Am frühen Morgen schwillt das Grundgelenk des großen Zehs plötzlich an, selbst eine sanfte Berührung ist nun äußerst schmerzhaft. So oder so ähnlich könnte ein Gichtanfall aussehen. Die Stoffwechselerkrankung geht aber nicht nur mit akuten Beschwerden einher – es können sich im späteren Verlauf Schäden an den Gelenken ergeben, die den Alltag deutlich erschweren. In dem Fall kann eine Pflegebedürftigkeit vorliegen, die einen Pflegegrad erfordert.

Wir erklären Ihnen, wann Gichtpatienten einen Pflegegrad erhalten können und was ihnen dann von der Pflegekasse zusteht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Menschen mit Gicht erhalten nicht automatisch einen Pflegegrad, hier kommt es auf die Einschränkung der Selbstständigkeit an.
  • Patienten mit Gichtfolgen benötigen oft Unterstützung bei der Grundpflege, der Alltagsgestaltung und der Haushaltsführung.
  • Immer dann, wenn Versicherte über mindestens sechs Monate hinweg oder länger auf Pflege angewiesen sind, bietet sich ein Pflegegrad an.
  • Mit einem Pflegegrad können Gichtpatienten viele Pflegekassenleistungen wie Pflegegeld oder Pflegesachleistungen beanspruchen.

Was ist Gicht?

Bei Gicht handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung. Dabei entzünden sich die Gelenke – Betroffene erkennen das daran, dass die Gelenke anschwellen, sich sehr warm anfühlen und sich rot-bläulich verfärben. Als besonders unangenehm empfinden Patienten nun Berührungen. Als Erstes tritt die Stoffwechselerkrankung meist am Fuß auf, später können weitere Gichtanfälle folgen, die sich an den Knie-, Sprung-, Mittelfuß-, Hand- oder Fingergelenken bemerkbar machen. Die Ursache der schmerzhaften Anfälle sind Entzündungen. Diese wiederum entstehen durch winzige Harnsäurekristalle, die sich insbesondere in den Gelenken absetzen. Dazu kommt es, wenn der Körper zu viel Harnsäure besitzt – entweder aufgrund einer erhöhten Produktion oder aufgrund einer nicht ausreichenden Ausscheidung über die Nieren.[1],[2]

Sind Menschen mit Gicht pflegebedürftig?

Etwa 950.000 Menschen in Deutschland leiden unter der Stoffwechselerkrankung Gicht.1 Die überwiegende Anzahl der Betroffenen hat gelegentlich akute Anfälle. Zwischen den Gichtanfällen können größere beschwerdefreie Zeiträume von Monaten oder sogar Jahren bestehen. Allerdings gibt es auch Patienten, die deutlich häufiger von Gichtanfällen betroffen sind. Kurzum: Die Stoffwechselerkrankung verläuft sehr individuell. Auch die Folgen für den einzelnen Betroffenen sind nicht unmittelbar absehbar. Fest steht jedoch, dass eine unbehandelte Gichterkrankung starke Entzündungen hervorrufen kann, die perspektivisch zu einer Einschränkung der Beweglichkeit und zu einer Verformung der Gelenke führen können. Außerdem können sich die Harnsäurekristalle in der Niere in Form von Nierensteinen absetzen und die Nierenfunktion einschränken. Menschen mit einer Gichterkrankung können, je nach Ausprägung der Beschwerden, also vorübergehend oder bei weitreichenden Folgen dauerhaft auf pflegerische Unterstützung angewiesen sein.

Gicht und Pflegebedarf: Wie beeinflusst die Erkrankung den Pflegebedarf?

