Ein Herzinfarkt trifft Menschen in der Regel völlig unerwartet und kann weitreichende Folgen haben. Selbst nach einer Erholungsphase und Rehabilitation können Einschränkungen der Selbstständigkeit zurückbleiben. Zeichnen sich diese dauerhaft ab, ist die Beantragung eines Pflegegrads sinnvoll. Damit erhalten Betroffene und pflegende Angehörige Unterstützung durch die Pflegekasse.

Wir erklären Ihnen, wie es nach einem Herzinfarkt zu einer Pflegebedürftigkeit kommt. Außerdem geben wir Ihnen Tipps für den Pflegegrad-Antrag und informieren Sie über Pflegekassenleistungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Herzinfarkt muss nicht zwangsweise eine Pflegebedürftigkeit nach sich ziehen, er kann jedoch sehr wohl zu einer stark eingeschränkten Selbstständigkeit führen.
  • Menschen benötigen nach einem Herzinfarkt womöglich Hilfe bei der Grundpflege, der Kommunikation und der Alltagsgestaltung.
  • Sind Versicherte längere Zeit oder dauerhaft auf eine Pflege angewiesen, ist die Beantragung eines Pflegegrads sinnvoll.
  • Welcher Pflegegrad nach einem Herzinfarkt vorliegt, entscheidet die Pflegekasse.
  • Mit Zuteilung eines Pflegegrads können Versicherte zahlreiche Leistungen der Pflegekasse beanspruchen, wie Pflegegeld oder Pflegesachleistungen.

Was ist ein Herzinfarkt?

Bei einem Herzinfarkt, in Fachkreisen Myokardinfarkt genannt, handelt es sich um ein lebensbedrohliches Ereignis.[1] Ausgelöst wird es durch den Verschluss eines Herzkranzgefäßes. Diese speziellen Gefäße versorgen das Herz mit Nährstoffen und Sauerstoff.[2] Jetzt ist schnelles Handeln gefragt, denn gelingt es Medizinern nicht, innerhalb weniger Stunden das Herzkranzgefäß wieder zu eröffnen, stirbt das Muskelgewebe ab. Eine besondere Bedrohung während des akuten Herzinfarktes ist der plötzliche Herztod1 – er entsteht, wenn es durch den Infarkt zu einer Herzrhythmusstörung (Kammerflimmern) kommt.[3]

Sind Menschen nach einem Herzinfarkt pflegebedürftig?

Hierzulande sind etwa 300.000 Menschen jährlich von einem Herzinfarkt betroffen.1 Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind statistisch gesehen für die meisten Todesfälle in Deutschland verantwortlich. Alleine im Jahr 2021 verstarben 45.181 Personen an einem Herzinfarkt.[4] Doch viele Betroffene erholen sich auch wieder von einem Herzinfarkt, ohne bleibende Schäden. Ein weiterer denkbarer Ausgang ist eine Pflegebedürftigkeit. Erfolgt die Behandlung zu spät, ist möglicherweise viel von der Herzmuskelmasse abgestorben – Patienten können dann unter einer permanenten Herzschwäche leiden.[5] Auch ein Herzwandaneurysma, bei dem gesundes Gewebe der Herzwand vernarbt, ist möglich.[6] Atemnot, Kurzatmigkeit und Schwäche können dann den Alltag erschweren. Kurzum: Menschen sind nach einem Herzinfarkt nicht automatisch pflegebedürftig, können aber sehr wohl nach dem lebensbedrohlichen Ereignis dauerhaft auf Unterstützung aus ihrem Umfeld angewiesen sein.

Herzinfarkt und Pflegebedarf: Wie beeinflusst das Ereignis den Pflegebedarf?

Ein Herzinfarkt kommt nicht von ungefähr. Viele verschiedene Risikofaktoren wie Übergewicht, Tabakkonsum, Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Bewegungsmangel können einen Herzinfarkt begünstigen.[1] Leider treffen oft viele dieser Faktoren auf ältere Menschen zu. Nicht selten ist der Herzinfarkt das Ergebnis verkalkter Arterien, die den Blutfluss behindern – Mediziner stellen bei Herzinfarkt-Patienten dann eine sogenannte Arteriosklerose fest.[2] Womöglich besteht wegen der Grunderkrankung bereits ein Pflegegrad. Der Herzinfarkt kann den Pflegebedarf also auslösen und ihn vergrößern. Inwieweit das der Fall ist, ist sehr individuell – manche Betroffene benötigen „nur“ Unterstützung beim Einkauf, da ihnen der Transport der schweren Tüten zu schaffen macht. Andere Herzinfarkt-Patienten benötigen eine vollumfängliche Pflege, da der Herzstillstand zu einer Unterversorgung der Gehirnzellen geführt hat. Neben der Grundpflege (Mobilisation, Ernährung und Körperpflege) ist Hilfe im Haushalt, bei der Kommunikation und Organisation des Alltags gefragt. Bei einer Pflege nach einem Herzinfarkt ist es sehr wichtig, das Augenmerk auf eine individuelle Versorgung zu legen – kaum ein Pflegefall ist vergleichbar.

