflegegrad für meinen Angehörigen mit Arthritis stellen?

Eine Arthritis reduziert die kognitive Leistungsfähigkeit nicht – viele Betroffene sind also selbst dazu in der Lage, einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung zu stellen. Allerdings kann die Schreibfähigkeit durch massive Gelenkveränderungen und Schmerzen abnehmen. Ist das der Fall, oder verhindern andere Erkrankungen eine selbstständige Antragstellung, können beispielsweise Angehörige einspringen. Damit die Pflegekasse den Antrag bearbeiten kann, muss diesem jedoch eine Vollmacht bzw. eine Vorsorgevollmacht beiliegen. Angehörige können übrigens für sich keinen Pflegegrad bei der Pflegekasse beantragen. Trotzdem sind die entsprechenden Entlastungsleistungen auch für sie vorgesehen, wie der Entlastungsbetrag, die Tages- und Nachtpflege und das Pflegegeld.

Pflegebegutachtung bei Arthritis: Ablauf und Kriterien

Haben Sie den Antrag losgeschickt, beschäftigt sich die Pflegekasse damit und beauftragt den Medizinischen Dienst. Dieser wiederum ist für die Pflegebegutachtung zuständig. Die Pflegebegutachtung findet in Ihrem häuslichen Umfeld statt – der Gutachter schaut sich dabei an, wie selbstständig Sie in verschiedenen Lebensbereichen sind. Die entsprechenden Informationen sind sehr wichtig, denn davon leitet die Pflegekasse den späteren Pflegegrad ab. Bei der Pflegebegutachtung können Sie sicher sein, dass Sie einheitlich ist und somit immer gleich abläuft. Für das Verfahren spielt es also keine Rolle, ob sich die Pflegebedürftigkeit aufgrund einer Arthritis, eines Herzinfarktes oder einer Multiple Sklerose ergibt. Unsere Tabelle zeigt Ihnen die insgesamt sechs Module auf, die für die Pflegebegutachtung relevant sind.

Modul
Modulbezeichnung Mögliche
Fragen/Themen bei Arthritis
1 Mobilität Ist die Mobilität durch die Arthritis eingeschränkt, fällt es Ihnen beispielsweise schwer, die Treppen zu nutzen oder sich umzusetzen?
2 Kognitive und kommunikative Fähigkeiten Haben Sie Probleme bei der Orientierung oder damit, mit anderen Menschen zu kommunizieren?
3 Verhaltensweisen und psychische Problemlagen Leiden Sie unter Angststörungen, depressiven Verstimmungen oder anderen psychischen Problemen?
4 Selbstversorgung Inwieweit sind Sie in der Lage, sich im Alltag selbst zu versorgen – wie klappt beispielsweise die Nahrungszubereitung oder die Körperpflege?
5 Umgang mit krankheits- und behandlungsbedingten Anforderungen Hier stehen die Fragen im Raum, inwieweit Sie Ihre Medikamente selbst einnehmen können und Arztbesuche selbstständig wahrnehmen.
6 Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte Wie klappt die Planung Ihres Alltags und können Sie die Tätigkeiten auch selbst durchführen? Können Sie den Kontakt zu Ihren Freunden und Ihrer Familie selbstständig pflegen?

Tabelle 2: Kriterien bei der Pflegebegutachtung. Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Pflegebegutachtung: Worauf muss ich achten? | gesund.bund.de und Das Begutachtungsinstrument | Pflegebedürftigkeit und Pflegebegutachtung | Medizinischer Dienst Bund (md-bund.de)

Um Ihre individuelle Pflegesituation genau abbilden zu können, beschäftigt sich der Gutachter mit Einzelkriterien, die den Modulen zugeordnet sind – die Beurteilung erfolgt mittels Punkte. Allerdings sind die Module unterschiedlich gewichtet, denn nicht alle Module sind gleichermaßen wichtig für Ihren Alltag. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der „Selbstversorgung“, die unter anderem die Ernährung umfasst.

Arthritis: wie viele Punkte für welchen Pflegegrad?

Jedem Pflegegrad ist eine feste Spanne an Punkten zugeordnet.

  • Pflegegrad 1: 12,5 bis unter 27,0 Punkte
  • Pflegegrad 2: 27 bis unter 47,5 Punkte
  • Pflegegrad 3: 47,5 bis unter 70 Punkte
  • Pflegegrad 4: 70 bis unter 90 Punkte
  • Pflegegrad 5: 90 bis 100 Punkte

Welche Leistungen stehen mir bei Arthritis zu?