Bei der Stoffwechselerkrankung Gicht benötigen Personen mit einem Pflegebedarf vor allem Hilfe bei der Grundpflege. Unter dem Oberbegriff werden pflegerische Maßnahmen in Bezug auf die Ernährung, Mobilisation und Körperpflege zusammengefasst. Ihr Angehöriger kann während eines akuten Gichtanfalls oder infolge von Gelenkveränderungen Unterstützung beim Zähneputzen oder Rasieren benötigen. Vielleicht gelingt es Ihrem Familienmitglied auch nicht mehr, sich die Mahlzeiten selbst zuzubereiten. Unterstützungsbedarf besteht meist auch bei der Haushaltsführung – das Tragen von Einkaufstüten, die Bodenreinigung oder das Staubsaugen fällt mit schmerzenden Gelenken schwer. Viele Patienten mit akuten Beschwerden brauchen eine helfende Hand bei der Mobilisierung. So kann insbesondere das Treppensteigen zu einer Herausforderung werden. Gicht kann den Pflegebedarf auslösen, manchmal besteht aber bereits aufgrund anderer Erkrankungen ein Pflegegrad. Schließlich handelt es sich bei Gicht um eine Wohlstandskrankheit, die sich oft gemeinsam mit Diabetes mellitus, Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhten Blutfettwerten bemerkbar macht.[3] In dem Fall kann die Stoffwechselerkrankung den bereits bestehenden Pflegebedarf deutlich erhöhen. In welchem Umfang, hängt aber maßgeblich von der Ausprägung der Krankheit ab.

Gut zu wissen!

Die Pflege bei Gicht nimmt besondere Rücksicht auf die Ernährung der Patienten, umso die Bildung von Harnsäure zu reduzieren. Eine betont pflanzliche Kost ist besonders empfehlenswert, um Gichtanfällen vorzubeugen.

Pflegegrad bei Gicht: Voraussetzungen und Einstufung

Schmerzende, unbewegliche und verformte Gelenke können selbst einfache Alltagsaufgaben als unüberwindbares Hindernis erscheinen lassen. Besitzt Ihr Angehöriger eine eingeschränkte Selbstständigkeit, ist es daher in jedem Fall ratsam, die Pflegekasse hinzuzuziehen. Sie kann verschiedene Leistungen bewilligen. Eine Grundvoraussetzung ist jedoch ein bestehender Pflegegrad, der den Pflegebedarf des Versicherten widerspiegelt. Doch die Zuteilung eines Pflegegrades ist an verschiedene Voraussetzungen geknüpft.

Pflegegrad bei Gicht: Voraussetzungen

Selbst wenn Ihr Angehöriger im Alltag permanent Unterstützung erhält, steht ihm nicht automatisch ein Pflegegrad zu. Die Verteilung der Pflegegrade gelingt nur bei Menschen, die die nötigen Voraussetzungen erfüllen.

Folgende Voraussetzungen muss Ihr Familienmitglied mitbringen:

  • Ihr Angehöriger hat mit Blick auf die letzten zehn Jahre mindestens zwei Jahre lang Beiträge an die Pflegeversicherung entrichtet oder besaß eine Familienversicherung.
  • Die Selbstständigkeit Ihres Familienmitglieds ist nachprüfbar eingeschränkt und erfordert eine Unterstützung von außen.
  • Ihr Angehöriger ist voraussichtlich über sechs Monate, längerfristig oder dauerhaft auf pflegerische Hilfe angewiesen.

Für Betroffene und pflegende Angehörige ist es meist nicht absehbar, inwiefern die Kriterien erfüllt werden. Keine Sorge, die Pflegekasse übernimmt die Prüfung der Voraussetzungen gemeinsam mit dem Medizinischen Dienst. Alles, was dafür nötig ist, ist ein Antrag auf einen Pflegegrad.

Kann man bei Gicht eine Pflegestufe (Pflegegrad) beantragen?

Menschen, die aufgrund kognitiver, psychischer oder körperlicher Einschränkungen auf Unterstützung angewiesen sind, um ihren Alltag zu bewältigen, können hierzulande einen Pflegegrad erhalten. Die Stoffwechselerkrankung Gicht führt in erster Linie zu körperlichen Beeinträchtigungen, kann aber durch den Leidensdruck auch psychische Erkrankungen auslösen. Wenn Sie der Ansicht sind, dass Ihr Angehöriger in seiner Selbstständigkeit eingeschränkt ist, bietet sich die Beantragung eines Pflegegrades unbedingt an.

Welcher Pflegegrad bei Gicht?