Gut zu wissen!

Bei Herzinfarkt-Patienten bietet sich die aktivierende Pflege an, bei der Pflegepersonen Betroffene an Pflegemaßnahmen beteiligen und so die Selbstständigkeit fördern. In Herzsportgruppen können Erkrankte zudem wieder lernen, ihrem Körper zu vertrauen und ihn (angemessen) zu belasten.

Pflegegrad nach Herzinfarkt: Voraussetzungen und Einstufung

Wenn ein Herzinfarkt eine Pflegebedürftigkeit bedingt oder zu einem Mehraufwand im Pflegealltag führt, wird bestenfalls die Pflegekasse hinzugezogen. Sie kann einen Pflegegrad zuteilen oder anpassen. Haben Sie einen Herzinfarkt erlitten? Bei einer bestehenden Einschränkung der Selbstständigkeit können Sie dann unter Umständen von zahlreichen Pflegekassenleistungen profitieren. Dazu zählen elementare Unterstützungsangebote wie die Pflegesachleistungen, mit denen Sie einen ambulanter Pflegedienst beauftragen können. Der Pflegegrad ist jedoch die Grundvoraussetzung für jede Leistungsbeanspruchung, denn er macht die Pflegebedürftigkeit und damit das Ausmaß des Hilfsbedarfs auch auf dem Papier sichtbar.

Pflegegrad nach Herzinfarkt: Voraussetzungen

Die Pflegekasse vergibt einen Pflegegrad nicht automatisch oder einfach auf Zuruf. Nur wenn Sie verschiedene Voraussetzungen erfüllen, ist die Zuteilung möglich.

Folgende Voraussetzungen müssen Sie für einen Pflegegrad mitbringen:

  • Sie haben zwei Jahre oder länger in den vergangenen zehn Jahren in die Pflegeversicherung eingezahlt oder besaßen und besitzen eine Familienversicherung.
  • Ihre Selbstständigkeit ist im Alltag nachvollziehbar eingeschränkt, sodass eine Unterstützung von außen notwendig ist.
  • Sie sind für voraussichtlich sechs Monate oder länger auf die Pflege angewiesen.

Ob Sie die einzelnen Kriterien erfüllen, prüft die Pflegekasse gemeinsam mit dem Medizinischen Dienst. Sie müssen außer dem eigentlichen Antrag also keine weiteren Schritte unternehmen.

Kann man nach einem Herzinfarkt eine Pflegestufe (Pflegegrad) beantragen?

Die Pflegegrade, früher Pflegestufen, berücksichtigen sowohl eine Pflegebedürftigkeit aufgrund psychischer als auch aufgrund körperlicher Einschränkungen. Immer dann, wenn Sie nachweislich und im erforderlichen Ausmaß in Ihrer Selbstständigkeit eingeschränkt sind, können Sie einen Pflegegrad erhalten. Da ein Herzinfarkt einen dauerhaften Hilfsbedarf auslösen kann, ist ein Pflegegrad hier nicht unüblich.

Welcher Pflegegrad nach Herzinfarkt?

Seit der Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade im Jahr 2017 können Versicherte einen von insgesamt fünf Pflegegraden erhalten. Diese orientieren sich an dem Ausmaß der Pflegebedürftigkeit und nicht an der Erkrankung. Sie können nach einem Herzinfarkt also genauso wie ein Patient mit Multiple Sklerose Pflegegrad 3 erhalten. Ein fester Pflegegrad für Herzinfarkt-Patienten wäre auch nicht zielführend, da einige nur wenig Hilfe brauchen, während andere womöglich eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung benötigen. Mit dem Unterstützungsbedarf steigt auch der Pflegegrad an. Bei einer leichten bis überschaubaren Pflegebedürftigkeit liegt zumeist Pflegegrad 1 oder Pflegegrad 2 vor. Hat der Herzinfarkt deutliche Spuren hinterlassen, erhalten Versicherte Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 oder Pflegegrad 5.