Zwei wichtige Kostenträger stehen Ihnen im Fall einer Arthritis üblicherweise zur Seite. Zum einen die Krankenkasse, die die Kosten für Behandlungen, Medikamente und Rehabilitationsangebote übernimmt. Zum anderen die Pflegekasse, die sich um (fast) alles rund um das Thema Pflege kümmert. Lassen Sie uns nun gemeinsam entdecken, welche Leistungen die Pflegekasse für Arthritis-Patienten bereithält.

Was zahlt die Pflegekasse bei Arthritis?

Die Pflege verursacht Kosten, und zwar in jedem Fall. Selbst dann, wenn sich pflegende Angehörige um die Versorgung kümmern, stehen Fahrtkosten oder entfallene Arbeitsstunden im Raum. Die Pflegekasse hat passende Angebote für die häusliche Versorgung und die Pflege in einer Einrichtung.

  • Arthritis-Pflege zuhause: Pflegerische Bedürfnisse können bei einer Arthritis in der Regel in der häuslichen Umgebung erfüllt werden, entweder mit der Hilfe von Angehörigen oder durch die Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes. Das Pflegegeld steht Pflegebedürftigen zur freien Verfügung und kann als „Aufwandsentschädigung“ an ehrenamtliche Pflegepersonen weitergegeben werden. Möchten Sie professionelle Pflegeleistungen empfangen, können Sie dafür ein besonderes Angebot der Pflegekasse einsetzen: die Pflegesachleistungen. Sowohl das Pflegegeld als auch die Pflegesachleistungen sind von der Höhe her an Ihren Pflegegrad geknüpft.
  • Arthritis-Pflege in einer Einrichtung: Eine Arthritis kann im Spätstadium, insbesondere in Kombination mit weiteren Erkrankungen, eine Unterbringung in einem Pflegeheim sinnvoll erscheinen lassen. Die Pflegekasse greift Ihnen dann mit einem festen Budget unter die Arme.
Pflegegrad
Pflegegeld
Pflegesachleistungen
Vollstationäre Pflege
1 0 € 0 € 0 €
2 332 € 760 € 770 €
3 572 € 1.431 € 1262 €
4 764 € 1.778 € 1775 €
5 946 € 2.200 € 2005 €

Tabelle 3: Übersicht finanzielle Leistungen für Pflegebedürftige. Quelle: eigene Darstellung

Diese Entlastungsleistungen stehen Menschen mit Arthritis zu

Mit Entlastungsleistungen können Betroffene und Angehörige gezielt einer Überforderung entgegenwirken. Die Pflegekasse unterstützt hier mit verschiedenen Leistungen, die meisten davon können Sie jedoch erst mit Pflegegrad 2 beanspruchen.

  • Budget für Tages- und Nachtpflege: Gestaltet sich die Pflege sehr intensiv, können sich Angehörige häufig nicht mehr ausreichend um ihre Bedürfnisse kümmern, zum Beispiel einem Beruf nachgehen. Die Tages- und Nachtpflege bietet hier eine gute Lösung. Dabei halten sich Pflegebedürftige für feste Zeiten in einer Pflegeeinrichtung und danach wieder im häuslichen Umfeld auf. Diese Zeit können Angehörige nutzen, um zu verschnaufen oder Angelegenheiten zu regeln.
  • Budget für die Kurzzeitpflege: Nicht immer ist es möglich, die pflegerischen Belange im häuslichen Umfeld zu erfüllen. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn ein Krankenhausaufenthalt eine vorübergehende intensive Pflege notwendig macht oder die Pflegeumgebung sich derzeit im Umbau befindet. Mit der Kurzzeitpflege erhalten Betroffene ein Budget für die zeitlich befristete Unterbringung in einem Pflegeheim.
  • Budget für die Verhinderungspflege: Krankheit, Urlaub oder akute Überlastung – es gibt viele Gründe, warum pflegende Angehörige vorübergehend verhindert sein können. Mit der Verhinderungspflege erhalten Pflegebedürftige ein Budget zur Seite gestellt, mit dem Sie für einen vorübergehenden Ersatz sorgen können – hier kommt beispielsweise ein ambulanter Pflegedienst
  • Budget für Betreuungs- und Entlastungsleistungen: Viele Menschen, die gepflegt werden, profitieren von Betreuungsangeboten und einer Haushaltshilfe. Genau dafür ist der sogenannte Entlastungsbetrag vorgesehen, der bereits ab Pflegegrad 1 zur Verfügung steht.