Die Pflegegrade haben im Jahr 2017 die bisher geltenden Pflegestufen abgelöst. Ihr Angehöriger erhält bei einem Pflegebedarf also einen von fünf Pflegegraden. Die Erkrankung selbst bestimmt hier nicht die Höhe des Pflegegrades. Schließlich kann Ihr Familienmitglied mit Gicht einen abweichenden Hilfsbedarf aufweisen, wie ein anderer Patient. Menschen mit Gicht können genauso wie Personen mit Multiple Sklerose oder Dysphagie Pflegegrad 2 besitzen – entscheidend ist hier das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit. Ist Ihr Angehöriger nur ab und zu auf Ihre Unterstützung angewiesen, liegt eine leichte bis überschaubare Pflegebedürftigkeit vor, die meist mit Pflegegrad 1 oder Pflegegrad 2 Berücksichtigkeit findet. Hat die Erkrankung den Alltag fest im Griff, teilt die Pflegekasse Ihrem Familienmitglied womöglich Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 oder Pflegegrad 5 zu.

Einschränkung der Selbstständigkeit
Beispielhafter Hilfsbedarf
Möglicher Pflegegrad
Die Selbstständigkeit ist aufgrund der
Stoffwechselerkrankung leicht bis mittelschwer eingeschränkt.
Patienten benötigen Unterstützung bei körperlich herausfordernden Tätigkeiten,
die im Haushalt oder bei der Besorgung von Einkäufen anfallen. Hin und wieder ist Hilfe bei der Grundpflege gefragt, wie dem Duschen oder Baden.
1-2
Die Selbstständigkeit ist wesentlich eingeschränkt,
gegebenenfalls bestehen weitere Erkrankungen.
Neben dem oben stehenden Unterstützungsbedarf benötigen Betroffene
beispielsweise Hilfe bei der Pflege sozialer Kontakte, der Wahrnehmung von
Arztterminen oder der Medikamenteneinnahme. Die Grundpflege ist fester
Bestandteil des Alltags. Der Gichtpatient ist bei kleinen und großen alltäglichen
Aufgaben auf Hilfe von außen angewiesen.
3-5

Tabelle 1: Eigene Darstellung.

Pflegegrad bei Gicht beantragen

Wenn sich ein klarer Pflegebedarf im Alltag abzeichnet, sollten Sie Ihren Angehörigen dazu motivieren, einen Pflegegrad zu beantragen. Sie können Ihr Familienmitglied bei dem Prozess, der aus der Antragstellung, der Pflegebegutachtung und dem Empfangen des Pflegebescheids besteht, begleiten.

Wann sollte ich einen Pflegegrad bei Gicht beantragen?

Pflegende Angehörige stellen sich oft die Frage, wann der optimale Zeitpunkt gekommen ist, um einen Pflegegrad bei Gicht zu beantragen. Manchmal befürchten Beteiligte, den Antrag zu früh zu stellen und dann eine „Absage“ zu kassieren. Ist der Pflegebedarf jedoch deutlich erkennbar und besteht fortwährend, raten wir Ihnen unbedingt zu einer zeitnahen Beantragung. So gehen Sie sicher, dass Sie und Ihr Angehöriger die Unterstützung erhalten, die sie im Alltag benötigen. Damit beugen Sie auch aktiv einer Überforderung im Pflegealltag vor.

Lohnt sich ein Pflegegrad bei Gicht?

Aus Ihrer Sicht besitzt Ihr Angehöriger nur einen recht überschaubaren Hilfsbedarf? Es reicht beispielsweise aus, wenn Sie den Erkrankten bei der Medikamenteneinnahme, bei der Wahrnehmung von Arztterminen und der Haushaltsführung begleiten? Hier kann sich trotzdem ein Pflegegrad bei Gicht lohnen. Bereits ab Pflegegrad 1 stehen Ihrem Angehörigen viele Leistungen wie der Entlastungsbetrag, die Pflegehilfsmittel zum Verbrauch und die Pflegeberatung zur Seite. Einer späteren Höherstufung steht bei Zunahme des Pflegebedarfs nicht im Weg – so kann Ihr Familienmitglied in wenigen Monaten oder einigen Jahren auch Pflegegrad 2 oder höher erhalten.

Woran erkenne ich bei meinem Angehörigen eine Pflegebedürftigkeit bei Gicht?