Zustand nach Herzinfarkt
Typische Beschwerden/Hilfsbedarf
Möglicher Pflegegrad
Die Selbstständigkeit ist leicht bis
mittelschwer eingeschränkt
Betroffene benötigen Unterstützung bei für sie anstrengenden Tätigkeiten wie der Besorgung von Einkäufen oder dem Haushalt. Sie sind schnell aus der Puste. 1-2
Ausgeprägte Einschränkung der Selbstständigkeit,
gegebenenfalls in Kombination mit anderen Erkrankungen
Neben den oben stehenden Symptomen/Anforderungen benötigen Betroffene unter Umständen Unterstützung bei der Einnahme von Medikamenten, dem Pflegen sozialer Kontakte und bei der Selbstversorgung (Essen, Körperpflege, Mobilisation). Ohne fremde Hilfe können Versicherte kleine und große Aufgaben im Alltag nicht mehr bewältigen. 3-5

Tabelle 1: Eigene Darstellung.

Pflegegrad nach Herzinfarkt beantragen

Sie haben den Eindruck, dass Sie Unterstützung im Alltag benötigen, weil Sie alleine nicht mehr zurechtkommen? Dann sollten Sie im ersten Schritt einen Pflegegrad beantragen. Das Antragsverfahren ist weniger aufwändig, als viele Menschen denken. Tatsächlich benötigen Sie nur ein einziges Formular, mit dem Sie, vorausgesetzt die Pflegekasse weist Ihnen einen Pflegegrad zu, gleich mehrere Leistungen beantragen können.

Wann sollte ich einen Pflegegrad nach einem Herzinfarkt beantragen?

Nach einem Herzinfarkt ist der Alltag für viele Patienten nicht mehr der gleiche. Durch die eventuell bestehende Kurzatmigkeit und das zügige Erreichen der Belastungsgrenze können selbst kleine Aufgaben zu einem großen Hindernis werden. Zeichnet es sich ab, dass Sie über längere Zeit oder vielleicht dauerhaft auf Unterstützung angewiesen sind, ist die Beantragung eines Pflegegrads auf jeden Fall ratsam. Unser Tipp: Zögern Sie nicht zu lange, denn eine intensive Pflege ohne Unterstützungsangebote kann Betroffene selbst und pflegende Angehörige stark belasten.

Lohnt sich ein Pflegegrad nach Herzinfarkt?

Sie benötigen regelmäßig Hilfe im Haushalt, bei der Wahrnehmung von Arztterminen und bei der Medikamenteneinnahme, kommen ansonsten aber gut im Alltag zurecht? Hier kann sich trotzdem ein Pflegegrad lohnen. Zwar haben Sie mit einer geringen Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (Pflegegrad 1) nicht Zugriff auf einen so umfangreichen Leistungskatalog wie bei Pflegegrad 2 oder mehr, wertvolle Unterstützung gibt es aber auch hier. So können Sie beispielsweise ein Budget für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch abrufen oder eine Pflegeberatung beanspruchen. Auch der Entlastungsbetrag, dabei handelt es sich um eine beliebte Entlastungsleistung, steht bei Pflegegrad 1 zur Verfügung.

Was sind Anzeichen für eine Pflegebedürftigkeit nach einem Herzinfarkt?

Menschen sind nach einem Herzinfarkt nicht automatisch auf eine Pflege angewiesen. Manchmal sind die Folgen durch das Ereignis aber so schwerwiegend, dass eine normale Alltagsführung ohne die Hilfe von außen unmöglich erscheint. Keine Sorge, Sie selbst müssen nicht beurteilen, ob Ihre Selbstständigkeit so weit eingeschränkt ist, dass sie einen Pflegegrad zulässt – das übernimmt der Medizinische Dienst.

