Das Hilfsmittelverzeichnis ist ein enorm wichtiges Instrument, um die Krankenpflege, Altenpflege und Gesundheitspflege zu erleichtern. Im Hilfsmittelverzeichnis werden zahlreiche Hilfsmittel, die für das tägliche Leben notwendig sein können, strukturiert aufgelistet. Dadurch kann ganz genau geregelt werden, welche davon von der Pflegeversicherung, also der Pflegekasse, und welche von der Krankenversicherung, also der Krankenkasse, übernommen werden. Außerdem dient das organisierte Produktverzeichnis als ausgezeichnete Referenz für Ärzte, Pflegekräfte, pflegende Angehörige und Pflegebedürftige gleichermaßen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Hilfsmittelverzeichnis listet Hilfsmittel die Versicherten bei Krankheit oder Pflegebedürftigkeit zur Verfügung stehen
  • Das Verzeichnis enthält mehr als 30.000 Produkte
  • Der Hilfsmittelkatalog ist die Variante für Privatversicherte
  • Gelistete Hilfsmittel werden ggf. von der Krankenkasse oder Pflegekasse übernommen

Was ist das Hilfsmittelverzeichnis?

Die Grundlage des Hilfsmittelverzeichnisses bildet §139 des fünften Sozialgesetzbuches, kurz SGB V. Beim Hilfsmittelverzeichnis handelt es sich um eine gut strukturierte Auflistung aller Hilfsmittel aus dem Gesundheits- und Pflegebereich. Mehr als 30.000 Hilfsmittel sind derzeit gelistet. Gepflegt wird das Hilfsmittelverzeichnis, genauer gesagt das GKV-Hilfsmittelverzeichnis, bei gesetzlich Versicherten vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen, kurz GKV-Spitzenverband. Außerdem kann man es auch bei REHADAT einsehen. Für Privatversicherte gibt es den sogenannten Hilfsmittelkatalog. Inwieweit die jeweiligen Betroffenen Ansprüche haben, auf die darin enthaltenen Artikel, hängt jedoch vom entsprechenden Tarif ab, der mit der privaten Krankenversicherung geschlossen wurde.

Hilfsmittelverzeichnis – Produktgruppen

Das Hilfsmittelverzeichnis umfasst ungefähr 2.600 Produktarten und insgesamt etwa 32.500 Produkte. Die Bestandteile des Hilfsmittelverzeichnisses werden mit Hilfe sogenannter Produktgruppen, kurz PG, unterteilt. Es gibt folgende Produktgruppen:

  • PG1: Absauggeräte
    • z. B. Sekret-Absauggeräte, Milchpumpen
  • PG2: Adaptionshilfen
    • z. B. Armunterstützungssysteme, Anziehhilfen, Ess- und Trinkhilfen, Rutschfeste Unterlagen, Greifhilfen, Halter/Halterungen/Greifhilfen für Produkte der Körperhygiene, Schreibhilfen, Lesehilfen, Behindertengerechte Bedienelemente für elektrische Geräte
  • PG3: Applikationshilfen
    • z. B. Spritzen, Pens, Insulinpumpen, Infusionspumpen, Spritzenpumpen, Spülsysteme, Transnasale Ernährungssonden, Ernährungspumpen, Zubehör
  • PG4: Bade- und Duschhilfen
    • z. B. Badewannenlifter, Badewannensitze, Duschhilfen, Badewanneneinsätze, Sicherheitsgriffe, Aufrichtehilfen
  • PG5: Bandagen
    • z. B. Verschiedene Bandagen aus flexiblen Materialien
  • PG6: Bestrahlungsgeräte
    • z. B. Verschiedene Strahlungen, wie Gamma- und Röntgenstrahlen
  • PG7: Blindenhilfsmittel
    • z. B. Blindenstöcke, elektronische Hilfsmittel
  • PG8: Einlagen
    • z. B. Stützende Einlagen, Bettungseinlagen zur Entlastung, stützende, korrigierende oder entlastende Schaleneinlagen, Einlagen mit Korrekturbacken
  • PG9: Elektrostimulationsgeräte
    • z. B. Diverse Elektrostimulations- und Elektrotherapiegeräte
  • PG10: Gehhilfen
    • z. B. Gehgestelle, Gehwagen, fahrbare Gehhilfen mit Unterarmauflagen
  • PG11: Hilfsmittel gegen Dekubitus
    • z. B. Verschiedene Liegehilfen, Matratzen, Lagerungssysteme
  • PG12: Hilfsmittel bei Tracheostoma und Laryngektomie
    • z. B. Trachealkanülen
  • PG13: Hörhilfen
    • z. B. Verschiedene Hörgeräte
  • PG14: Inhalations- und Atemtherapiegeräte
    • z. B. Aerosol-Inhalationsgeräte, Sauerstofftherapiegeräte, Hilfsmittel zur Ohrbelüftung, Atemtherapie zur Schleimlösung, bzw. -elimination, Beatmungsgeräte zu intermittierenden und lebenserhaltenden Beatmung, Geräte zur Behandlung schlafbezogener Atmungsstörungen, Masken zur Adaption, respiratorischer Systeme, Atemgasbefeuchter
  • PG15: Inkontinenzhilfen
  • PG16: Kommunikationshilfen
  • PG17: Hilfsmittel zur Kompressionstherapie
    • z. B. Medizinische Kompressionsstrümpfe für Beine und Arme, Hilfsmittel zur Narbenkompression, Apparate zur Kompressionstherapie
  • PG18: Kranken-/ Behindertenfahrzeuge
    • z. B. Duschrollstühle, Toilettenrollstühle, Schieberollstühle, Rollstühle mit manuellen Antrieben, Elektrorollstühle, Elektromobile, Rollstühle mit besonderen Vorrichtungen, Rollstuhlantriebe, Treppenfahrzeuge, Reha-Wagen, behinderungsgerechte Sitzelemente, Zubehör
  • PG19: Krankenpflegeartikel
    • z. B. behindertengerechte Betten, behindertengerechtes Bettenzubehör, Bettzurichtungen, Stechbecken
  • PG20: Lagerungshilfen
  • PG21: Messgeräte für Körperzustände, bzw. -funktionen
    • z. B. Lungenfunktionsmessgeräte, Blutdruckmessgeräte, Blutgerinnungsmessgeräte, Blutzuckermessgeräte, Personenwaagen
  • PG22: Mobilitätshilfen
    • z. B. Umsetz- und Hebehilfen, Aufstehhilfen, Lifter, Rampensysteme
  • PG23: Orthesen/Schienen
  • PG24: Beinprothesen
  • PG25: Sehhilfen
    • z. B. Brillengläser, Kontaktlinsen, vergrößernde Sehhilfen
  • PG26: Sitzhilfen
    • z. B. Sitzschalen, modulare Kindersitzsysteme, Therapiestühle, Autositze für Kinder mit Behinderungen
  • PG27: Sprechhilfen
    • z. B. Sprachverstärker, Tonerzeuger, elektronischen Sprechhilfen, Stimmersatzhilfen
  • PG28: Stehhilfen
    • z. B. Stehständer, Schrägliegebretter
  • PG29: Stomaartikel
  • PG31: Schuhe
    • z. B. Orthopädische Maßschuhe, Therapieschuhe, orthopädische Schuhzurichtungen an Konfektionsschuhen, diabetesadaptierte Fußbettungen für Menschen, die an Diabetes erkrankt sind, Zehen- und Mittelfußersatz
  • PG32: Therapeutische Bewegungsgeräte
  • PG33: Toilettenhilfen
    • z. B. Toilettensitze, Toilettenstützgestelle, Toilettenaufstehhilfen, Toilettenstühle, WC-Aufsätze mit Wascheinrichtung
  • PG34: Haarersatz
  • PG35: Epithesen
    • Vor allem zum optischen Ausgleich, nicht als Ersatz für Gliedmaßen, bzw. deren Funktionen
  • PG36: Augenprothesen
    • z. B. Kunstaugen
  • PG37: Brustprothesen
  • PG38: Armprothesen
  • PG50: Pflegehilfsmittel zur Erleichterung der Pflege
    • z. B. Pflegebetten, Pflegbettzubehör, Bettzurichtungen zur Pflegeerleichterung, spezielle Pflegebetttische, Sitzhilfen zur Pflegeerleichterung, Rollstühle mit Sitzkantelung, Lagekorrekturhilfen für Bettlaken
  • PG51: Pflegehilfsmittel zur Körperpflege, Hygiene und zur Linderung von Beschwerden
    • z. B. Bettpfannen, Urinschiffchen, Urinflaschen, wiederverwendbare saugende Bettschutzeinlagen, Waschsysteme, Lagerungsrollen
  • PG52: Pflegehilfsmittel zur selbständigeren Lebensführung und Mobilität
    • z. B. Hausnotruf, bzw. Hausnotrufsysteme, Gehhilfen, Rollatoren
  • PG53: Pflegehilfsmittel zur Linderung von Beschwerden
    • z. B. Lagerungsrollen zur Entlastungslagerung oder und Lageveränderung
  • PG54: Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel
    • Bettschutz zum Einmalgebrauch
    • Desinfektionsmittel
    • Händedesinfektion
    • Flächendesinfektion
    • Einmalhandschuhe, bzw. Einweghandschuhe
    • Fingerlinge
    • Schutzschürzen
    • Mundschutz
  • PG98: Sonstige Pflegehilfsmittel
  • PG99: Verschiedenes
    • z. B. Kopfschutzsysteme, Läuse- und Nissenkämme, Kiefermuskeltrainer