Hat ein Mediziner bei Ihrem Angehörigen die Stoffwechselerkrankung Gicht diagnostiziert, bedeutet das nicht automatisch eine Pflegebedürftigkeit. Mit Medikamenten und weiteren Therapieansätzen bekommen Betroffene die Symptome nicht selten so gut in den Griff, dass sie (zunächst) nicht auf Hilfe von außen angewiesen sind. Hellhörig sollten Sie werden, wenn Sie bemerken, dass Ihr Angehöriger sich zurückzieht und beispielsweise der Körperpflege oder Ernährung nicht mehr richtig nachkommt.

Folgendes kann auf eine Pflegebedürftigkeit im Alltag hindeuten:

  • Die Ernährung fällt schwer – Ihr Angehöriger kann sich die Mahlzeiten nicht mehr selbst zubereiten oder das Essen zum Mund führen.
  • Aufstehen, Hinsetzen, Gehen oder Treppensteigen ist eine große Herausforderung.
  • Die Körperpflege, zum Beispiel das Rasieren, Duschen oder Zähneputzen, gelingt nicht mehr ohne fremde Hilfe.
  • Die Haushaltsführung, beispielsweise das Wäschewaschen oder Aufräumen, fällt aufgrund der schmerzenden Gelenke schwer.
  • Betroffenen gelingt es nicht, den Alltag selbstständig zu organisieren und soziale Kontakte zu pflegen.
  • Es bestehen psychische Probleme, ausgeprägte Ängste oder Depressionen beeinträchtigen das Alltagsgeschehen.

So beantragen Sie einen Pflegegrad bei Gicht

Die Pflegekasse steht Ihnen als Ansprechpartner bei allen Themen rund um die Pflege und Pflegeleistungen zur Verfügung. Möchte Ihr Angehöriger einen Pflegegrad beantragen, richtet er den Antrag direkt an die Pflegekasse.

Pflegegrad bei Gicht: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Ein Formular, etwa 10 Minuten Zeit und maximal 25 Arbeitstage Geduld – das ist alles, was Antragsteller für einen Pflegegrad-Antrag benötigen.

Schritt 1 – Formular übermitteln: Im ersten Schritt helfen Sie Ihrem Angehörigen dabei, das richtige Formular zu finden. Suchen Sie auf der Webseite der Krankenkasse nach dem „Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung“. Dieser steht online meist als Download bereit. Drucken Sie das Formular aus, alternativ können Sie sich den Antrag auch von der Pflegekasse zusenden lassen. Anschließend machen Sie mit Ihrem Angehörigen alle erforderlichen Angaben. Die Pflegekasse fragt beispielsweise einige persönliche Informationen ab und bringt in Erfahrung, wer sich um die Pflege kümmert. Vergessen Sie die Unterschrift nicht. Danach senden Sie das Formular an die Pflegekasse.

Schritt 2 – Pflegebegutachtung begleiten: Die Pflegekasse teilt zwar den Pflegegrad zu, muss dafür aber zuvor genau in Erfahrung bringen, wie stark der Antragsteller in seiner Selbstständigkeit eingeschränkt ist. Dabei hilft die Pflegebegutachtung. Gutachter des Medizinischen Dienstes kommen dazu nach vorheriger Terminabstimmung in das häusliche Umfeld Ihres Angehörigen.

Schritt 3 – Empfangen Sie den Pflegekassen-Bescheid: Die Pflegekasse ist dazu angehalten, zügig über einen Pflegegrad zu entscheiden. Dafür hat sie insgesamt 25 Arbeitstage Zeit. Danach erhält Ihr Angehöriger Post. Bei Bewilligung eines Pflegegrades kann er umgehend auf die Pflegekassenleistungen zugreifen. Achtung: Sind Sie der Ansicht, dass der zugeteilte Pflegegrad nicht zu dem Pflegeaufkommen passt, kann Ihr Angehöriger innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch bei der Pflegekasse einlegen.

Höheren Pflegegrad bei Gicht beantragen

Ihr Angehöriger kam bisher mit Pflegegrad 2 gut zurecht, doch plötzlich nimmt die Beweglichkeit der Gelenke ab und der Pflegebedarf deutlich zu? Das ist keine Seltenheit. Immer dann, wenn sich durch fortschreitende Erkrankungen, hinzukommende Krankheiten oder Alterungsprozesse der Pflegeaufwand erhöht, ist ein Höherstufungsantrag sinnvoll. Füllen Sie mit Ihrem Angehörigen erneut den „Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung“ aus und machen Sie mit einem Kreuz an der richtigen Stelle deutlich, dass es sich um einen Höherstufungsantrag handelt. Das Verfahren geht nun von vorne los, eine erneute Pflegebegutachtung ist jetzt notwendig.