Falls Sie sich dafür interessieren, was auf eine Pflegebedürftigkeit hindeutet, so können Sie auf folgende Merkmale achten:

  • Die Nahrungszubereitung/-aufnahme, Mobilität oder Körperpflege fällt Ihnen schwer.
  • Körperliche Anstrengungen, wie sie bei der Hausarbeit erforderlich sind, führen bei Ihnen zu Atemnot oder einer schnellen Ermüdung.
  • Ihnen fehlt die Kraft, sich um die alltägliche Organisation des Alltags zu kümmern.
  • Soziale Kontakte und die Gestaltung eines abwechslungsreichen Alltags sind in den Hintergrund gerückt, zum Beispiel durch Kommunikationsprobleme.
  • Sie haben seit dem Ereignis psychische Probleme, wie ausgeprägte Ängste oder Depressionen, die die Alltagsführung beeinträchtigen.

So beantragen Sie einen Pflegegrad nach einem Herzinfarkt

Die Pflegekasse ist direkt bei der Krankenkasse angesiedelt und übernimmt Angelegenheiten rund um das Thema Pflege. Sie ist der richtige Ansprechpartner, wenn es um den Pflegegrad geht. Wir zeigen Ihnen nun, mit welchen einfachen Schritten Sie diesen beantragen können.

Pflegegrad nach Herzinfarkt: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Wenige Minuten Zeit und das passende Formular – mehr benötigen Sie für die Beantragung nicht. Auch im Nachgang geht es zügig weiter, so informiert Sie die Pflegekasse innerhalb von 25 Arbeitstagen über den Pflegegrad.

Schritt 1 – Formular bereitlegen: Die Pflegekasse ist für verschiedene Leistungen zur Unterstützung Pflegebedürftiger zuständig, dazu zählt beispielsweise die Verhinderungspflege. Doch bevor Sie sich mit den einzelnen Leistungen näher beschäftigen, die Ihren Alltag vereinfachen, müssen Sie sich den „Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung“ zurechtlegen. Diesen erhalten Sie in der Regel auf der Webseite der Pflegekasse als Download. Alternativ können Sie die Pflegekasse auch um die Formular-Zusendung bitten. Im Anschluss füllen Sie das Formular vollständig aus – hier müssen Sie einige persönliche Angaben machen und erhalten die Möglichkeit, in einem Zug Leistungen wie Pflegesachleistungen oder Pflegegeld zu beantragen. Sie sind mit dem Formular fertig? Dann senden Sie es per Post an die Pflegekasse.

Schritt 2 – Warten Sie auf den Pflegebegutachtungstermin: Die Pflegekasse entscheidet zwar über den Pflegegrad, benötigt dafür allerdings Informationen zur Einschränkung der Selbstständigkeit. Diese liefert die Pflegebegutachtung, die durch Gutachter des Medizinischen Dienstes durchgeführt wird. Innerhalb kürzester Zeit nach der Antragstellung macht dieser mit Ihnen einen Termin zur häuslichen Begutachtung aus.

Schritt 3 – Lesen Sie den Pflegekassen-Bescheid aufmerksam: Innerhalb von 25 Arbeitstagen erhalten Sie Post von der Pflegekasse. Der entsprechende Bescheid informiert Sie darüber, welcher Pflegegrad Ihnen zugesprochen wurde. Die Leistungen für den jeweiligen Pflegegrad stehen Ihnen nun zur Verfügung. Sollten Sie mit der Zuteilung nicht einverstanden sein, können Sie einen Widerspruch bei der Pflegekasse einlegen. Hier ist es wichtig, dass der Widerspruch schriftlich und innerhalb eines Monats erfolgt.

Höheren Pflegegrad nach Herzinfarkt beantragen

Die Pflegebedürftigkeit bleibt selten über lange Zeit gleich. Sie ändert sich beispielsweise durch hinzukommende Erkrankungen, Alterungsprozesse oder wenn sich eine Krankheit verschlimmert. Ob und inwieweit das auf Sie nach einem Herzinfarkt zutrifft, kann nicht pauschal beurteilt werden. Haben Sie den Eindruck, dass bei Ihnen nun deutlich mehr Zeit auf die Pflege entfällt und sich diese mit den bereits beanspruchten Leistungen nicht mehr so gut abdecken lässt wie früher, können Sie einen Höherstufungsantrag bei der Pflegekasse stellen. Dafür greifen Sie auf ein bekanntes Formular zurück: den „Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung“. Sie füllen alles wie gewohnt aus, machen jedoch das Kreuz diesmal bei dem Feld „Höherstufungsantrag“. Das Verfahren zur Feststellung der verbliebenen Selbstständigkeit wird nun erneut angestoßen – das macht auch eine wiederholte Pflegebegutachtung notwendig. Oft lohnt sich ein Höherstufungsantrag, denn dadurch erhalten Betroffene und pflegende Angehörige bei einem positiven Entscheid meist deutlich mehr Unterstützung.

