Häusliche Pflege – Alles zum Thema

Glückliche Seniorin schaut ihre Tochter oder Enkelin an

Die häusliche Pflege wird von vielen pflegebedürftigen Personen gegenüber einer stationären Pflege bevorzugt. Die Pflege zu Hause bietet den Pflegebedürftigen Lebensqualität und Selbstbestimmtheit, alles in gewohnter Umgebung. Aus diesem Grund wollen wir Ihnen einen allgemeinen Überblick geben, was die häusliche Pflege beinhaltet:

  • Begriffserklärung „häusliche Pflege“
  • Leistungsanspruch und Geltendmachung
  • Begriffserklärung „Pflegebedürftigkeit“
  • Pflegeleistungen

Begriffserklärung „häusliche Pflege“

Der Ausdruck „häusliche Pflege“ beschreibt die pflegerische und hauswirtschaftliche Versorgung pflegebedürftiger Menschen in häuslicher Umgebung. Pflegebedürftige befinden sich demnach nicht in einer teil- oder vollstationären Einrichtung. Dennoch ist die Pflege zu Hause nicht nur durch Familienangehörige oder andere Personen aus dem sozialen Umfeld des Pflegebedürftigen möglich, auch professionelle Pflegekräfte können mit der Pflege beauftragt werden. Es ist also unerheblich, ob die pflegende Person eine pflegerische Ausbildung absolviert hat oder nicht. Darüber hinaus besteht seit 2005 die Möglichkeit polnische Pflegekräfte, also Pflegerinnen aus dem osteuropäischen Raum, anzustellen und mit der Pflege zu betrauen. Generell kann die häusliche Pflege also durch verschiedene Personengruppen verrichtet werden:

  • Pflegende Angehörige, Freunde und gute Bekannte
  • Ambulante Pflegedienste
  • Andere private, lokale Dienstleistungsunternehmen (auch osteuropäischer Firmen)

Anspruch auf häusliche Pflege und Geltendmachung

Antrag auf Erteilung einer Pflegestufe mit Taschenrechner, Brille und Stift, Kuli

Die  häusliche Pflege hat grundsätzlich Vorrang vor der stationären Pflege innerhalb der Pflegeversicherung (SGB XI) und des Sozialrechts (SGB XII). Daraus ergibt sich ein Leistungsanspruch des Pflegebedürftigen gegenüber der Pflegeversicherung (Pflegekasse) oder dem Sozialträger. Als Anspruchsgrundlage muss bei der pflegebedürftigen Person mindestens eine erhebliche Pflegebedürftigkeit (Pflegestufe 1) bestehen. Anzumerken ist, dass bei Demenzkranken oder Behinderten eine geringe Pflegebedürftigkeit ausreicht.

Um Ansprüche gegenüber der Pflegeversicherung oder beim Sozialhilfeträger geltend zu machen, muss ein entsprechender Antrag bei einem der Leistungsträger beantragt werden. Nach Antragstellung wird ein Gutachter des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) beauftragt die Pflegebedürftigkeit bei einem Hausbesuch festzustellen.

Die Bearbeitungszeit des Antrags beträgt zwei Wochen, wenn der Pflegebedürftige in häuslicher Umgebung gepflegt werden soll. Wird die Frist von der zuständigen Pflegekasse nicht eingehalten, ist sie verpflichtet pro angefangene Woche 70€ an den Antragsteller zu zahlen. Dies gilt allerdings nicht, wenn die Pflegekasse die Verzögerung nicht selbst verschuldet hat.

Begriffserklärung „Pflegebedürftigkeit“

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Unter dem Begriff „Pflegebedürftigkeit“ werden Personen zusammengefasst, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit bzw. Behinderung in erheblichem Maße Hilfe bedürfen. Diese Hilfe muss in Form von einer grundpflegerischen und einer hauswirtschaftlichen Versorgung geleistet werden. Innerhalb der Grundpflege werden drei verschiedene Bereiche unterschieden: Körperpflege, Ernährung und Mobilität. Außerdem muss die Pflegebedürftigkeit dauerhaft (mindestens sechs Monate) bestehen. Innerhalb der Pflegebedürftigkeit wird zwischen verschiedenen Pflegestufen unterschieden:

Pflegestufe 1: erhebliche Pflegebedürftigkeit

Personen mit der Pflegestufe 1 benötigen mindestens einmal täglich Hilfe bei der Durchführung von wenigstens zwei Verrichtungen aus nur einem oder gleich mehreren Bereichen der grundpflegerischen Versorgung. Mehrmals die Woche benötigt der Pflegebedürftige darüber hinaus hauswirtschaftliche Unterstützung. Der Zeitaufwand für die Ausführung der anfallenden Hilfsleistungen beträgt mindestens 90 Minuten pro Tag. Mindestens 46 der 90 Minuten entfallen dabei auf die Grundpflege.