Gut zu wissen!

Ein Pflegetagebuch gibt einen guten Überblick über den Pflegebedarf. Die Aufzeichnungen können auch verdeutlichen, ob der pflegerische Aufwand in letzter Zeit gestiegen ist.

Kann ich einen Pflegegrad für meinen Angehörigen bei Gicht beantragen?

Sind die Gelenke schmerzhaft oder stark verformt, kann das die Fähigkeit zum Schreiben deutlich einschränken. In dem Fall können Sie die Antragstellung übernehmen. Dabei bleibt alles gleich, nur dass Sie den Antrag ausfüllen und an die Pflegekasse senden. Achtung: Vergessen Sie nicht, eine Vollmacht bzw. eine Vorsorgevollmacht beizulegen. Einen Pflegegrad für sich selbst können Sie übrigens nicht beantragen – dieser ist einzig für Menschen mit Beeinträchtigung der Selbstständigkeit vorgesehen. Besitzt Ihr Angehöriger jedoch einen Pflegegrad, können auch Sie eine deutliche Entlastung im Alltag erfahren, beispielsweise durch die Tages- und Nachtpflege.

Pflegebegutachtung bei Gicht: Ablauf und Kriterien

Mit der Pflegebegutachtung machen sich Gutachter des Medizinischen Dienstes direkt vor Ort ein Bild von der Einschränkung der Selbstständigkeit. Das direkte Aufeinandertreffen ermöglicht einen tieferen Einblick in das Pflegegeschehen als eine Entscheidung nach Aktenlage und Telefonat, was eher unüblich ist. Die Pflegebegutachtung läuft bei jedem erwachsenen Antragsteller gleich ab, der eigentliche Grund für den Antrag spielt hier zunächst keine Rolle. Die Pflegebegutachtung rückt verschiedene Lebensbereiche, auch als Module bezeichnet, in den Vordergrund. Der hier bestehende Hilfsbedarf ist entscheidend für die Beurteilung.

Folgende Tabelle gibt Ihnen einen Überblick über die Module.

Modul
Modulbezeichnung Mögliche
Fragen/Themen
1 Mobilität Wie klappt die Mobilität im Alltag? Gelingt es Ihrem Angehörigen beispielsweise, die Treppen ohne Hilfe hinabzusteigen?
2 Kognitive und kommunikative Fähigkeiten Bestehen Probleme bei der Orientierung oder Kommunikation?
3 Verhaltensweisen und psychische Problemlagen Zeigt Ihr Familienmitglied Anzeichen für psychische Probleme – bestehen beispielsweise Ängste oder anhaltende, tiefe Trauer?
4 Selbstversorgung Gelingt es Ihrem Angehörigen, sich selbst zu versorgen, also Körperpflege zu betreiben oder sich Nahrung zuzubereiten?
5 Umgang mit krankheits- und behandlungsbedingten Anforderungen Klappt die eigenständige Einnahme von Medikamenten und die Wahrnehmung von Arztterminen bzw. Therapieangeboten?
6 Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte Ist Ihr Familienmitglied dazu fähig, den Alltag selbst zu gestalten und soziale Kontakte zu pflegen?

Tabelle 2: Kriterien bei der Pflegebegutachtung. Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Pflegebegutachtung: Worauf muss ich achten? | gesund.bund.de und Das Begutachtungsinstrument | Pflegebedürftigkeit und Pflegebegutachtung | Medizinischer Dienst Bund (md-bund.de)

Anstatt die Module nur grob „abzuklappern“, beurteilt der Gutachter sie mithilfe von verschiedenen Einzelkriterien. Auch Gespräche und die Sichtung medizinischer Unterlagen wie Entlassungsberichte oder Medikamentenpläne gehören zu einer Pflegebegutachtung. Als Ergebnis der Pflegebegutachtung entsteht eine Gesamtpunkteanzahl, die den Pflegegrad begründet.

Pflegegrad bei Gicht: wie viele Punkte für welchen Pflegegrad?