Kann ich einen Pflegegrad für meinen Angehörigen nach einem Herzinfarkt beantragen?

Hat der Herzinfarkt schwere Folgen, kann sich das entscheidend auf die Kognition oder die physischen Fähigkeiten auswirken. Unter Umständen sind Personen dann geistig oder körperlich nicht mehr in der Lage, einen entsprechenden Antrag auszufüllen. In dem Fall können Angehörige das für ihr Familienmitglied tun. Um der Pflegekasse zu signalisieren, dass eine dazu berechtigte Person den Antrag ausgefüllt hat, legen Angehörige dem Antrag eine Vollmacht bzw. Vorsorgevollmacht bei. Pflegende Angehörige fragen sich häufig, ob sie für sich selbst auch einen Pflegegrad beantragen können, wenn die Pflege sehr zeitintensiv ist. Das ist jedoch nicht möglich. Stattdessen erhalten Sie vonseiten der Pflegekasse tatkräftige Unterstützung, beispielsweise durch den Entlastungsbetrag oder die Tages- und Nachtpflege.

Pflegebegutachtung nach einem Herzinfarkt: Ablauf und Kriterien

Ob jemand die entsprechende Einschränkung der Selbstständigkeit für einen Pflegegrad mitbringt, entscheidet die Pflegekasse üblicherweise nicht anhand der Aktenlage, sondern mit der sogenannten Pflegebegutachtung. Dieser Termin läuft stets gleich ab, egal, aus welchem Grund ein Versicherter den Pflegegrad-Antrag stellt. Der Gutachter, der den Versicherten nach vorheriger Terminvereinbarung im häuslichen Umfeld besucht, sieht sich verschiedene Lebensbereiche, auch Module genannt, an. Entscheidend ist, wie viel Unterstützung der Antragsteller hier benötigt, zum Beispiel bei der Mobilität oder Selbstversorgung.

Folgende Tabelle zeigt Ihnen die verschiedenen Module, die bei der Pflegebegutachtung im Mittelpunkt stehen.

Modul
Modulbezeichnung Mögliche
Fragen/Themen
1 Mobilität Hat eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder andere Erkrankung Auswirkungen auf die Mobilität – fällt es dem Betroffenen beispielsweise schwer, die Treppen zu erklimmen?
2 Kognitive und kommunikative Fähigkeiten Kann der Antragsteller uneingeschränkt kommunizieren und sich orientieren?
3 Verhaltensweisen und psychische Problemlagen Gibt es Anzeichen für psychische Probleme wie ausgeprägte Ängste oder einen sozialen Rückzug?
4 Selbstversorgung Ist der Versicherte dazu in der Lage, sich alleinig zu versorgen, wenn es beispielsweise um die Körperpflege oder Nahrungszubereitung geht?
5 Umgang mit krankheits- und behandlungsbedingten Anforderungen Stellt die eigenständige Medikamenteneinnahme ein Problem dar und klappt die Wahrnehmung von Arztterminen?
6 Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte Kann der Betroffene seinen Alltag selbst gestalten, Geplantes umsetzen und soziale Kontakte pflegen?

Tabelle 2: Kriterien bei der Pflegebegutachtung. Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Pflegebegutachtung: Worauf muss ich achten? | gesund.bund.de und Das Begutachtungsinstrument | Pflegebedürftigkeit und Pflegebegutachtung | Medizinischer Dienst Bund (md-bund.de)

Die Module werden aber nicht nur grob beurteilt, sondern verfügen über verschiedene Einzelkriterien. So steigt der Gutachter in jeden Lebensbereich tief ein und erhält ein umfassendes Bild von dem Hilfsbedarf. Den Kriterien werden anschließend Punkte zugeordnet, daraus ergibt sich später eine Gesamtpunkteanzahl, die auf den Pflegegrad hindeutet. Da die Fähigkeit zur Selbstversorgung den Alltag entscheidend beeinflusst, wird sie entsprechend stärker gewichtet. Übrigens: Zur Pflegebegutachtung gehört auch die Sichtung medizinischer Unterlagen. Legen Sie am besten Dokumente wie Entlassungsberichte oder Medikamentenpläne bereit.

Zustand nach Herzinfarkt: wie viele Punkte für welchen Pflegegrad?