Pflegestufe 2: Schwerpflegebedürftigkeit

Menschen mit der Pflegestufe 2 haben einen erhöhten Hilfsbedarf, was bedeutet, dass die Hilfe bei Verrichtungen der Grundpflege zeitintensiver und umfassender ist. Mindestens dreimal täglich wird Hilfe bei mindestens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen der Grundpflege benötigt. Genau wie bei Pflegestufe 1 wird mehrmals wöchentlich Unterstützung bei der hauswirtschaftlichen Versorgung gebraucht. Der Zeitaufwand beträgt mindestens 180 Minuten pro Tag. Dabei entfallen wenigstens 120 Minuten auf die grundpflegerische Versorgung.

Pflegestufe 3: Schwerstpflegebedürftigkeit

Den höchsten Betreuungsbedarf benötigen Personen mit der Pflegestufe 3. Sie sind auf eine intensive Hilfe bei der Grundpflege angewiesen – jederzeit, auch nachts. Mehrfach die Woche muss zudem Unterstützung bei der hauswirtschaftlichen Versorgung geleistet werden. Der tägliche Zeitaufwand beläuft sich auf mindestens fünf Stunden, von denen vier auf die Grundpflege entfallen. In besonders schweren Fällen spricht man von einer erweiterten Pflegestufe 3, allgemein hin als Härtefall bekannt.

Pflegestufe 0: erhebliche Alltagskompetenz

Im Allgemeinen bedeutet der Begriff „Pflegestufe 0“, dass eine pflegebedürftige Person an einer erheblichen Alltagskompetenz leidet. Von einer erheblichen Alltagskompetenz wird gesprochen, wenn eine Person z.B. an Demenz oder einer anderen geistigen Behinderung leidet. Generell besteht ein Hilfsbedarf bei der grundpflegerischen und hauswirtschaftlichen Versorgung, jedoch nicht dem Maße, dass per Definition mindestens Pflegestufe 1 notwendig ist.

Pflegereform 2017

Im Rahmen des zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II) wird der Pflegebedürftigkeitsbegriff neu definiert und ein neues Begutachtungsassesment  (kurz NBA) eingeführt. Statt den Zeitaufwand für die Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung zu begutachten, wird dann die Selbstständigkeit in verschiedenen Bereichen des alltäglichen Lebens der pflegebedürftigen Person eingeschätzt. Aus den bisher vier bestehenden Pflegestufen werden dann fünf Pflegegrade. Die Pflegereform tritt zum 01.01.2017 in Kraft.

Pflegeleistungen

Für Pflegebedürftige ergeben sich, je nach Pflegestufe verschiedene Leistungsansprüche in monetärer Form für unterschiedliche Zwecke gegenüber der zuständigen Pflegekasse.

Ein entscheidender Faktor, der die Leistungsansprüche maßgeblich beeinflusst, ist die Entscheidung, ob sich ein ambulanter Pflegedienst oder ein (ehrenamtlicher) Angehöriger um die Pflegeversorgung kümmert.

Pflegesachleistungen

Entscheiden sich Pflegebedürftige für die pflegerische Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst, können von der Pflegekasse Pflegesachleistungen in Anspruch genommen werden. Entsprechend der Pflegestufen verteilen sich die Geldleistungen wie folgt:

Pflegestufe 0: 231€

Pflegestufe 1: bis zu 468€

Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz: bis zu 689€

Pflegestufe 2: bis zu 1.144€

Pflegestufe 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz: bis zu 1.298€

Pflegestufe 3: bis zu 1.612€

Pflegestufe 3 mit eingeschränkter Alltagskompetenz: bis zu 1.612€

(Härtefälle: 1.995€)

Folgende Pflegeleistungen werden von den ambulanten Pflegediensten erbracht:

  • Grundpflege
  • Hauswirtschaftliche Versorgung
  • Beratung
  • Betreuungsleistungen

Pflegegeld

Wird die pflegebedürftige Person von Angehörigen, Freunden oder ehrenamtlichen Betreuern gepflegt, besteht ein Anspruch auf Pflegegeld, das sich je nach Pflegestufe, wie folgt verteilt:

Pflegestufe 0: 123€

Pflegestufe 1: 244€

Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz: 316€

Pflegestufe 2: 458€

Pflegestufe 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz: 545€

Pflegestufe 3: 728€

Wohnungsumfeldverbessernde Maßnahmen

In manchen Fällen sind Wohnraumanpassungen von Nöten, um die eigenen vier Wände an die neuen Pflegeumstände anzupassen. Das erleichtert das Leben für den Pflegebedürftigen und die Pflegeperson gleichermaßen. Zu wohnungsumfeldverbessernden Maßnahmen gehören z.B. der Umbau des Badbereichs, Entfernung von Türschwellen, Anpassung der Küchenausstattung, usw. Der maximale Erstattungsbetrag der Pflegekassen beträgt 4.000€ je Maßnahme.