Damit alle Beteiligten wissen, wo der eine Pflegegrad anfängt und der andere endet, ist jedem von ihnen eine Punkteanzahl zugeordnet.

  • Pflegegrad 1: 12,5 bis unter 27,0 Punkte
  • Pflegegrad 2: 27 bis unter 47,5 Punkte
  • Pflegegrad 3: 47,5 bis unter 70 Punkte
  • Pflegegrad 4: 70 bis unter 90 Punkte
  • Pflegegrad 5: 90 bis 100 Punkte

Welche Leistungen stehen mir bei Gicht zu?

Bei der Versorgung Ihres Angehörigen sind gleich mehrere Kostenträger involviert. Für Therapiemaßnahmen ist die Krankenversicherung zuständig. Die Pflegekasse übernimmt, wenn sich eine Pflegebedürftigkeit durch die Folgen einer Gichterkrankung eingestellt hat – sie ermöglicht dann ein Bündel an Maßnahmen.

Was zahlt die Pflegekasse bei Gicht?

Bei einer Pflegebedürftigkeit gibt es zunächst zwei Unterbringungsformen: Patienten können eine Pflege im häuslichen Umfeld oder eine stationäre Pflege, beispielsweise in einem Pflegeheim erhalten. Vielleicht haben auch Sie sich für die häusliche Pflege entschieden. Ihrem Angehörigen stehen dann das Pflegegeld zur freien Verfügung und/oder die Pflegesachleistungen für die Beauftragung eines ambulanten Pflegedienstes zu. Haben andere Erkrankungen oder die Gicht weitreichende Folgen, ist eine häusliche Versorgung vielleicht nicht mehr möglich. Für die vollstationäre Pflege sieht die Pflegekasse ein festes Budget, in Abhängigkeit von dem vorliegenden Pflegegrad, vor.

Folgende Tabelle listet Ihnen die verschiedenen Leistungen für die pflegerische Versorgung auf.

Pflegegrad
Pflegegeld
Pflegesachleistungen
Vollstationäre Pflege
1 0 € 0 € 0 €
2 332 € 760 € 770 €
3 572 € 1431 € 1262 €
4 764 € 1778 € 1775 €
5 946 € 2200 € 2005 €

Tabelle 3: Übersicht finanzielle Leistungen für Pflegebedürftige. Quelle: eigene Darstellung

Wie können Patienten bei Gicht eine Haushaltshilfe finanzieren?

Wenn Sie einen Patienten mit Gicht fragen, was ihm im Alltag am schwersten fällt, erhalten Sie wahrscheinlich einen Hinweis auf die Haushaltsführung. Die Mobilisierung während akuter Schübe oder mit verformten Gelenken ist bei vielen Betroffenen eingeschränkt. Eine Haushaltshilfe unterstützt bei der Zubereitung von Mahlzeiten, beim Einkaufen, beim Reinigen der Wohnung, beim Wäschewaschen und vielem mehr. So müssen Sie und Ihr Angehöriger sich nicht um die Routinetätigkeiten kümmern. Für die Finanzierung kann Ihr Familienmitglied den Entlastungsbetrag (125 Euro) oder das Pflegegeld (Höhe abhängig vom Pflegegrad) nutzen.

Diese Entlastungsleistungen stehen Menschen mit Gicht zu

Entlastungsleistungen entlasten nicht nur Pflegebedürftige, sondern auch pflegende Angehörige entscheidend. Durch sie ist die pflegerische Versorgung auch in Ausnahmesituationen gesichert. Außerdem ermöglichen Entlastungsleistungen eine Auszeit für ehrenamtlich Pflegende.

Folgende Entlastungsleistungen bietet die Pflegekasse an:

  • Tages- und Nachtpflege: Viele pflegende Angehörige sind zwischen der Pflege und ihrem beruflichen Alltag hin und hergerissen. Die Tages- und Nachtpflege kann hier Abhilfe schaffen. Dabei erhält Ihr Familienmitglied stundenweise eine pflegerische Versorgung in einer speziellen Einrichtung.
  • Kurzzeitpflege: Auch wenn die Pflege ansonsten im häuslichen Umfeld erfolgt, kann es vorübergehende Engpässe geben. Die Kurzzeitpflege ist beispielsweise eine Lösung, wenn akut eine ausgeprägte Pflegebedürftigkeit besteht oder das Pflegeumfeld zunächst hergerichtet werden muss. Auch hier hält sich Ihr Angehöriger für eine bestimmte Zeit in einer Pflegeeinrichtung auf.
  • Verhinderungspflege: Immer ansprechbar sein, Unterstützung zeitnah zur Verfügung stellen und die eigenen Pläne auch mal über Bord werfen – pflegende Angehörige leisten im Alltag viel. Mit der Verhinderungspflege können Sie sich eine Auszeit gönnen, eine Ersatzpflegekraft übernimmt dann für die Zeit.
  • Betreuungs- und Entlastungsleistungen: Das Entlastungsbudget ist für spezielle Entlastungsleistungen wie Betreuungsangebote oder die Bezahlung einer Haushaltshilfe vorgesehen. Das Beste: Es steht Ihrem Angehörigen bereits ab Pflegegrad 1 zur Verfügung.

Entlastungsleistungen auf einen Blick

Pflegegrad
Tages- und Nachtpflege
Kurzzeitpflege
Verhinderungspflege
Entlastungsbetrag
1 0 € 0 € 0 € 125 €
2 689 € 1774 € 1612 € 125 €
3 1298 € 1774 € 1612 € 125 €
4 1612 € 1774 € 1612 € 125 €
5 1995 € 1774 € 1612 € 125 €

Tabelle 4: Übersicht Entlastungsleistungen. Quelle: eigene Darstellung

Achtung: Vorgezogenes Entlastungsbudget ab 2024!

Pflegebedürftige, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und eine ausgeprägte Pflegebedürftigkeit aufweisen (Pflegegrad 4 oder Pflegegrad 5), können durch das vorgezogene Entlastungsbudget profitieren. Die Pflegereform 2024 hat bewirkt, dass die Personengruppe über 3.386 Euro verfügen kann – diesen Betrag könnte Ihr Angehöriger dann flexibel für die Verhinderungspflege oder Kurzzeitpflege einsetzen. Erst im Jahr 2025 profitieren alle übrigen Pflegebedürftigen von dem Entlastungsbudget.

Gut zu wissen!

Neben dem Pflegegrad können Sie gemeinsam mit Ihrem Angehörigen auch prüfen, ob eventuell ein Grad der Behinderung vorliegt. In dem Fall hätte Ihr Familienmitglied Anspruch auf verschiedene Nachteilsausgleiche. Für nähere Informationen wenden Sie sich am besten an das für Sie zuständige Versorgungsamt.

Gicht: Leistungen für Anpassungen in der Wohnung/dem Haus

Ein barrierefreies Wohnen ist eine Wunschvorstellung für viele ältere Personen und bietet sich vor allem im Falle einer Pflegebedürftigkeit an. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, Anpassungen in der Wohnumgebung umzusetzen, die Rücksicht auf die Einschränkungen nehmen. Auch hier können Sie auf die Unterstützung der Pflegekasse hoffen.

  • Hausnotruf: Mit einem Hausnotrufsystem kann Ihr Angehöriger schnell Hilfe verständigen, wenn ein Ernstfall eintritt. Stürzt Ihr Familienmitglied beispielsweise, reicht dafür ein Knopfdruck aus. Die Pflegekasse beteiligt sich an dem Hausnotruf mit monatlich 25,50 Euro.
  • Pflegehilfsmittel zum Verbrauch: Ein hygienisches Pflegeumfeld hilft dabei, Infektionskrankheiten vorzubeugen und das Wohlbefinden zu stärken. Unser Tipp: Nehmen Sie die Pflegehilfsmittelpauschale in Höhe von 40 Euro pro Monat in Anspruch. Damit können Sie für Ihr Familienmitglied Einmalartikel wie Desinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen, Einmalhandschuhe oder Masken
  • Wohnraumanpassung: Die sogenannten wohnumfeldverbessernden Maßnahmen gestalten den Pflegealltag einfacher – Barrieren werden abgebaut und Freiräume gestärkt. Die Pflegekasse bietet dafür einen Zuschuss in Höhe von bis zu 4000 Euro pro Einzelmaßnahme an.

FAQ: Häufige Fragen zum Pflegegrad bei Gicht