Damit die Pflegegrade nicht ineinander „verschwimmen“, wird Ihnen eine feste Punkteanzahl zugeordnet.

  • Pflegegrad 1: 12,5 bis unter 27,0 Punkte
  • Pflegegrad 2: 27 bis unter 47,5 Punkte
  • Pflegegrad 3: 47,5 bis unter 70 Punkte
  • Pflegegrad 4: 70 bis unter 90 Punkte
  • Pflegegrad 5: 90 bis 100 Punkte

Welche Leistungen stehen mir nach einem Herzinfarkt zu?

Da es sich bei einem Herzinfarkt um ein medizinisches Ereignis handelt, ist die Krankenkasse der erste Kostenträger, mit denen Patienten in Berührung kommen. Sie übernimmt beispielsweise die Kosten für operative Eingriffe oder die medikamentöse Behandlung. Besteht über die Genesungsdauer hinaus eine Pflegebedürftigkeit, kann die Pflegekasse mit weiteren Leistungen aushelfen.

Was zahlt die Pflegekasse nach einem Herzinfarkt?

Wie ein Patient nach seinem Herzinfarkt dauerhaft untergebracht ist, hängt von den Ressourcen in seinem Umfeld und der verbliebenen Selbstständigkeit ab.

  • Häusliche Pflege nach einem Herzinfarkt: Viele Menschen möchten im Falle einer Pflegebedürftigkeit im häuslichen Umfeld verbleiben. Dafür setzen sich häufig pflegende Angehörige ein. Sie können im Rahmen der häuslichen Pflege Entlastung durch Pflegekassenleistungen wie das Pflegegeld Als Pflegebedürftiger können Sie das Pflegegeld nämlich an ehrenamtlich Pflegende weitergeben. Da es Ihnen zur freien Verfügung steht, können Sie mit dem Pflegegeld aber auch beispielsweise eine Haushaltshilfe oder eine polnische Pflegekraft beschäftigen. Eine weitere oft beantragte Pflegekassenleistung sind die Pflegesachleistungen. Mit dem entsprechenden Budget können Sie einen ambulanten Pflegedienst zu Ihnen nach Hause bestellen.
  • Stationäre Pflege nach einem Herzinfarkt: Ein Herzinfarkt kann weitreichende Folgen haben und eine häusliche Pflege im Einzelfall unmöglich erscheinen lassen. Dann ist eine Unterbringung in einem Pflegeheim denkbar. Die Pflegekasse beteiligt sich an den Pflegekosten, um Betroffene zu entlasten.

Folgende Tabelle zeigt Ihnen das Budget, dass die Pflegekasse für die jeweiligen Leistungen vorsieht – hier wird deutlich, dass der Pflegegrad sich entscheidend auf die Höhe der Leistungen auswirkt.

Pflegegrad
Pflegegeld
Pflegesachleistungen
Vollstationäre Pflege
1 0 € 0 € 0 €
2 316 € 760 € 770 €
3 545 € 1431 € 1262 €
4 764 € 1778 € 1775 €
5 946 € 2200 € 2005 €

Tabelle 3: Übersicht finanzielle Leistungen für Pflegebedürftige. Quelle: eigene Darstellung

Wie können Patienten nach einem Herzinfarkt eine Haushaltshilfe finanzieren?

Den Wäschekorb aus dem Keller nach oben tragen oder die Zubereitung einer Mahlzeit sind für Sie ein unüberwindbares Hindernis? Bereits nach der Erledigung kleiner Haushaltstätigkeiten sind Sie erschöpft? Eine Haushaltshilfe kann Ihnen Routinetätigkeiten abnehmen und Sie im Alltag unterstützen. Oft bedeutet das auch automatisch eine Entlastung für pflegende Angehörige. Keine Sorge, für die Finanzierung stehen Ihnen verschiedene Optionen zur Verfügung. Sie können beispielsweise das Pflegegeld dafür nutzen oder den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro pro Monat einsetzen.

Diese Entlastungsleistungen stehen Menschen nach einem Herzinfarkt zu

Auch wenn Entlastungsleistungen stets Sie als Pflegebedürftigen in den Mittelpunkt rücken, sind sie auch zur Entlastung von Angehörigen vorgesehen. Mit Ihnen können Auszeiten überbrückt werden und sie fördern eine lückenlose qualitative Pflege. Außerdem leisten Entlastungsleistungen einen wichtigen Beitrag, damit pflegende Angehörige Beruf und Pflege unter einen Hut bekommen.