Was ist der Hilfsmittelkatalog?

Der Hilfsmittelkatalog stellt die Variante der privaten Krankenversicherungen, oder genauer gesagt der privaten Pflegeversicherungen bzw. Pflegekassen, zum Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen dar.

Ähnlich wie das Hilfsmittelverzeichnis beruht auch der Hilfsmittelkatalog auf §139 des fünften Sozialgesetzbuches, kurz SGB V. Der Hilfsmittelkatalog ist eine gut strukturierte Auflistung aller Hilfsmittel, die im Rahmen der Pflege, egal ob Behandlungspflege oder Grundpflege, zum Einsatz kommen können. Sie werden im Hilfsmittelkatalog nicht nur aufgelistet, sondern auch kategorisiert, wobei zusätzlich noch festgelegt wird in welchem Umfang Kosten übernommen werden.

Hilfsmittelkatalog vs. Hilfsmittelverzeichnis

Der Hilfsmittelkatalog ist die Alternative der privaten Pflegeversicherungen gegenüber dem Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherungen, welches vom GKV-Spitzenverband verwaltet wird. Der Zweck beider Instrumente ist prinzipiell derselbe. Es geht darum im Hilfsmittelkatalog alle womöglich notwendigen Hilfsmittel aufzulisten und zu kategorisieren. Das Ziel ist dabei die Versorgung von Menschen mit Pflegebedürftigkeit oder anderen Einschränkungen. Wichtig zu beachten ist jedoch und das stellt einen Unterschied zum Hilfsmittelverzeichnis dar, dass der Hilfsmittelkatalog, dadurch, dass er von privaten Versicherungen herausgegeben wird, weniger Restriktionen unterliegt. Genauer gesagt, während das Hilfsmittelverzeichnis keine bindende Positivliste darstellt, kann es beim Hilfsmittelkatalog der jeweiligen privaten Krankenversicherung vorkommen, dass etwas nicht in der Form aufgelistet ist und man auch keine Chance hat das jeweilige Hilfsmittel dann zu beziehen. In diesem Sinne ist es umso wichtiger sich alle Modalitäten eines Tarifes durchzulesen, um dann die bestmögliche Entscheidung bei der Wahl des Versicherers treffen zu können.

Darüber hinaus gibt es sogenannte offene Hilfsmittelkataloge und geschlossene Hilfsmittelkataloge. Der geschlossene Hilfsmittelkatalog legt genau fest welche Hilfsmittel, zu welchem Zweck und in welcher Ausführung eingesetzt werden dürfen, während ein offener Hilfsmittelkatalog mehr Handlungsspielraum zulässt und zwar durch eine offene Beschreibung der jeweiligen Hilfsmittel.

Produktgruppen im Hilfsmittelkatalog

Es gibt keinen einheitlichen Hilfsmittelkatalog. Nichtsdestotrotz orientiert sich ein jeder Hilfsmittelkatalog, unabhängig davon welcher private Versicherer diesen erstellt hat und ob dieser offen oder geschlossen ist, an den Produktgruppen bzw. den Hilfsmitteln, die auch im Hilfsmittelverzeichnis enthalten sind.