Entlastungsleistungen auf einen Blick

Pflegegrad
Tages- und Nachtpflege
Kurzzeitpflege
Verhinderungspflege
Entlastungsbetrag
1 0 € 0 € 0 € 125 €
2 689 € 1774 € 1612 € 125 €
3 1298 € 1774 € 1612 € 125 €
4 1612 € 1774 € 1612 € 125 €
5 1995 € 1774 € 1612 € 125 €

Tabelle 4: Übersicht Entlastungsleistungen. Quelle: eigene Darstellung

Leistungen für Wohnraumanpassungen bei Arthritis

Das Pflegeumfeld an die pflegerischen Bedürfnisse anzupassen, ist stets ein guter Plan. Schließlich können die entsprechenden Maßnahmen die Hygiene verbessern und die Selbstständigkeit Betroffener optimieren. Die Pflegekasse ist auch hier ein zuverlässiger Helfer.

  • Hausnotruf: Pflegebedürftige, aber auch Angehörige, fühlen sich wohler, wenn sie ein gewisses Maß an Sicherheit erhalten. Genau dazu kann ein Hausnotrufsystem Durch Drücken eines Knopfes können Betroffene Hilfe verständigen. So erhalten sie beispielsweise nach einem Sturz schnelle Unterstützung und, falls nötig, eine medizinische Versorgung. Die Pflegekasse stellt jeden Monat 25,50 Euro für ein solches System bereit.
  • Pflegehilfsmittelpauschale: Insbesondere in der Pflegeumgebung sind Hygienemaßnahmen wichtig. Sie tragen zur Vermeidung von Infektionskrankheiten bei und steigern das Wohlbefinden. Die Pflegekasse stellt Ihnen jeden Monat 40 Euro für den Kauf von Pflegehilfsmittel zum Verbrauch bereit. Dazu zählen beispielsweise Desinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen, Einmalhandschuhe und Masken.
  • Wohnraumanpassung: Personen mit Arthritis stoßen in ihrem Umfeld häufig auf Barrieren, auch in der eigenen Wohnumgebung. Der Einstieg in die Dusche oder das Erklimmen der Treppen kann eine große Herausforderung sein. Die Pflegekasse setzt sich für ein barrierefreies Wohnumfeld ein, indem sie für einzelne Maßnahmen bis zu 4000 Euro beiträgt. Wie wäre es beispielsweise mit einem Treppenlift?

Pflegegrad bei Polyarthritis

Bei einer Polyarthritis (rheumatoide Arthritis) kommt es zeitgleich zu Entzündungen mehrerer Gelenke. Die Entzündungsgeschehen können schubweise oder dauerhaft bestehen. Betroffene leiden unter starken Schmerzen, Schwellungen, Rötungen und Morgensteifigkeit – auch Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit können den Alltag erschweren.

Gibt es einen Pflegegrad für Polyarthritis?

Es gibt keinen gesonderten Pflegegrad für Polyarthritis, Betroffene können aber durchaus einen Pflegegrad erhalten. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist unter anderem die Einschränkung der Selbstständigkeit – diese ist insbesondere im fortgeschrittenen Stadium gegeben. Welcher Pflegegrad bei Polyarthritis angezeigt ist, darauf deutet das Pflegegutachten hin.

Wann einen Pflegegrad bei Polyarthritis beantragen?

Zu Beginn der Erkrankung kommen Betroffene gut alleine zurecht. Durch Beschwerden wie Schmerzen, steife Gelenke oder Deformitäten ist der Alltag im fortgeschrittenen Stadium aber meist nicht mehr ohne Hilfe zu bewältigen. Sobald Patienten bemerken, dass sie ihre Alltagstätigkeiten nicht mehr alleine durchführen können, ist die Beantragung eines Pflegegrades bei Polyarthritis sinnvoll.

Pflegegrad und Polyarthritis: Welche Pflegekassen-Leistungen gibt es?

Anfangs ist es meist nur ein überschaubarer Hilfsbedarf, im fortgeschrittenen Krankheitsstadium kann der Pflegebedarf jedoch deutlich zunehmen. Die Pflegekasse unterstützt Betroffene und Angehörige mit verschiedenen Leistungen wie dem Pflegegeld, den Pflegesachleistungen oder dem Entlastungsbetrag. Der Umfang der Leistungen hängt hier maßgeblich vom Pflegegrad bei Polyarthritis ab.

FAQ: Häufige Fragen zum Pflegegrad bei Arthritis