Folgende Entlastungsleistungen stehen zur Verfügung:

  • Tages- und Nachtpflege: Dabei halten Sie sich stundenweise, entweder tagsüber oder nachts, in einer Pflegeeinrichtung auf. Pflegende Angehörige erhalten mit der Tages- und Nachtpflege die Möglichkeit, ihren eigenen Alltag zu organisieren und einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen.
  • Kurzzeitpflege: Trotz großer Bemühungen klappt die Pflege nicht immer im häuslichen Umfeld. Besteht bei Ihnen vorübergehend ein sehr hoher Pflegebedarf oder müssen Ihre eigenen vier Wände an die Pflegesituation angepasst werden, ist die Kurzzeitpflege die optimale Lösung. Dabei halten Sie sich für eine begrenzte Dauer in einer Pflegeeinrichtung
  • Verhinderungspflege: 24 Stunden an sieben Tagen der Woche für Pflegebedürftige da sein – das schaffen die wenigsten Angehörigen. Auch sie können erkranken oder benötigen ab und zu einen Urlaub. Mit der Verhinderungspflege ist es möglich, eine Ersatzpflegekraft zu beschäftigen.
  • Betreuungs- und Entlastungsleistungen: Das von der Pflegekasse bereitgestellte Budget dient hier Entlastungsleistungen wie Betreuungsangeboten oder der Unterstützung durch eine Haushaltshilfe. Achtung: Der Betrag ist zweckgebunden und darf nur für vorgesehene Leistungen eingesetzt werden.

Entlastungsleistungen auf einen Blick

Pflegegrad
Tages- und Nachtpflege
Kurzzeitpflege
Verhinderungspflege
Entlastungsbetrag
1 0 € 0 € 0 € 0 €
2 689 € 1774 € 1612 € 125 €
3 1298 € 1774 € 1612 € 125 €
4 1612 € 1774 € 1612 € 125 €
5 1995 € 1774 € 1612 € 125 €

Tabelle 4: Übersicht Entlastungsleistungen. Quelle: eigene Darstellung

Achtung: Neuerung durch Pflegereform 2024!

Das Entlastungsbudget ist Ihnen womöglich ein Begriff. Es wurde durch die Pflegereform 2024 eingeführt. Allerdings profitieren vorerst nur Pflegebedürftige, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und Pflegegrad 4 oder Pflegegrad 5 besitzen, davon. Sie können insgesamt 3.386 Euro flexibel für die Kurzzeitpflege und die Verhinderungspflege einsetzen – im Jahr 2025 folgt das Entlastungsbudget für alle Pflegebedürftigen.

Gut zu wissen!

Unter Umständen können Sie nach einem Herzinfarkt einen Grad der Behinderung und somit verschiedene Nachteilsausgleiche erhalten. Wenden Sie sich für nähere Informationen und den Antrag an das Versorgungsamt.

Herzinfarkt: Leistungen für Anpassungen in der Wohnung/dem Haus

Wenn die körperlichen Fähigkeiten nach einem Herzinfarkt stark eingeschränkt sind, kann es sinnvoll sein, die Wohnumgebung an die Bedürfnisse anzupassen. Die Pflegekasse bietet auch hier ihre Unterstützung an.

  • Hausnotruf: Mit einem Hausnotrufsystem können Sie mehr Sicherheit im Alltag erlangen. Stürzen Sie beispielsweise, können Sie per Knopfdruck Hilfe verständigen. Von der Pflegekasse erhalten Sie für den Hausnotruf monatlich 25,50 Euro.
  • Pflegehilfsmittel zum Verbrauch: Zu einem hygienischen Pflegeumfeld tragen Pflegehilfsmittel zum Verbrauch bei. Dazu zählen unter anderem Desinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen, Einmalhandschuhe oder Masken. In Form der sogenannten Pflegehilfsmittelpauschale erhalten Sie monatlich 40 Euro.
  • Wohnraumanpassung: Ist nach einem Herzinfarkt die Anpassung der Pflegeumgebung ratsam, können Sie ebenfalls auf die Hilfe der Pflegekasse setzen. Sie bezuschusst Einzelmaßnahmen mit bis zu 4000 Euro – das Stichwort ist hier „wohnumfeldverbessernde Maßnahmen“.

FAQ: Häufige Fragen zum Pflegegrad nach Herzinfarkt