Hilfsmittelverzeichnis – Kostenübernahme

Grundsätzlich ist der erste Schritt auf dem Weg zu Ihrem Hilfsmittel immer der Besuch beim Vertragsarzt. Sprechen Sie den Fachmann auf das Hilfsmittel an, das Sie gerne haben möchten, bzw. von dem Sie profitieren würden. Sollte der Arzt ebenfalls zu dem Schluss kommen, dass das entsprechende Produkt hilfreich ist, dann wird er Ihnen ein Rezept ausstellen. Das besagte Rezept muss dann bei der Krankenkasse, zusammen mit einem entsprechenden Antrag, eingereicht werden. Sobald die Kostenübernahme für das Hilfsmittel erteilt worden ist, empfiehlt die Krankenkasse in der Regel auch ein passendes Sanitätshaus, in dem es gekauft werden kann. An dieser Stelle sollte man auf jeden Fall beachten, dass es zu Wartezeiten kommen kann, denn nicht jedes Hilfsmittel ist in der individuell benötigten Ausführung sofort verfügbar. Sobald Sie Ihr Hilfsmittel erhalten haben, sollten Sie Ihren Eigenanteil bei der Krankenkasse begleichen. Dieser beträgt 10 Prozent des Kaufpreises und maximal 10 Euro. Bitte vergessen Sie nicht, dass das Sanitätshaus für etwaige Reparaturen zuständig ist. Dasselbe gilt für eine Einweisung vor dem Erstgebrauch des Hilfsmittels.

Sonderfall Pflegehilfsmittel

Pflegehilfsmittel, genauer gesagt Pflegehilfsmittel zum Verbrauch stellen eine Ausnahme dar und zwar in zweierlei Hinsicht. Erstens ist nicht die Krankenkasse für die Übernahme von Pflegehilfsmitteln zuständig, sondern die Pflegeversicherung. Zweitens werden Pflegehilfsmittel monatlich übernommen und zwar im Wert von 40 Euro. Die Bedingungen für die Kostenübernahme sind einerseits das Vorhandensein eines Pflegegrades, egal ob nun Pflegegrad 1, Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 oder Pflegegrad 5 und andererseits muss die betroffene Person im Rahmen der häuslichen Pflege, also der Pflege zu Hause, nicht nur, aber auch von einem pflegenden Angehörigen versorgt werden.

TIPP: Ist ein Pflegegrad vorhanden, fällt es oft schwer die passenden Pflegehilfsmittel selbst zu besorgen. Bestellen Sie jetzt Ihre Wunschauswahl an Pflegehilfsmitteln online bei Sanubi. Der Bestellvorgang dauert keine 2 Minuten, Sie können online unterschreiben und erhalten Ihre Ware schon innerhalb der nächsten zwei Werktage. Anders als andere Anbieter warten wir nicht auf die Kostenübernahme. Uns liegt Ihre Versorgung am Herzen!

Kostenübernahme Hilfsmittelkatalog

Grundsätzlich können nur Hilfsmittel übernommen werden, die auch im Hilfsmittelkatalog aufgelistet ist. Somit stellt das entsprechende Nachschlagen des gewünschten Hilfsmittels den ersten Schritt auf dem Weg zur Kostenübernahme dar. Hat man das gewünschte Produkt im Hilfsmittelkatalog gefunden, kann man es bei der Versicherung beantragen. Der genaue Prozess unterscheidet sich dabei je nachdem bei welcher privaten Pflegeversicherung man einen Tarif abgeschlossen hat. Mitunter kann ein Attest vom Hausarzt oder einem anderen Arzt, bzw. einem Facharzt notwendig sein oder die Chancen auf eine Kostenübernahme erhöhen. Hat man den Antrag eingereicht, gilt es die Reaktion abzuwarten. In vielen Fällen ist eine Zuzahlung vom Versicherten nötig, auch wenn eine Übernahme der Kosten vorliegt. In der Regel liegt diese dann bei etwa 10 Prozent der Gesamtkosten.

Das Hilfsmittelverzeichnis ist keine bindende Positivliste

Das Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes ist ein wichtiges Instrument für die Versorgung von Menschen, bei denen eine Pflegebedürftigkeit festgestellt wurde. Nichtsdestotrotz handelt es sich dabei um keine bindende Positivliste. In anderen Worten, nur weil ein Hilfsmittel nicht im Hilfsmittelverzeichnis aufgeführt wird, heißt das nicht, dass sich die Krankenkasse automatisch weigern kann die Kosten dafür zu übernehmen. Dies hat der Bundessozialgerichtshof in einem Grundsatzurteil vom 03.08.2006 festgelegt und es hat bis heute Bestand. Trotzdem ist das Hilfsmittelverzeichnis eine tolle Referenz, sowohl für die Leistungserbringer, als auch diejenigen, die von deren Leistungspflicht Gebrauch machen. Sanubi rät, dass man sich in jedem Fall damit vertraut macht und sich in die verschiedenen, systematisch, gelisteten Hilfsmittel einliest. Insbesondere wenn man pflegebedürftige Menschen in seinem Umfeld hat oder selbst auf Pflegeleistungen zurückgreift.