Pflegehilfsmittel

Pflegebedürftige mit Pflegestufe haben einen gesetzlichen Anspruch auf die Kostenübernahme von zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmitteln in Höhe von bis zu 40€ pro Monat. Voraussetzung ist, dass die Pflege zu Hause oder in einer Wohngemeinschaft von Angehörigen oder einer privaten Pflegeperson erfolgt (§ 40 Abs. 2 SGB XI).

Mit Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch sind Bettschutzeinlagen, Einmalhandschuhe, Fingerlinge, Desinfektionsmittel, Schutzschürzen und Mundschutze gemeint.

Personen mit einer Pflegestufe haben gemäß §40 SGB VI einen monatlichen Anspruch auf Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, im Wert von 40 Euro, wenn sie privat, von Angehörigen oder Freunden gepflegt werden. Wir übernehmen hierfür gerne alle Formalitäten und versenden Ihren Pflegehilfsmittel noch heute! Stellen Sie sich jetzt Ihre individuell Pflegebox zusammen:

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Hilfsmittel wie Rollatoren und Badewanneneinsätze zählen zu den technischen Pflegehilfsmitteln und müssen bei der Krankenkasse beantragt werden. Technische Hilfsmittel sind zuzahlungspflichtig. Der zuzuzahlende Betrag beläuft sich auf 10% der Kosten des Hilfsmittels, überschreitet jedoch einen Wert von 25€ nicht.

Kurzzeitpflege

In manchen Fällen sind Menschen für kurze Zeit auf vollstationäre Pflege angewiesen. Aus diesem Grund gibt es die Kurzzeitpflege. Während der Kurzzeitpflege wird die Hälfte des Pflegegeldes für bis zu acht Wochen weitergezahlt.

Darüber hinaus zahlen die Pflegekassen einen Zuschuss von 1.612€. Dieser Pauschalbetrag wird unabhängig von der Pflegestufe gezahlt. Der monetäre Anspruch auf die Pauschale besteht nur, wenn im laufenden Kalenderjahr noch keine Verhinderungspflege in Anspruch genommen wurde.

Verhinderungspflege

Verhinderungspflege wird beansprucht, wenn die pflegenden Angehörigen auf eine Vertretung angewiesen sind. Gründe dafür können Krankheit, Urlaub oder Arztbesuche sein. Manchmal ist Verhinderungspflege nur für ein paar Stunden notwendig, manchmal jedoch auch für Tage oder Wochen. Jährlich besteht ein Anspruch auf sechs Wochen Verhinderungspflege, die mit einer Pauschale von 1.612€ von der Pflegekasse unterstützt wird.

Kombinationsleistungen sind möglich. Das bedeutet, dass je nach Bedarf innerhalb eines Kalenderjahres die Kurzzeit- und Verhinderungspflege kombiniert werden dürfen.

Pflegezeit

Für pflegende Angehörige besteht die Möglichkeit Pflegezeit in Anspruch zu nehmen. Damit pflegende Angehörige genug Zeit für die Pflege haben, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine längere Auszeit vom Beruf genommen werden. Die sogenannte Pflegezeit kann für bis zu sechs Monate genutzt werden. Es besteht ein rechtlicher Anspruch, wenn der Betrieb, in dem der pflegende Angehörige arbeitet, mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigt.

Familienpflegezeit

Neben der Pflegezeit können pflegende Angehörige auch Familienpflegezeit beantragen. Möchten pflegende Angehörige ihre Arbeitszeit reduzieren, um sich ausreichend um die pflegebedürftige Person zu kümmern, besteht die Möglichkeit Familienpflegezeit in Anspruch zu nehmen. Pflegende Angehörige können dann ihre Arbeitszeit für bis zu 24 Monate reduzieren, jedoch nur wenn im Betrieb mehr als 25 Mitarbeiter angestellt sind und die wöchentliche Mindestarbeitszeit nicht weniger als 16 Stunden beträgt.